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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-05-21 · Heft 21 (21.5.1920) · p. Seite 237

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 21 (21.5.1920)
Date
1920-05-21
Page
Seite 237 (sequence 9)
Language
German
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d. h, „die sich aus der Straße U-mhertreibende", überträgt. AuS diesem Grunde findet das Wort „rrJT?" — „io nah" in der männlichen Form keine, Anwendung. Aus einer nicht so hohen Stufe der UnsitKchkeit standen der „kadefch" und die „kDeschah", die, einmal auf Abwege gelangt, aus diesen verharrten, jedoch nicht öffentlich und geschäftsmäßig ihr verwerfliches Tun zur Schau trugen"), sondern lediglich zur Befriedigung ihrer rohen Sinnenlust mit Heiden im Konkubinate lebten, das weder gesetzlich noch moralisch sanktioniert war. Es wird dies übrigens so recht illustriert durch die Erzählung im ersten Buche Moses, Kap. 38, in welcher Juda die vermeintliche Prostituierte bei seiner späteren Nachfrage aus einer gewissen Rücksicht mit .•ilttTIp* — „k'deschah" bezeichnet, während es doch im Texte vorher ausdrücklich heißt: ... er hielt sie für eine ,)sonah"Z. Hat man die eigentliche Bedeutung des Begriffes „kadosch" in seiner verschiedenen Anwendung richtig erkannt, so ist der jeweilige gegensätzliche Begriff leicht festzustellen. Der Begriff „kadosch" in seiner hohen Bedeutung bezüglich Gottes hat keinen eigentlichen Gegensatz, wie schon 'begründend dargelegt wurde. Weder entäußert sich der Herr selbst jemals der seinem Wesen zukommenden Eigenschaft, die wir mit „kadosch" bezeichnen, noch vermag eines seiner Geschöpfe ihn dieser Eigenschaft zu berauben, noch endlich können irgendwelche Umstände jemals eintreten, welche ihn. den ewig heiligen Gott, dem Zustande der Heiligkeit entrücken könnten. Wenn die hebräische Sprache eine durch einen Ruchlosen verübte Gotteslästerung bezeichnet, so drückt sie sich uMschreibend mit „LL'N Sl^Tl* — „chilul haschsm" —, d. h. „Entweihung oder Lästerung des göttlichen Namens" aus, oder entsprechend der oft in der Bibel wiederkehrenden Warnung: ’n “pnPx QC’ NX nSSrn- oder analog dem Ausdruck: JH2V ni:’n Dt? Dp31 (3. Buch Moses, Kap. 24, Vers 16). Schon der Name des Herrn!soll -uns „kadosch" sein, er darf nur in Scheu und Ehrfurcht über die Lippen kommen. Ertönte doch der erhabene Gottesname nur ein einziges Mal im Jahre, am höchsten Feiertage, im Allerheiligsten aus des Hohenpriesters Munde in seinem wahren Wortlaute, undsanken doch sofort alle ängstlich Lauschenden beim Vernehmen jener erhabenen Laute in Ehrfurcht in die Knie, die Majestät -des Allmächtigen anbetend zu verehren. Daß selbst der Name Gottes in Weihe gehüllt ist, darauf sollen auch jene Bezeichnungen „nikuw" und „chilul haschöm" hindeuten. Diese Hülle durfte nimmer verletzt, zerrissen werden. Der Urbegriff ,DPJ“ „nakaw" ist auch nichts anderes als ein „Durchlöchern", „Zerreißen", wodurch eine bestehende Scheidewand, eine trennende Hülle durchlöchert und das Verhüllte bloßgelegt, preisgegeben wird. Ebenso hängt der Begriff.WjVT* „chilul" -mit„chol" zusammen, besten Urbegriff „chalal" „frei, fessellos, enthüllt, preisgegeben, in seiner Anwendung unbeschränkt" bedeutet. ' Wenn wir in unserem Morgengebete den Herrn ange-hen, „er möge seinen Namen in seiner Welt heiligen", so heißt dies ") Diesen Sinn legt auch der Targum Onkelos den beiden Ausdrücken „DHp“ und .ITßHp bei, indem er den Vers: Sx*nr ’Jdd enp rrrr xbi bx-nr” nun» nunp irnn ab (5. Buch Moses, 23, 18) folgendermaßen überträgt: XPDJ DD’ xbl "TD» "DJ1? bxiT»1 P3DD XDnX \"in xb xrrx xnnx ba'W\ ’JDd 7) Es tritt uns hier dieselbe Erscheinung entgegen, wie bei dem dorn hebräischen Begriffe „sonah" entsprechenden deutschen Begriffe. Wahrend das betreffende Wort in der lutherischen Bibelübersetzung noch Birrgerrecht besaß, ist es heute fast -ganz ans der Schrift- und Umgangssprache ansgemerzt worden, weil es nach unserer heutigen Auffassung nicht mehr „parlamentarisch" ist. nichts , anderes, als: daß Gott die Zeit herbeiführen möge, in welcher auch denjenigen, welchen heute sein Name nicht „kadosch", d. h. nicht „in Weihe gehüllt" -ist, so daß sie ihn ohne jegliche Scheu und Ehrfurcht im Munde führen, dieser sein Name von Heiligkeit umflossen sein wird. Dem Heiden ist auch der Name seines Götzen, vor dem. er sich in den Staub niederwirft, heilig; betend spricht er ihn ans, während der Name des Einzigen ihn kalt und gleichgültig läßt, da er für ihn nicht in Weihe gehüllt -ist. Er vermeint, da handeln zu können und zu dürfen, wo für uns gewisse Schranken errichtet stnd, ein Umstand, der ihn nicht daran hindert, den Namen des Höchsten in für uns ungebührlicher, unser religiöses Gefühl tief verletzender Weise 31t gebrauchen, was wir aber mit „DEM — „Chilul haschöm" bezeichnen. Demnach muß alles dasjenige außer Gott, „welches nicht „kadosch", d. h. der Weihe entäußert ist, mit „bn" „chol" bezeichnet werden^), und dieses Wort tritt uns entweder selbst, oder in seinen verschiedenen Ableitungen in der Bibel als Gegensatz zu „kadosch", bzw. „kodesch" entgegen. Der Priester war als direkter Nachkomme Arons und als auserwählter Diener im Heiligtum des Herrn nach erfolgter Waschung, Salbung und förmlicher Weihung „kodesch". Ein solcher Weiheakt konnte an demjenigen, der sich nicht zur direkten Nachkommenschaft Arons zählte, niemals vorgenommen werden. Er wurde ein „17" — „sar" —, d. h. „Fremder". „Ausgeschlossener" genannt, wie es ausdrücklich 4. Buch Moses, 17, 5 heißt. Es konnten jedoch Umstände eintreten, die den Priester aus dem Zustande der Weihe, der Heiligkeit, heraustreten ließen und die nach dem Schriftworte (3. Buch Moses, 21, 4) geeignet waren, „iSrnV „lchöchalo", d. h. „ihn der Weihe entäußert", werden zu lassen. War er nunmehr auch momentan der priesterlichen Weihe verlustig geworden, so war er noch immer kein „-,7" —- „sar". Denn all dasjenige, aus welches dieses Wort Anwendung findet, ist an sich schon unfähig, die Priesterliche Weihe zu empfangen. Während der Begriff „sar" ein unbegrenzter ist, sind dem Begriff „chol", sofern derselbe keine Momente in sich schließt, die aus etwas Verwerfliches hindenten, gar keine Grenzen gezogen. Daß beide Begriffe unter gewissen Voraussetzungen als Gegensätze zu „kadosch" angenommen werden können, liegt eben in der mannigfachen Bedeutung dieses Wortes begründet. Das Wort „17" — „sar" hatte nur zur Zeit des Tempelbestandes Gütung und sollte nebenbei auf alles Fremdartige, Heidnische hindeuten. Dies gehtans den Bezeichnungen „ösch farah", d. h. „fremdes Feuer", „HIMIttp" „k'toreß saraih", d. h. „fremdes Räncherwerk", hervor, welche im Targum Onkelos mit ..X11112 und „'pfcD'C TKISli" übertragen werden. Daß das Wort „sarah" eine Bedeutung des Fremden, Heidnischen in sich schließt, ist u. a. auch aus dem Buche Obadja ersichtlich, wo die Wörter D'lf und ö^liO einander gegenübergestellt sind. Die oben erwähnte chaldäische Uebertragnng läßt darauf schließen, daß das in Rede stehende Feuer und das Raucher-. werk nicht bloß, der einfachen äußerlichen Weihe durch irgendwelche Einwirkungen verlustig gegangen waren, sondern daß sie überhaupt „unheilig", d. h. unfähig, die Weihe jemals empfangen zu können, gewesen, weil sie ursprünglich götzendienerischen Zwicken gewidmet waren Es ist auch gar nicht einzusehen, warum die Söhne Arons, Nadab und Mbihu, einfaches Feuer zur Räucherung 0 h n e bes 0 nde r e A b sichten benutzt haben sollen, da ihnen doch zu jeder Zeit „heiliges Feuer" zu Gebote stand. Sehen wir von der traditionellen Ansicht ab, sie haben „im Wetnransche gehandelt", so muß unbedingt angenommen werden, h Siehe Leviticns 10, 10; 1. Buch Sarnneüs 21, 5 n. 6; Ezechiel 22, 27; 42, 29; 48, 15.

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