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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-04-16 · Heft 16 (16.4.1920) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 16 (16.4.1920)
Date
1920-04-16
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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8 mein bevor stan d soll bis zur- Feststellung des Haushaltsplanes durch die Körperschaften ermächtigt, werden, für die Monate April, Mai u-n-d Jün-i alle Ausgaben -auf Gr-und gesetzlicher' oder vertraglicher Verpflicht.ungen sowie alle diejenigen Zahlungen, zu leisten, welche zur Erhaltung bestehender Einrichtungen der« Gemeinde und Aufrechterhaltun.g. ihres. Betriebes sowie zur Durch fühvung der von den Gemeindebehörden beschlossenen! Maßnahmen erforderlich sind. Der Gemei ndevorstand wird ferner ermächti-gt, zur Deckung vornbergehen-den Geldbedarfs z.u Lasten! der Eingänge usw. kurzfristiae Darlchen auszunchmen. Schließlich gelangte noch zur Mitteilung, daß gegen die R>epräsen,tankenwahlen am 7. März von den vereinigten j-üdischeu Parteien Protest ein-; gelegt worden ist, weil diesen Parteien nach dem Ausfall der Wahl noch ein weiterer Sitz zugefprochen werden müsse. M. Hamburg, 11. April. Herr Marcus Beith, das langjährige Mitglied des Gemeindevorstandes, ist im 73. Lebensjahre dahingeschieden. Der Verblichene, Seniorchef der weitberühmten Kaufmannsfirma Heine u. Fleischmann, hat sich um die Hamburger Gemeinde große Verdienste erworben; 42.- Jahre war er auch Vorsitzender des Krankenhauses unserer Gemeinde.. Als er vor einem Jahre aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niederlegen mußte, wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt, damit lein weiser Rat diesem Institut erhalten bleibe. Was Marcus Beith, in diesen 42 Jahren für das Krankenhaus geleistet, ist weit über Hamburg hinaus bekannt. Don armen -Kranken war er Helfer und Berater, und sein Name ist für alle Zeiten mit diesem Institut «verknüpft. In der .Kaufmannswelt, .an der Börse genoß er hohe Achtung und Wertschätzung, und erregte sein Tod in weitesten Kreisen tiefe, aufrichtige Teilnahme. Zur Trauerfeier, die in der Halle des Israelitischen Friedhofes in Ohlsdorf stattfand, hatte sich eine außerordentlich zahlreiche Trauergemeinde eingefunden, unter der wir hervorragende Vertreter des Handels und der Finanzwelt bemerkten. Herr Oberrabiner Dr. S. Spitzer, der Gemeindevorstand mit dem Vorsitzenden Herrn Alfred Le«vh an der Spitze, die Repräsentanten und viele andere hervorragende Persönlichkeiten scharten sch um die Witwe und die Kinder. Die Vorsteher des Krankenhauses waren vollzählig erschienen, ebenso-die Aerzte, die Oberin nnt einer Abordnung der Schwestern. In ergreifenden Worten widmete der Vorsitzende des Krankenhauses, Herr Ernst O -e t t i n g e r , dem Entschlafenen einen Nachruf. Sein Hinscheiden hinterläßt eine schwer aussüllbare Lücke, denn seineü «weisen Rat werden feine früheren Mitarbeiter schmerzlich vermissen. Seine hingebungsvolle Tätigkeit, seine aufopferungsvolle Liebe fitr die armen Kranken wird der Verwaltung stets ein Vorbild sein. In seinem Sinne wollen wir Weiterarbeiten für die Wohlfahrt des Krankenhauses. Sein Andenken wird für alle Zeiten ein aesegnetes sein. Hierauf gab Herr Professor Alsberg ein getreues Bild der Tätigkeit des Verblichenen. Er war der Mitbegründer des Schwesternheims, alle die Neubauten und Verbesserungen des Krankenhauses sind seiner Tatkraft mit zu . verdanken; sein Nameist auch mit der Geschichte des Hauses verknüpft und wird auch erhalten bleiben, denn bei seinem'Rücktritt wurde sein Sohn in den Vorstand gewählt, Zn tiefer'Trauer stehen heute neben den Hinterbliebenen so viele LeiptragHüde an der Bahre; dieses' Mannes, der mehr ,als ein . Menschenalter für «die Ktanken 'segensvoll gewirkt. Sein * Andenken wird allen unvergeßlich sein. Nun wurde der/Sarg zur Gruft getragen. Dicht hinter den Angehörigen folgten, die Gemeindevorsteher, die Repräsentanten und die Verwaltungs-Mitglieder des Krankenhauses. Die Beisetzung fand in der Ehrenreihe des.-Friedhofes, statt. ,; ZA Leipzig, den 8. April. Im Italienischen Garten; zu Leipzig sprach ain 31. März vor größerem Versammlung Herr stud. jur. Martin Sobotker aus Berlin über „Die Ziele und Aufgaben dpr .Kameraden^". Zu der Versammlung waren Herr Rabbiner Dr. Felix Goldm a u n und der Vorsitzende des Zentralvereins, Ortsgruppe Leipzig; Herr Nioritz U r h, erschienen^ .Herr Sobotker zeichpete in kurzen Zügen die Ziele der „Kameraden", die in kürzester Zeit eine Jugendbewegung schufen, die-heute schon weit über 4000 Mitglieder in 35 Vereinen zählt. Nicht nur die körperliche Ertüchtigung -der jüdischen Jugend sei das Ziel der „Kameraden", sonderü auch positiv < jüdische Arbeit wird durch Erziehung zu selbstbewußten Juden, die sich des Ewigkeitswertes der jüdischen Religion hewutzt sind, geleistet. ' Deutschtum, und Judentum' ist das Panier der „Kameraden". Der Versammlungsleiter, Herr Zahnarzt Dr. Hans S ch e r b e l, konstituierte neben einer Schülerwandergruppe eine Sportgruppe, die regen Anklang fand. Herr Rabbiner Dr. Goldmann richtete zum Schluß einen warmen Appell an die neuen Mitglieder, mit allen Kräften am'Baue dieses Jugendborns mitzuwirken. Anyarn. z. Budapest, int April. Die Pester Israelitische Religionsaemeinde und die jüdische Wissenschaft Ungarns haben einen großen, unersetzlichen. Verlust -erlitten: Am, 11. März ist, wie bereits berichtet, Oberrabbiner Dr. Samuel K o h n im Alter von 79 Jahrengestorben. Dr. Samuel Kohn war 1841 in Baja geboren und absolvierte feine Gymnasial-, Seminar- und Philosophiestudien in Breslau. 1866 wurde der junge Rabbiner nach Budapest berufen, wo er seither ununterbrochen durch 53 Jahre im Seelforgeramte tätig war. Dr. Kohn war der erste ungarische Prediger Budapests und hat sich überdies auch um die ungarisch - jüdische Geschichtsforschung besonders verdient gemacht. Seine „Hebräischen Quellen zur ungarischen Geschichte", seine „Geschichte der ungarischen Juden", seine bahnbrechenden Studien über die Säbbatianer in Siebenbürgen bilden heute noch für jeden Geschichtsforscher unerläßliche Nachschlagewerke. Er war als Gelehrter, Prediger, Seelsorger und Wohltäter gleichmäßig geschätzt. Für seine zahlreichen Verdienste wurde er mit dem Goldenen- Verdienstkreuz, mit dem Titel eines königlichen Rates -uttb schließlich anläßlich seines goldenen Seelsorgerjubiläums m-it dem Titel eines Hosrates ausgezeichnet. In den letzten fünf Jahren führte der greife Gelehrte ein zurückgezogenes Leben, führte abec auch da noch in den Rabbinatssitzuingen den Vorsitz. Sein Tod hat ins Gemeindeleben eine große Lücke gerissen. — In Beregszusz ist der weit über die Grenzen seines engeren Vaterlandes hinaus angesehene Rabbiner Lazar Zukker im Alter von 62 Jahren gestorben. Er stand 38 Jahre an der Spitze der Gemeinde, war ein Schwiegersohn des berühmten Verfassers des „Kok arje" Abraham Jehuda und als hervorragender Talmnidist geschätzt. — In Szatmär ist am 9. März eine Leuchte des orthodox - jüdischen- Lebens Obecungarns, Rabbi Jehuda G r ü n - w a «l d, im- Alter von 70 Jahren verschieden. Rabbi Jehuda Grünwald galt als einer der -einflußreichsten Führer, als eine der mächtigsten Stützen der nordungarischen Orthodoxie. In seiner Jeschiba, deren Ruf weit über die Gemarkungen Obecungarns hinaus reichte, lauschtenjährlich mehrere hundert Bachurim seinen geistvollen, von glühender Liebe zum ererbten Glauben seiner Väter getragene!: Vorträgen, und wir können ohne Uebertreibung behaupten, daß er während seiner vierzigjährigen Tätigkeit als Rabbi über 10 000 Schüler in den Talmud eingeführt hat. — In aller Stille beging der Rabbiller der Ofener Israelitischen Gemeinde, Dr. Arnold Kiß, am 15. März das Jubiläum seiner 25jährigen Seelsorgertätigkeit. Dr. Arnold Kiß, ein Sohn des vor kurzem verschiedenen Nagybecskereker gel-ehrten Oberrabbiners Dr. Moritz Klein, absolvierte seine theologlschen Studien am Budapester Rabbinerseminar, war vor 25 Jahren zum Rabbiner der oberungarischen Gemeinde Zsolna gewählt worden, wo rhu nach zwei 'Jahren seine Berufung nach Veszprem traf. Von hier kam Dr. Kiß, dem danrals schon ein großer Ruf als Prediger, Schriftsteller und Dichter voranging, vor achtzehn Jahren an die ' Spitze der/ Ofener Israelitischen Gemeinde, bei der er seither mit seltener Hingebung! tätig ist. 'Sein ungarisches Gebetbuch für Frauen „Mirjam" hak im-Original dreißig Auflagen erlebt und ist auch ins Deutsche und ins Englische übertragen worden. Er hat die unga- . rische und die jüdische Literatur mit zahlreichen prosaischen und poetischen Werken bereichert und sich auch durch die formvollendete Uebersetzung der Gedichte Morris Rosenfelds große Verdienste er- , worben. Zahlreiche Gedichtesauunl.ungen, musterhafte Uebersetzungen > der Bücher Koheleth und Hiob, seine unzähligen Novellen —- unter denen besonders die „Kriegslegenden" Erwähnung verdienen — haben ihm m der ungarischen Literatur eine Ehrenplatz gesichert. Vm Msh und Mn. — Zur Feier des 75jährigen Jubiläums der Berliner. Jüdischen Reform gemeinde findet Sonntag, den 18, April, vormittags 11L Uhr, im-: ' Gotteshause der - Gemeinde, Johannis- / straße 16, ein Festgottes dienst statt. — Den Monumentalbäu der Synagoge in der F a s a n e n st r a ß e‘ ‘ haben ■ j

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