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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-05-21 · Heft 21 (21.5.1920) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 21 (21.5.1920)
Date
1920-05-21
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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s fot-ion im demokratischen Geiste mti> unter Zurückstellung aller organisatorischen Rivalitäten. In dieser Resolution heißt es: „Die Delegierten erheben die Forderung, daß das Verhältnis der führenden jüdischen Organisationen Deutschlands nicht durch Unstimmigkeiteu persönlicher Natur getrübt werde, da die gegenwärtige Lage des deutschen Judentums mehr denn je eine Zusammenfassung aller Kräfte zu sachlicher Arbeit dringend erforderlich macht." Weiter erörterte die Vertreterversammlung wichtige Fragen der Jugendvereinsarbeit. Die Delegierten erhoben die Forderung, daß alle Bezirksverbände des Jugendverbandes der Sehnsucht der jüdischen Jugend nach reger Wan der - und Sportbetätigung vollauf gerecht werden, und zwar durch Ausbau der örtlichen Wandergruppen zu losen Bezirkswanderorganisationen. Die Verbandsleitung wurde ersucht, Zusammenkünfte der Führer der Bezirkswanderorganisationen zu ermöglichen. Die Delegierten sprachen sich dagegen aus. das Wandern in der freien Natur, das ein Gegengewicht gegen materialistische Denküngsweise bieten soll, zu agitatorischen! Zwecken auszumchen. Angesichts der Wucht der antisemitischen Bewegung forderte k der Vertretertag, gleichzeitig mit Rücksicht auf die Palästina-Erklärung der Ententemächte, daß angesichts der bedauerlichen Zersplitterung des deutschen Judentums der Gedanke der Gemeinsamkeit aller I u d e n i n Deut s ch l a nd in den Jugendvereinen intensiv gepflegt werde. Die Führer der Jugendvereine sollen möglichst oft zu Bezirkstagungen Zusammentreten, um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Bei der Beschickung der Delegiertentage wie bei der Wahl der Beratungsgegenstände soll besonderes Gewicht auf diejenigen Fragen gelegt werden, welche die jüngste Jugend bewegen. Die Bildung von besonderen I u g e n d l i ch e n g r u p p e n ist nach Möglichkeit zu fördern und eine stete Verjüngung der Vereins>- leitungen zu beachten. Die Delegiertentagung machte es allen Verbandsvereinen zur Pflicht, durch Ausbail des S e l b st - b est e u e r nn g sf o n d s des Gesamtverbandes die Mittel 31t schaffen, welche eine rege Neisetätigkeit sowie Herallsgabe der Verbandszeitschrift und die N n a b häng i g fett der Bewegung gewährleisten. Die Tagung verlief sehr befriedigend und angeregt. Die erörterten Fragen werden die Einzelvereine noch weiter beschäftigen. §2 Heilbronn, 14. Mai. Seit etwa einem Jahre finden hier jeden Donnerstag im Aimtshause des israelitischen Kirchenvorsteheramts die Wochenkonferenzen und Fortbildungskurse der Religio nslehrer des Rabbinatsbezirkes statt, denen sich auch einige Lehrer aus den Nachbarbezirken angeschlossen haben. Die Leitung liegt in den Händen des Bezirksrabbiners Tr. Beer mann, der in völlig uneigennütziger Weise diese große Arbeit bei seinem sonstigen ausgedehnten Wirken übernommen hat. Er leitet jede Sitzung mit einem Vortrag über ein, pädagogisches oder allgemein-jüdisches Thema ein. Besonders wird die Methodik des Religionsunterrichts dabei ergiebig berücksichtigt. Wer auch sonstige den Lehrerstand bewegende Fragen kommen zur Verhandlung. So wurde eine Reihe von Vorträgen: „Zur Lehr' und Wehr im Kampfe gegen den Judenhaß" geboten. Auch die mit dem Lehramte hier verknüpften Funktionen des Vorbetens und Schächtens fanden gebührende Berücksichtigung in Darbietungen, die sich mit Problemen aus diesen Gebieten befaßten. Dem Referat folgte stets eine freie, lebhafte Aussprache, aus der oft wertvolle Anregungen für die Amtspraxis erwuchsen. Dann wavrdm zur Fortbildung Psakmenauslegung und Mi-schna-Traktat B'rachot mit besonderer Berücksichtigung der Liturgiegeschichte in überaus klarer und fesselnder Weise von unserem Dozenten, dem obengenannten Herrn Bezirksrabbiner, vorgetragen. Es dürfte die Einrichtung, die sich hier so gilt bewährt hat, auch sonst Nacheiserung finden. Schwei-. Z. Zürich, 1,3. Mai. Am 9. d. M. feierte die Augnstin- Keller-Loge, benannt nach denr aargauischen Politiker und Staatsmann, der sich seinerzeit für die Emanzipation der schweizerischen Juden so marin eingesetzt hat, ihr zehnjähriges, Stiftungsfest. Präsident in diesem Jahre ist Herr Max Weil-Brüll. Die Züricher Loge umfaßt 120 Brüder und ist die zweite Gründung des Unabhängigen Ordens Bne Brith in der Schweiz. Neben ihr besteht noch die Basel- Loge, die über 50 Mitglieder zählt. Die Gründung der Augustin- Keller-Loge, die, wie alle anderen Ortsgruppen, sich durch eine Auslese zu bilden und zu vermehren .sucht und einen exklusiven gesellschaftlichen Charakter trägt, hat vor zehn Jahren fast zu thut Spaltung der Züricher Judenschaft geführt. Die Meinungskämpfe, die sich daran anschlossen, führten zu heftigen Debatten im Schoße der Israelitischen Kultusgemeinde, die noch lange Jahre nachwirkten. Auf die oppositionelle Stellung derjenigen, welche in der Errichtung der Loge ein Symptom des Unfriedens für die Gemeinde erblickten, geht die Bildung der „Freien Vereinigung" von Mitgliedern der Israelitischen Kultusgemeinde zurück, die noch heute unter der Führung des Kantonsrates Dr. Farbstein steht. Immerhin haben sich die Wogen der Aufregung nach zehn Jahren schon gelegt, und die Keller-Loge kann ans ein ansehnliches Wirken auf dem Gebiete der Wohltätigkeitsbestrebungen, wie sie die Grundsätze der Bne Brith vorschreiben, zurücksehen. Unter anderem entsprang ihrer Initiative die Gründung eines „Jüdischen Schwesternheims", das Bemittelten und Unbemittelten in Krankheitsfällen Pflegerinnen zur Verfügung stellt, ebenso die Gründung von Ferienkolonien für erholungsbedürftige Kinder der schweizerischen jüdischen Familien. Ungarn. Z. Budapest, im Mai. Nach denr Sturze der Proletarierdiktatur, die dem jüdischen Loben in Ungarn so manche schwere Wunde geschlagen, trat besonders an die Pester Israelitische Religionsgemeinde die bedeutende Aufgabe heran, die „Wiederbelebung" des jüdischen Lebens, die Kräst'gung des „althergebrachten jüdischen Geistes" anzubahnen. Obwohl sich dieser Aufgabe unermeßliche, schier unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenstellten, schritt die Sektion für Zeremonienangelegenheiten unter Führung des Präses-Stellvertreters der Gemeinde, des unermüdlichen und für die Sache des Judentums begeisterten Dc. Alexander Lederer, mit rastlosem Eifer an die Lösung dieser schwierigen Ausgabe. Was sie bisher auf diesem Gebiete ge.eistet und was sie noch zu leisten beabsichtigt, geht aus einem Interview hervor, das das jüdische Organ „Egyenlösog" mit Dr. Alexander Lederer gehabt hat und dem wir solgende Details von allgemeinem Interesse entnehmen: Wir arbeiten, bemerkte der Leiter der Zeremoniensektion. Wir wollen einlösen, was wir versprochen, wollen erfüllen, was wir unternommen haben. Unsere Arbeit ist keine leichte, doch wir bewältigen sie, denn mit uns arbeitet die ganze Gemeinde . . . man mit der Bezeichnung „neolog" als ungläubig, irreligiös hinzustellen liebt, die aber in ihrem Kern aus dollem Herzen religiös ist und religiös sein will. . . . Unsere jüngsten Verfügungen lassen sich in solgende Punkte zusammensassen: 1. Gottesdienste für die Frauen. Es ist eine wichtige Aufgabe, die jüdische Frau wieder für die Rel'givn, für den Tempel zurückzuerobern. Kanu es doch henke leider nicht mehr bezweifelt werden, daß die in Verbindung mit der Irreligiosität auftauchenden Uebelstände, besonders die Taufen, in erster Reihe auf die Entfremdung der jüdischen Frauen vom Tempel zurückzuführen sind. Es gilt, die jüdischen Frauen und 'ihre Gesellschaft ans die Bahnen der Anhänglichkeit an das Judentum zurückzuführeu, und hierzu bildet der Tempel das zlveckentsprecheudste Mittel . . . Dieser großen Aufgabe dienen die Sondergottesdienste für die Frauen. Diese Gottesdienste werden zwischen Pessach und Schewuoth j.den Samstag um fünf Uhr nachmittags im Tempel in >der Tabakgasse als vollständige, mit Predigt verbundene Ntinchagottesdienstle abgehalten und sollen stufenweise auch auf die übrigen Tempel ausgedehnt lverden. 2. N a m e n s e r t e i l u n g für neugeborene M ä d ch e n. Diese soll in der Weise erfolgen, daß an jedem neumondverkündenden Schabboth die. Mütter u.nd die betreffenden Familien im Tempel erscheinen und die Namensertei.'nng vor der Thora, von einer Festrede und einem Mischeberach des Rabbiners gefolgt, erfolgen soll. Diese Verfügung, die dazu geeignet sein dürfte, eine größere Anzahl von Familien im Tempel zu vereinigen, wird unverzüglich 'in sämtlichen Tempeln eingeführt. 3. Die I n g e n d g 0 t t e 8 d i e n st e. Die bisher schon bewährte Institution der Jugendgottesd''enste soll in der Weise erweitert werden, daß in den Lehranstalten der Gemeinde für die Knaben jeden Freitag- und Feiertagabend, am Vorabend von Chamlka und Purim vollständige Abendgottesdienste, jeden Samstag und Feiertag vollständige obligatorische Mu-ssaPh-Gottesdienste mit voller Thoravorlesung und Predigt, an jenen Tagen, cm denen der Unterricht, auch nachmittags erfolgt, nach den Schulstunden überdies Mincha- und Maariw-Gottesdienste abgehalten werden. Für Mädchen findet jeden Samstag ein vollständiger Mussaph-Gottesdienst mit Vorlesung eines Teiles der Wöchensidra und mit Exhortation statt. Die

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