Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1920)
- Date
- 1920-05-21
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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84 5i~-Nt-21 Der Demelndebare. Berlin, 21. Mai 1920 Beilage zur „Allgemeinen Leitung drF Judentums. lkorrrspondkNHM und Mchrjchtkn. Sklltschisnd. Berlin, 18. Mai. Eine aktuelle Fra^e von höchster Bedeutung erörterte eine Versammlung der ärztlichen Mitglieder dex WohlfahrLskommisfion der Berliner Jüdischen Gemeinde, die unter Vorsitz des Dezernenten für das Wohlfahrtswesen, Dr. B n u m, im Gemeindehause stattfand. Das Sinken des Geldwertes und die Steigerung aller Preise zwingen alle Wohlfayrtseinrichtungen zu Einschränkungen. Bisher konnte die Jüdische, Gemeinde in den meisten Fällen den Gesuchen um Beihilfe zu auswärtigen Badekuren entsprechen. Das Sinken des Geldwertes und die schwierigen Ernährungsverhältnisse zwingen die WohlfahrtskommiKonen zu einem Bruch mit der bisherigen Praxis. Als erster Redner erklärte Sanitätsrat Dr. Wresehne r, daß die Petenten der jüdischen Wohlsahrtskommissionen, insbesondere der Armenkommission, Vielfach höhere Anforderungen stellen als die sozial gleichgestellten Kreise anderer Bevölkerungsschichten. Bei voller Würdigung der Bedeutung einer veränderten Umgebung, Ernährung und der vor geschriebenen Kuren und bei größtem Wohlwollen ist es aber nicht möglich, allen Wünschen zu entbrechen. Der Kreis der zu Versendenden muß aus diejenigen beschränkt werden, bei denen mix durch eine Badekur Besserung zu erzielen ist. Unnötig erscheinen Badekuren insbesondere bei allen unheilbaren Fällen. Wünschenswert, aber nicht unbedingt erforderlich, ist die Versendung bei verschiedenen Lungen-, Herz¬ oder Hautkrankheiten und anderen Leiden, doch körlnten die meisten derartigen Fälle auch im 'Hause behandelt werden, eventuell im Krankenhause der Jüdischen Gemeinde. Dringend notwendig ist ein auswärtiger Aufenthalt bei Blutarmut, Unterernährung, schwerer Neurasthenie, Tuberkulose iin ersten und zweiten Stadium und RekonvalesZenz, nach schweren Krankheiten und Operationen. Bei diesen Leiden sollten möglichst alle jene Patienten verschickt werden, bei denen bestimmt eine Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten wäre. Sanitätsrat Dr. I u t r o s i n s k i teilte aus der Praxis der Stiftungskommission mit, daß in den letzten Jahren vor dem Kriege zu Kurzwecken an durchschnittlich 12V Personen etwa 15 000 Mark, während der ersten zwei Kriegsjahre an etwa 95 Personen etwa 10 000 Mark und seit 1917 an zirka 200 Personen etwa 83 500 Mark jährlich gezahlt wurden. Die Gründe für diese Steigerung liegen sowohl in der Zuwanderung aus dem Osten wie in der verminderten Widerstandskraft der Emheimischen. Aus die Dauer kann die Gemeinde derartige Lasten nicht mehr tragen. Reisen in Kurorte undSanatorien dürfen nur noch gewährt werden, wenn dieKuren dauernde Wiederherstellung der Gesundheit oder Arbeitsfähigkeit erhoffen lassen. Manche Kirren, wie Trinkkuren bei Ata gen-, Darm- und Stoffwechselkrankheiten, Jnhalationskuren bei Krankheiten der Atmungsorgaue, Bäderkuren bei rheumatischen Krankheiten und bei Unterleibsentzündungen der Frauen lassen sich in Berlin durchführen. Zur Entlastung der jüdischen Wohlfahr tseinrichkungen müssen die allgemein-öffentlichen Einrichtungen, wie Krankenkassen, Kommunen und Versicherungsanstalten, nach Möglichkeit herangezogen werden. Auf kranke Kinder sollen diese Grundsätze möglichst weitherzig an gewendet werden, um die Heranwachsende Generation mögllichst gesund zu erhalten. Geheimrat Professor Dr. S t r ä u ß wünscht ebenfalls die Verwendung aller verfügbaren Mittel für die Fälle, in denen eine wirtschaftliche Existenz zu halten oder zu kräftigen ist. Die Not der Zeit verbietet leider die „Trostkur-en", im Vordergrund muH als wichtigste Aufgabe die Förderung von Rekonvaleszenten stehen, die auch in Berlin oder in der Nähe bewirkt werden kann. Auswärtige Kuren kommen in Betracht für heilbare Lungenleidende, die nach Möglichkeit an der See oder inr Mittelgebirge unterzubringen sind, ebenso für Nervenkranke, bei denen durch Erholung des Gesamtorganismus das Nervensystem bekräftigt werden muß. Bei Herzkrankenkann die Kur in entfernten Bädern häufig durch eine nahegelegene Sommerfrische in der Ebene ersetzt werden. Auch bei Nierenkrankheiten wird der Wert der Bäder überschätzt. Schwierig gestaltet sich die Versorgung der an Stoffwechselkrankheiten Leidenden. Die Diätfrage ist eine Mittelfrage. An den Ausgaben für Jugendliche darf nicht gespart werden. Hier hat noch viel zu geschehen: die vorhandenen Einrichtungen müssen ausgebaut, eventuell neue Heime geschaffen werden. Die Kräftigung der Jugend ist die wichtigste Aufgabe unserer Generation. In lebhafter Aussprache wurden die von den drei Referenten vorgetragenen Grundsätze erörtert. Die Notwendigkeit einer gesteigerten Fürsorge für schwächliche und kranke Kinder wurde von allen Seiten betont. Die außerordentliche Verbreitung der Tuberknlo'e im Kindesalter muß durch intensivste Arbeit bekämpft werden. Die in der Aussprache und in den Referaten augeregten Fragen sollen in einem Sonderausschuß erörtert werden, welchem neben namhaften Medizinern auch eine Anzahl von Laien mit großer Erfahrung in Wohlfahrtsfragen angehört. B. T. Berlin, 18. Mai. Die Trauerfeier für Jnstizrat Max Mo ss e versammelte am vorigen Dienstag vormittag einen überaus großen Kreis von Trauernden in der Halle des Krematoriums in der Gericht st ruße. Mit dennächsten Angehörigen hatten sich zahlreiche Berufsgenossen und Freunde eingesunden, um ihre Gedanken noch -einmal auf den verehrten Mann zu vereinigen, der zu früh von ihnen gegangen ist. lieber dem Sarge häufte sich eine Fülle herrlichster Blumenspenden. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. B a e ck, der in herzlichen Worten des Toten gedachte, seiner Entwicklung, seiner geistigen Bedeutung, seiner großen Liebenswürdigkeit und Herzensgüte. Harmonium spiel und Ehorgesang begannen und beendeten« die Trauerfeier. * E. M. Berlin, 18. Mai. Z u r E n t hü l l u ng einer Gedenktafel für die im Kriege gefallenen Mitglieder des Synagogenvereins O h e l Jizchok fand in der Vereinssynagoge eine eindrucksvolle Feier statt. Die Gedenktafel, eine Stiftung des Synagogenvorftehers Eduard F r e u n d, ist i-n Bronze künstlerisch ausgesührt. Zwischen zwei Säulen, die mit Lorbeer und Eichenlaub bekränzt sind, stehen die Namen von 13 Vereinsmitgliedern, unter denen sich ein Sohn des Spenders und der Sohn des Vereinsrabbiners befinden. Der Stifter übergab die Tafel mit einer kurzen Ansprache. Namens des Synagogenverbandes dankte der Vereins- Vorsitzende für did Spende, welche in der Gemeinde die dauernde Erinnerung an die teueren Toten erhalten wird. Rabbiner Dr. R o s e n t ha l hob in bewegter Rede die Bedeutung der Stunde hervor. Unsere Toten, die ihr Leben für das Vaterland opferten, zeugen noch über das Grab hinaus für die Opferbereitschaft unserer Gemeinde. Ernste.'Gesänge, die Oberkäntor Wilhelm «F ried m n n n von der Synagoge Levetzowstraße vor trug, umrahmten die würdige Feier, an der Vertreter des Vorstandes der Ha-nptgemeinde und der privaten Synagogenvereine Berlins in großer Zahl teiluahmen. 2/D Berlin, 18. Mai. Am, 25. v. Ad versammelten sich die Mitglieder der „Hilfsläsfe für israelitische Kantoren und Kultusbeamde, deren Witwen und Waisen 'in Deutschland (E. V.)" zur Generalversammlung im Logenhause, Kleiststraße 10. Der Vorsitzende, Herr Direktor Deutschland, wies in seiner Begrüßungsrede darauf hin, daß durch die Tätigkeit der Hilfskasfe auch im abgelaufenen Geschäftsjahre viel Leid und Not gemildert wurde. Mit Wehmut gedachte er alsdann der verstorbenen Mitglieder Raphael (Berlin) und Stabinski (Berlin). Letzterer gehörte lange Jahre dem Vorstande der Kasse an. Durch die Hochherzigkeit einiger Gönner hat die Hilfskasfe größere Spenden erhalten. Besonders zu erwähnen ist eine Freibettstiftung zur Aufnahme erkrankter Kantoren im Israelitischen Krankenheim, Elsässer Straße, die Herr Fabr.'tbesitzer Otto Nathan und Gemahlin (Berlin) zum Andenken an ihre verstorbenen Eltern im Betrage von 10 000 Mark gemacht haben. Das Vorschlagsrecht ist dem Vorstande der Hilfskasse von den Stiftern übertragen. Nach dem Kassenbericht und erteilter Entlastung, erfolgte die Wahl für die satzungsmüßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder. Sämtliche Herren wurden durch Zuruf wwdergewählt. Mancherlei Vorschläge, die zur Bessergestaltung der Verhältnisse gemacht wurden, fanden die Zustimmungder Versammlung. e/fr Berlin, 18. Mai. Der Deuts ch - I s r a e l i t i s ch e .Gemeindebund schreibt uns: Eine sensationelle Nachricht, die uns -unterstehende Fürsorgeerziehungsanstalt für schulentlassene israelitische Mädchen zu Köpenick betreffend, hat auch den Wen in