Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1920)
- Date
- 1920-05-21
- Page
- Seite 236 (sequence 8)
- Language
- German
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236 ------- vielmehr nur dein „Negativismus" zugute kommen werde — die Praxis der Hilfeleistungsarbeit für die Kriegsbeschädigten in Palästina hat die Zionisten nicht besonders „tolerant" gezeigt —, das wird die Zukunft lehren. Jedenfalls ist eine jüdische Universität momentan ein dringendes Bedürfnis, eine schreiende Notwendigkeit — ich halte die Unterrichtssprachensrage für vorläufig belanglos — schon der vielen „Ausländer" wegen, welche als Studenten keine Unterkrinst finden können . . .! Sodann ist es höchste Zeit, daß jüdische Forscher und Gelehrte endlich die richtige W irku ng sst ä t t e erhalten und nicht mehr verkümmern und verhungern. Wie lange sollen sie noch — im Glückssalle! — als Staffagen, als ewige Privatdozenten oder höchstens „Titulierte" herumlaufen . . .? Wie lange noch soll der Gewissenlosigkeit und dem Religionsschacher Tür und Tor geöffnet werden, während die mannhafte Standhaftigkeit, das stolze Selbstbewutztsein nur das Zusehen haben, ja manchmal bittere Not leiden? „Und lange hat er's getragen, trägt es nicht länger mehr".Fitzliputzli", „Tscheremessisch" ist akademiefähig, während jüdische Wissenschaft, ernste, gründliche Forscherarbeit, „des Schweißes der Edlen wert", nur draußen als „blinder Passagier" gnädig geduldet wird. Und die großen jüdischen Forscher, Leuchten der Wissenschaft, warum sollen sie nicht dem jüdischen Volke als Zierde dienen? Einstein als moderner Newton könnte an einer jüdischen Universität seine weltumwälzenden Entdeckungen vortragen. Und die Wassermann, Hirschberg, Landau, Willstätter e tutti quanti . . .! Mögen dann die Wißbegierigen anderer Völker zu uns kommen, um zu lernen . . . Wir werden sie gastfreundlich aufnehmen. So eine jüdische Universität würde alle anderen in den Schatten stellen,' würde ein „Mekka" für die Wissenschaftler aller Nationen werden . . . Packt nur zu, ihr Juden, opfert, was ihr nur könnt, und bringt nur eine solche bald zustande . . . Sie wird sich schon rentieren ... Laßt die Sprachenfrage vorläufig beiseite . . . Jeder Forscher lese, so wie er es vermag. . . Der Zustrom . . . Eine wahre Völkerwanderung würde nach der Judenuniversität aus aller Herren Länder stattfinden ... Das Prophetenwort: Dl)' D'Dl? „Nationen werden zu dir ihre Zuflucht nehmen" würde buchstäblich in Erfüllung gehen. p?n pl „Frisch gewagt, ist halb gewonnen." Ser Legrikk „Kadolch" und seine Gegensätze. Bon I. H erzber g' (Bromberg). (Schluß.) orah und sein Anhang vindizieren sich auf Grund dieser Aussprüche die pri österliche Weihe, die sie zum Priesterdienste befähigt. Moses tritt diesem mit Entschiedenheit entgegen, wodurch er bekundet, daß er dem Begriff „kadosch" viel engere Grenzen steckt und ihm ganz besondere Momente zuspricht, indem er nur diejenigen als „kadosch" gelten lassen will, die Gott ganz besonders auserwählt hat. Als solche läßt er einzig und allein die Priesterschaft gelten, indem sich die Spitze seines gegen Korah geschleuderten Vorwurfs dahin richtet, daß dieser nebst seinem Anhänge nach dem Priestertume trachte, nachdem ihn der Herr als Levite bereits vor allen anderen Vollsangehörigen bevorzugt habe. Korah war der Meinung,- daß die einfache Weihe, die Gott über die ganze Nation aus-, gesprochen und die nur bezweckte, dasselbe zu verpflichten, sich stets ihrer überkommenen Mission bewußt zu bleiben, ihr gemäß zu leben und sich die Bezeichnung „kadosch" erst durch ihre' Lebensführung zu verdienen, hinreichend sei, jeglichen VoWangchörigen ohne weiteres zu befähigen, als Priester beim inneren Tempeldienst zu fungieren. Moses dagegen vertrat die Ansicht, daß neben dieser von Gott ausgesprochenen Weihe auch noch eine äußerliche, durch besondere Akte zu erfolgende Weihung erforderlich sei, um als Priester dem Herrn in seinem Hause zu dienen. Und in der Tat wird, wie wir im 2. Buche Moses, Kap. 40, lesen, Moses von Gott der Befehl erteilt, er solle Aron und seine Söhne bei der Einführung in ihr Priesteramt waschen, sie nächstdem dem Eingänge des Stiftszeltes nähern, ihnen alsdann die geweihten Kleider anlegen und sie endlich salben. Nach diesem Akt erst besaßen sie die eigentliche Priesterweihe, waren sie „k a d o s ch". Auch die dem Tempeldienste geweihten Gegenstände waren erst „kadosch", nachdem sie gesalbt worden und die Weihe über sie ausgesprochen war. Derartig geweihte Gegenstände werden in der Regel „kodesch", — nicht „kadosch" genannt. Während „kadosch" ein Adjektiv ist, ist „kodesch" ein Substantiv und bedeutet.teils „Geheiligtes", „Geweihtes", teils zum,, Heiligtum Gehöriges", was wohl zu beachten ist. Auch der Schekel, der im Tempeldienste als Münze galt, wurde, weil im Heiligtum verwendet, „kodesch" genannt, obwohl er an sich nicht geweiht war. Dasjenige unter dem schon Geweihten, welches ganz besonders hohen Zwecken diente, wurde mit „kodeschk'doschim", d. h. „Hochgeweihtes", bezeichnet; die dem Herrn geweihte Bet- und Opferstätte wurde „Mikdasch-adonaj" genannt. Möge hier der Ausdruck „j'tTH'p" „Kiduschin" nicht unerwähnt bleiben, mit dem man die religiöse Weihe der Ehe bezeichnen will. Erst nach dieser erfolgten religiösen Weihe wird uns die Ehe „heilig" sein, d. h. „hohen Zwecken gewidmet". Wir sprechen daher nicht gemeinhin von einer „Heiligung" der Ehe, sondern von einer Heilighaltung derselben. Desgleichen haben wir nicht den Sabbat zu „heiligen", sondern wir sollen ihn „heilig halten". Im vierten Gebote tritt uns der Begriff „kadosch" sowohl bezüglich Gottes als auch des israelitischen Volkes entgegen. Dieses Gebot beginnt mit den Worten: yz-^pb rütPH ÜV n# "112, und schließt: DLNp'1 fi=ün 01' riK ’H “[*12 ja bl' Derselbe Begriff VNp in wlp^ und INLNp'J hat in einzelnen Falle eine besondere Bedeutung. Wenn der Herr den Sabbat „heiligt", so heißt dieses, )aß er ihn durch den über ihn ausgesprochenen Segen gewecht hat, damit er vor den übrigen sechs Werktagen ausgezeichnet sei. Das Volk Israel aber soll durch seine Lebensführung diesem Tage die über ihn ausgesprochene Weihe bewahren, ihn „heilig halten", nachdem ihn der Herr „geheiligt" hat. — Zwei mit dem Urbegriffe „kadosch" eng zusammenhängende Bezeichnungensind „kabesch" und „k'deschah". Mit diesen Ausdrücken bezeichnete man ursprünglich die dem unzüchtigen Dienste der Astarte „Geweihten", der Jünglinge und Jungfrauen ihre Unschuld opferten. Diese Bezeichnung „k'deschah" war jedoch nicht für eine Prostituierte tppisch. Eine solche nannte man „njlT“ — „Sonah" - , eine Bezeichnung, die wir nur in der weiblichen Form antreffen. Die „Sonah" frönte der Unsittlichkeit weniger behufs Befriedigung der Wollust als zur Erzielung eines Gewinnes. Sie trieb ihr unsauberes Handwerk öffentlich und suchte die Vorübergehenden zu verleiten, sie auf.Abwege zu führen, weshalb auch Onkelos sie mit „'JNaa" — „mat'e" —, d. h. „die Irreführende" bezeichnet und 1. Buch Moses, 38, 15, sowie ebenda 34, 31 das Wort .."sZU" .„Sonah"") mit „fcna npS3"' 5) Es ist ausfallend, daß dagegen Onkelos dieses Wort (5. Bnch Moses, Kap. 23, V. 19) mit X71')J überträgt.