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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-04-23 · Heft 17 (23.4.1920) · p. Seite 185

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 17 (23.4.1920)
Date
1920-04-23
Page
Seite 185 (sequence 5)
Language
German
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185 über bic furchtbare Lage her Juden in Ungarn zur Verhandlung. In der Diskussion wurden authentische Einzelheiten über die Mordtaten und Mißhandlungen, die seit der Herrschaft des weißen Terrors an den Juden in Ungarn verübt wurden und noch immer verübt werden, mitgeteilt. Es wurde umfangreiches. Tatsachenmaterial über die Ermordung von Juden vorgelegt. Der Vorsitzende des Board os Deputies, Sir Stuart S<rmu el, der, wie bekannt, seinerzeit im Aufträge der englischen Regierung in Angelegenheit der dortigen Juden eine Reise durch Polen gemacht hatte, erklärte unter allgemeiner Zustimmung, daß er aus Grund des vorliegenden Datenmaterials bei der englischen Negierung im Interesse der verfolgten ungarischen Juden unverzüglich die erforderlichen Schritte unternehmen werde. * Nachrichten aus Polen. Auf der letzten Sitzung 'der reichstäglichen Kommission für Handel wurde über die Entsendung einer polnischen Delegation aus die in Brüssel! stattzll findende internationale parlamentarische Handelskonferenz beraten. Es soll in dieser Angelegenheit eine Konferenz der erwähnten Kommission mit den Vertretern einer Reihe von .Handelsorganisationen stattsinden. Da sich aus dieser Liste keine Vertreter des Vereins der Jüdischen- Kaufleute in Warschau befanden, verlangte Abgeordneter Farbstein 'die Einladung auch dieses Vereins. Es wurden verschiedene Ausflüchte gemacht, und trotz dreimaliger Wortergreisung durch Abg. Farbstein der Antrag auf Zuziehung jüdischer Vertreter verworfen. In das Komitee, das die Beratungen der verschiedenen Organisationen namens der reichstäglichen Kommission für Handel Zu führen hat, wurde auch Abgeordneter Farbstein gewählt, der jedoch in einem Schreiben jede Beteiligung an den Konferenzen ablehnte unter der Begründung, daß die parlamentarische Delegation Polens auf der internationalen Handelskonserenz nicht den ganzen Handelsstand Pollens repräsentieren werde. Auf einer Sitzung des polnischen Sejm las der antisemitische Abgeordnete Dymowski einen auf unerklärliche Weise — in Zwischenrufen warf, man ihm Diebstahl vor — in seinen Besitz gelangten Brief des Abgeordneten Dr. Diamand an dessen Frau vor, worin dieser über einen Besuch bei Mvrgenthau sich ironisch äußerte. Er erwähnt Morgen thaus Plan, einen Preis von 25 000 Dollar für ein Buch auszusetzen, das sich mit der Judenfrage befasse und von -dem inan sicherlich für 100 000 Dollar Exemplare werde absetzen können. Diamand macht sich über Morgenthaus „Geschäftligei.st" lustig. Charakteristisch an diesem parlamentarische Zwischenfall, der unerhörte Skandalszenen im Sejm hervorrief, ist die Tatsache, daß man bei dieser Gelegenheit erfuhr, wie jeder Verkehr mit Mvrgenthau von der polnischen Regierung überwacht wuvde. Diamand erklärte, daß er, wenn auch ungern, aus speziellen Wunsch des Außenministeriums Mvrgenthau ausgesucht habe, um den Einflüssen der Nationäljuden entgegenzuwirken. Aus Reklamation des Warschauer Joi.nt Distribution Committee, daß die Postbeamten die Annahme jüdischer Briefe verweigern, die von den dem Joint unterstellten Institutionen aus,gegeben werden, erließ der Postminister Toüeczko neuerlich em Zirkular, in dem er darauf hinweist, daß infolge Nichtvorliegens irgendeiner Zensur in Polen den Postbeamten überhaupt kein Recht zustcht, die Briefe zu lesen, und daß die jüdischen Briese, sowohl die hebräischen als die jiddischen, gleich allen anderen befördert werden müssen. Nur in Ausnahmefällen steht den Mlitärbehörden das Recht zu, m 'den Randgebieten die Beförderung jüdischer Briefe zu verbieten, in welchen Fällen die Zensur ausschließlich den militärischen Behörden, und nicht den Postbehörden zukommt. J. P. Z. Antisemitische Strömungen in England. Im Unterhause wurde von Kolonel Malone eine Anfrage gestellt wegen der antisemitischen Agitation, die von einer gewissen Gruppe in England geführt werde. Es wird ein Buch verbreitet, „Die jüdische Gefahr", das eine verballhornte Uebersetzung eines russischen Werkes darstellt, das .in Rußland zur Aufhetzung gegen die Juden verbreitet wurde. Er frage an, ob die Regierung imstande sei, dieses Buch in England zu unterdrücken, das überaus 'schädlich sei und schlimme Folgen haben könne. Mr. Short-erklärte, er sei betreffs dieses Buches informiert, das von einem gewissen Sevgei Nilus im Jahre 1905 in Rußland erschienen ist. Ueber den Zweck des Autors könne er sich nicht äußern, aber was die Unterdrückung dieses Buches in England anbelangt, so stehen der Regierung dazu keine Rechtsmittel zur Verfügung. ’ # Aufruf zur Gründung jüdischer Sanatorien in Palästina. Ein Komitee der Aerztegruppe des Wiener Palästinaamtes wendet sich in einem Aufruf an alle Juden, insbesondere an die Aerzte und Fürsorgestellen der Welt, sich an der Gründung von Sanatorien in Palästina zu beteiligen. Geplant ist der sofortige Bau zweier Sanatorien, und zwar für Nierenkranke -und Tuberkulose. Für beide Erkrankungen ist Palästina infolge seiner geographischen Lage, seiner kräftigen, heilspendenden Sonne bei kühlen Passatwinden ein Kurort ersten Ranges. Durch den Bau -von Sanatorien würde in erster Linie den Kranken gedient, jedoch auch dem Lande, das auf diese Weise Tausende von Menschen beschäftigen könnte. Während Länder mit zahlungskräftiger Valuta die Gebäude errichten würden, könnten Länder mit schwacher Valuta die erforderlichen Einrichtungen in ihren Staaten besorgen, so daß auch diese ihr Kapital nutzbringend anlegen könnten. Zuschriften werden an die „Aerztegruppe" des Palästinaamtes, Wien II, Zirkusgasse 33, erbeten, wo auch Auskünfte gern erfolgen. J. p. Z. * Die Lage m Palästina. Der „Jüdischen Rundschau" wirb aus London, 13. April, gedrahtet: Das Zionistische Bureau erhielt aus Palästina folgendes Telegramm vom 10. April: __ Ernste Unruhen ereigneten sich in Jerusalem am 4., 5. und 6. April. Inden wurden von Arabern überfallen. Die eingeborenen Polizeiorgane unterstützten die arabischen Plünderungen und Gewalttaten. Fünf Inden wurden getötet, ungefähr zweihundert verwundet, Zwei Frauen vergewaltigt. Die britischen Verwältungsbehörden verhalten sich trotz vorhergegangener Warnungen der Zionist Commission passiv. Das Anerbieten der jüdischen Selbstwehr, die Zivilbevölkerung zu schützen, wurde zurück gewiesen und mehrere Mitglieder der Selbstwehr verhastet. Die Zionist Commission forderte strenge Untersuchung der Vorfälle durch eine auch jüdische Mitglieder umfassende Kommission, strenge Bestrafung der Rädelsführer und Entlassung der lokalen Beamten sowie volle Wiedergutmachung des Schadens. Die zionistische Exekutive hat -offiziell bei der britischen Regierung Vorstellungen erhoben. Die Regierung erklärt, daß seit 7. April Ruhe herrscht und daß kein Grund vorliegt, eine Wiederholung der Vorfälle zu befürchten. flitchgn sbklim. Don Bureauvorsteher Nathan Cohn (Charlottenburg). Der Geber soll nicht wissen, wem er gibt, und der Empsängev soll nicht Nüssen, von wem er erhält. Baba batra 10b. n dieser Stelle habe ich bereits wiederholt über einzelne Wühltätigkeitseinrichtungen in der Berliner Jüdischen Gemeinde gesprochen. Wenn ich heute das Wort nehme, so gilt dies einem etwa 175 Jahre bestehenden Verein, welcher nicht nur bedürftigen Leidtragenden gibt, sondern durch sein Wirken zeigt, wie man geben soll. Seine Tätigkeit verdient es, als vorbildlich bezeichnet zu werden aus dem Boden echter und rechter Nächstenliebe. Sie ist von vollendeter Feinsühligkeit, denn sie erspart dem Empfänger den Dank und damit jedes beschämende Gefühl, welches >dem wirklich verschämten Armen gar oftmals die Annahme der Gabe unendlich erschwert. Ich kann mir weitere Ausführungen ersparen, indem ich auf Professor Dr. M. Lazarus' „Ethik des Judentums", Frankfurt a. M. 1898, Hinweise.

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