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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-04-16 · Heft 16 (16.4.1920) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 16 (16.4.1920)
Date
1920-04-16
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 16. fiprit 1920 84. Jahrgang. Nr. ,6 (Hemeindebote. Vetlaye zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums. LorrrsponÄen?rn und Kachnchten. SrutWand. Berlin, 13. April. Der HilfSverein f ü v j ü b i sche Studierende versendet soeben den Bericht über die Jahre 1916 bis 1919, dem wir folgende Ausführungen entnehmen: ,.,Ue-ber die ungeheuren Schicksalsschläge, die unser Vaterland getroffen haben, seitdem zuletzt ein Bericht des Hilfsvereins übers Jahr 1914 gedruckt wurde, hängen wir wortlos den Schleier tiefer Trauer. Nur um so ernster aber geloben wir, wie einer dreifarbig voranleuchtenden Fahne, die Tre'ue den drei Idealen dieses Vereins': Deutschland, Studium, Menschlichkeit. Als im August 1914 die Deutschen endlich sich als Brüder fühlten, als Tausende jüdischer Jünglinge, davon viele freiwillig, ins Feld zogen, dann kriegerische Ehren erwarben, fürs Vaterland bluteten und starben, da konnte man eine Abnahme des tausendjährigen Glaubens»- und Rassenhasses erhoffen. Bereits 1916 aber regte sich wieder der Antisemitismus im Heere; 1920, nachdem (und teilweise weil) die Gleichberechtigung der Juden bei der Berufung zu öffentlichen Aemtern im Staatsleben verwirklicht worden ist, beherrscht er weite Kreise der Hochschulen. — Um so wärmeres Mitgefühl gebührt den armen jüdischen Studierenden. Deren Zahl vermehren zu wollen, liegt freilich diesem Vereine gänzlich fern. Da die geilehrten Berufe mit Anwärtern überfüllt sind und heute im Vergleich mit anderen Arbeitern weit weniger wirtschaftliche Entlohnung bieten, rät er vielmehr den nur durchschnittlich Befähigten vom Studium überall ab, unterstützt besten erste Halbjahre niemals und warnt von vornherein, daß er auch den Begünstigten kaum ein Fünftel des hier zum Leben Notwendigen leihen kann.. Daß nun bisher die Stipendien im allgemeinen kein „gelehrtes- Proletariat gezüchtet", sondern die dornenvolle Bahn anfänglicher Not für solche Mitbürger etwas zu ebnen beigetragen haben, auf die -wir als Deutsche und Juden stolz zu. sein Grund haben, erweist der diesem Verein eigentümliche Prüfstein, die Rückzahlung, der einstigen Darlehen. Ihre Summe, in den letzten! Friedensjahren etwa 10 000 Mart, betrug 1915 bis 1918 7106, 7532, 6000, 6800 Mark und schnellte 1919 auf die noch nie erreichte Höhe von 53 944 Mark empor. Und sowohl unter Mitgliedern wie Spendern des Vereins beifindet sich eine beträchtliche Anzahl früherer Stipendiaten. Da nun der Vorstand die Schuldner nie früher als ein Jahrzehnt nach Abschluß ihrer Studien (großenteils viel später, also auf die Gefahr hin, daß sie vorher verstorben- oder verschollen sein könnten) und nie drohend erinnert, sie auch, wenn sie sich mit schwieriger Lage entschuldigen, für Jahre hinaus nicht behelligt, da endlich gerade 1919 mancher Arzt oder Anwalt antwortete, er müsse die während seines Heeresdienstes in andere Hände entglittene Praxis sich erst wieder ausbauen, so ergibt sich der Schluß: die Mehrzahl der einst Unterstützte.n hat ein wirtschaftliches Auskommenerreicht und bezeigt durchs Erfüllung ihres jugendlichen Versprechens, die doch gewiß vielen schw'er fällt, ein hohes Ehrgefühl. -- Fast alle Stipendiaten (bis auf die Damen, Ausländer und ganz wenigen körperlich Untauglichen) leisteten im Kriege Heeresdienst, und zwar, da die Mehrzahl Mediziner sind, meist als Aerzte oder Sanitäter, zwei als Dolmetscher. Mindestens drei wurden zum Leutnant, mehrere zum Oberarzt befördert, einige erhielten das E. K. I., die meisten II. Klasse. Ein Teil, der: Chargen bekleidete, kamohne Vereinshilfe aus. Wohin einer das Stipendium, dessen. Weiterzahlung, während des Krieges auch fern der Universität, 1914 beschlossen war, erbeten hatte, dorthin trug es die treue Feldpost: nach Finnland, Livland, Flandern, Lothringen, Champagne, Venelien., Wolhynien, Mazedonien, Syrien sowie in viele Lazarette in Deutschland, wo unsere lieben Stipendiaten die Wunden eigenen Leibes oder anderer pflegten.. — Da 1915 bis 1918 die Abiturienten meist ohne Studium ins Heer eintraten, hatte der Verein damals, neu nur jährlich etwa zwölf und erst wieder 1919 60 Studierende zu unterstützen; um so mehr mußten die Stipendien unerwartet lange fortgesetzt werden. Auch wurde zu Prüfungen reichliche Beihilfe (bis 500 Mark) gewährt. Im ganzen zahlte der Verein 1915 bis 7919 für Stipendien 22 725, 20 510, 19 150, 20 380, 42 859 Mark. Die Zahl der Unterstützten betrug 109 im letzten Jahre, und dev Verein hat in den 78 Jahren seines Bestehens, im ganzen 3000 Studenten geholfen. Die jährliche Beihilfe, die einst nur 108 Mark betrug, beläuft sich nunmehr auf'360 bis 600 Mark. Der Vorstand, dauernd bestrebt, die Beihilfe zu erhöhen und unfruchtbarem Schatzsamrneln abhold, bot letzthin, angesichts unerwartet günstiger diesmaliger Eingänge, allen Stipendiaten ein Teuerungsdarlehen von 150 Mark an; nur drei lehnten es ab, um ihre Zukunft nicht mit Schulden zu belasten. — Die Zahl der jährlich beitragenden Mitglieder sank auch schon vor dem Kriege stetig. Jetzt sind es mir noch etwa 560, Wo die Quittung zu bezahlen verweigert oder der Austritt erklärt wird, ist (mit nur einer Ausnahme) nie das Vereinsziel oder' das Wirken des Vorstandes, das zu verantworten wir stets bereit bleiben, der Grund, sondern die Not der Zeit oder Abwendung von jüdischer Wohltätigkeit. Die Einnahme aus den Beiträgen betrug 1919 fast 600 Mark weniger als 1914, nur 6468 Mark. Es traten 1915 bis 1918 nur 36, 1919 etwa 50 neue Mitglieder bei. Der Tod raubte uns 1915 bis 1919 mehr als 70 Mitglieder." — , Der Bericht enthält ein Verzeichnis von Herren und Damen, die - 1915 bis 1919 die immerwährende Mitgliedschaft erwarben, teilt! die Namen derjenigen mit, die von der Generalversammlung zu I Ehrenmitgliedern ernannt wurden, und führt eine lanae Liste der! reichen Vermächtnisse und Stiftungen auf, deren Zins die dauernde , Haupteinnahme des Vereins bildet und die 1915 bis 1919 bedeutenden Zuwachs erfuhr.. Ebenso sind die Namen derjenigen aufgeführt,; die dem Verein -einmalige Geldspenden, sowie Bücher und Bekleidungsgegenstände überwiesen. Zum Schluß teilt der Bericht mit: „Die Einnahmen des Vereins besteheni, außer den schwankenden Posten, in den am 31. Dezember 1919 26 522 Mark betragenden Zinsen vom Guthaben bei der Nationalbank (31. Dezember 1919: 66 377 Mark), von, den 303 000 Mark Hypotheken- und von den Effekten. Zwar sind auch letztere mündelsicher, aber wir hielten es für vaterländische Pflicht, mehr denn ein Sechstel des Vermögens, 130 000 Mark, im Kriege in Deutscher Anleihe und Reichsschatzscheinen anzulegen; und auch die übrigen Papiere sind stark im Kurse gesunken. Immerhin: Bleibt dem Vereine der Geist, blinkt ihm auch ferner das Geld! Zum Vermögen, des Vereins gehören neben dem Hauptstock ein in langen Jahren angesammelter Ausgleichstock von. 10 000 Mark (für den, Fall plötzlicher Not zugunsten der dann Hilfesuchenden), sodann der Grundstock des Zweigvereins für Akademiker von 28 600 Mark, endlich das Kapital von 38 Sonderstiftungen, zusammen 389175 Mark." — Der informierende Bericht-, dein, auch -ein ausführliches Mitgliederverzeichnis beigogeben ist, ist von dem um die Bestrebungen des Vereins hochverdienten Schriftführer F. Lieber m a n n, Berlin W, Bendlerstraße 10, unterzeichnet, an den, wie bisher, alle Zuschriften für den Verein zu richten sind. Berlin, 13. April. Wir erhalten mit der Bitte um Veröffentlichung nachstehende Zuschrift: In der am 8. März d. I. stattgefundenen Mitgliederversammlung der Unterzeichneten Vereine, zu welcher der Vorstand der Jüdischen Gemeinde eingeladen und durch Herrn Hentschel vertreten -war, ist einstimmig beschlossen worden, folgende Eingabe dem Vorstande der Jüdischen Gemeinde zu unterbreiten: Punkt 1. Betrifft den Religio n s u n t-e r r ich t. Es ist erforderlich, daß zur gedeihlichen Förderung -des Religionsunterrichts die unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer möglichst im Bezirke wohnen, damit der Unterricht an den einzelnen Schulen vormittags zu derjenigen Zeit erteilt wird, in welcher den andersgläubigen Kindern ebenfalls Religionsunterricht gegeben wird. — Erfüllen nun die Herren Rabbiner ihre Pflicht, an den Sitzungen der Schulkur atorien, deren Mitglieder sie sind, teilzunehmen, was vielfach nicht der Fall ist, soist es ein leichtes, die Religionsstunde sogelegt zu erhalten, daß die Schüler naheliegender Schulen den Unterricht gemeinsam erhalten. Es muß darauf hingearbeitet werden, daß der Nachmittagsunterricht ganz fortsällt, ba die Spannkraft und Frische 'der Schüler durch den Vormittagsunterricht ohnehin schon verbraucht ist. Dazu kommt, daß vielfach Privatstunden in Musik rrstv. für viele Eltern

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