Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-04-30 · Heft 18 (30.4.1920) · p. Seite 199

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 18 (30.4.1920)
Date
1920-04-30
Page
Seite 199 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3229443-3229460--75711-3288234
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

190 über das L-chr-erbilVimgOwes-erl veröffentlicht sein werden, soll m. einer gemeinsamen Sitzungder Lehrerkollegien und der Berwaltun.gskö-rperscha.ften' der drei Seminare die praktische Durchführung der 'Zusammenlegung erluooen werden. Sowohl um der Hebung der Leistungsfähigteit der Seminare rvillen wie auch aus paritätischen Gründen wird es für nötig gehalten, daß der Staat, der bisher schon einzelne Anstalten subventioniert hat, sich mehr als bisher des jüdischen Lehrerbildungs- Wesens an nehme, und Herr seiner soll als Vertreter des Verbandes der jüdischen Lehrervereine auf der demnächst stattfindenden Reichsschulkonferenz ersucht werden, für den Fall, daß der konfessionelle Charakter der Seminare gewahrt bleibt, die Umwandlung von zwei bis drei jüdischen Seminaren in staatliche zu fordern. Allgemein wurde geklagt, daß unsere Schüler mit einem zu geringen jüdischen Wissen in die Seminare ein treten, lind von allen Seiten wurde gefordert, daß die Neligionsfächer eine stärkere Betonung erfahren. Schließlich wurde die Forderung aus'gMrochen, Mß'Die mn den jüdischen Seminaren beschäftigten Lehrkräfte nn bezug auf die 'Besoldung den Lehrern an den staatlichen Anstalten gleichgestellt werden. U nt-er sämtlichen Betei ligten h errschte n icht n u r in den.'Hauptsragen, sondern auch in den. Einzelheiten eine erfreuliche Einmütigkeit. Machsor yannaü Von I. E l b o g e n. es das Ideal eines jüdischen Autors ist, daß V V'' sein Name über seinem Werke in Vergessenheit gerät, so hat der in der Überschrift genannte Dichter dieses Ideal erreicht. Seine Person deckt tiefes Dunkel. Weite jüdische Kreise dürften mit Heinrich Heines Gattin ausrufen: „Sonderbar, daß ich niemals nennen hörte diesen großen Dichternamen!" Und das, obwohl soeben am ersten Sederabend die überwältigende Mehrzahl der Juden das von unserem Dichter verfaßte Lied mit dem Refrain nb'bn ^PQ '.^1 gesungen hat! Allmählich freilich hat im letzten Jahrhundert die Forschung einige Taten ermittelt, die zur' Bestimmung seines Platzes in der Literaturgeschichte dienten, aber seine Dichtung blieb unbekannt, denn die einzige 'veröffentlichte - größere Komposition — der das erwähnte Lied zugchört —-fand 'sich., in seltenen Drucken des deutschen Gebetbuchs. . Bor zehn 'Jahren wurde zum. ersten Male die ErwähnuM-.'einer. Mdichtsamm--. lung des Dichters mit Anführung von. Anfängen seiner Poesien gefunden, erst jetzt liegt uns eine Sammlung seiner Dichtungen unter dem Titel- „Machsor Jannai" vorJ. In den Jahren 1897 und 1900 wurden einige Palimpseste griechischer Bibelübersetzungen veröffentlicht,-die berechtigtes Aufsehen erregten, um deren hebräischen Text aber sich niemand kümmerte. Es ist eine überaus verdienstliche Entdeckung Israel D a v i d s o n s in New Bork, daß er auf diesen Tafeln Reste von Piutim Jastnais, den Saadja als zweitältesten liturgischen Dichter nennt und der nicht später als 700 gelebt haben kann-), erkannt hat. Diese hat er um einige Fragmente anderer Herkunft und um die bereits früher gedruckten-Poesien bereichert und zu einem Ganzen vereinigt. Einikurzer Kommentar gibt die Anleitung zum Verständnis; weitere Erläuterungen hat Louis Ginzberg, ebenfalls in New Bork, beigetragen. Eine ausführliche Einleitung sammelt die bekannten Notizen über Jannai und seine Dichtungen, ver- 1) Mabzpr Yannai, a lituigical work of the Vllth Century, edited from Genizah fragmcnts with notes and intrcduction by Israel D a v i d s o n and additional notes by Louis Ginzberg "2' Texts and S tu dies of the Jewish Theological Sein inary of America vol. VI, New Uork 1919, XLIX u. 55 S. 8°. 2) E'lbogen, „Der jüdisä)e Gott'sdienst", S. 3O9ff. breitet sich über seine Stellung in der synagogalen Poesie nnb gibt eine Uebersicht über den Aufbau seiner Kompositionen. Jannais Dichtungen gewähren einen Einblick in die Entwickln n g s g e s ch ichte des Pint. Bisher bildeten Kälirs?) Arbeiten den sicheren Ausgangspunkt für unsere Untersuchungen, nunmehr aber lernen wir einen Dichter kennen, der älter ist, dessen Kompositionen ganz deutlich ein früheres Stadium des paitanischen Stils verraten. Es sind freilich schon bestimmte Formen ausgebildet, der äußere Rahmen kehrt konstant wieder, Akrostichon, Reim, musivische Verwendung von biblischen und räbbinischen Sätzen, Erklamationen - alles, was zum späteren- Piutstil gehört, ist bereits vorhanden und zum festen Schema geworden. Aber der Dichter ringt noch hart mit der Sprache, der Ausdruck ist vielfach schwerfällig, das Bild nicht immer treffend. Es muß also bereits eine Entwicklung vorangegangen sein, ehe Jannai anftreten konnte, aber es scheint sich noch keine Schule, noch keine Meisterschaft 'herausgebildet zu haben. Kalir erweist sich nach der Vergleichung tatsächlich als Meister der Sprache und der Darstellung; es ist kein Zufall, daß seine Dichtungen sich erhalten haben, während die Jannais unberücksichtigt blieben und verloren gingen. Dazu mag auch beigetragen haben, daß der ältere Dichter nicht davor zurückschreckte, in seinen Arbeiten den spröden Stoff der Hatacha stark zu berücksichtigen, während , Kalir die leichter mundende Kost der Haggada verabreichte. Es war eben nicht leicht, den rechten Stil zu schaffen, Stoff und Methode für den Pint zu finden; -es konnte erst nach mehrfachen Versuchen gelingen. Born wissenschaftlichen Standpunkt aus kann es nur begrüßt werden, daß wir nunmehr eine sehr wichtige Zwischenstufe kennenlernen. Jannai erweist sich als fruchtbarer Dichter; es ruht auf gesicherter Ueberlief-erung, wenn von «ihm berichtet wird, daß er Kerobot zu allen Perikopen verfaßt hat. Aber man darf dabei nicht an unseren einjährigen Zyklus deuten, vielmehr handelt es sich um den in Palästina lange üblichen dreijährigen. Darin besteht - eine weitere Bedeutung der neuen Veröffentlichung, daß sie ein wichtiges Zeugnis für die Verwendung des palästinischen R i t u s darbietet. Bereits früher habe ich gelegentlich auf das Vorhandensein von synagogälen Dichtungen zw allen Wochenabschnitten des dreijährigen Zyklus kurz hingewiesen; jetzt sind solche zum erstenmal öffentlich bekannt geworden. Fünf Stücke behandeln hintereinander die Perikopen von III. Moses 13 bis 15, genau in der Reihenfolge der von der Maisora angegebenen und im palästinischen Zyklus innegehaltenen Sedarim. Auch Stück 6 und 7 beziehen sich auf zwei zusammenhängende Sidras, HI. Mose 21, 1 und 22, 17. Stück 8 und 10 sind S ch i b a t a s, d. h. Poesien für die Musaftephilla von Pckach und Rosch- Haschana, beide offenbar defekt, beide in ihrer Art völlig neu. Der Bau der Piutim, die Verweisungen auf die zugehörigen Gebetstellen setzen die palästinische Tefilla voraus, sogar die behandeltem Themen und verwendeten Bibelverse lehnen sich deutlich an den palästinischen Midrasch an. So gewinnt die Veröffentlichung besondere Bedeutung als Z e u g n i s f ü r d a's G e i st e s l e b e n der Juden P a l ä st i n a s in einer sonst dunklen Zeit. Als Kuriosum verdient die auf Seite 44 ff. gedruckte Introduktion hervorgehoben zu werden, die sich in einem Manuskript des Jewish Theological Seminary of America innerhalb der Keroba zum „großen Sabbat" befindet. Wenn ich sie auch nicht mit dem Herausgeber der gaonäischen Zeit, sondern ein^r späteren zuschreiben möchte, so bleibt sie doch wegen ihrer Form und verschiedener in ihr enthaltener Wendungen höchst beachtenswert. So heißt es in ihr am Schluß '28 OD221 — ein deutlicher h (Mögen, a. rt. £. S. 310 ff.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.