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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-04-23 · Heft 17 (23.4.1920) · p. Seite 184

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 17 (23.4.1920)
Date
1920-04-23
Page
Seite 184 (sequence 4)
Language
German
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184 gewandt, daß zur Abhilfe der Notlage hier besondere Vorlesungen und Kurse für diese Ausländer abgehalten werden. Der Minister- Hat sein Einverständnis dazu erklärt, daß diese Lehrgänge als „Staatlich zugelassene Lehrgänge Berliner Universitätslehrer" bezeichnet werden. Dieses Einverständnis soll sich aber nur auf die z u r z e i t hier weilenden „Ausländer" beziehen, und nicht den Anlaß zu einer dauernden Einrichtung bilden. Die nationalistische Presse begleitet diesen Erlaß des Kultusministers mit ihrem üblichen Wutgeheul' * Ein Verzeichnis d e u t s ch v ö l k i s ch e r Vereine, bas für «den unbefangenen Leser zahlreiche Ueberrafchungen enthält, bringt bas „Deutsch-Völkische- Jahrbuch 1 920". Hier werben 54 Bunbe unb Orden aufgezählt, unter denen sich eine stattliche Anzahl von Organisationen befindet, die offiziell Jrrden zu ihren Mitgliedern zählen und jüdisches Geld ohne „engherzigen Doktrinarismus" immer gern ge-' nommen haben. Ms „deutschvölkisch" werden hier aufgezählt zum Beispiel der „Bund deutscher Bodenreformer", dem bekanntlich sehr viele Juden, darunter namhafte Vertreter der Wissenschaft, angehören, ferner der „Verein für das Deutschtum im Auslande", Allgemeiner Deutscher Sprachverein", „Deutsche Kolonialgesellschaft", „Deutscher Wehrverein", „Verband deutscher Amateurphotographen", „Wandervogel E. V.", „Bund für deutsches Jugendwandern" und andere. Wir wissen nicht, ob diese Vereinigungen vorher gefragt worden sind, ob sie auf diese Liste gesetzt werden wollen, glauben jedoch, daß viele unter ihnen wohl nur wenig Wert darauf legen werden, unter den „Hammerbünden" und Germanenorden zu prangen. * Das verjndete Deutschland. Man höre und staune. Nicht nur Kaiser.Wilhelm, sondern auch Matthias Erzberaer ist — jüdischer Abstammung. Der „Deutschen Zeitung" ist es Vorbehalten geblieben, diese ebenso wichtige wie interessante Entdeckung zu machen. Sie läßt sich aus Stuttgart berichten: „Es ist doch merkwürdig, mit welcher Gewandtheit Erzberger einen. Schleier über seine Abstammung zu ziehen verstanden hat, und noch merkwürdiger, daß die Presse dem nicht näher nachgegangen ist. So hieß es, Matthias Erzbergers Familie stamme von Salzburgschen Emigranten ab. In Salzburg mögen die Vorfahren ja wohl mal gewesen sein — aber Emigranten — ungefähr so, wie der galizische Jude auch ein Emiarant ist. Die Vorfahren hießen wobl Herzberger, ehe sie fromme Katholiken wurden, rmd noch heute heißt der nächste Vetter von Matthias Levi in Battenhausen." Wir wissen nicht, bemerkt die „Neue Berliner Mittagszeitung", der wir diese Notiz entnehmen, was wir mehr bewundern sollten, die jüdische List, wie der Erzberger sein Herkommen zu verbergen wußte, oder die jüdische Spitzfindigkeit, mit der die „Deutsche Zeitung" hinter seine Schliche kam. * Der Verband der ostpreußischen Shnagogengemeinden hat in Angelegenheit der ostpreußischen Kultusbeamten folgendes Anschreiben an alle Gemeinden der Provinz versandt: I n ste r b u r g , den 12. April 1920. An die Shnagogengemeinden Ostpreußens. Am 29. März d. I. fand eine Ausschußsitzung des Verbandes der Synagogengemein'den Ostpreußens in Königsberg statt und wurde in dieser eingehend über die B e a in t e n f r a g e gesprochen. Der Ausschuß stand auf dem Standpunkte, daß bei den jetzigen teueren Verhältnissen die Beamten durchaus so gestellt werden müssen, daß sie ohne Schwierigkeiten den bitteren Kampf im Leben bestehen können. Wir bitten Sie daher dringend, bei der Aufstellung Ihres Etats genau zu prüfen, wieviel der Beamte, namentlich, wenn er größere Familie hat, braucht, um bei den heutigen Verhältnissen durchzukommen. Er muß unbedingt ein entsprechend höheres Grundgehalt nebst ausreichender Teuerung s z u l a g e erhalten. Der Ausschuß hat folgende Entschließung gefaßt: „Der Ausschuß des ostpreußischen Synagogenverbandes hält eine Neuordnung der Gehalts- und Anstellungsverhältnisse. der Knltusbeamten für dringend geboten. Er beschließt, eine Kommission aus Gemeinden- und Beamtenvertretern zur zeitgemäßen Neugestaltung des ostpreußischen Normalvertrages einzusetzen, der in seiner neuen Form der nächsten Generalversammlung des Synagogenverbandes zur Beschlußfassung vorgelegt werden soll. Der Verbandsausschuß fordert die Gemeinden auf, den Wünschen des Vereins jüdischer Religionslehrer Ostpreußens bezüglich ihrer gehaltlichen und rechtlichen Besserstellung schon zum Beginn des neuen Etatsjahres nach Möglichkeit zu entsprechen." , Wir bitten um gefällige Nachricht bis zum 2 5. April d. I., inwieweit Sie unserem dringenden Wunsche. nachgekommen sind, gez. Otto Eichelbaum, Vorsitzender des Verbandes der Syna-gogeng-nneinden Ostpreußens. * Ostjndenhetze ttt Niederösterreich. Tie nieder österreichischen Behörden sind mit den Erfolgen ihrer gegen die Ostjuden gerichteten AusweisungsPraxis nicht zufrieden. Eine offizielle Verlautbarung kündet nunmehr „endgültige" Maßnahmen an und die Wiener Eiseübahnverwaltung will trotz ihrer großen Verkehrsnot alles Nötige veranlassen, tun Sammeltransporte zu ermöglichen. Den „Fremden" wird eingeschärft, ehestens abzureisen, im entgegengesetzten Falle -wird ihre zwangsweise Entfernung angedroht. Die Kundgebung der Behörde hat in Wiener jüdischen Kreisen einen sehr Peinlichen Eindruck hervorgerufen, und die „Wiener Morgenzeitung" greift die Behörde heftig -an und droht, das Ausland -gegen diese, -dem Friedensbertrag widersprechende Verfügung, anrusen zu wollen. Die jüdischnationale Organisation ist keineswegs gewillt, einer Ausweisungsakti-on ruhig zuzusehen. In der Wiener GemeinderatssttzuN'g protestierte Gemeinderat T-r. Ehrlich gegen die Hochflut von -antisemitischen Hetzplakaten an den. Wiener Straßen -und forderte vom Bürgermeister energische Abhilfe. J. P. Z. O Die Juden und die ungarische Schauspielkunst. Im „Magyar zsidd almanach" (ungarisch-jüdischer Almanach) veröffentlicht Professor Karl Sebe st Yen eine längere Studie über den Einfluß der ungarischen Judenschaft aus die Schauspielkunst. Diese Studie bildet eine aktuelle Widerlegung der in neuerer Zeit in der gegnerischen Presse so oft und so laut betonten Behauptung, daß die ungarische Kunst dem Judentum blutwenig zu danken habe. Professor Sebestyen führt eine bei weitem nicht vollständige Liste bedeutender Schauspieler jüdischen Ursprungs an, die in den letzten Dezennien der ungarischen Kunst zur Zierde gereichten. So wirkten an der ersten klassischen Bühne der ungarischen Hauptstadt, am Nationaltheater, das nicht mit Unrecht als das „Burgtheater Ungarns" bezeichnet werden kann - die berühmte Tragödin Serena Fäh, eine unerreichte Interpretin der ungarischen klassischen Dramatiken, der vielseitige kernmagyarische Schauspieler Julius G ä l, der Sonnenthal Ungarns: Oskar Beregi, der urwüchsige Komiker Koloman N ü z s a h e g y i. der berühmte Shakespeare-Darsteller Eugen Jvänfi, die feinfühlige Emma Delli. Aber auch die anderen Bühnen der ungarischen Hauptstadt weisen zahlreiche hervorragende Schauspieler jüdischen' Ursprungs auf, die zu den anerkannten Lieblingen der ungarischen Bühne gehören. So am Lustspieltheater: Wilhelm S z i l a gyi, Daniel Job, am Ungarischen Theater'. Eugen Törzf, Rosa Forgach, an der Oper: der unvergeßliche David N e y und in neuerer Zeit der Hans-Sachs-Sänger Ungarns Ludwig S. Rozsa. Und wie Diele, hervorragende Talente jüdischen Ursprungs wies und weist die ungarische Provinzbühne auf, von der wir mit Recht behaupten können, daß auf jeder einzelnen Bühne - Szeged, Temesvar, Kassa, Pozsony, Kolozsvär, Debrecen, Nagyvarad, um nur die bedeutendsten zu nennen — Juden der ungarischen Kultur hervorragende Dienste leisten. * Ein Schritt der englischen Inden gegen den antisemitischen Terror in Ungarn. In der letzten Sitzung des I e w i s h Board o f D e p u t i e s gelangte ein Bericht der Kommission für auswärtige Angelegenheiten

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