Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1920)
- Date
- 1920-05-21
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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einige jüdische Blatter gesunden. .Dies veranlaßt uns stol^rzdes richtigzustellen: In der Nacht vom 2. zum 3. d. M. ist ein Zögling aus der Anstalt entwichen und bisher noch nicht ergrissen worden. Weitere Entweichungen von Zöglingen sind aber nicht vorgekomlnen. Derartige bedauerliche Vorkommnisse -sind trotz größter Vorsicht nicht vermeidbar. Berlin, 18. Mai. Die Iüdi s che Siedelungsgen o s s e n s ch a s t zu Berlin, die auf ihren» Grundstücken in Halbe in der Mark ein Landjugendheim errichtete, in welchem Knaben von 10 bis 16 Jahren zum landwirtschaftlichen Beruf erzogen werden, die ferner bereits sechs junge jüdische Landwirte, vier Gärtnerinnen und einen Gärtner gemeinsam mit dem Bodenkulturverein ansiedelte, errichtete nunmehr eine jüdische Wandervogel-Herberge in Halbe an der Görlitzer Bahn, die allen jüdischen Wandervögeln zur Verfügung steht. Halbe ist Ausgangspunkt für Spreewaldtouren. Es wäre zu wünschen, daß auch von dieser segensreichen Einrichtung, die unsere Jugend wenigstens auf Tage aus dem Großstadtleben flüchten läßt, in recht ausgiebiger Weise Gebrauch gemacht würde. Eventuelle Anmeldungen sind an die Leitung des Landjugendheims in Halbe (Mark) zu richten. §2 Berlin, 18. Mai. Im Anschluß an den Aufenthalt von Frau Anni.tta M ü l l e r . der Organisatorin des jüdischen Hilsswevts in Wien, in Berlin wird demnächst e ne allgemeine „Jüdische Hilfe für das jüdische Kind" unternommen werden, an der sich aller Voraussicht nach sämtliche großen jüdischen Organisationen beteiligen werden. Als einen Vorläufer dieser Hilfsaktion kann man den Aufruf ansehen, den E. Z. Klötzel in der letzten Nummer seiner Jugeud-zeitschrist „Bar Kochba" (Weltverlag, Berlin NW 7) an t'iic jüdischen Kinder richtet, um von seinen Abonnenten eine Spende von 10 000 Mark füc ihre notleidenden Altersgenossen zu sammeln. — Königsberg, 14. Mau Der „Israelitische Frauenverein für Krankenpfl.'g) und Beerdigung" hatte am 21. v. M. seine diesjährige Hauptversammlung. Die erste Vorsitzende, Frau Clara Arendt, erstattete Bericht über die Tätigkeit des Vereins, die hauptsächlich darin besteht, den Kranken und Bedürftigen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu Helsen. Den Kassenbericht erstattete Herr Schluszewer; er gab Anskunst über die eingegangenen Spenden und Mitgliederbeiträge, über, die Ausgaben und den jetzigen Vermögensstand des Vereins. Sodann drückte Frau A r e n d t ihr tiefes Bedauern über den Verlust aus, den der Verein durch den Fortzug der Frau Tr. Vogelstein erleidet. Während ihrer 21jährigen Tätigkeit hat sie durch Organisationstalent, klugen Rät und stete Hilfsbereitschaft dem Verein unschätzbare Dienste erwiesen; der Vorstand ernannte Frau Dr. Vögelst-ein zum Ehrenmitgliede des Vereins. In den Vorstand wurde neu gewählt Frau Henriette Herr mann. er. Bad Warmbrrrnn i. Schl., 14. Mai. Das Jüdische Kurhos.pital hat in der Kurzeit des Jahres 1919 insgesamt 62 Kranke ausgenommen, von denen 28 völlig unentgeltlich, 34 gegen eine geringe Entschädigung ausgenommen wurden, die jedoch zur Bestreitung der Ausgaben nicht ausreichte. Das Kurhospital fand im abgelauseneu Jahre eine Anzahl von Gönnern und Förderern und auch aus öffentlichen Mitteln einige Unterstützung. Die Jahresbeiträge der Mitglieder beliefen sich auf 400 Mark, einmalige Beiträge erbrachten 330 Mark: von verschiedenen jüdischen Gemeinden gingen 1400 Mark, von Krankenpflegevereinen, Logen, Stiftungen und anderen Organisationen etwa 650 Mark ein; von Badegästen wurden 820 Mark gespendet. Tie Abrechnung schließt mit einem Fehlbetrag, für den ein Ausgleich gefunden werden muß. — Breslau, 14. Mai. lieber one interessante Rechtsfrage, die den Gegenstand einer von mehreren Gemein dem ilgliedern bei dem Regie.ru'ngspräfidenten gegen die Feststellung des Wahlergebnisses erhobenen Rechtsbeschwerde behandelt, berichtet die hier. er-- scheinende „Jüdische Vvlkszeitungch Man wird sich erinnern, daß bei den Wahlen am 7. Mirz d. I. die Liberale Partei. 1998, die Vereinigten jüdischen Parteien 818 Stimmen erhielten. Tie Liberalen halten also etwas weniger als 5/-, die Vereinigten jüdischen Parteien etwas mehr als -/? aller, abgegebenen Stimmen. Ta inl ganzen 21 Repräsentanten zu wählen mannein., so hätte man meinen sollen, daß die eine Partei 6/t 15, die andere 2/7 — 6 Plätze erhielt, da bekanntlich Proport io nalwmhlr.echl gilt. Gleichwohl siel die Feststellung des Wahlergebnisses anders aus. Zwar lautet 8 9 der Wahlordnung: „Die Wahl erfolgt nach den Grundsätzen der Verhältniswahl zur Deutschen Niatioualversainm- TstnA." In 8 13. dieser selben Wahlordnung heißt es aber: „Zum Zwecke der Verteilung werden die auf die Wahl vor sch läge entfallendenStimnWhlennacheinanher durch 2, 3, 4, 5 usw. geteilt und von ^den so gefundenen Teilzahlen -Ja viele Höchstzahlen der Größe nach äusgesondert, als Repräfentante'n und Stellvertreter zu loähle-n sinh." Diese Bestimmung weicht von dem in § 9 zitierten Wahlrecht zur Deutschen Nalio.nälvexsammktng insofern ab, als das letztere die Teilung durch I„ 2, 3, 4, 5 ustv. vor sieht. Tie Zahl 1 ist also im Wahlstatut! der Synagogengeinei nde weggelassen. Diese scheinbar unbedeutende "Auslassung halte in Wahrheit bedeutende Folgen. Während nämlich die bei den Wahlen zur- Deutschen, Nationa.lversummlung angewandte (von dem Belgier de Hon dl erfundene) Methode der Berechnung nach m-ache malischen Grundsätzen zu einer wirklich richtig proportionalen Berücksichtigung aller Parteien führt, tritt mit derselben mathematischen Notwendigkeit eine Benachteiligung der> Minorität ein, wenn die Teilimg durch 1, d. h. die Verwertung «der Grundzahlen^ selbst, unterbleibt. Die folgende einfache Tabelle, welche das hiesige Wahlergebnis zur Grundlage hat, möge dies erläutern: Lib. Dgte. jüd. Part. Lib. Vgte. jüd. Part. 1 : 1998 818 4 : 499 204 2 : 999 414 5 : 390 163 *3: 666 272 ' 6: 333 136 uslv. Nach de Hondt haben die Liberalen, den ersten, und zweiten die Vereinigten jüdischen Parteienden dritten, die Liberalen wieder den vierten und fünften, die Vereinigten jüdischen Parteien de.n sechsten Platz zu besetzen ufw. Beginnt man - aber mit der Teilung , durch 2 . anstatt durch 1, so fällt die oberste Reihe der Tabelle fort. Tie Liberalen hätten von den dann verbleibenden Zahlen die drei ersten, so daß die Vereinigten jüdischen Parteien erst an. vierten Stelle -ihren ersten Platz er,hallen würden. Der Herr Wahlkommissar stellte das Wahlergebnis in der Tat in. buchstäblicher Anwendung des 8 13, tatfo. nach, der in Wahrheit nicht proportionalen., sondern die Minderheit benachteiligenden Vteihode 'fest. Nach dieser Nbelhode ergab sich, daß die Liberalen 16, die Vereinigten jüdischen Parteien, nur fünf Plätze erhielten. Wie ungeheuerlich dieses Ergebnis ist, kann man sich klar machen, daß hiernach bei den Liberalen auf 1998 : 16 126, bei den Vereinigten jüdischen Parteien auf 818:5 — 163 Stimmen je ein Mandat entfallen wäre. Ein an den Herrn Wahlkommissar gerichteter Protest blieb erfolglos. Vergeblich wurde rauf den Widerspruch zwischen § 9 und § 13 der Wahlordnung hingewiesen. Man erwiderte, daß 8 13 eben, eine Ausnahme von dem in § 9 Dingeführten Proportionalwahlrecht 'bedeute. — Merkwürdigerweise berief sich der Herr Wahtkommifsar auch daraus, daß 8 13 wöirllich aus dom Statut der Berliner. Jüdi-schen. Gemeinde^ übernommen 'sei,, Ivo -gleichfalls die Zahl 1 weggelassen- und nur die Teilung durch 2, 3, 4 usw. vorgesehen fei. In Wahrheit hat das Berliner Gemeindeftatuk eine solche Bestimmung nie enthalten, sondern es hat die Berechnung des Erg.eb'nisje.s in genauer Anpassung an das de Hondtfche System geregelt, solange in Berlin das Proportio>nalkwahlrecht überhaupt «gilt. Der Protest blieb, wie -gesagt, erfotglos. Nunmehr legte eine Anzahl vo>n Eemeindemitgiliede.rn die Rechtsbeschwerde bei denn Herrn Regierungspräsidenten ein. Das- R-ech>ts>mittel' hatte vollen Erfolg. Tie Entscheidung d-es R-etzierrlngspräfidentsn führt aus, daß -ein Widerspruch zwischen 8 9 und § 13 der Wahlordnung, bestehe; daß die buchstäbliche Anwendung des 8 13 nicht das nach! 8 9 gewünschte wirklich proportionale Ergebnis, 'sondern ein Ze.rrbild eines solchen ergibt; daß demnach die Auslafsung der Zahl 1 in 8 13 ein redakticnoller Fehler, -ist, der bei der Berechnung des Ergebnisses ohne weiteres auszn,schalten ist. Als sechster Bewerber der Vereinigten, jüdischen P.airteien tritt nunmehr Rechtsanwalt Max Ja.cob!sohn in die RepräsenlauLenversamria-l'ung, ein, während Herr Max Freund, 16. Bewerber der Liberalen Partei, zunächst ausfcheidet. — Düsseldorf, 14. Mai. EineBer s, a m m l u n g v 0 n Vertretern der jüdischen Iugendvereine Deutschla n d si beschäftigte sich in eingehenden Beratungen mit der Frage einer G e s a m t 0 r g a n i sa ti 0 n der deutschen, Juden. Die Versammlung forderte in einer Resolution die Schaffung einer Organi-