Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1920)
- Date
- 1920-05-07
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Opfer eines llmjlücfSfntle«. Tr. Lehfeldt wurde beim Aufspringen auf einen Straßenbahnwagen am Kaiserdamm überfahren und trug so schwere Verletzungen davon, daß er in wenigen Minuten verstarb. Kommerzienrat Alfred L ö w e n b e r g , ein Bruder dos kürzlich verstorbenen früheren Repräsentanten der Berliner Jüdischen Gemeinde Herrn O'skar Löwenberg, ist nach langem schweren Leiden am 29. vorigen Monats im 68. Lebensjahre verschieden. - Die Kreis- Mnaaogenaemeinde Tilsit hat die Anstellung ihres neuen ersten Kantors auf Grundlage des ostpreußischen Normalvertrages bewilligt. Herrn Jacob R o s e n'b e r g, erstem Borsteher der Kreisihnagogengemeinde Ortelsburg, ist durch einstimmigen Beschluß der städtischen Körperschaften der Titel Stadtältester verliehen worden. — Am 24. vorigen Nionats verschied in Pleß nach längerem Leiden Frau Allo ine Timendorfer geb. Kohn, die langjährige erste Vorsitzende des dortigen Israelitischen Frauenvereins. — Aus Breslau wird berichtet: In der Stadtverordnetensihun'g vom 29. April wurde die Erbschaft des am 3. Januar 1920 in Berlin verstorbenen Rentners Eduard L i t t a u c r int Betrage von rund 1 050 000 Mark, wovon in der Hauptsache ein Witwenheim errichtet werden soll,- in welchem bedürftige Witwen mit und ohne Kinder Aufnahme finden und unentgeltlieh freie Wohnung, Beleuchtung und Heizung erhalten sollen, angenommen. Es ist nur bedauerlich, daß derartige Stiftnngon schließlich am allerwenigsten Inden zugute kommen! — Die neue Gesell 'chast zur Pflege der Kunst und Literatur, erster jüdischer Theaterverein zu Leipzig", der die literarisch Und künstlerisch interessierten Kreise des Leipziger Judentums zu einer sehr regsamen und erfolgreichen Arbeitsgenteinschnft zusammen laßt, veranstaltete einen wohlgelnngenen Heine-Abend, der allgemeinen Beifall erzielte. Dein lebhaften Wunsche des gebildeten jüdischen Publikums nach öfterem Stattsinden derartiger lnerarncher Abende wird seitens des Vereins -dadurch RechnuM getragen werden, daß demnächst ein „Ostjüdischer Dichte nabend" ab geh alten wird. _ Dem Vorsitzenden des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde in Gelsenkirchen, Herrn Fabrikbesitzer Daniel Klestadt, wurde das - Vetdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen. - Aus Fürth i. B. wind geschrieben: Am 13. April tvaren 40 Jahre vergangen, seitdem Professor Tr. Salomon Herz st ein sein Amt als Lehrer der neueren Sprachen -an der damaligen Israelitischen .Bürgerschule, jetzigen Israelitischen Realschule, angetreten hat. Die Schule ehrte den Jubilar durch eine stimmungsvolle Feier-. Der Direktor der Anstalt, Professor Dr. F e i l ch e n f e l d , der erste Vorsitzende des Kuratori-mns, Herr I. L. W e i ß k o p f, sowie Herr Fabrikbesitzer Karl Kunreuth er, als Vertreter der früheren Schüler, brachten den Tank der Schule und der früheren Schüler zum Ausdruck. Ihnen schloß sich ein Sprecher der jetzigen Schüler an. Auch die Stadt Fürth hat den Jubilar durch ein warm gehaltenes Schreiben des Oberbürgermeisters geehrt. Der bayerische Lehrerverein hat der Arbeitsgemeinschaft als erste Anregung die Durchführung folgenden Beschlusses empfohlen: „Kein Beamter darf im Gebiete eines Kollegen irgendwelche Anttshandlitngen vornehmen ohne vorhergehende Billigung des Beihilfe geleistet wird. -- Aus Prag wird uns geschrieben: Die tschechischen Nationalwahlen haben keinen jüdischen Vertreter i n d i e La nd e sv e r s a mm l u n g g eb r a ch-t. Tieres n e g a t i ve E r - gebnis ist die Folge einer ungünstigen Wahlkreiseinteilung, da in keinem Wahlkreise die erforderliche Nlindestzabl von 20 000 Stimmen aufgebracht wurde, obwohl die jüdischen Listen insgesamt 79 254 Stint men aus sich vereinigten. Diese fast 80 000 Stimmen für die jüdische Kandidatur bilden aber fraglos einen gewaltigen moralischen Erfolg, der die Bedeutung der jüdischen Minorität im Staat vor aller Oefsentlichkett auch zahlenmäßig .'klar erwiesen hat. Mehr als die Hälfte aller Juden in der Tschechoslowakei hat für die jüdische Liste votiert. - - E i n b e v o r st e he n d e r St r e i k d e r j ü d i s ch e n R e l i g i o n sl eh r er beschäftigt gegenwärtig alle Kreise der Wiener Kulkusgemeinde. Die israelitischen Religionslehrer an Volks- und Bürgerschulen verlangen vom Vorstand der Kultusgemeinde die Gleichstellung im Gehalt mit den städtischen Lehrern. Sie haben in einer Resolution an den Vorstand ein Ultimatum gestellt und drohen mit der Einstellung des Unterrichts. Die Notlage der Lehrer, ist in der Tat sehr groß. Der Vorstand der Kultusgemeinde behauptet, nicht in der Lege zu sein, ihre Forderungen Zu erfüllen. Die jüdische Bevölkerung, die ein 'eminentes Interesse daran haben muß, ob die Lehrer ihrer Kinder vor Hunger geschützt sind,wird sich mit diesem Problem 31t befassen haben. Die Wiener Kultusgemeinde nmß Mittel und Wege finden, ihre 50 Religionslehrer wenigstens so zu stellen, daß sie nicht verhungern. - Aus Budapest wird berichtet: Als der jüdische Abgeordnete Paul Sondor in seiner Parlamentsrede zur Judenfrage unter anderem sagte, daß die Vertreibung der Juden ein großes wirtschaftliches Unglück fürs. Land wäre, rief Staatssekretär Tenes Patacsy: „Tie. Juden'werden wir vertreiben, aber ihr Vermögen behalten wirzurück!" - Aut 18. April wurde das galizische Städtchen Bnrsztyn von einer Brandkatastrovhe heimgesucht. Eine große Anzahl Inden ist obdachlos. Die jüdische 11 K ul t it s g c m eind e n in Bulgarien haben beschlossen, einen festen Prozentsatz der gesamten Gemeindesteuern für die jüdische Kolonisation in P a l ü st i n a zu verwenden. - F ü r d i e Hilf s - a r b e i t der j ü d i s ch e 11 F l ü ch t l i n g e in Italien hat sich eilt Hilfskomitee gebildet, dein Vertreter aller Hauvtrichtungen im italienischen Judentum angehöcen. Der itenbegründete Ausschuß soll als Jentralorann für ganz Italien dienen, Lokalorganisationen in den Hafenstädten Genua, Neapel und Triest werden die Arbeit unterstützen. Neben agitatorischer und diplomatischer Arbeit, ru der mich christliche Italiener herangezogen werden sollen, hat das Kontitee als Hauptaufgabe die Organisation der wirtschaftlichen Hilfe für die Flüchtlinge, die durch Italien reisen, in Anteilnahme an einer geregelten E m i g r a t i v n in großem Stil, vor allem nach Palästina, und endlich in der Unterstützung für die Wiederaufrichtnttg der zerstörten jüdischen Wirtschaft. — Nach viermonntiger Dauer wurde endlich der Streik der Angestellten der Jüdischen Gemeinde in Warschau beendet. — Das „Joint Distribution Committee" hat nach Polen eine speziellen Delegierten entsandt, der kinomatographische Aufnahmen vont Leben der Ju-den in Polen wachen soll, tim diese Aufnah inen dann zu Propagandazwecken bei' der Hilfsaktion in Amerika verwenden zu können. — Ein Amerikaner, der in' Polen Mefnsoth, Tefillin und vor allem Thvrarollen zu recht hohen Preisen eingekauft hat, führte dieser' Tage 51 Thorarollen mjt sich nach Amerika. Für die Thorarollen, für die in Amerika ein dreifacher Preis als in Polen erzielt wird, zahlte er 12 000 bis 14 000 Mark pro Rolle. - - .In Chicago, das 200 000 bis 300 000 Juden zählt, ist nur etwa der vierte Teil der Inden Mitglied einer Synagoge, und eine Jüdische Gemeinde gibt es nicht. Infolge dessen wachsen an drei Viertel der Jugend ohne jede jüdische Unterweisung auf. Man will jetzt in Chicago daran gehen, all' die Synagogenvereine -zu. einer einheitlichen Gemeinde znsammenznschließen, tind hofft, dadurch eine Stärkung des Judentums zu erreichen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlitt-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Masse. W» ■ MD» M fl"» »»MM »I M»MDMWMDUIMW Bon Eisißr&niin großWaldungen an der Linie Leipzig—Eger, b. Herzleiden (Terrain- Kuren), Nervenleiden, Sicht, Rheumatismus, Blatarmut,Bleichsncbt. Frauenkrankheiten, allgem. Schwäöhezuständen, Verdauungsstörungen. 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