Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1920)
- Date
- 1920-05-14
- Page
- Seite 226 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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rrcte", fo legen beide diesem Begriffe offenbar einen voneinander abweichenden Sinn bei, der sich 2ben aus ihren verschiedenen subjektiven Anschauungen ergibt. Korah faßt den Begriff „Kadosch" allgemein auf, indem er sich auf Gottes eigene Aussprüche beruft: „k d o s ch i m t i h ' j u!" „Kadosch sollt ihr alle sein!" Und „Mattem tih ju mamleches kauhanim w'gauj kadosch!" „Ihr sollt mir alle ein Reich von Priestern, ein Volk, das kadosch ist, sein!" (Lcklnf; rm.) Der Jude bei Gerhsrt hguptmsnn. Ben I. B. Münz. eines Wissens läßt Gerhart Hauptmann nur in einem seiner Stücke, in „Florian Geher", einen Juden auftreten, und dieser ist nicht gerade unsympathisch gezeichnet. Jöslein — dies ist sein Name geht nicht im Zusammenscharren von Gold und Gut aus, er ist kein Materialist von reinstem Wasser, sondern er hat das Herz auf dem rechten Fleck; er fühlt mit den Armen und Unglücklichen, er ist entsetzt ob der Schandtaten des Truchseß Georg , und macht seinem Mitgefühl mit den von ihnen Betroffenen Luft in den Worten: „Gott, du gerechter! Was ein grausamer Herr ist der Truchseß! Behenket die Bäume mit Bauernleichen. Metz' denn sechstausend Mann hätt er bis diese Stund richten lassen von des Schwäbischen Bundes Profoß. Mein! - Mein! . . Ich Hab' Weinsberg brennen sehn . . . Mem! - Mein! -- Ich werd's nit vergessen, und sollt ach flugs meh' Jahre leben als Abraham, Isaak und Jakob! Weib und Kinder herausgeführet, wehrhafte Leut' sind nit innen gewest, haben gejammert, geschrien und die Haare gerauft. Hütten sich dannoch viel eher die Steine erbarmt, dann sich Herr Georg Truchseß über sie erbarmet hätt'." Ein tiefes Weh ergreift ihn, da er hören muß, wie die adeligen Herren untereinander sprechen, daß sie „mit Bauernköpfen kugeln wollen als die Knaben mit Schießkernen". Unmut ersaßt ihn, weil sie mit dem Evangelium denselben Mißbrauchtreiben wie zuvor die „Bäurischen", es als Deckmantel für Mord, Raub, Plünderung und Unterdrückung gebrauchen. Entrüstet ruft er aus: „Ist kein beßrer Schild, darunter sie mögen zu Gericht sitzen. Haben, sie hiebevor den. Mantel genommen, itzt nehmen sie dem Bauern das Haberstroh. Mußte der arme Mann hiebevor fronen mit Karre, Karst, Haue und Pferden, itzt müssen seine Kinder die Egge ziehen." Er ist mit Löfselholz, dem Feldschreiber des Titelhelden, darin einig, daß er dem Junker von Grumbach'wie einem Fuchs traut, und zeichnet ihn in seiner Weise plastisch: „Er ist ein Maschgeh, sein Chasot und sein Chuf ist nicht tuw." Mit Löffelholz begegnet er sich auch in dem Urteil über die „verfluchten Fugger, Welser und Hochstädter, die da arm und reich nach-ihrem Gefallen schätzen". Mit welchem Maße die Christen die Juden messen, wie sie den Splitter im fremden Auge sehen, nicht aber den Balken im eigenen, macht er an dem Beispiel dieser Familien anschaulich: „Mein! — Mein! Bin ich gewest.im Gewölb, was haben die Welser und Fugger von Augsburg in Frankfurt! Haben >se mir stinkiger Jud geheißen und Wucherer angeschrien und rennen doch selber mit dem Judenspieß. Aber nit im kleinen. Mein! — Mein! — Betrügen Hunderte und Tausende arme Einleger um ihr saures Geld, fallieren und sind viel reicher dann zuvor. Aber ein armer Jud muß es ausbaden. Ich Hab' niemalen unter Safran Rindfleisch gehackt, Gaiskot in den Lorbeer getan, Lindenlaub in den Pfeffer, noch Hab ich Fichtenspäne vor Zimmet verkauft. Aber ein armer Jud muß es ausbaden. Hat der Mainzer Kurfürst Albrecht von Brandenburg wollen , machen ein Bündnis zur ewigen Vertreibung von. uns Jüden, ist aber meh' uf Gold bedacht dann der größte, Jüd.. Ich wollte ihn mir kaufen mit Haut -und Haar, wo ich genung Truchseß über sie erbarmet hätt'." Würdigung verdient seine Antwort auf die Frage, warum der Adel verarmt. Er weist darauf hin, daß die Herrschaften einen grenzenlosen Aufwand treiben und daß ihnen nichts zu teuer ist, wenn es gilt, ihr Gelüste zu befriedigen. Ohne in die Schranken gefordert, der Uebertreibung oder der Lüge geziehen zu werden, erzählt cr, er habe eines 'Edelmannes Wittib gekannt, die ein Dorf verkauft habe um ein blaues Sammetkleid, mit dem sie beim Turnier prangen zu müssen gtaubte.j Und wir glauben es ihm gern, daß die Juden ihr ganzes Sinnen und Trachten aus den Gelderwerb richten, daß sie dem Gold nachjagen müssen; denn „ein armer Landsknecht kommt, bringt ein alt Meßgewand, das er gebeutet — Geld! Altv Schwerter — kupferne K'leinoder — Ketten — Sporen — keinnützigen Plunder — Geld! Hab ich die Bergwerke zu Schwatz im Versatz? Bin ich ein Goldmacher? Sind nit genug französische Stüber und Sonnenkronen im Umlauf?! Mein! — Mein!" Ja wohl, es ist ein mühseliges Geschäft: darleihen, immer wieder darleihen und schlechte Pfänder nehmen, Not, Mangel und Mühsal erleiden, sich treten und anspeien lassen und krummer Hund, und wie alle die zärtlichen Kosenamen lauten, heißen. Wir begreifen es nut zu gut, daß es Jöslein widerstrebt, auf das Ansinnen des Junkers von Grumbach, mit seinem Schwager Florian Geyer ein Geschäft zu machen, einzugehen; denn das Gold ist nicht nur der Rettungs-, sondern auch der Würgeengel der Juden. Geldgeschäfte sind ein gefährlicher Handel und können ihnen „den besten Hals" kosten. Aber konnte Jöslein sich weigern? Er konnte es füglich um so weniger, als Florian Geher für alle im Heiligen Reich einen „Einung" plante, gleiche Münze, gleiches Gewicht und zuhöch.st gleiches Recht auch für die Juden. Angesichts hieser letzteren Gleichheit mußte jedes Bedenken für ihn verstummen, konnte es kein Zögern, kein Besinnen für ihn geben, war es heilige Pflicht für ihn, mit vollen Händen zu geben. In der Tat erklärt er: „Bin ich von Stund an aufgewest, mich gen Schweinfurt getan. Bin ich bereit. Euer Gnaden, zu machen mit Euch das Geschäft." Ltthrr. 6 Forts.) Roman von C l e m e n t i n e K räme r. 5g«iS diesem Schreibtisch", fährt der Komiker fort, „stand der Tintenfaß. Die meisten Leute sagen .das* Tintenfaß, ich sage ,der* Tintenfaß, denn er stellte einen Kopf dar. Kein Mensch sagt ,das* Kopf. Und ein Freund von ihm, der habe sogar Fässer verkauft. Neue und gebrauchte. Dies wären Fässer gewesen. Aber .der' Tintenfaß schon lange nicht. „Er war ein Kopf." Dazwischenhinein erkundigte sich Herr Schneidermann angelegentlich, ob es klar und verständlich wäre so. Und ob auch alle folgen könnten. Sonst wäre er gern bereit, die Sache noch einmal auseinander zu klauben. Nach einer kleinen Pause kündigt der Geheimrat seinen Gästen die Tänzerin Sterstein an. Nie hatte Esther bewegteren Beifall als von dem schönheitssrohen Kreis des Pattendorsfschen Hauses. Der Hausherr selbst reicht der sich Verbeugenden einen Rosenstrauß, so groß, daß sie ihn kaum in beiden Händen halten kann.