Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1920)
- Date
- 1920-05-07
- Page
- Seite 214 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Hievlrei soll rrwch das ethische Moment nicht übersehen; werden. Eva wird geschmückt, um zu gefallen. Die | iVrau schmücke sich, um ihrem Gatten zu gefallen.! Die Alten bekunden in gelegentlich ' ausgesprochellen Sähen eine sichere Beobachtungsgabe und eine tiefe Auf- , faffung des Beobachteten. Sie sprechen auch von den Verteidigungsmitteln der Frau. | Wie die Vorsehung jedem Wesen die Wc^ffe gegeben hat, ■ um sich gegen eine stärkere und feindliche Umgebung zu ver-! teidigen, so hat sie sich auch veranlaßt gesehen, der Frau, | dem schwachen Ge schlechte, eine besondere Waffe zur Ber-! teidigung'-) zu reichen. Tie Frau steht dem Manne in den ' meisten Fällen als die Schwächere gegenüber. Mag sie ihm i geistig gleich oder überlegen sein, körperlich ist sie der schwächere Teil. Mit welcher Waffe sie die Vorsehung aus-! gestattet hat? Mit der Stimme, oder besser, dem Ton der Stimme. Nicht das Wort mit 'seinem geistreichen, tiefen, logischen Inhalt, obwohl es ihr auch am Worte nicht fehlt, ist die Waffe der Frau, sondern die Stimme13), das Zarte, Süße, Weiche, darum Einschmeichelnde ihrer Stimme zähmt, bewegt, beherrscht, überwindet den Mann. Nicht kommt es bei der Frau darauf an, was sie spricht, sondern wie sie es spricht, nicht Gründe sind maßgebend, sondern der Ton der Stimme, der Ton, wie er scheinbar oder in Wirklichkeit aus der Tiefe der Seele geholt wird. Diese Waffe gebraucht die Frau wie ein zweischneidiges Schwert, nicht, daß sie sich selbst mit der einen Seite verwundete, sondern immer zur Verwundung des Mannes. Von dem Silber- oder Goldgehalt ihrer Stimme macht sie doppelten Gebrauch. Entweder bricht sie in ein freudiges, jubelndes, herzerquickendes Lachen aus oder, wenn das nicht hilft, in schmerzliche Klagen, in herzzerreißendes Schluchzen und Weinen. Wer dem Lachen, Jubeln und Jauchzen der Frau! widersteht, ergibt sich ihrem Klagen, Schluchzen und Weinen.! Von dieser Waffe, sagen die Talmndlehrer, hat Eva ihrem , Gatten gegenüber Gebrauch gemacht, als es sich um sehr Wich-; tiges, um Leben und Tod handelte. Sie hatte bekanntlich > von der verbotenen Frucht gegessen. Auf diese Uebertretnng! stand der Tod. Sie wollte aber nicht allein sterben und gab! auch ihrem Manne. Adam aber, so meinen die Alten, war! nicht so ohne weiteres damit einverstanden. Ta gebrauchte! Eva ihre Waffe. Es wird nicht berichtet, ob sie zuerst gelacht, dann geweint hat. Wahrscheinlich klagte, weinte sie, daß sie nun allein sterben, Adam die schöne Welt überlassen müsse, der nun bald eine andere Eva heiraten") werde. Dem Weinen konnte er nicht widerstehen, er biß in den Apfel. Als die Strafe über Adam verhängt wurde, heißt es darum: „Weil du gehört hast aus die Stimme deiner Frau." (Genes. 3, 17.)15) Eva weinte. Da erlagst du, Adam. Eva war stärker, klüger als du. Dieses Verhalten Adam gegenüber wurde Eva übel ungeschrieben. Das von den Talmudlehrern gefällte Urteil lautet kurz: „Die Schlange hat dich verleitet, du bist die Schlange Adams."13) Wie hier hervorgehoben wird, daß die Frau zur Sünde verleitet, so wird an anderer Stelle geboten: Achtet die Frauen, sie halten euch von der Sünde ab. Es ist hiermit auf die von der Frau auf den Mann geübten Einfluß hingewiesen. Die Frau kann den Mann zur Sünde verleiten, sie kann ihn von der Sünde abhalten, sie kann ihm zur Schlange wie zum Engel werden. 12) In Aboda zara 25b wird eine die Frau wenig ehrende Waffe angegeben. 's) Genes, rabb. 20, Deuteron, c. 4. '*) Genes. rabb. 19. ,r>) Genes, rabb. 2, Deuteron, c. 4. 10) Genes, rabb. 18, 20, 22. In ihrem Glauben an die göttliche Vorsehung fügen die Talmndlehrer hinzu, daß es -- Ausnahmen werden zugegeben - von der Würdigkeit des Mannes abhängt, ob ihm 'als Lebensgefährtin eine Schlange oder ein Engel zur Seite steht. Die Frau ist nach dem Worte der Heiligen Schrift: „Gehilfin ihm gegenüber." Dem Würdigen ist sie Gehilfin, dem Unwürdigen steht sie (feindlich) gegenüber; jenem ist sie Glück und Segen, bfcvem Unglück und Fluch. Allein der von Eva veranlaßte Sündenfall hat eine andere schöne, glänzende Seite. Wenn wir es zugeben, daß Eva hier List gebrauchte, so müssen wir doch gestehen, daß sie uns den Weg der Erkenntnis gewiesen. Sie war die erste, die vom Baum der Erkenntnis gegessen. Das bedeutet: die sich vom Zustande des Tieres zu dem des Menschen erhoben. Alls Eva, die sich selbst und ihrem Manne die Augen geöffnet, darf das Frauengeschlecht stolz sein. Hat uns, wie vielfach ausgesprochen, die Heilige Schrift in Eva den Typus der Frau gezeichnet,!so hat sie damit dem Frauengeschlecht eine Huldigung bargebracht, wie sie größer nicht gedacht werden kann. Die Bibel sagt es uns: die Frau hat die Spezies Mensch zum Menschen gemacht, sie hat uns die Quelle der Zivilisation, Kultur, Bildung, Wissenschaft erschlossen. ISSm* Mhrr. (5. Forts.) Nomaii vvn Clement in e fitnintt. a ging Herr Petuchowsky. Mit Zorn und Wch im Herzen. Das Weh um Esther. Allen Groll aber häufte er auf Alfred Oppenheim, den er Esthers „Iezer ho Rah", ihren „■b&.en Geist", glaubte nennen zu müssen. «r Esther beginnt unter den symphonischen Tönen des Meisters, die Grünerz wie Gold von den Fingern tropfen, die Bühne abzuschreiten. Ans einmal ist ihr aber, als habe sie von irgendwoher einen schrillen Pfiff gehört. Sic denkt: ein Laut von der Straße. Doch nach wenigen Sekunden wiederholt sich das Pfeifen an drei, vier verschiedenen Stellen des Zuschauerraums. Das Publikum wird unruhig, man erhebt sich da und dort und gebietet Stille. Esther, wie erwachend da oben, bleibt stehen und blickt in die Schauenden zu ihren Füßen. Auch Grünerz spielt nur noch mit den Händen. Augen und Geist schickt er hinab in das halbe Dunkel. Da ruft es aus der Ecke laut und frech: „Aufhören, raus!" Und fünf, sechs Stimmen fallen ein im Chorus: „Aufhören, raus! Aufhören, raus!" und immer so fort. Dazwischen von Zeit zu Zeit ein schriller Pfiff durch die Zähne. Was ist das nur? — Längst ist Grünerz aufgesprungen und steht schützend neben Esther. Der Direktor erscheint durch die Falten des rückwärtigen Vorhangs: „Da müßten ein paar Radaubrüder ... die würden gewiß rasch mit Hilfe zweier Wehrleute Ruhe geben, die hinter der Bühne die Feuerwache hielten, wenn sie nicht Vorzügen, es von selber auf der Stelle zu tun." Darauf Totenstille. „Dann darf ich wohl Fräulein Sterstein bitten?" — und der Direktor geht eilig ab. Doch da Esther eben von neuem beginnen will, sieht sie einen Menschen den verdunkelten Raum durcheilen und dann ganz an der Rampe zwei grünliche Augen sie anstarren. Im nächsten Augenblick hat er das Wort gerufen — das Wort „Dirne" hat er geschrien. Und Esther sieht, wie Grünerz das Podium hinabstürzt, auf den Mann unten. Doch sind ihm