Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1920)
- Date
- 1920-05-14
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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am den Geilleilldctagcn schon derartige stürmische Debatten stattgesllndeil Hoden, daß es zlveifelihaft ist, ob das der ^eignete Platz für d'e Beratung ist. Herr Professor T ü r k bemerkt, daß der Verband der Ten.kschen Juden sich beritts ansgeschaltet hat, indem er den Großaemeinden selbst die Organisation übertragen wollte. Ter Gem.indebnnd sann nur noch in Frage kommen zu.' Schawu.a der Ge'amtorgunisation. Wir baden uns versprochen, daß die heutige Sitzung einen großen Eindruck auf alle -jüdischen Gemeinden Deutschlands machen würde, lvas leider durch die Behandlung des Gegenstandes vom Borstandstisch aus nicht rnöglich ist. Herr Justizrat Lilient y a l nnc-d-erholt, daß der Bochtand keine Informationell hatte und sich! nicht au f die Beratung vorder eiten konnte. Es handelt sich nicht um! grundsätzliche Gegensätze, sondern nur darum, wie man die Augelegeuheit am schnellsten fördert. Herr Lip schütz betont die Wichtigkeit des Gegenstandes der Beratung und bittet, beide Anträge, den Antrag! .llalifcher und den auf die Einsetzung einer gemischten Deputation, anzunebmen. Herr Dr. Levy lvlindert sich darüber, daß der Vorstaild sich gegen die Einbringung der Resolution ausspricht; er findet nichts Illoyales gegen den Borstand darin, daß diese Resolution seitells der Repräseutautenoersammlnng angenommen werde. Wir sind über den Organisationsentwurf ziemlich orientiert und mit dessen Fassung einverstanden. Bei der Abstimmung wurde die Resolution einstimmig angenommen, ebenso der Antrag Lipschütz auf Einsetzung einer gemischten Deputation. Berlin, 11. Mai. Nach einer kurzen Krankheit, die einen schweren operativen Eingriff nötig gemacht hatte, ist am 7. d. M. Jnstizrat Max Masse im Alter von 62 Jahren gestorben. Das „Berliner Tageblatt", dessen Rechtsanwalt Justizrat Max Moste war, widmet dem nun Verewigten folgenden Nachruf: „Wir geben diese Trauernachricht in schmerzlicher Bewegung hier wieder, und wir lvisieu, daß sie von all den vielen, die mit Max Moste gesellschaftlich oder beruflich in Berührung traten, und besonders auch ul den Kreisen der Richter und Anwälte, mit tiefstem Bedauern u-nd inniger Anteilnahme vernommen werden wird. Ju-stizrat Max Mosse. der jüngste Bruder unseres Bcregers Rudolf M o s s-e, war seit 31 Jahren der Vertreter des „Berliner Tageblatts" in den sehr zahlreichen Prozessen, in denen wir allerlei Gegnern, uubbesonders politischen Gegnern, gegenüberstanden. In diesen Prozessen führte er unsere Lache liuTjt nur mit einem außerordentlichen advokatorischen Geschick lind einem schnell nild sicher erfasfendvil Scharfblick, sondern auch mit einer Herze nswärme, die ans einem stark in ihm wurzelnden Rechtsgefühl sich ergab. Er konnte sich fast leidenschaftlich entrüsten, lvenn unter nlächtigen Einflüssen oder unter politischen Verdrehungen und Vorurteilen die Rechtspflege versagte, aber er blieb bei aller Schärfe luld aller Ilnbengsaulkeit doch iminer darauf bedacht, in der Form und im Toll jene Vornehmheit Zll wahren, die ihm vor den Schranken des Gerichts geboten erschien. Tie sehr schwierigen und verwickelten Fragen des Preßrechtes beherrschte er wie kaum ein anderer, und in zahllosen Fällen gelang es ihm nachzuwei-sen, daß diese R-ckksbcstinlnlullgeil von der Gegenseite und von den Gerichten eine irrige Anslegl'ng erfahren hätten. Wie er im Gerichts- Male mit überzeugender.Wärme verteidigte und plädierte, so gewann er al'ßerhalb dieses Saales seine Kollegen und alle, mit denen er verkehrte, durch eine seltene, nie versiegende heitere und gütige Liebenswürdigkeit. Er war'beliebt und genoß die allgemeine Sympathie wie nur wenige, lrnb darum ist hellte mal) die Trauer über sein Hinscheiden tu den Kreisen, die ihm nahestanden, allgemein. Bor wenigen Tagen lnnßte er sich ganz plötzlich einer Operation unterwerfen, die ihm Genesung zll verheißen schien. Aber die zurückbleibende Entkräftung ließ sich nicht überwindeil, das Herz wollte nicht mehr seinen Dienst tun, und heute früh starb dieser kluge lind liebenswerte Mann, den die Erinnerung lange überdauern lvird." Auch wir werden denl Dahingcschi-edenen ein treues lind ehrendes Gedeilken bewahren. der Jüdischen Gerneiilde an un» mit denl Ersuchen heran, die während des Krieges von ihr versandten Kinder -fortan in unsere Kolonien an-fzllnchmen. Wir hatten'dadurch gewaltige Aufgaben zu lösen, die angestrengteste Arbeit erforderten. Trotz aller Hindernisse, die sich lllls in bezug auf Geld, Raum und Lebmsmittelbeschasfu-ng m den Weg stellten, konnten wir im Jahre 1919 1001 Kinder in unsere eigenen Heime Elmen, Misdroy, Hicschberg, Kblberg und Sege'berg und in das gastfreie Ausland (Dänemark, Schweiz und Holland) entsenden. Große Aufgaben harren unser aber noch im laufenden Jahre. Mit der anhaltenden Teuerung aller Bedarfsgegenstände und besonders der notwendigen Lebensmittel zeigen sich die Folgen der Unterernährung an den Kindern unserer minderbemittelten Glaubensgenossen in geradezu erschreckender Weise. Wir müssen also schon jetzt Vorsorge für die Unterbringung und für die kräftige Verpflegung einer -großen Zahl bringend echolungsbedürstiger Kinder treffen." Der Bericht schließt mit der dringenden Bitte, den segensreich wirkenden Verein mit reichlichen Spenden zu bedenken, damit er in die Luge versetzt werde, recht vielen Kindern, die, nebenbei bemerkt, ausnahmslos rituell verpflegt werden, die Wohltat eines Crholunasailsenthalts auf dem Lande oder an der See geben zu können. Den Vorstand des Vereins für Ferienkolonien jüd'scher Kinder E. V. bilden die Herren Rabbiner Tr. B l n m e n t h a l, Vorsitzender, X 24, Monbijouplaß 4, M a n u e l S ck> w a r z, stellvertretender Vorsitzender, Wilmersdorf, Aschaffenbnraer Straße 20, Leopold K a tz. stellvertretender Schriftführer, Gharlottenburg, Weimarer Straße 46, Direktor Paul Schlesinger, Schatzmeister, W <S, Mohcenstraße 6, B. $c n i n m i n, stellvertretender Schatzmeister, Witniersdorf, Atotzstraße 51. E. M. Berlin, 11. Mai. Eine n e u e j ü' d i s ch e L r a a n i s a - ti o-nhak sich in das Handelsregister bei dem Amtsaerickt Berlin- Mitte eintrag^n lassen. Die Organisation firmiert als Jüdische Sied t u n a s - G e n o i s e n s ch a f t, Gesellschaft mit benbränkter Haftung. Als Aufaaben der Jüdischen Siedlungs-Genossenschaft werden bezeichnet: 1. Die Erziehung minderbemittelter und durch ihre Eigenart einer-besonderen Leitung bedürftiger iüdi'cker Kinder in landwirtschaftlicher Umaebnn-g zu landwirtschaftlicher Tätiakeit. 2. Die Ausiedluua iüdischer Kriegsbeschädigter und and"rer landnnrtschgftlicher Be'ckäitiauug geeigneter minderbemittelter Juden und Jüdinnen. Die Vertretuua der Gestll'chast erfolgt durch e^nni Geschüfts'führer in Gemeinschaft mit einem stellvertretenden Gesckästssührer. ec. Thorn, 6. Mai. Nach nabe.ru dreißigjähriger Wirksamkeit verläßt uns unser Rabbiner Herr Tr. Rosen borg, nur einem Ruse als akademischer Religionslehrer ander Berliner Gemeinde rn folaen.. Rabbiner Dr. Rosenbera dürste 'eine Stellung wohl infolge der veränderten politischen Verhältnisse in unserer Provinz ausgegeben haben. Tr. Ro'enbera emvking seine erste jüdische Ausbildung -ans der Talmudschttle des Rabbiners Weßlar in Gudensbera imb besuchte das Lehrerseminar zu Kassel. Nach Universitätsstudien in Bonn promovierte er in Leipzia mit einer Dissertation aus dem Gebiet" der hebräischen Grammatik. Das Rabbinerdivlom erwarb . Herr Dr. Rosenberg als Hörer des Hildesheimerschen Rabbinersemlnars in Berlin. Er bekleidete zuerst das Rabblnat in Brandenburg a. d. H. und nahm dann die Rabbinerstelle in Thorn an, wo er nahezu 28 Jahre als Rabbiner und Leiter des Religionsunterrichts wirkte. Außer einem wissenschaftlichen Werk über das ..Zahlwort im Talmud" erschienen von ihm noch kleinere Arbeiten: „Kobeleth und Faust". „Gabriel Rießer", „Der Weltkrieg im Spiegel des Psalmbuches". Als Pädagoge erfreut sich Dr. Rosenbera besonderer Wertschätzung. Er hielt aus. der letzten Rabbiner- Versammlung in Berlin ein Referat über den Religionsunterricht', ein damals von ibm vorgelegter Lehrplan, der später im Druck erschien, hat viel Beachtung gesunden. Die hiesigen Gellleindemitglieder bedauern vhne Rücksicht ans ihre Parteistellung das Scheiden des verdienten Mannes. ### Berlin, 11. Mai. Der B e r ein f ü r F e r >i e n - j koloni e n jüdischer Kinder E. B. . gibt in einem! kurz gefaßten Bericht einen Ueberblick über seine Tätigkeit während! des Jahres 1919: „Seit der Begründung unserer Ferienkolonien im Jahre 18<s4 hat das vergangene Jahr die größten Anforderungen an uns gestellt. Wie erwartet, sind die Ausnahmegesuche weit zahlreicher als in den früheren.Jahren eingegangen. Kurz nach Schluß unserer Amneldelisten trat die Kriegshilsskommission München, 7. Mai. Der Centrakverein d e u t s ch e x Staatsbürger jüdischen Glaubens führte dieser Tage eine Allssprache über die zahlreichen gegen die Judenschaft erhobenen Borwürfe zwischen Vertretern der jüdischen und der christlichen Bevölkerung herbei. Der Vorsitzende, Dr. Baron, erklärte in seiner Erösfnungssprache, daß es heute in Deutschland für jeden anständigen Menschen delltscher Zimge nur eine gemeinsame Allfgabe.llnd ein Ziel gebe: den Wiederaufbau des Vater-