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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-04-30 · Heft 18 (30.4.1920) · p. Seite 200

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 18 (30.4.1920)
Date
1920-04-30
Page
Seite 200 (sequence 8)
Language
German
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200 - Hinweis aus den ursprünglichen Zweck des Pint, als Ersatz für die Derascha zu dienen. Wie so viele frühere Veröffentlichungen-, die auf die Genisa zurückgehen, ist auch diese von großer wissenschaftlicher Bedeutung. Wieviel ungehobene Schätze von gleichem Werte mögen die bisher nicht geprüften Handschriften bergen! Mit Recht betont der Herausgeber im Vorwort die Notwendigkeit, daß energischer und planmäßiger daran gearbeitet werde, die Genisafragmente zu veröffentlichen und der indischen Gelehrtenwelt zugänglich zu machen. Wir in Deutschland, die wir durch die materiellen Verhältnisse für absehbare Zeit von der Benutzung ausländischer Bibliotheken in größerem Umfange ausgeschlossen sind, können uns diesem Wunsche nur von Herzen anschließen. Die Schätze der Genisa sind wertlos, solange sie unzugänglich bleiben; Veröffentlichungen wie die vorliegende bringen die Wissenschaft ein gut Stück vorwärts. Interessante llebensrrinnerungen. Von Regina Reißer (Breslau). (Schluß.) ^^ines Abends gab der Türken- Hirsch in Monte Carlo zu Ehren des Prinzen von Wales ein Diner, zu welchem ich auch geladen war. Nach dem Essen gingen der Prinz und die ganze Gesellschaft in die Spielsäle. Wir saßen dort an einem auf Veranlassung unseres Gastgebers besonders reservierten Noulettetisch. Der Türten-Hirsch setzte selbst nur sehr klein, spielte im allgemeinen mit Fünsfrankstücken und riskierte höchst selten einmal einen goldenen Louis. Dabei zitterte er ganz ausfällig mit den Händen jedesmal, wenn er einen Satz wagte. Alles amüsierte sich darüber, und ein ihm befreundeter englischer Lord neckte ihn sogar corarn ,-publici wegen seines Handetattrichs. Da ich mich sehr gut mit Hirsch stand und wir uns auch auf dem Neckfuß befanden, fragte ich ihn beim Verlassen des Spielsaales, warum er beim Riskieren von fünf Frank solch kolossale „Maure"-) gehabt habe. Er lachte und sagte: „Maure habeich natürlich nicht wogen der fünf Frank gehabt, sondern infolge des Gefühls, daß ich, wenn ich mich an Roulette oder irgendeinem anderen Hasardspiel beteilige, vielleicht auf die schiefe Ebene geraten könnte, denn kein Vermögen, selbst das meinige, ist groß genug, wenn man von, Spielteufel erfaßt wird." „In der ersten Hälfte der neunziger Jahre", fährt er fort, „lernte ich während meiner häufigen Besuche in Paris auch eine merkwürdige, in seiner Art sehr interessante Persönlichkeit kennen, mit der ich fortan in ständigem, regem Verkehr blieb. Es war dies ein Monsieur Guillaume Betzold, wie die Franzosen ihn nannten. Seine Frau wurde allgemein mit dein Namen „La Princesse^ bezeichnet. Herr^Wilhelm Betzold stammte aus Dessau. Er war von jüdischer Abstammung und bereits im Alter von neunzehn Jahren wurde er im Wiener Hause Rothschild angestellt. Seine Frau stammte aus Rumänien und gehörte zu der dort weitverbreiteten Familie der Prinzen Ghika. Später ging Wilhelm Betzold nach Paris und wurde bei dem dortigen Hause Rothschild angestellt. Da er seiner Rationali- Rachel Felix. . (Roch dem Gemälde von B. I. Müller in der Oomeäie kranes-ise Paris.) Dic große jüdische Tragödin wurde vor hundert Jahren. am 18. Februar 1820, zu Mumps im Kanton Aargau geboren. Sie blieb treu dein Bäterglanven nub stard am 3. Januar 1858 in ihrem Landhaus zu Canet bei Toulon. -) Ein jüdischer Ansdruck für Angst. tat nach Deutscher war, mußte er bei Ausbruch des Krieges 1870/71 Paris verlassen und ging zunächst nach London. Dort erhielt er plötzlich eine Aufförderung Bismarcks, sich zu ihm in das Große Hauptquartier zu begeben, welches sich zurzeit auf Schloß Ferrivres, dem Landsitz -der Pariser Rothschilds befand. Während des ganzen Feldzuges blieb er dann bei Bismarck als Berater in finanziellen Angelegenheiten. Sehr interessant waren die Erzählungen seiner Erlebnisse und Beobachtungen aus dieser Zeit und insbesondere aus. den Tagen, wo das Hauptquartier sich in Ferneres aufhielt. Wilhelm Betzold war Zweifellos in seiner Art ein sehr kluger und sogar genialer Kopf. Selten hat es einen Finanzmann gegeben, welcher in allen Ländern der Welt so viel intime Beziehungen besaß wie er. Bei der gesamten europäischen, amerikanischen und sonstigen Hautefinance war Betzold bekannt und wurde zu vielen großen illlernationalen Transaktionen als Berater hinzu gezogen. Trotzdem ist er nie ein reicher Mann gewesen, denn alles, was er mit seinem genialen Kopf erwarb, verspielte er wieder an der Börse. In Berlin war sein Hauptgeschäftssreund der seinerzeit allgemein bekannte Finanzmann mib jahrelange erste Direktor der Discontogesellschaft Adolf v. Hansemann. Wenn dieser ans Geschäftsreisen ins Ausland ging, war er fast immer von seinem Freunde Betzold begleitet. Im allgemeinen lebte Betzold in Paris, doch war er den größten Teil des Jahres aus Reisen. Im September 1898 kam Adolf v. Hansemann, wie immer von seinem Freunde Betzold begleitet, nach London. Die Verhandlungen zwischen den deutschen und englischen interessierten Gruppen fanden in dem Geschäftshause der Londoner Rothschilds statt. Nachdem endlich mit großer Mühe eine Einigung erzielt war, gab Baron Alfred Rothschild 'in seinem Privathause eingroßes Diner zu Ehren des Ereignisses. Außer allen beteiligten Unterhändlern waren auch mehrere englische Kabinettsminister zugegen, ebenso Gras Paul Hatzfelds und ich selbst. Aber nicht nur in der Finanzwelt, sondern auch in politischen und Diplomatenkreisen aller Länder besaß Betzold vorzügliche Beziehungen und war überall eine sehr wohl gelittene Persönlichkeit. Unter deutschen hochgestellten Persönlichkeiten waren hauptsächlich der Fürst Chlodwig von Hohenlohe, der Botschafter Fürst Münster und der Feldmarschall Gras Walidersee seine großen Gönner. In engen Beziehungen stand er zeitweilig auch zu Holstein sowie später zum Fürsten Radölin. In dem eigentlich politischen Teil meiner Memoiren wird von dem kleinen Betzold viel die Rede sein." In späteren Jahren, erst nach der Jahrhundertwende, lernte ich in Paris zwei sehr interessante Persönlichkeiten kennen, .zu welchen, ich in 'ein sehr nahes Freundschaftsverhältnis trat. Es waren dies die beiden unzertrennlichen Freunde, -der bekannte Pariser Finanzmann Armand Levy und Gaston Calmette, der jahrelange Direktor und Mitaktionär'des „Figaro". „Inhaber des Londoner Hauses Rothschild", heißt es später, „waren bis vor einigen Jahren die drei' Gebrüder Nathan-iel, Alfred und Leopold v. Rothschild. Sie waren vorzügliche Menschen, leider sind sie jetzt alle drei. tot. Der älteste von ihnen, Nathaniel, meistens mit der Abkürzung Natty genannt, führte den Titel eines Lords und hatte einen Sitz im englischen Oberhaus. Wie alle Mitglieder der Familie 3i Der damaliae deutsche BokWafter in London.

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