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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-05-14 · Heft 20 (14.5.1920) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 20 (14.5.1920)
Date
1920-05-14
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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84. Jahrgang. Nr. 20 Berlin, 14. Mai 1920 Der Gemetndeüore. Vellage zur „Allgemeinen Leitung de>s Judentums". korrrspandm-rn und Kachrichtrn. SklltWsnL E. R. Berlin, 9. Mm. Die heutige Sitzung der Repräsentantenversammlung, unter Vorsitz des Herrn. Geheimrat Dr. M i n d e n , behandelte nach kurzen geschäftlichen Mitteilungennur einen Punkt: die Frage der Gesamtorganisation der deutschen Inden. Der Referent, Herr Professor K a lisch-er, führte aus: „Das Judentum steht vor einer Sch-icksalsstunde, es wird von allen Seiten bedroht, und darum muh es sieb, einen Einbeitsaedanken geben. Das Gesetz von 1847 war derart zugeschnitten, das Judentum zu zerstückeln. Jede Gemeinde war auf sich selbst an gewiesen, darunter litten besonders kleine Gemeinden. Um diesem Zerfall der kleinen Gemeinden Einhalt zu tun, trat 1869 eine Anzabl tüchtiger Männer, wie Nackwd und Emil Lebmann. zn>sla'nriN7en und begründete den D-euHch-israelikischon Gemeindebund. Anläßlich einer Synode in Leivzw wurde dieser Bund geschaffen.?<\i bem von ibnen beronsaeaebenen Ausruf fordern diele zu einem Zirsannnenschlnh aller Gemeinden auf. Damals gab es noch kein einiges Deutschland, um so erfreulicher wirkte dieser Aufruf zur E'nmnna. Der Dentsch-iiraelitifche Gemeindebund bat seine Anfanbe erfüllt. d''e kleinen indischea Geineiuden ge Witz t nnd viele wohltätige Institutionen ae'schaffen. Dabei beruhigte sich der Teutsch--israelitifcke Gemeindebund nicht, sondern er erstrebte einen Organnationsentwurf an und brachte ibn 1909»vor den Gemeindetaa, von dem er abaelebnt wurde. Der Entwurf wurde dem Vorstand des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes als> Material überwiestn. Der Vorstand hatte also ein Mandat zur Anfertigung dieses Organisationsaesetzes erbalten. Derselbe erhielt kurz vor dem Kriege eine Aufsorderung. dieses Gesetz ausguarbeiten. Durch den Zu.W-nnnenbruch! Deutschlands und die Revolution wurden die Verbältnisie vollständig geändert. be'onders durch dw Trennung von und Staat. Im Dezember 1918 eilreh der Vorstand des Deutsch-israelitischen Gerneindebuudes einen Ansruf an alle jüdischen Gemeinden, um die S'hnsstma eines Organrsation-vesetzes zu fördern. ..Ganz Israel ist Bürae f i'»r ein an der." beißt es in d«m Aufruf: er fordert alle iübißbun Genreinden zum Zaf^n7inenschs,ssr aur. Die Versa Nun-, des Deutschen Reiches vo>n 11. Augnst 1916 bat das Bestreben des Dentsch'-israelitistben Gemeindelmndes sebr erleichtert. Im 187 beißt es: Dem Zusammenschluß von Gon^inden untereinander sieben keine Beschränkungeu entaegen. DUjüdischen Gemeinben können sich danach zu einem Verband-? znsamin.mschließen. Daraufhin bat der Te'sisch-i sraelitisebe Gemeindebnud eiaen neuen Versgssnnawrckwurs ausarbeiten und beraten lassen. Am 7. November 1919 wandte sich der Deutsch^israelltitche Gemeindebuud an die Berliner Gemeinde mit der Bitte, ibn. dem jetzt 1200 Go,nemdeu Deutschlands angebören, bei seinen Bemübunaen zur Sckaffuna eines neuen Organisativusgesetzes zu unterstützen. 7üi einer Versammlung vom 29. Februar 1920 baben noch die Vertreter der Grosiaemeinden nichts gegen diesen Entwurf einzuwenden gebabt. Daaeaen ist ein Antrag in dieser Sitzung angenommen worden, daß Vertreter der Organisationen zur weiteren Beratung eniaeladen werden. Eine Bersammlnna dieser Vertreter taate Mitte März bier. Der Verfastungsentwurf wurde allen Gemeinden, dein Vorstand der Berliner Gemeinde am 2. März 1920 zu geschickt, doch bat derselbe sich hierüber bis beute nicht geäußert. ' Bon den jüdischen Gemeinden baben 425 Gemeinden ibre grundsätzliche Zustimmung zu dem Entwurf zugeschicki. Durch d'e abgetretenen Gebiet.? ist von den 1200 Gemeinden eine größere Anzahl von iüdischen Genieinden u.irs verlorengeaauaeu. Die baiierischen Gemeinden baben die Notwendigkeit zu einem bayerischen, aber zugleich zu dn:m Reichsv erb and in einer Resolution ausgesprochen. Es besteht nun das größte Verlangen, daß nunmehr noch die Großgemeinden ibre Zustimmung zu dem Gesetzentwurf für eine Gesamtrepräseutation der jüdischen Gemeinden erklären. Ter I. I. G. B. will sich nun zur Vertretung der Gesamtorganisation .umstellen lind hat dazu durch alles, was er geleistet und geschaffen hat, ein historisches Recht. Eingewendet wird nun, daß der Deuts-chisraelitische Gemeindebund nicht dazu die geeignete Vertretung ist, da er außerordentliche Mitglieder besitze, tind es nicht klar ist, was mit diesen Mitgliedern geschehen soll. Das ist aber kein Hindernis. Um aber die Uebereinftimmun-g der Nepräisentantenversaminlung mit den Bestrebungen des D. I. G. B. auszusprechen, ist die heutige Sitzung einberufen. Das soll sie aussprechen durch die Annahme folgender Resolution: „In Erwägung, daß 1. die Schaffung einer Gesamtorganisation der deutschen Juden als dringende Notlv-endigke.it -allgemein erkannt ist, 2. der seit 1869 bestehende und im Sinn einer solchen Organisation wirkende T. I. G. B. als geeignete Grundlage hierfür erscheint, 3. gegen den vom D. I. G. B. ausgearbeiteten und den Gemeinden bekanntgeaebenen Verfassungsentwurs von keiner Gemeinde ein prinzipieller Einspruch -erhoben worden ist, vielmehr etiva 425 Gemeinden bereits ibre grundsätzliche Zustimmung zu dem Verfassungsentwurs erklärt baben. 4. die-Verwirklichung der Gesamtoraanisation demnach in nächste Rühe gerückt ist, sobald die Großaemeiuden. insbesondere die Berliner Gemeinde, ihre Zustimmung erklärt baben. beschließt die Revräsentanteitversammluua. den Vorstand zn bitten, sieb mit dein T. I. G. B. behufs Schaffung einer Gesamtorganisation baldigst ins Einvernehmen zu fetzen." Ein Segen würde aus dw gesamte Indenbeit ansströinen. wenn der Antrag dazu rill,neu würde, die Bestrebungen des D. I. G. B. m fördern. lLebbgrtes Bravoli Int Namen des Vorstandes erklärte Herr Sanitätskat Feilchenfeld. daß der Vorstand in einer gemischten Devutation. die. falls sie zur Beratung eingesetzt werden sollte, mit allem Eifer Mitarbeiten werde. Der Vorstand babe mit den Großaememden ernste Beratungen gebatten, um den OraaitisationSentwurs zu fördern. Eine Gegenoraanisntion ist von orkbodorer Seite beabsichtigt, auch die finanziellen Belastungen der Großaemeinben sind bei der Beratung nicht außer acht zu lassen. Ter Geuwindevorstand wird nack, der bevorstebenden Beratung mit den Großaeuieinden seine Stellung sestsegen und sieb in der gemischten Deputation an der weiteren Bebandlung beteckiaen. Herr Iustizrat Litientb a l erklärt sieb für Einsetzung einer gemischten Devutation Zur weiteren Beratung der Gesamtorganisation, damit der Gegenstand dort obiektiv behandelt wird. Der Antrag, der einaebrnckt worden ist bringt etwas ganz Neues. Die Rebräsentantenversammlinm solle sich heute noch nicht festteaen. es würden Wust nur Streitigkeiten entstehen, da Herr Professor Kalischer einseitige Informationen voraetraaen bat, da grundsätzliche Einwendungen gegen den Oraanisationsantrag tntsächlich voraebrocht Ivordeu sind. Professor Kalisckier erwidert, daß arundsätzliche Einwendungen nicht vorgebracht worden sind. Nur die Zionisten baben Einsvrüche erhoben, aber diese bilden doch keine Geineinden. Bon einer Einsetzung einer gemischten D'viitgtion habe er Abstand aenouimen. weil dadurch die Angetea?iibeit sebr verzögert werden würde. Sauitätsrat Fei lchenseld und Iustizrat Lilientha'l bitten wiederholt, den Antrag abzulebuen. da d»r Vorstand bibrvon keine Kenntnis hatte. Dagegen hat sich der Vorstand zur Einsetzung einer geunschteu Deputation bereit erklärt. Außerdem ist <?m Eutivurf vom Verband der Deutschen Juden ausaearbeitet ivorden. zu dem ebenfalls Stellung genommen werden muß. Ter Vorstand kann durch den Antrag nicht festgelegt werden. Herr Gewerbernt P l o t k e erklärt, daß der Vorstand sich durch den Antrag nickst festlegt, und bedauert die eingetretene Verzögerung. Am meisten werde die Angelegenheit beschleunigt werden, wenn der Vorstand sich nnt dem D. I. G. B. in direkte Beratung einlasseit lverde. Herr Justizrat Lilienthal bestreitet eine einaetretene Verzögerung: es werden Hemmungen eintreten. wenn die Reprüseutantenversainuitung stch heute festleaen würde. Es bandelt sich um eine Angelegenheit aller deutschen Juden, nicht um eine Angelegenheit des T. I. G. B. Er betrachtet es als ein Gebot der Loyalität, daß dem Vorstände Gelegenheit geaeben wird, zu dem Antrag Stellung zu nehmen. Herr Geheimrat M i n de n hebt die Verdienste des D. I. G. B., die Wichtigkeit der Gemeindetage und der daselbst gefaßten Beschlüsse hervor. Ter Gemeindebund hat die Gesamtorganisation lange beabsichtigt und beraten. Der geeignetste Weg wäre hier, den Entwurf vor einen Gemeindetag zu bringen und dort beraten zu lassen. Die Resolution dient keineswegs dazu, um Vorstand und Repräsentanten festznlegen. Redner ist auch mit einer Einsetzung einer gemischten Deputation einverstanden. Herr Sanitätsrat F e i l ch e u f e l d weist darauf hin, daß

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