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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-04-30 · Heft 18 (30.4.1920) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 18 (30.4.1920)
Date
1920-04-30
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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I 4 (£4 sei eine Schande, daß, während die anderen fCeitieit Nationen Millionen für, ihre Politische Arbeit in Paris« ausbrachten, das Budget der Jüdischen Delegationen in Paris bis jetzt nicht mehr als einige achtzig tausend Francs betrug, und auch dies mußte zum. Teil aus den Privatmitteln der Delegierten gedeckt werden. B. Zucker in ann verlangte, daß der Jüdische Kongreß die ganze Hilfsarbeit aus sich nehmen solle und von diesen Hilfsgeldern auch die Ausgaben des Jüdischen Kongresses decke, welcher viel mehr für das Wohl der Brüder jenseits des Meeres leiste als das Joint Distribution Committee. Louis L i p s k t); der Sekretär der Zionistischen Organisation, kritisierte scharf die führenden Mitglieder des Jüdischen Kongresses, die es zu einem derartigen Zustande haben kommen lassen, und erklärte sich für einen permanenten jüdischen Kongreß. Tie Erklärung von Lipsky ist — obwohl er sie nur als Privatmann abgab — insofern von großer Wichtigkeit, als dadurch vielen Zionisten ihre Stellungnahme zu diesem Problem vorgezeichnet wird. Viele von ihnen waren bisher schwankend, da bekanntlich im vorigen Jahre bei Einberufung des Kongresses die Zionisten sich sehr reserviert verhalten hatten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß jetzt die Zionisten sich an der vor allem anderen nötigen Ausbringung des 25 000-Dollar-Fonds für den Jüdischen Kongreß rege beteiligen werden. Ans Gaund einer telephonischen Erklärung von Richard s, Sekretär des Ameri'kanischiüdisct'en Kongresses, daß die Lage der Juden in vielen Ländern so kritisch sei, daß der baldige Zusammentritt des Jüdiscben Kongresses erforderlich ist. fand in Philadelphia am 23. März eine Sitzung des dortigen Kongreßkomitees statt, auf der Bernhard Richards und Rabbi L e v e n t h a l referierten. Es wurde beschlossen, für den ehesten Zusammentritt des Konaresses einzutreten. Von den 25 000 Dollar, die in Amerika ietzt für das Kongreßbureau gesammelt werden ein Teil des Geldes ist auch für die Erhaltung des Komitees der Jüdischen Delegation in Paris bestimmt , übernahm Philadelphia die Aufbringung von 5000 Dollar. Ron Iflgh und Mn. — D i e H a u v t v e r f a IN rn l u n g des V e r b a n d e s der Deutschen Juden, die aus den 16. M a-i d. I., vormittags 11 Ubr. einberufen war, mußte mit Rücksicht auf die auoenblicklicken Verhältnisse, insbesondere aus die bevorstehenden Neichstaaswahlen, leider wieder vertagt werden. Der Geschäftsbericht über die Zeit mit dem Jahre 1013, in dem die letzte Hguptvermmmlnng tagte, N>ird demnächst veröifentlicbt iverden. - Die G e i e I l s ch a s t H a & nassat h K a l l a h , die älteste indische Bereinigung Berlins, beaebt am Sonntag, den 16. Mai, die Feier ihres zweihundertjabrigen Bestehens mit einem schlichten Festakt, dev der Erinnerung an die Begründer der Gesellschaft geweiht ist. Die Festordnuug sieht außer einem Prolog und musikalischen Darbietungen eine Weiherede Von Rabbiner Dr. Weiße Vor. T-er Jubiläumsfeier, die im Roten Saal des BrttderVereinshauses stattfindet. gebt eine außerordentliche Mitali-ederversammlung voran, die über eine Erhöhung der Ausstellerbeihilfen beraten wird. Tr. Joses Woblaemuth beging das 25 jährige Jubiläum als Dozent anl Berliner Rabbiiierseminar. Die Feier fand — dem Ernst der Jeit entsprechend im engen Kreise in. der Wohnung des Gefeierten statt. Im Rainen des Tozentenkollegimns überbrachte Dozent Tr. E p p e n st e i n die Wünsche -und den Dank der Mitarbeiter; für die gegenwärtigen Hörer des Rabbinerseminars svrach Rabbinatskandidat Stein: für das Kuratorium der Anstalt Rabbiner Dr. Vincbns K o h n. Ter greise Rektor des Semiars, Professor Tr. David H offmann, hob in herzlichen Worten die Verdienste Wohlgemuths hervor, der gerührt für die ihm zuteil gewordenen Ehrungen dankte. Bei der feierlichen Eröffnung des Sommersemesters im Rabbinerseminar aedachite Rektor Dr. H o f f m a n n wiederum der Verdienste Dr. Wohlgemuths ltin die Entwicklung bc-r Anstalt. - - Tie Gesellschaft der Quäker, deren Abgesandte gerade in den Tagen des Kapp-Putsches in Berlin eingetrosfen sind, hat sich die Kinderspeisung als besonderes Gebiet ihrer sozialen Hilfsarbeit in Berlin ausersehen. Sie will in allen Teilen der Stadt für die Kinder aller Stände Mittagsmahlzeiten Herstellen und verteilen. Für die erste Zeit sind täglich 130 000 Portionen geplant, doch soll diese Zahl später verdoppelt werden. Um auch den jüdischen Kindern, die unter der sehlechten Ernährung nicht minder leiden/ die Wohltat der «peisnng zu erweisen, sollen für diese die Mahlzeiten rituell hergestellt werden. Als Meldestelle für jüdische Kinder, die von dieser Wohlfahrtseinrichtung Gebrauch machen wollen, ist die Zentralstelle der Jüdischen Gemeinde bestimmt -worden. Die Quäker können nur bis zum Juni dieses Jahres in Berlin bleiben; dann muß. die Speisung aufhören, weil andere Pflichten sie rufen. -- Dem KaufniG-nn Siegfried K o Ix n sk i, 'der der Wucherabtei-lu-ng, des Polizeipräsidiums zugeteilt war und sieh bei dieser sehr erfolgreich betätigte, ist in Anerkennung seiner Leistungen das Verdienstkreuz für Kriegs- Hilfe verliehen worden. — In Zinten ist vor kurzem in die Synagoge ein- Einbruch verübt worden. Die Diebe brachen einen Fensterrahmen aus und gelangten so in das Gotteshaus, in dem sie die Wohltätigkeitsbüchse erbrachen und ihres Inhalts beraubten. Weiter entwendeten sie einen silbernen Pokal. — Dr. Siegbert Neufeld, seit 5 Jahren Rabbiner in Briefen ('Westpreußen), ist zuim 'RaW-ner der Kreissynagvgengenreinde Insterburg gewühlt worden. — Die 'Synagogengemeinde Dt.-Krone hat den Rabbiner Dr. Jacobus aus Berlin zu ihrem Seelsorger gewühlt. Herr Tr. Jacobus hat sein Amt bereits am 1. April angetreten. - - Aus Pcfen wird uns geschrieben: Schulmntskändidat Feilchenfeld, Enkelsohn des vor Jahren hier verstorbenen Gemeinderabbiners Dr. W. Feilchenfeld, ist seitens der Schulaufsichtsbehörde -mit der Leitung der Israelitischen Volksschule in Wreschen betraut worden. Ter Antritt erfolgt am I. Mai..Auf Veranlassung des Herrn GemeiuderabbinersDr. Fr e iman.n sind die in hiesiger Garnison untergebrachten jüdischen Mannschaften von der Kommandantur während der Feiertage vom Dienst befreit worden. Sämtliche Soldaten, weit über 300, wurden in Familien verpflegt oder auch in direkt eingerichteter Küche gespeist. — Provinzialrabbiner Dr. Leo H i rschfeld in Gießen beging am 14. April sein 25jähriges Amts»- und Ortsjubiläum-. — Den: soeben erschienenen Rechenschaftsberichte des Hilfsvereins der israelitischen Religionslehrer und Lehrerwitven in Baden entnehmen! wir, daß der Verein, u. a. unterstützt hat: einen hochbetagten -aktiven.Religionslehrer, der ein Jähresge.halt von 1200 Mark bezieht, eine Witwe mit einen: jährlichen Witwengehalt von 300 Mark und einen krankheitshalber znrückgesetzten Lehrer mit einer Pension von 750 Mark. - Aus Wien wird geschrieben: Di-, phil. et. jjur. Vtarkus Spitzer, der Vertreter der Judenischaft im Landesschulrat, Präsident der Ehewra-Kadischa, Vorstandsmitglied konservativer Richtung der Knltusaemeinde, ist im 70. Lebensjahre verschieden. Der Sportsmann und Kunstliebhaber Gustav (früher Freiherr von) Springer, Schwiegervater des Barons Fonld in Paris, ist verschieden. — Am II. April fand in Wien eine große Protestversammlung gegen den Pogronnantisemitismus der weißen Negierung ln Ungarn statt,, in der u. a. Oberrabbiner Dr. Ehajes und der Gemeinderat Tr. P l a s ch k e s sprachen. — Aus London wird gemeldet: Das Konzilium der Vereinigten Synagogen ha-t Chief-Rabbi Dr. Hertz autorisiert, Kanada, Südafrika, Australien.und New-Zealand zu besuchen. Dr. Hertz wird England Ende Oktober verlassen. Es -st dos erste Mal, daß ein Chief-Rabbi ineiner Mission das Jnselrcich 'erläßt. - - Aus Konstantin opel wi-rd uns berichtet: Der Grostrabbiner C h a i m N a u m Effendi hat dem Justizministerium sein Abschieds gesuch überreicht. In dem Gesuch dankt Ehaim Raum Effendi der türkischen Negierung für die Unterstützung, die ihm während seiner zwölfjährigen Amtstätigkeit von der Hohen Pforte zuteil geworden sei. Wie verlautet,-soll der Grund zu seinem Rücktritt in den Schwierigkeiten liegen, die entstanden sind durch stinen Wunsch, die Teilnahme der Inden fremder Staatsangehörigkeit an den Waben durchzusetzen. — Ein Kaufmann in Kleinasien hat dem englischen Konsul in Aleppo ein hebräisches Testament überreicht, das zwecks Bestätigung nach London übersandt wurde. Es ist das erste Mot in der Geschichte der englischen Registratur, daß ihr ein hebräisches Testament zur Bestätigung vorgelegt wurde. — Die „Jewish Publication Society of America" hat der zionistischen Organisation Amerikas. mitgeteilt, daß sie beschlossen habe, Exemplare aller von ihr herausgegebenen Bücher der Jerusalemer Universität zur Verfügung zu stellen. Die Bücher werden bei der ersten sich darbietenden Gelegenheit nach Palästina gesandt werden. — HenryMorgenthau, der ehemalige Botschafter in der Türkei, ist zum Botschafter in Mexiko ernannt worden. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Floraftratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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