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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-05-07 · Heft 19 (7.5.1920) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 19 (7.5.1920)
Date
1920-05-07
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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8 bk sich besonders der Liebesbetätigung au Armen, Krankerr und Verstorbenen unermüdlich hingibt, entsprach auch die im 'Gotteshause stattgehabte'Feier, der.säst die gesamte Gemeinde beiwohnte. Vom greisen Synagogen Vorsteh er und von der Repräsentanz der Gemeinde begrüßt, setzte der Gottesdienst mit feierlichem Chor- und Sologesang der begnadeten Berliner Konzertsängerin Fräulein Ilse A s ch ein. Die eindrucksvolle, formvollendete Festrede Hielt Herr Rabbiner Dr. S a l o m 0 n s k i (Frankfurt a. £).), der vom Wochenabschnitt ausgehend in lichten Farben der lauschenden Gemeinde und deren Gästen das Bild des Jubelpaares zeichnete. Danach dankte der Jubilar selbst in rührender Weise, zurückblickend auf eine Frist von Jahren, in, denen er -einem Menschengeschlecht die Elemente des Glaubens und Wissens eingeprägt. Seine Rede klang in einem tiefen Dankgebet zu Gott aus, der ihn diese harmonische Doppelfeier erleben ließ. Nach dem Gottesdienst brachten die zahlreichen Vereine der Gemeinde, denen Herr Dr. Elsaß sein ungewöhnlich reiches Wissen allzeit zur Verfügung stellte, dem Jubelpaar ihre Glückwünsche dar. Als Zeichen der äußeren Anerkennung und Dankbarkeit wurde dem Jubilar seitens der Gemeinde ein ganz erhebliches Geldgeschenk überreicht. Bei der Beantwortung der -erhebenden Ansprachen klang aus dem Herzen des Jubilars die tiefe Dankbarkeit und das beglückende Gefühl, in einer Gemeinde zu wirken, die mit ihren Beamten lebt und fühlt. Erwähnt sei bei dieser Gelegenheit, daß die Gemeinde Landsberg a. W. ihren Beamten für das Haushaltsjahr 1920 150 Prozent des Gehalts als Teuerungszulage bewilligt hat. — Brarrnschweig, 30. April. Während hier in unserer Residenz sich sämtliche Parteien, mit Ausnahme der Besucher der Technischen Hochschule, von der antisemitischen Bewegung iernhalteu, Hetzen die Antisemiten in einigen Städten des Freistaates unter den Augen der demokratischen Negierung gegen die Juden, deren sich im ganzen Staat etwa 600 befinden, in geradezu empörender Weise. *T:e Bewegung geht natürlich, wie überall im Reiche, von Lehrern und den von diesen Verhetzten Schülern der höheren Bild-ungsanstabten aus. Ein krasses Beispiel hierfür bietet die Stadt H 0 l z mi n b e u. In diesem Landstädtchen mit etwa 12 000 Einwohnern wohnen aut Zwei Dutzend jüdische Familien, welche sich schlicht und reckt durchs Leben schlauen. Das gute Verhältnis zwischen den ruhigen Bürgern aller Konfessionen scheint einigen Lehrern des Gymnasiums nicht zu passen. Besonders haben es diese Herren auf d-'e jüdischere Schüler abgesehen. In jeder nur möglichen Weise versucht man sogar während der Unterrichtsstunden die jüdischen Schüler wegen ihrer Reliaion und Abstammung m hänseln. Einer dieser Herren, der Oberlehrer Dr. Müll e r , scheute sich, nicht, den Schülern, in Gegenwart auch der jüdischen Schüler, Stellen ans dem Roman „Tie Sünde wider das Blut" von Dinier vorzutesen und den Kindern das Buch angelegentlich zu empfehlen. Abgesehen von den darin enthaltenen gemeinen Besckimpfnngen' der Juden, ist es ein V e r - brechen an de r Kind e r s e e l e. dieses schamlose, jeder Sitte hohnsprechende Werk unmündigen Kindern zu empfehlen. Wahrlich, einen traurigen Mut besitzt dieser Jugendbildner, der --- des sind wir sicher — von seinem Platze entfernt wird, wenn die Angelegenheit der Rc.giernng bekannt-gegeben wird. er. .Weimar, 30. April. Die alldeutsche P r e s s e hat tiefe Trauer angelegt; sie sieht einen lieben Bundesgenossen schwinden: die thüringische Kleinstaaterei. Die „Deutsche Zeitung" klagt über das Ende der glanzvollen thüringischen Kleinstaaterei, der deutsche Kunst, deutsche Wissenschaft und deutsche Art so unendlich viel verdanken, deren Hauptträger in der deutschen Geschichte eine so große und ruhmvolle Rolle spielen: Weimar, Meiningen, Gotha. Das, was sie unter ihren Fürsten waren, kehrt ihnen im neuen freien Land Thüringen nie wieder. Aber ihren Hauptkmnmer kann die.„Deutsche Zeitung" ihrer treuen Gemeinde auch nicht verschweigen. W e i m a r ist in Gefahr! Bisher konnte Weimar sich ohne Synagoge behelfen, fetzt könnte am Ende eine Synagoge entstehen. '= München. ■ 30, April, lieber Pr 0 fess 0 r E r n st Bergers Nachlaß' berichtet die „Bayerische' Staatszeitung": Ter während der Rüteherrschaft im vorigen Jahre auf,so Überaus tragische Weise ums Leben gekommene K.-nstmaler Professor Ernst Berger in" München hak ein schönes Zellgnis .seltener Hochherzigkeit lind edlen Gemeinsinus abgelegt, indem er dem Künstlerun-terstützungsverejn*München, lctztwillig nicht nur -ein Legat ilch Höhe.von 20 000 Mark, sondern auch seinen gesamten künstlerischen Nachlaß zugelvendet hat. Die meist großförmigen Gemälde, die nunmehr in das Eigentum des Kün st!er u n t er stützu n g sve re i n s über gegangen und — soweit es der zur Berftigung stehende Raum gestattet hat -- im Hause Landwchrstraße 46 aufgestellt und Interessenten jederzeit z gänglich sind, lassen den Künstler deutlich als einen Schüler Makarts erkennen, der die Motive seiner Darstellungen aus der klassischen Geschichte ebensowohl wie die biblische Szenen behandelnden farbenprächtigen Bilder dem bunten Leben und Treiben des Orients entnommen hat, für den er eine besondere' Vorliebe durch vielfache Reisen bekundet hat. Besonders charakteristisch ist hier das große, seiner besten Wiener Zeit e nt st a nun ende Bild „Rebekkas Abschied". — Köln, 30. April. Der Schulrat der „Jawne", Höhere jüdische Schule i. E. (Realgymnasium itnb Lyzeum), hat Herrn Oberlehrer Dr. C a h n, bisher in Leipzig, der längere Jahre an den staatlichen Gymnasien in Wiesbaden und Hersteld gewirkt hatte, zum Direktor der „Jawne" erwählt. Herr Direktor Dr. Cahn, dem ein ausgezeichneter Ruf als Pädagoge und Gelehrter vorausgeht, ist bereits in sein Amt eingeführt und hat mit Beginn des neuen Schuljahres die Leitung der „Jawne" übernommen. Möge die junge Anstalt sich unter seiner fachkundigen Leitung stets .zunehmender Beliebtheit erfreuen. tzollsnd. CA) Den Haag, im April. Das Ergebnis der S a m m l u n g e n zugunsten des Jüdischen N a t i 0 n a l f 0 n d im ersten Quartal 1920 beläuft sich auf: 3 0 5 3 9.1 9.3 Pfund Sterling und verteilt sich auf folgende Länder: Shanghai 10102.6.8 Pfund Sterling, Amerika 23121.7.2 Pfund Sterling, England 3519.19.7 Pfund Sterling, Argentinien 14 525,82 Pesetas und 3027,60 Francs, Südafrika 1323.1 Pfund Sterling, Kanada 4699.7.5 Pfund Sterling, Deutschland 164 024,59 Mark, Holland 8538,85 holländische Gulden, Polen 218 649,95 Mark, Tschechoslowakei 131 979,90 Kronen, Belgien 17 500 Francs und 310,04 holländische Gulden, Rumänien 58 540,65 Lei und 0,3 Pfund Sterling, Palästina 352 982 ägyptische Pfund Sterling, Transylvanien 250 830,6 Kronen, Schweiz 6038,23 Francs und 40 Kronen, Griechenland 8812,50 Drachmen, Elsaß-Lothringen 11411,65 Francs, Frankreich 10112,60 Francs, Australien 175T6.2 Pfund Sterling, Deutsch- Oesterreich 123 948,53 Kronen, West-Galizien 116 827,74 Kronen, Mesopotamien 112 Pfund Sterling, Südslawische Länder 68 584,99 Kronen, Ost-Galizien 78 054,58 Kronen, Ungarn 66 931,08 Kronen, Dänemark 1107,53 dänische Kronen, Norwegen 1000 nordische Kronen, 'Aegypten 17,10 Pfund Sterling und 21,47 ägyptische Pfund Sterling, Niederländisch-Jndien 84,50 holländische Gulden, Neuseeland 39,3 Pfund. Sterling, Marokko 300 Francs, Litauen 1126,10 Mark. In der obigen Summe ist ein Betrag von 10 000 Pfund Sterling als Ergebnis der von den Zionisten in Shanghai eingeleiteten Sammlung zur Gründung einer städtischen Siedlung in Palästina enthalten. Diese soll den Namen von Laura Kadoorie, der verstorbenen Gattin des Vorsitzenden der Shanghai Zionist Association, tragen. Von Mah und Fern. Das in Berlin-Wilmersdorf mit einem Stistungskapital von VA Millionen Mark begründete E m ilie - Rud 0 l f -- Nt 0 s s e s ch e E r * z iehnngshei m kann in diesem Frühjahr auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken. Tie Anstalt, die zur Aufnahme von 100 Kindern aus verarmten gebildeten Familien ohne Unterschied des Glaubens vom 6. bis 16. Lebensjahre bestimmt ist, hat in diesen! Zeitraum 282 Zöglinge, 139 Knaben mtb 143 Mädchen, ans allen Teilen des deutschen Vaterlandes, allsgestattet mit gründlicher Schulbildung und - wohlvorbereitet auf den Eintritt ins Berufsleben, ihren Familien zurückgegeben. Von der Veranstaltung einer Feier war in Rücksicht auf die Zeitverhültnisse Abstand genommen worden. Viele der abaegangenen Zöglinge aber, die zum größten Teil eine gesicherte, an-- gesehene Lebensstellung errungen haben' und an die Stätte, an der. sie, ihre Jugend verlebt und ihre Ausbildung genossen haben, mit treuer Anhänglichkeit zurückdenken, kamen überein, Sonntag, den 2. Mai, als einen Tag des Wiedersehens in der Anstalt zll begehen. - - Herr Rabbine'r Dr-E R 0 s § n t h a l .(Rybn-ik) ist von dem Berliner Religionsverein Ahawas Achim zum Rabbiner und Reliaionslehre-r gewählt worden. — Sanitätsrat Dr. Eugen L eh f eldt in Charlottenburg, ein in weiten Kreisen bekannter praktischer Arzt, wurde das

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