Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1920)
- Date
- 1920-04-23
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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e) Kein Sabbat- und Festgottesdienst/ohne Predigt oder Schrifterklärung. d) Ausschaltung aller vermeidbaren Längen.^ ' ' - 3. Einführung von regelmäßigen Lehr- und Erbaunngsvo^trägen in den Synagogen. II. a u f d e m Gebiet des B i l d u n gswe s e n s : 1. Förderung der Wissenschaft des Judentums. 2. Verbreitung der Kenntnis vom Judentum durch Unterstützung der jüdischen Volkshochschule und ähnliche Bestrebungen» verfolgender Vereine. Errichtung jüdischer Lesehallen und Bibliotheken. 3. Gleichstellung des jüdischen Religionsunterrichts in den öffentlichen Schulen mit dem christlichen. Fachmännische Beaufsichtigung des gesamten jüdischen Religionsunterrichts. 4. Weckung und Stärkung des religiösen Bewußtseins der jüdischen Jugend durch Ausbau des Unterrichts in jüdischer Religion, Geschichte und Literatur. Die hebräische Sprache ist so weit zu lehren, daß das Verständnis der Gebote herbeigeführt und eine Einführung in die Quellen geboten wird. 5. Den reiferen Schülern sind die gesicherten Resultate der Wissenschaft zugänglich zu machen. 6. Einrichtung von Fortbildungsschulen für die schulentlassene Jugend. .7. Förderung der jüdischen Jugendvereine ohne Rücksicht auf die religiöse Richtung. 8. Ausbau der ergänzenden Erziehungsfürsorge für Kleinkinder und Schulkinder. III. auf s o z i n l e m G e b i e t: 1. Förderung der Liebesdienste an Kranken, Sterbenden und' Toten. 2. Zeitgemäßer Ausbau der Armenfürsorge, Waisenpflege und Altersversorgung. Stützung der wirtschaftlich Schwachen durch Förderung bzw. Neuschaffung geeigneter sozialer Einrichtungen. 3. Förderung von Handwerk und Bodenkultur unter den Juden. I V. auf dem Gebiet d e r B e r w a l t u n g : 1. Beseitigung des Gesetzes vom 23. Juli 1847 und Schaffung -einer Gesamtorganisation der jüdischen Gemeinden Deutschlands. 2. Zusammenschluß aller Juden Groß-Berlins zu einer einzigen leistungsfähigen Gemeinde und Verhinderung aller Trennnngsbestrebungen. 3. Dezentralisation durch Schaffung von liberalen und konservativen Synagogenbezirken mit erweiterter Selbstverwaltung. 4. Allgemeines, gleiches, geheimes und direktes Wahlrecht unter Gleichstellung der Geschlechter. Derhältnisloahlsysteru. Je ein Repräsentant auf je 3000 Gen'.eindemitglieder. 5. Mitwirkung von Gemeinderabbinern bei allen den Kultus und Mitwirkung Von Gemeinderabbinern und Lehrern bei allen den Unterricht betreffenden Fragen. 6. Heranziehung von Genieindemitgliedern beider Geschlechter aus allen Schichten der Bevölkerung zur Gemeindeverwaltung. 7. Erhebung der Steuerbeiträge als Zuschläge zur Staatseinkonunensteuer. 8. Abschaffung der Zahlung von Kasualgebühren an die Rabbiner und Kultutzbeamten. 9. Wahrung der Gewissensfreiheit und materiellen Unabhängigkeit der Gemeindebeamten durch lebenslängliche Anstellung bei angemessener Besoldung nach einer gewissen Probezeit. Heranziehung gewählter Vertreter der Beamten, Angestellten und Arbeiter der Gemeinde zur Entscheidung in allen Fragen des Arbeitsverhältnisses. Schaffung einer unparteiischen Instanz für Streitfälle. Berlin, 20. April». In der Lehranstalt für die Wissenschaft des J'udentluns finden im Sommer-Semester 1920 folgende Vorlesungen statt: Herr Tr. Baeck wird lesen: 1. Einleitung in die Midrasch- Literatur, 2 Stunden. Dienstag 8-10. 2. Homiletische Hebungen! für Anfänger, 1 Stunde. Freitag 9-10. 3. Homiletische Hebungen für Fortgeichrittene, 1 Stunde. Freitag 8 -9. Herr Prof. Dr. Baueth wird lesen:. 1. Talmud bab., Baba Kamma K. 7, 6 Stunden. Montag, Mittwoch, Donnerstag 9—11. 2. Talmud jer., Mord Katan, 1 Stunde. Montag 11—12. 3. Orah Hajim, Hil. Tefilla, 1 Stunde. Mittwoch 11—12. 4. Jore Te'a Hil. Dresot, 2 Stunden. Donnerstag 11—1. 5. Eben harzer, Hil. Gittin, 1 Stunde. Montag 12--.-1. 6. Einleitung in Mischna und Talmud, 1 Stunde. Mittwoch 12—1. Herr Prof. Dr. Elboaen wird lesen: 1. Geschichte der nachbiblischen jüdischen Literatur, 2 Stunden. Mittwoch 6—8. Die Masa'ot des Benjamin von Tudela, 2 Stunden. Dienstag 10—12. 3. Liturgisches im Talmud, 4 Stunden., Montag, Donnerstag 3--10.- 4. Historische Uebungen, 1 Stunde, Freitag 10—11. Herr Prof. Dr. G u t t m a n n wird lesen: 1. Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie von Ende des Mittelalters bis zur Zeit Mendelssohns, 2 Stunden. Mittwoch, Freitag 11- 12. 2. Grundfragen der Religionsphil'osophie, 2 Stunden. Mittwoch, Freitag 12—1. 3. Uebungen zur Religionsphilosophie, 2 Stunden. Montag 11—1. 4. Interpretation des Moveh Nebuchim, 2 Stunden. Donnerstag 11- 1. Herr Dr. Torczynsr wird lesen: 1. Hiob (Fortsetzung), 2 Stunden. Dienstag, Freitag 12—1. 2. Richter (Fortsetzung), 1 Stunde. Sonntag 10—11. 3. Historische Grammatik der hebräischen Sprache (Forts.), 1 Stunde. Dienstag 11—12. 4. Hebräische Bibelkommentare, 2 Stunden. Sonntag 11—1. 5. Gedichte des Zehn da Halevi, 1 Stunde. Freitag 11—12. 6. Arabische Lektüre, 1 Stunde. Dienstag, 10—11. Herr Dr. Hochfel d wird lesen: Propheten und Psalmen im Unterricht, 2 Stunden. Dienistag 6—8. Herr Dr. Freund wird lesen: Die Judenfrage in Deutschland in historisch-dogmatischer Darstellung, 2 Stunden. Mittwoch 6—8. - In der Präparandie werden wie bisher Kurse über Bibel und Kommentare, hebräische Grammatik, Mischna und das Gebetbuch gehalten werden. Näheres wird durch Anschlag am schwarzen Brett bekanntgemacht werden. Tie Festsetzung der Stunden wird bei der Eröffnung des Sommer-Semesters erfolgen. Alle Vorlesungen und Uebungen sind unentgeltlich. Die Eröffnung des Sommer-Semesters erfolgt M o n t a g , den 26. April, 11 Uhr vormittags. Als Zuhörer für die Vorlesungen sind in erster Linie rite immatrikulierte Studierende der hiesigen Universität —- und zwar ohne Unterschied der Fakultät -- in Aussicht genommen. Auch andere Personen können auf Grund besonderer Ermächtigung an den Vorlesungen teilnehmen. Die Anmeldung, erfolgt bei dem derzeitigen Vorsitzenden des Lehrerkollegiums, Herrn Prof. Tr. Elbogen, am Dienstag, den 27. April, Donnerstag, den 29. April, und Montag, den 3. Mai, 12— 1 Uhr im Sprechzimmer der Lehranstalt, Berlin N 24, Artilleriest ratze 24. E. M. Berlin, 20. April. Eine n e u ejüdi s ch e S ch ule in der R e i ch s h a u p t st a d t wird im April vom Jüdischen Schulder ein in Berlin eröffnet werden. Gemeinsam mit dem Verein „Talmud Thora Knesseth Jisroel" wird eine I ü d i s ch e Grundschule begründet, die eine Vorschule der jüdischen Volksschule, des jüdischen Gymnasiums und der jüdischen Realschule werden soll. Zunächst werdendie ersten beiden Elementarschulen für Kinder (Mädchen und Jungen) von sechs bis acht Jahren eröffnet. Für die Aufnahme in die zweite Elementarklasse ist ein einjähriger Besuch einer deutschen Volks- oder Vorschule, einer entsprechenden Privatfchnle oder der Nachweis der Kenntnisse die dieser Klafsenstufe entsprechen, erforderlich. Die Unterrichtssprachen. in der Schule find Deutsch und Hebräisch.- Die Schule befindet sich Linienstraße 18, in unmittelbarer Nähe des, Untergrundbahnhofes Schönhauser Tor.- ■er. Königsberg i. Pr., 16. April. Rabbiner Dr. Hermann Vögelst'ein wird unsere Gemeinde demnächst verlassen, um einem Rufe der Jüdischen Gemeinde in Breslau zu folgen, deren Gemeindebehörden ihn einstimmig als Nachfolger des verstorbenen dortigen Rabbiners Professor Dr. G u t t m a n n gewühlt haben. In 24jähriger Wirksamkeit hat Herr Dr. Vogelste>in sich die Liebe und das Vertrauen seiner Gemeinde erworben. Unsere Gemeinde sieht den hochverdienten Mann nur mit allergrößtem Bedauern scheiden. Dr. Vogelstein, ein Sohn des verstorbenen Rabbiners Tr. Vogelstein, ist 1870 geboren. Seine rabbinerische Ausbildung empfing er an der Berliner Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. 1895 wurde er als Rabbinatsverweser nach Q P P e l n "berufen, nach zwei Jahren übernahm er das hiesige Rabbinat als Nachfolger unseres Gemeinderabbiners Isaak Bamb e r g e r. Neben seiner umfangreichen seelsorgerischen Tätigkeit entfaltete Dr. Bogelstein ein reiches literarisches Wirken. Unter seinen Arbeiten ist besonders die mit Tr. Paul Rieger gemeinsam geschriebene zweibändige „Geschichte der Juden in Rom" hervorzuheben; interessantes und instruktives Material enthalten auch Studien in der „Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums" und zahlreiche Berichte über den Religionsunterricht in Königsberg. Dr. Vogelstein wirkte auch als Dozent der hiesigen Universität. Entschiedener Anhänger der liberalen Richtung im Judentum, zu deren bedeutendsten Führern er zählt. genießt er infolge seines