Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1920)
- Date
- 1920-04-30
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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in allen, auch be.n kleinsten Landgenleiniden das vornehmste Erfordoruis. Soweit. dieser Notwendigkeit nicht durch die -Herren Rabbiner bzw. die Herren Lehrer in den einzelnen Orten genügt werden kann, sind wir bereit, Unterrichtskräfte für die Einrichtung von Lchiurim zur Verfügung zu stellen. Die Organisation ist derart gedacht, daß für die einzelnen Gebiete Stellen geschaffen werden, bei denen sich sowohl die Gemeinden als auch freiwillige Hilfskräfte, die bereit.sind, Kurse Zu übernehmen, zu melden haben. Einstweilen sind zunächst folgende Zentralstellen eingerichtet: V e z i r k Gießen- M a r b u r g : Adresse sind. jur. P. Knlp, Marburg, Ba rsüßl erg affe, P r o> v i n z i a i r abbina t F u t d a : Dr. Herz, Fnlda, Airttelstraße, Bezirk U n t e r f r a n t e n : Adresse >tuä. pßil. S. O. Breschner, Würzburg, Hotel zur Glocke. Die Berbffentlichuing der Adressen weiterer Zentralstellen wird in Kürze folgen. Wir erklären uns außerdem bereit, soweit die verfügbaren Mittel reichen, den Herrn Lehrern, die an sich bereit wären, Lehrturfe in den. einzelnen Gemeinden einzurichten, die aber zu diesem Fwecke andere lohnende Beschäftigungen aufgeben müßten, entsprechende Honorare für die in unserem Aufträge abzuhaltenden Uurse zu vergüten. * — Freiburg i. B., 23. April. Ein Einbruch in der hiesigen Synagoge bildete den Ai ittelpunkt einer Verhandlung vor der hiesigen. Strafkammer, in der sich eine siebenköpfige Diebes- und Hehlergesellschast zu verantworten hatte. Drei von ihnen stiegen in der Nacht zum 21. Dezember durch ein Kellerfenster nach dem zum Gottesdienst bestimmten Raum ein, rafften zusammen, was ihnen wertvoll erschien, packten alles in mitgebrachte Pappschachteln und verließen das Gotteshaus wieder auf dem gleichen Wege. Ihre Beute bestand vorzugsweise aus silbernen Kultgegenständen, Gebetbüchern und einem Tatar. Zwei Spießgesellen standen während des Einbruchs Schmiere. Tie silbernen Gegenstände wurden unter sachlundiger Beihilfe bei einem Schlosser in Stangen umgeschmolzen, die man für insgesamt 1700 Mark verkaufte. Ter Gefamtschaden der Synagoge beträgt 60 000 Mark. Tie Schuldigen wurden zu 'bugeren Freiheitsstrafen verurteilt. Anllarn. Budapest, im April. Das politische Organ der ungarischen duldenschast „Egye nilöse g" publiziert! seit kurzem eine Artikelserie: jüdische ungarische Musiker" aus der Feder des bekannten Mnsik- 'chriftstellcrs Julius Fo-dor, die den großen Einfluß beleuchtet, den das ungarische Judentum auf die Entwickelung der nngarischen Musik dir mehr als eine tu Jahrhundert ausgeübt hat und auch, heute noch ausübt. Ter Artikelschreiber beginnt seine Serie mit dein 1787 in Beszprsn, geborenen Markus R 6 z s a v v l g y i (Rosenthal), dessen >:ompositionen zu den volkstklnüichsten Perlen der vorerkelschen Vknsikuteratur gehören. Ihm schließt sich würdig der 1820 in Eger geborene größte Violinkünstler Ungarns Eduard Remenyi (Hofsluann) an, der den Ruf der ungarischen Musik sozusagen als Erster; ach ins Ausland bis Amerika trug. Wenn auch kein gebürtiger Ungar, so kann doch auch David Popper, geboren 1843 in Prag, ■m den bedeutendsten ungarischen Musikern gezählt werden. Popper wirkte lange Zeit an der Wiener Hvfoper als Cellist und wurde 1886 . nn die Budapester Königliche Musikakademie berufen, an der er bis ,n seinem am 7. August 1913 erfolgten Tode wirkte. Er kann mit llrcht als der Baker der nngarischen Cellistengilde und als der Schöpfer der modernen ungarischen Celloliteratnr bezeichnet werden. U'in gebürtiger Ungar war der HVivlinkönig" Josef Joachim, der ^31 in KöPeseny nächst Pvzsony geboren wurde. Ein hervorragender Komponist ist Julius I. Major, der zahlreiche Kammermnsiki'oerke, Lieder, Ktavierkompositionen und mehrere Gesangspiele ver- ' nste Und in Budapest seit 1896 eine gut besuchte Musikschule leitete. Fidor B a t o r , Albert S i k t o s, Lev W e i n e r , Gisella S z e l d e u- ^ehlesinger, Wilhelm Zagon, Eugen Fe n Yves, Paul Horo- ' > tz , Erwin N h i r e g y h azi, Paul A b r a h a m , Georg K o s a , "uchael Krauß, Johann Szegheö, Alexander Jemnitz sind gleichfalls zu großein Teile auch im Auslande bekannte Komponisten, -w alle werden vom Altmeister der nngarischen Musik, vom Opern- U inponisten Kart Gold m a r k, überragt, der selbst in die Musikgeschichte der Welt eingezogen ist. Der am 18.. Mai 1830 in Keszthely geborene Komponist der „Königin von Saba", des „Heimchens am verd", des „Götz von Berlichingen" usw. wird der Musikkunst Ungarns und der ungarischen Inden für ewige Zeit voranleuchten. Opern- ' k o rn poni st e n jüdischen Ursprungs sind neben Goldmark und Major noch Ala dar Radö, Michael. Krauß,; Michael Nador, der geniale Sohn des Regenschori der Temesvarer Israelitischen Kultus gemeinde Wilhelm Neubauer; B a l l e t k v m P o n i ft-e n : Armin Stern, Ivan Hüvös, Tibor Harsanyi; O P e r e t t e n k o m P o n i st e n : der in Warschau gebürtige, sich aber seit 1876 in Ungarn aushaltende und als Ungarn bekennende Joses Konti, Emmerich Kalman, Albert Szirmai, Biktvr Jacobi. K a P e l l m e i st e r : Adolf Ellenbogen, einstiger Balletmeister der Oper und intimer Freund des Komponisten Franz Erkel, war auch als Komponist allgemeiner bekannt: Desider Markus, langjähriger Direktor der Volksoper, der 1915 an die Dresdner Hofoper berufen wurde; Isidor Barna, langjähriger Kapellmeister des Volkstheaters, der auch zahlreiche Operetten komponiert hat;. Aiichael Nador. K o n z e r t d i r i g e n t e n : Ladislaus Kun, Ka pell nie ist er des Nationaltheaters und der hervorragendste Cyinbalki'nrstler Ungarns, und Emil Lichtenberg, der sich um die Gründung mehrerer Oratoriengefnngvereine verdient gemacht hat. C h a n s o n - n n d K.a b a r e t t k o m p.v n i st e n : neben Szirmai und Nädor noch Belä Zerkovitz, Albert Hetenyi - Heidelberg, Bella Rein iß, Johann Knruc, Ignatz Sas, Goza Chorin. S ä n g e r und Sängerin n e n : Fosef Ellinger (gestorben 1891), Benjamin Dalnoky (gestorben 1913), Eugen Teri, Edmund Kertesz, Desider Aranyi (der eine Zeitlang Mitglied des Prager Opernensembles Angelo Nenmanns war irnd auch in Berlin und Alailand glänzende Erfolge zu verzeichnen hatte), Josef Gabor, Wilhelm Kertesz (wirkt derzeit im Auslande), die Baritonisten Bernat Ney, Wilhelm Beck (der auch in Paris, London und Amerika mit großen Erfolgen gastierte), Desider Zrrdor (der in Rkünchen, Dresden, Berlin, Bayreuth. und London wirkte), Gaspar Szänto, Ladung L. Rozsa (der vor kurzem in der Nationaloper die Zielscheibe einer antisemitischen Demonstration unreifer Jungen bildete und demnächst eine Tournee nach Amerika antritt), Edmund Pajor, Arpäd Palotay. Diese noch bei weitem nicht vollständige Liste bietet alleirx schon einen glänzenden Beweis für die vielseitige und erfolgreiche Betätigung der nngarischen Jndenschast auf dem Gebiete der Musikliteratur. ... Oolrn. Z. Warschau, im April. In Warschau sind vor kurzem die Herren At a s s ob und K a m a i k y als Vertreter der „Hebrew Sheltelimgi and Immigrant aicE Society ok America“ (Hachnaffath Orchim) eingetroffen, um die Emigration der polnischen Juden, die Verwandte in Amerika haben, in die Wege zu leiten. Die Sheltering Soeiety hat bereits Anmeldungen von 50 000 amerikanischen. Juden erhalten, die ihre Verwandten, d. h. gegen 200 000 Personen, aus dein Osten nach Amerika herübernehmen wollen. Eine vorgenommene Enquete zeigte, daß diech 50 000 Inden 75 Rkillionen Dollar besitzen. Die Delegation beabsichtigt, die Emigration ans dem Festlande über Paris und dann den Kanal Ln Alanche nach Hüll in England zu leiten, von wo die Ueberfahrt nach Amerika stattfinden soll. Sie hofft, daß es ihr trotz der noch bestehenden Kvmumnikationsschunerigkeiten gelingen lvird, monatlich 2000 Personen nach Amerika herüberzuführen. In einem veröffentlichten Communiquo kündigt sie an, daß sie bereits alle-Borbereitungen getroffen habe, um in allernächster Zeit ihre Tätigkeit anfneymen zu können. Sie lverde den Emigranten keine Geldunterftützungen gewähren, sondern nur vermitteln beim Erhalten der IRittel und Dokumente von den Verwandten in Amerika, wie auch behilflich sein beim Erhalten der Visa von der amerikanischen Regierung lind bei der Versorgung mit Transportmitteln. Die Delegation warnt vor der Lignidiernng der Geschäfte, bis sie nicht neuer-, liehe Vkitteilungen über die Möglichkeiten der Ausreise machen wird. Amerikil. 1. P. Z. New Aort, im April. Ans der von zirka hundert Personen besuchten Konferenz der Telegieeten zlnn Jüdischen Kongreß in Rew s))orf trat Dr. Salkind, der Delegierte des Komitees der Jüdischen Delegationen in Paris, mit einer scharfen Rede gegen die jüdischen Vertreter auf und stellte sie einfach vor das Ultimatum, entlveder Mittel für die nötige Arbeit zu gewähren ’ ober zu erklären, daß sie sich um die Ereignisse in Europa nicht külnmern lv ollen. In die sein Falle werde morgen das Bureau des Pariser Komitees geschlossen werden. Er erwähnte, unter welchen Mühen die jüdischen Vertreter ans Rlißland und Polen nach Paris gekonlmen seien, nachdem sie durch die russische Revolution ökonomisch ruiniert worden waren.