Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1920)
- Date
- 1920-04-30
- Page
- Seite 198 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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108 du gesehensten Iudell und Ukrainer werden in -Kitbcln cm geh a l ten. Bej sonders häufig sind Uebersälle auf Gotteshäliser, ans denen die Gläubigen mit Geivalt zu Arbeiten hinter der Front geholt worden. So überfielen Haller-Trnppen am 4. April in Kolonien die Hauptshnagog? | und trieben die zu feierlichem Ostorgebet versaumrelten Wurden zuj sammen und zwangen sie zum Verladen von Kriegsgerät. Aehnliche! Bor komm nisse spielten sich in Brodnh und in der Umgegend von Brodnh ad. Bisher sind viele Ncordtaten vvrgekonrmen. Zahlreiche j Einlvohner flüchten ills Ungewisse. l * | i Bon den Proselyten in Rußland. Unter den Bekennern des jüdischen Glaubens, die ihre j Blicke nach Palästina richten, gibt es auch die sogenannten! ,,Gerim". Es sind dies die .Konvertiten zum Judentum, deren! Zahl in Rußland alls 150 000 geschätzt wird. Ursprünglich j orthodoxe Christen, wandten sie sich dem Judentum zu und! begannen den Sabbat strenge zu beobachten. Anfangs blieben! sie dabei stehen, nahmen jedoch später die jüdischen Gebräuche j an. Die russisch-orthodoxe Kirche begann sie zu verfolgen und j viele flohen nach Sibirien, wo sie ausgedehnte Ackerbaukolonien > gegründet haben, so an der Wolga, im Uralgebiet, in den! kaukasischen Bergen und in Sibirien. Als 1017 die Revolution > ausbrach, nahmen die Gerim infolge der Propaganda des jüdischen Schriftstellers Sch . . ansky offen das Judentum an, bedienen sich jedoch in der Liturgie des Russischen. Die Sekte steht schon in der dritten Generation und es gibt ganze Städte, die ausschließlich von diesen Konvertiten bewohnt sind. Nach einer Meldung der bolschewistischen „Kijewskaja Prawda" wurde W e r a T s ch e b e r j a k, die Hauptbelastungszeugin im Beilis-Prozeß, durch Urteil des Kiewer Revolutionstribunals hingerichtet. Bor ihrer Hinrichtung soll sie Aussagen gemacht haben, wonach die ganze Anklage gegen Beilis künstlich konstruiert worden sei. Diese Aussagen sollen demnächst veröffentlicht werden. J. P. Z. * Das Schicksal Palästinas. Reuter und Exchange Telegraph Agency berichten aus San Nemo unter dem 25. April: Die Konferenz hat die Einverleibung der Balfonr-Deklaration in den Friedensvertrag mit der Türkei beschlossen, die vorsieht, daß Palästina das nationale Heim der Inden werden soll unter Berücksichtigung der Rechte der arabischen Bevölkerung. Der Oberste Rat hat das Mandat für Palästina an Großbritannien gegeben, indem er Frankreich und Großbritannien die Regelung der Grenzfrage überläßt. Es wurde ferner beschlossen, daß das Statut, das Großbritannien für Palästina ansznarbeiten hat, Bestimmungen über die Errichtung einer nationalen Heimstätte für die Juden gemäß der Balfonr- Deklaration enthält. Der Schutz der religiösen Gemeinschaften, der früher von Frankreich ansgeübt wurde, soll in Zukunft den zuständigen Konsulaten anvertraut werden. Die Trage der Bewachung der heiligen Stätten soll in Kürze geregelt werden. Bericht über eine Vrrlsmmluns der Milchen SeminsrdirkKtorrll. in 12. und 1-1. April d. I. fand in Kassel eine Zusammenk.nnsi ZX der Direktoren der si'mf jüdischen Lehrerseminare Preußens lEarlebach tKöln), Guttmaun (Berlin), Knoller (Hannover), Lazarus lkassel), Dteinthal (Münsier)j. statt, um über die Tragen zu, beraten, die sich aus der inneren und äußeren politischen Umgestaltung, der Ab- Umänderung der Inden in die Großstädte und dem Rückgang der Landgemeinden, aus der zunehmenden Abwendung unseres Nachwuchses vom Lehrerberufe sowie aus der Neuordnung des gesamten Lehrerbildungswesens für die jüdischen Dem inare ergeben. Wegen der Höhe der Reisekosten hatte man davon abgesehen, auch die Seminarlehrer zu der Konferenz einznladen, doch nahmen die Herren Seminarlehrer Katz und Moses aus Kassel und Herr Landrabbiner Dr. Walter und Herr Blumenthal als Vertreter des Borsteheramtes der Israeliten zu Kassel an der Verhandlung teil. Es wurde zunächst betont, daß die Allsbildung jüdischer Lehrer ilach wie vor an den jüdischen Anstalten erfolgen müsse, denn von dem Vorhandensein eines jüdischen Lehrerstandes — nicht einer gewissen Zahl von Lehrern, die zufällig Inden sind — hänge der Tortbestand des Judentums ab. kleinere und mittlere jüdische Gemeinden ohne Lehrer seien dem Untergang geweiht. Aber man verschloß sich auch nicht der Erkenntnis, daß begeisterte und befähigte junge Männer sich ans die Dauer nur dann dem Lehrerberufe widmen werden, wenn sie eine auskömmliche Besoldung erwarten dürfen. Die Konferenz nahm deshalb eine Resolution an, die allen die allgemeinen Interessen des Judentums wahrenden Verbänden zngesandt werden soll und folgenden Wortlaut hat: „Am 12. und 13. April tagte in Kassel eine Versauuntung der fünf Direktoren der jüdi'-chen Lehrerbildungsanstalten Preußens, um die zukünftige Gestaltung der von ihnen geleiteten Anstalten und Schritte für di? Bessevlmg der Aussichten ihrer Schüler uns Anstelllmg zu beraten. Die Direktoren halten unter den gegenwärtigen Verhältnissen noch mehr als früher.bk Ausbildung von pädagogisch und wissenschaftlich auf der Höhe ihrer Aufgabe stehenden Lehrern im Interesse der Erhaltung des religiösen. Lebens — namentlich in den kleinen und mittleren Gemeinden — für eine unabweisbare Nxstweudig'keit. Sie sind aber auch überzeugt, daß die Möglichkeit der Heranbildung einer allsreichenden Zahl tüchtiger Rfligionslehrer und Kultusbeamten mir gegeben ist, wenn ihren Schülern eine sichere ilnd auskömmliche Besoldung in Allssicht gestellt werden kann. Sie richtet deshalb all die jüdischen Verbünde das dringende Ersuchen, durch großzügige "Aktionen, wie eine solche scholl vom Bunde gesetzestreuer jüdischer Gemeinden in die Wege geleitet worden ist, durch Zusammenfassung aller Kräfte und Inanspruchnahme aller dazll berufenen Organe, namentlich den kleinen Gemeinden die Anstellung eines der Würde seines Berufes und den Verhältnissen der Gegenwart e nt sp reckend besoldeten Lehrers lmd Knltnsbeamten zll ernlöglick>en." Tie Bersamm'lung hielt es dann für nötig, ihre Stellungnahme zur jüdischen Volksschule dahin zu präzisieren, daß die Errichtimg jüdischer Bekenntnisschulen überall da, lvo sie möglich sind, von den Gemeinden auch gefordert werden soll. Denn nur durch die jüdische Bekenntnisschule könne eine wahrhaft jüdische Erziehung unserer Jugend, mir in ihr voller Schutz gegen konfessionelle Verhetzung gewährleistet lverden. An dritter Stelle beschäftigte sich die Versammlung mit der Umgestaltung der Seminare. Nach der Reichsverfassung erwerben sich die künftigen Volksschnllehrer ihre Allgemeinbildung ans einer höheren Lehranstalt: die Fachbildung wird voraussichtlich auf besonderen Pädagogischen oder alls den bestehenden Hochschulen erfolgen. Schon hat die Preußisch? Landesversammlnng in der Sitzung vom 12. Dezember 1919 be'chlossen, die Staatsregierung zu ersuchen, die in der Reichsverfassung allsgesprochene Forderung zll verwirklichen und zu den bestehenden^ höheren Lehranstalten als gleichberechtigt eine neuzuerrichtende höhere Schule alls ausgesprochen deutscher Grundlage, die sich, aus der Bölksschnle anfbaut, die delltsche Oberschule, treten zu lassen, die bisherigen Lehrerbildungsanstalten in deutsche Oberschulen zu, verwandeln lmd die Fachbildung alls besondere pädagogische oder die bestehenden Hochschulen zli verlegen. Die Teilnehmer der Versammlung waren einstimmig der Ansicht, daß allch die jüdischen Seminare in delltsche Oberschulen verwandelt werden müßten-, um ihrer Bestimmung, jüdische Lehrer heranzubilden, erhalten zu bleiben: daß ferner besondere Einrichtungen getroffen werden müßten, lim ihren Abiturienten die Möglichkeit einer speziellen Ausbildung aus denl Gebiete der Religions,Wissenschaften, der Religionsmethodik llnd des Kantoraks zu ermöglichen. Aber auch darüber war man sich einig, daß die Zahl der jüdischen Lehrerbildungsanstalten zu groß sei und daß Schritte getan lverden müßten, um eine Zusammenlegung der Anstalten in Hannover, Kassel und Münster herbeizn führen. Unter den Direktoren dieser Anstalten herrscht über die Notwendigkeit dieser Maßnahme volle Einigkeit, und auch die Kuratorien scheinen nach allem, was in der Versammlung darüber berichtet wurde, bereit zu sein, die Hand zu dieser im Interesse des Lehrerstandes nicht nur wünschenswerten, sondern geradezu notwendigen Verschmelzung zu bieten. Sobald die neuen Bicstimmnngen