Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1920)
- Date
- 1920-04-30
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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möglichst naher Termin an beraumt werden muß, voraussichtlich im Juni stattfinden werden. In den Reihen der Gemeindeverwaltung sind durch Verzug und Tod fühlbare Lücken entstanden: statt der erforderlichen 25 Repräsentanten sind zurzeit nur 10 vorhanden. Dringende Erledigung erheischt die Entsendung eines Mitgliedes zur städtischen Schnldeputation, zumal die jüdische Schule vor der Frage der Umgestaltung des Lehrkörpers und der Ueberweisung geeigneter Klassenräume steht. Eine vom Rechtsanwalt Dr. Kollenscher beantragte Resolution, die schleunige Anberaumung eines nahen Wahltermins fordert, wurde angenommen. Ferner wurde beschlossen, im Einvernehmen mit sämtlichen hiesigen jüdischen Bereinigungen positiver Richtung eine g e m e i n s a m e Vorschlagsliste aufzüstellen.?un jugendlichen Alter von 37 Jahren starb hier vor kurzem der- Kaufmann Herr L e o E i s i g. In der Vollkraft männlichen Schaffens war Herr Eisig Mitarbeiter des Jüdischen Volksrates geworden, als nw- 10. Rove-mber 101f8 der Jüdische Voltsrat 'entstand-. Gr brauchte nicht gerufen zu werden. er kam und -arbeitete mir. Mit der ganzen Hingabe seines warmen Herzens hat er als treuer Sohn seines'Volkes der jüdischen Sache gedient,- bis die tückische Krankheit ihn niederwars. Sein freundliches 'Wesen, sein friedfertiger Sinn haben ihm die Zuneigung -aller erworben. Sein kluger Rat, seine freudige Arbeitsbereitschaft haben der ernten Sache viele Erfolge gebracht. Auch im Ehrendienst der städtischen Armenverwalt'-ng hat er viele Jahre hindurch in selbstloser Weise gestanden. Tie Beerdigung fand unter großer Beteiligung seitens der Mitglieder unserer Gemeinde statt. — Stettin, 23. April. T e r. T e u t s ch e Landbund, der mächtigste Faktor der. organisierten Gegenrevolution, hat an das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft und der Reich-sgetreidestelle folgenden Protest gesandt: „Rach Mitteilungen in der Zeitung. „Deutscher Müller",- Rümmer 12/13, hat die Reichsgetreidestelle den 500 000 Juden Deutschlands zur Bereitung der Mazzoth für die jüdischen Osternje 8 Pfund feinstes Weizenmehl als Ostermehl zugewiesen-. 3 000-000 Pfund gleich 30 000 Zentner Mehl erhalten somit die jüdischen Untertanen zur Aufrechterhaltung ihrer-iRrten -als besondere Gabe ein Zeichen von Freiheit und Gleichheit-der deutschen Republik , während unseren Kranken das zu ihrer Gesundung notwendige Existenzminimum vorenthalten wird. Es ist dies die größte einseitige Bevorzugung einer- Bevölkerunasklasse, die jeden Kommentars erübrigt. Hierdurch, wird in allen Teilen des deutschen Volkes berechtigter Unwillen. .ansgelöst.■ Tie Landwirtschaft muß es aber auf das äußerste erbittern, wenn sie sieht, daß die für die Allgemeinheit des deutschen Volkes bestimmten Früchte ihres Fleißes einer begünstigten-Minderheit zugesührt werden. Wir erheben daher im Interesse der Ernährung des. deutschen Volkes auf das entschiedenste den allerschärssten Protest gegen dieses Vorgehen der Regierung und bitten um sofortige Stellungnahme." Ter -Protest des „Landbnndes" ist verständlich. Welche Schi'eberpreise hätte die notleidende Landwirtschaft für diese Ge tr ei dem engen erzielen können,-wenn man die Beschaffung des Weizenmehls der freien Vereinbarung überlassen hätte! Daß die angeführten Mengen erweislich falsch sind, wird die edlen Herren des „Landbundes" nicht stören. Daß man nach den amtlichen Erklärungen der zuständigen Stellen noch immer mit diesen alten Lügen hausieren geht, ist ein weiterer Beweis für die Geistesarmut der antisemitischen reaktionären Hetzer. — Staßfurt, 23. April. Großes Aufsehen erregte vor einigen Wochen, daß der antisemitische Herausgeber des dortigen „Tage- ' blättes", H o t t e n r o t'hJ'vor einer Theaterversammlung vonder christlichen Frau des dortigen jüdischen Arztes Tr. Rleger, den Hottenroth in seinem Blatte wegen seiner Konfession wiederholt ans das unflätigste beschimpft-.hatte, geohrfeigt worden war. Dieser Judenfresser schlug sich.natürlich bei dem Kapp-Putsch aus die Seite der Kapp-Regierung, upd'ler tat Dienste als Zeitfreiwilliger. Als i mm die Entwasfnilng'8er'Zeitfreiwilligen vor sich gehen sollte, bekam er es mit der Angst zu tun, und er versteckte sich in einem Bauerngehöft. Wie es ihm weiter ergingdarüber veröffentlicht der „Anhalter Generalanzeiger" folgende, der Tragikomik nicht entbehrende Schildernng: „Hottenroth mürbe aber gesunden und von der empörten 'Menge furchtbar zngerichtet. Mau führte ihn in die Stadt ulld wollte ihn von der Bodebrncke ans in den Fluß werfen. Im letzten Augenblick kam der jüdische Kausm-ann Joseph, den er ganz besonders in seinem Blatte beschimpft hatte, hinzu und. deckte-seinen Feind mit.seiner einflußreichen Persönlichkeit. Die Menge ließ sich denn. auch, beruhigen, und so konnte Hottenroth unbelästigt nach seiner Wohnung gebracht werden. Dort verband ihn-sogleich der Arzt Dr. R i e g e r, ausgerechnet derselbe Mann, den er iu seinem Blatte wiederholt mit Schmähungen überschüttet hatte." . . Hannover, 23. April. Aus dem soeben erschienenen 'Rechenschaftsbericht über die - Verwaltung des Wohltätigkeitsvereius der Synagogen gemeinde Hannover (Chewra Kadischa) vorn 1. Januar bis 31. Dezember 1919 ist zu ersehen, daß die ordentliche Einnahme 42 283,73 Mark., die ordentliche Ausgabe 41928,73 Mark und. der Ueberschuß 3 55 Mark betrugen. Ferner verzeichnet der Bericht außerordentliche Einnahmen im Betrage von 60 608,56 Mark, außerordentliche Ausgaben 42 097,10 Mark und einen Ueberschuß von 18 511,46 Mark. Zuzüglich des Ueberschusses der ordentlichen Einnahme, 355 Mark, betrügt der Kassenbestand 18 866,46 Mark. Der Verein erhielt im Laufe des Berichtsjahres verschiedene Geschenke wie auch Zuwendungen für gelegentliche Verteilungen bei Todesfällen und spricht im Bericht allen Spendern den Tank aus. „Die Grundsätze", heißt es im Bericht, „welche uns seither geleitet haben, unstre regelmäßigen Einnahmen nahezu ganz in den Dienst der Annenitnb- Krankenpflege zu stellen sowie Unbemittelte kostenlos zubeerdigen, sind auch im abgetan jenen Rechuungsjahre von uns befolgt worden. Die Vermehrung unseres Gemmtvermögens ergibt sich fast ausschließlich aus Stiftungen, die uns dauernde Verpflichtungen auferlegen. Die Anerkennung dieser guten Tat erblicken wir in dem Entgegenkommen unserer werten Mitglieder, die mit reichen Mitteln -dazu beitragen, durch Stärkung unseres festen Vermögens den Verein dauernd leistungsfähig zu erhalten. Eine unserer nächsten Ausgaben muß es sein, eine geeignete Unterkunft, eventuell ein Siechenhaus für Siechenkranke zu schaffen, da unser Krankenhaus auf deren Unterbringung nicht eingerichtet ist. Wir bittendeshalb unsere Mitglieder und Freunde, bei 'freudigen und traurigen Anlässen uns mit reichen Gaben für diesen Zweck zu bedenken." Das feste Vermögen des Vereins betrug Ende 1919: an Hypotheken und mündelsicheren Effekten 289 850 Mark: weitere zumeist mündelstchere Papiere 25 000 Mark; ferner der Fonds für Kriegsbeschädigte 2918 49 Mark sowie ein Sparkassenbuch und Kassenbestand 18 866,46 Mark: zusammen 336 634,95 'Mark. In diesem Betrage sind 219 300 Mark enthalten, wofür der Verein dauernde Verpflichtungen' übernommen hat. Unterstützt wurden im abgelausenen Jahre 84 hiesige Kranke und Unbemittelte. Unser Israelitisches Krankenhaus übernahm wiederum die Pflege von 12 armen jüdischen Kranken mit 3 33 Verpflegungstagen. Dafür leistete ihm der Verein einen Beitrag 'von 3500 Mark. Der Verein bedachte mit Unterstützungen aueh einige andere Wohlsahrtseinrichtungen und gewährte auch nach der Maßgabe seines- Vermögens Zuschüsse für Erholungsbedürftige während der Sommermonate. Der Verein zählte am 31. Dezember v. I. 685' Mitglieder,, darunter 123 beitragende Frauen. Im Jahre 1919 wurden aus unserem Friedhose beerdigt 3 6 Männer, 33 Frauen, 2 Kinder, im ganzen 71 Personen; davon gehörten dein Verein 19 als Mitglieder'an und- 9 waren Frauen von Mitgliedern. Auf Kosten des Vereins wurden 5 Leichen bestattet. Bon einzelnen sind nachträglich noch Teilbeträge der vom Verein verauslagten Kosten eingegangen. Rach übergeführt wurden 4 Leichen. Der Bericht schließt mit der Bitte: „Dringend bedürfen wir der Ueberlassnng von alten Talessim und dürfen wohl hoffen, daß uns solche zur Verfügung gestellt werden. Infolge des anhaltenden Mangels an Wachsimb Oellichtern haben wir in der Synagoge eine Vorrichtung geschaffen, um Jahrzeitlichter durch Elektrizität anzuzünden. Diese Einrichtung steht jedem zur Versü'gnng." L2 Frankfurt a. M., 23. April. Von der „K 0 m m issi 0 n für ländliche Wohlfahrtspflege" der Freien Vereinigung f ü r d i e Inte r e s s e n des 0 r t h 0 d 0 x e n I u d e n t u m s wird uns geschrieben: Wir beabsichtigen, die bereits vor bein Kriege begonnenen Bemühungen um Erhaltung und Hebung des geistigen Lebens in den jüdischen Landgemeinden nunmehr in systematischer Weise sortzusetzen und zu erweitern-. Zu diesem Zwecke erscheint uns die E i n r i eh t 11 n g reget m ä ß i g e r L ehrt u r s e