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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-04-16 · Heft 16 (16.4.1920) · p. Seite 180

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 16 (16.4.1920)
Date
1920-04-16
Page
Seite 180 (sequence 12)
Language
German
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180 Anzahl Menschen mit nröglichst geringen Mitteln zubewerkstelligen ist. Dieses schwierige Problem zu. «lösen, berniüht sich Alexander Levi in seinem neuen Buch „Vom Bauen und Wohnen in Palästina", das als Denkschrift für die Leitung der zionistischen Organisationen in London von der Palästina-Baugesellschaft herausgegeben worden ist. In gemeinverständlicher Form gehalten, sucht es alle in Deutschland bisher gemachten Erfahrungen zu verwerten. Es ist aus diesem Grunde selbst für den, der kein Interesse für Palästina hätte, von großem Werte, besonders sür alle, die beruflich im Bauwesen tätig sind oder sich sonstwie mit derartigen Fragen beschäftigen. Für diese wird besonders der Ausbau der verschiedenen Typen der Wohnzelten und ihre Entwicklung anregend sein, eine neue Anregung, die sich auch sür die Verhältnisse in Palästina ausgezeichnet zu eignen scheint. Wenn man bedenkt, wie unzulänglich die bisherigen Bauten dort waren, die zu einem großen Teil mit dem Gelde der deutschen Juden ausgeführt wurden, und wie wenig erfreulich die Wohnverhältnisse besonders in den Städten bisher sich gestalteten, der wird mit Freude begrüßen, daß die Palästina-Baugesellschaft hierin Wandel schaffen will und in Alexander Levi einer: Architekten gesunden hat, der mit unendlicher Liebe und einem praktischen Sinn an die Dinge herangeht und in großzügigster Weise zu arbeiten gedenkt. E. T. * — Jakob Scherek: Die Doppelverlobung. Erzählung aus dem jüdischen Kleinstadtleben. ReclamG Universalbibliothek Nr. 6075. Die kleine anspruchslose Erzählung wird man mit einem gewissen Vergnügen lesen; sie ist eine angenehme Unterhaltungfür eine sonst leere Stunde, aber wir bedauern es eigentlich, daß ihr gerade der Verlag Aufnahme in seine Bibliothek gewährt hat, denn es gibt heute aus der modernen jüdischen Literatur andere Werke, die es verdienten, an dieser bevorzugten Stelle der Öffentlichkeit unterbreitet zu werden. Denn das Judentum, das uns aus der Erzählung Schereks entgegen tritt, ist doch ein reichlich antiquiertes, und es besteht die Gefahr, daß der Leser, dem in ihm zum erstenmal jüdische Probleme begegnen, sich vom Judentum ein falsches Bild macht. Ein Vergleich zwischen Perez etwa und Scherek muß doch sehr zuungunsten des letzteren ausfallen. Dr. Willy Cohn. * Vor dem Sturm: Ostjüdische Geschichten. Von M. I. bin Gorion. Löwit-Verlag, Wien/Berlin, 1919. Diese Geschichten aus dem ostjüdischen Leben sind einfach und nichtssagend, ihrem Inhalte nach wenig jüdisch in unserem Sinne. Warum solche Erzählungen gedruckt werden müssen, kann ich nur vom „Geschästsstandpunkt" aus verstehen, nicht vom literarischen. Eine Tendenz kann man aus allen Geschichten nicht erkennen, ich würde sie eher der Jugend verbieten, als sie ihr darbieten. Es ist vielleicht „Milieukunst", aber nicht die edelsten und schönsten Seiten des jüdischen Ostmilieus und deshalb schon verwerflich in der jetzigen Zeit, wo alles unterlassen bleiben sollte, aus dem den Juden Vorwürfe gemacht werden könnte. F. St. (Ulm). * — I u l i u s Klein: Schicksal. Eine Erzählung aus der neueren Zeit. Berlin 1918. Aeußerlich und innerlich in schlichtem Gewände, wird uns hier das Schicksal zweier junger, armer Menschen erzählt, die durch das Wohlwollen eines reichen Bankiers, der durch einen Zufall auf« die Mutter und die beiden Knaben aufmerksam geworden war, tüchtige und wahre Menschen wurden. Die Erzählung ist im leichten Ton geschrieben, durchtränkt aber von einem edlen Hauche des Gottvertrauens und der Liebe 51t der alten Vätersitte. Abgesehen von einigen Unebenheiten in der Sprache ist sie eine Lektüre für Kinder in reiferem Alter. F. S t r a ß b u r g e r (Ulm). * „E r n st L i s s a u e r , ein g e i st l i ch e r Dichter der Gegenwart", so lautet die Unterschrift einer Abhandlung im „Protestantenblart" Nr. 12 vom 20. März 1920 (Berlin- Bremen). Der Verfasser kommt am Schluß zu dem Ergebnis: „Lissauer ist ein geistlicher Dichter, wie wir heute in - Deutschland wenige haben.. Er ist kein Mystiker wie Rainer Maria Rilke in seinem Stundenbuch; er ist auch kein kirchlicher Dichter wie Gerok oder Spitta, sondern er ist ein von kosmischer Urkraft durchtränkter Künstler, der seinem Volke Gesichte zu zeigen. und Offenbarungen zu künden hat. Er wird nicht für alle sein, aber wer zu seinen Dichtungen greift, wird mit seelischer Kraft, mit Trost, Aufschwung, Seligkeit begnadet werden. Solche Dichter brauchen wir . aber, um aus dem Chaos, in dem wir stehen, wieder den Aufstieg zu finden zu den reinen Höhen der Gläubigkeit." . Unseres Wissens ist Lissauer Jude oder jüdischer Abstammung. Was wird Bartels dazu sagen? Sp. (Mgdbg). Sprechlssl. An die „Allgemeine Zeitung des Judentums", Berlin^ Bezugnehmend aus die Nummer 14 Ihres geschätzten Blattes, dessen jahrelanger Leser ich bin, erlaube ich mir, zugleich im Aufträge verschiedener Freunde betreffs Ihrer Notiz über die Frage der Elternbeiräte, welche im hiesigen Gemeindeverein behandelt wurde, folgendes zu erwidern: Der Jüdische Gemeindeverein, welchem fast ausschließlich Anhänger der sogenannten Mittelpartei angehören, hatte die betreffende Ver- * sammlnng am 8. März abgohalten. Einige Tage vor der Versammlung des Gemeindevereins hatte in der hiesigen „Hartungschen Zeitung" eine Notiz über die Stellungnahme der Lehrerschaft und der Demokraten zu den Elternbeiratswahlen sich befunden, welche nicht gerade sehr geschickt abgefaßt war und die nicht werter verbessert wurde. Es ist sehr bedauerlich, daß der Referent des Jüdischen Gemeindevereins, der sehr wohl die Möglichkeit gehabt hätte, sich bei den Vorstandsmitgliedern der Demokratischen Partei über die Stellung derselben zu den Elternbeiratswahlen zu unterrichten, eine derartige Resolution, die aus falschen Voraussetzungen beruht, zur Annahme gebracht hat. Die Deutsch-demokratische Partei, welche arn 11. März eine Versammlung hatte, hat sofort gegen die Unrichtigkeit der Voraussetzungen, von denen die Resolution des Jüdischen Gemeindevereins ausgeht, Einspruch erhoben, insbesondere hat der Vorstand der Demokratischen Partei folgende Erklärung abgegeben: 1. Von der Schule muß die Politik grundsätzlich ferngehalten werden.. Darum haben wir absichtlich die Aufstellung einer eigenen parteipolitischen Kandidatenliste unterlassen. 2. Aus gleichem Grunde verurteilen wir das zu. den Elter nbeir>atswahlen eingeschlagene Vorgehen des Evangelischen Bundes, der sozialistischen Parteien und des Jüdischen Gemeindevereins. 3. Der Königsberger Wahlverein steht mit der Deutsch-demokratischen Gesamtpartei nach wie vor auf dem Standpunkt, daß jede deutsche Schule einen simultanen Charakter tragen müßte. Hiermit hätte doch, die Angelegenheit, die bei weitesten Kreisen unliebsames Aufsehen erregt hat, erledigt sein können, zumal es sich in Königsberg überhaupt nur um etwa 40 jüdische Volksschüler handelt, von. denen noch ein größerer Teil dein Waisenhaus angehört. Um so verwunderlicher ist es, daß jetzt, drei Wochen später, diese Notiz in. Ihrem geschätzten Blatte zum Abdruck gekommen ist (Der Bericht ist infolge der Verkehrsstörung verspätet eingetrosfen. Die Redaktion), zumal die Elternbeiratswahlen bereits am 14. März stattgefunden haben. Es wäre im Interesse der Wahrheit erwünscht, wenn Sie diesen Gedankengängen in Ihrer Zeitung Raun: geben würden. Mt vorzüglicher Hochachtung K ö n i g s b e r g i. P r. Perlmann. x ■ * Sehr geehrte Redaktion! Das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz" in Zürich hatte sich merkwürdigerweise in Nr. 6 b. I. zu der Behauptung, verstiegen, „Kaddisch" käme weder im Talmud nach im S ch nlscha n Aruch (!) vor. Auf eine sofortige scharfe Einwendung meinerseits macht es im Briefkasten der Nr. 11 eigenartige Ausreden von „temperamentvoller. Momentäußerung" usw., erteilt in u ^gehöriger Werse Lehren, wie man w i s s e n f cha {11 i ch e Themata .abzufassen habe, usw. Hier kurz und bündig meine Einwendungen: Im in FfObfi K 376 wird ausdrücklich VN!) verordnet! Der tf'JtfY fügt noch an Stelle alle Subtilitätett hinzu unter Angabe der Urquellen aus «airon tzrm rbs xravv, *«n usw. In Babu, Traet. Sötah 49 a, heißt es klipp und klar: xri-ßgl <also JETH VNj)!) Braucht es noch mehr der Wissenschaftlichkeit und Objektivität? Ist da noch zu „kämpfen"? Hochachtungsvoll Prof. Dr. med. Ratner. Kopenhagen, im März, Möntergade 4, II. .. .

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