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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-04-16 · Heft 16 (16.4.1920) · p. Seite 179

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 16 (16.4.1920)
Date
1920-04-16
Page
Seite 179 (sequence 11)
Language
German
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179 hineingeblickt und gelernt, dgtz «mn auch anders leben könne. -> Esther würde staunen,- wenn 'sie mal einen Blick, tun könnte j — in >die Münchener Boheme zum-Beis-Piel.- Was-das bedeute? Das wären die Higeuner, die Kunstzigeuner. Esther bekommt große Äugett^ 'i Sie-kennt nur die Zigeuner, j die draußen vor dem Ort in den Mahenwagen-oftmals Hausen. | Wie Alfred Oppenheim dies hört, da wird ihm furchtbar ernsthaft zumute. Und er gibt sich das Wort, diesem unwissen-- - den Kind draußen in der Welt — wenn es so weit kommen s soll — ein wahrer Freund, ein ritterlicher Schützer, wenn es | nicht anders sein soll, ein brüderlicher Rater und Helfer zu sein. 1 DaS werde sie alles erfahren da draußen, fährt er dann weiter fort, zunächst habe sie nichts anderes zu tun als — davonzulaufen. .. Sie, unterbricht ihn: er wisse wohl, daß sie nichts gelernt habe und daiher nur als einfaches Dienstmädchen . . . „Du," meint er, „du kannst doch tanzen." - Sie verbietet ihm die Possen in diesem für sie so ernsten Augenblick. Ernsthaft — sie solle Tänzerin werden. Aha — darum hat er vorhin von Zigeunern gesprochen. 'Und wieder färben sich die dunklen Wangen tief. ,/Ja,/meint er und zuckt die Achseln, „du kannst es auch luchter haben, bleib/daheim und", er sagt es ganz gleichmäßig und blickt.an, ihr.vorbei,,,,und.steig/ in die Ehe mit.dem Liepmai:n." . ............ . . In Haiderstadt nennen sie. dies Altstetten, das seine armen Hütten dem Rücken des. Hügels angeklebt hat, ein „unseliges Höft!" - Hier lvohnt.Tante Hannchen, des verstorbenen Beit Stein jüngste Schwester. Wse Escher heißgelansen am Sabbat nachmittag bei ihr 'ttnkommt, trifft sie die Tante zu ihrer Freude allein in der Wohnstube, hinter den herabgelassenen Jalousien, die ein seerosenbewachsenes Gewäsier ändeisen, darin ein Paar, selig umschlungen, hinfährt.. Die Rpder lenkt.der Liebesgott mit übermäßig großen Flügeln an den Schultern. . Wie freut sich Tante Hannchen mit der Richte!. Run.muß sie sogleich mit dem Zuckerkuchen auswarten, und dazu den selbst „angesetzten" Nußlikpr„ herbeiholen. Doch Esther hat heute nicht die rechte Lust daran. Tante kann sie darum nicht schelten und will gleich eine Geschichte von ihrem unordentlichen Backofen hergeben. Doch Esther unterbricht: „Rein, Tante Hannchen, hör' mal zu . . ." und da sind auch schon Tränen. "Die Tante traut in dem halbdunklen Raum ihren Blicken nicht und will darum das Liebespaar und den Amor . . Sie . möge, den Vorhang nur so lassen wie er ist — bittet Esther.- Und endlich sagt sie kurz und schwer .von ihrer. Seele Not ... Dann beginnt die Tagte: als sie selber jung gewesen, habe -sie binen lickb gehabt ach, so lieb. — Doch ihr Vater habe auf -Erkundigung. - erfahren, jener sei ein Luftikus und feine Sache nicht weit her/ Und das habe sich änch später gezeigt, denn..er habe in der Tat nichts Rechtes vor sich gebracht im 'Leben, /Änd sollte kürzlich in Amerika gestorben - und verdorben feilt." Aber die'Dänite meinte, 'MÜUchk wäre es anders -Wt H'nr gekommen 'ün ihrer Seite. Und schließlich würde sie guchgtzrn mitihrw gedarbt.-haben., ■/'■-/«;■ ' Und-' dann - alsö hät!ten' ^Hre ' Ntern "getooät, sie solle den andern nehmen. Na ja — und da . . . und ein großer Seufzer kommt aus Dante Hannchen, und jetzt ist sie froh, daß man die LiebeÄeute und ihren Schützen am Fenster hat weiter da hinabgleiten lassen. Denn sie muß ganz geschwind mit der Schürze über düs Gesicht fahren. (Fv-rchtzung. folgt.) Litrrsrikche WtttkilunLkfl. — A 1I g e m e i n.e Relig i o n sge schichte von V.--Dr. Alfred Jeremias,. Pfarrer und . Universttätsdozent in Leipzig. - Verlag R. Piper u. Co., München, 1918.- (259 Seiten.) Wenn ich in dieser Zeitung eine kurze 2lnzeige der -„Allgemeinen Religionsgeschichte" von Alsred Jeremias geben soll/so.muß ich mich darauf beschränken, auf die Grundgedanken.hinzuweisen, auf denen sich das auch für den -gebildeten Lai-en hervorragend geeignete Werk ausbaut. Der Verfasser geht von der Auffasfung, aus, daß die ollgemeine Religionsgeschichte sich nicht mit der objektiven Wiedergabe der Religionen selbst und ihrer Lsbensäußerungen begnügen darf, sie muß vielmehr auch versuchen, sie nach ihren ethnischen Grundlagennach ihrer inneren Zusammengehörigkeit und nach den Stufen ihren Entwicklung, zu untersuchen- (S. 2).. In Ermanglung eines einheitlichen ethnologischen -und historischen Gesichtspunktes wählt er als. N.o tbehelf die sche-inbar. außerliche -geog.ro Phische Einteilung. Sei ne Gesamtauffafs-ung präzisiert Jeremiass! selbst/datzin-.. daß Wellen der Entlehnung.durch, die . ganze. Welt^-gegangen .find, . die im letzten . Grunde .auf. eine großartige einheiUiche .rellgiö',e Weltanschauung zurückgehen, deren Entstehung für . uns Prähistorisch ist, die wir zuerst in geschlossener Gestalt in-Südbabylon vorsinden. Verfasser glaubt nboigeüs mcht^an-tine-parallel laufende voneinander nnaohängige EnDehüntz.der arischenkaukasischen und semitischen Kulturkreise./: Dementsprechend-''legtc-jvr.'-in seiner Darstellung besonderen Wert - auf .'den.- "NächweiK derinneren Ei-nhei t der Religionen u n d auf -die Sätze-über das Verhältnis -von Mythos und Religion. - Leider vermissen wir,.was uns arn meisten gerade in diesem Zusammenhang interessierthätte, eine Darstellung der Religion des Judentllms (einekurze Skizze von der Gesamtauffassung derselben findet sich S. 7). Diese sowohl-wie die des Christentums sind übergangen-worden, weil sie in Sonderdarstellungen leicht zugänglich sind. Das Werk! des um die Religionsgeschichte hochverdienten Gelehrten ist in besonderem Maße geeignet, als Wegweiser auf dem Gebiete der allgemeinen Religionsgeschichte zu dienen. Dem Verlag Ah Piper u. Co.' in München, durch dessen Entgegenkommen die Drucklegung des umfangreichen Werkes in gediegenster Weise noch während der KriegszÄt ermöglicht wurde, gebührt hierfür besonderer Dank. ' Professor Dr. R o s e n z jv e i g (Stuttgart). O ' — Bi b l i s ch e s O u a r r e t t s p! e l. Bearbeitet von Lehrer Simon Unna (Frankfurt a. M.). Verlag-von R. Bamborger, Bad Estingen, 1920. Die bekannten Quartette, die Bilder und Texte der Jugend spielend einprägen wollen, haben in jüdischen Kreisen vielfach Nachahmung gesunden. Vor Jahren erschien ein jüdisch-geschichtliches Quartettspiel von Bamberger. ' Heute liegt ein ähnliches mit Sprüchen in hebräischer lind deiltscher Sprache ans der Bibel vor. Es läßt sich darüber streiten, ob die Bibel sich überhaupt für Spiele eignet. Aber da sie selbst dem kindlichen Spiele einen bedeutenden pädagogischen Wert beimißt, so ließe sich auch solche Verwendung des heiligen Buches rechtfertigen. Die Art des Spieles bringt es mit sich, daß nicht alle Bücher gebührend berücksichtigt wurden; manche Sätze, die man gern sähe, fehlen. Immerhin hätten Ruth, Esra und Nehemia, wenn denn schon alle anderen Bücher herbeigezogen wurden, mit der minder ergiebigen Chronik oder Daniel sich wohl vereinigen lassen, statt ganz unter den Tisch zu fallen. Auch müßte der hebräische Text, zumal es sich um Belehrung von Kindern handelt, vollkommen korrekt sein; der Bindestrich wird grundsätzlich sortgelassen, in Jeremia (31, 12) steht viermal statt DTinDtPI wie andere Mängel aus Rechnung des Drucks zil setzen sind. Im ganzen aber dürste das hübsch ausgestattete Spiel als eines von den Mitteln, Kenntnis der hebräischen Sprache, Wissen von dem sittlichen Gehalt der Bibel und Liebe'zu ihr in den Kreisen der erwachseneren jüdischen Jugend zu verbreiten, dankbar begrüßt werden. Dr. Salzberger (Frankfurt a. M.). *; '= Alex ander Le v i: Vom Bauen Und Wohnen in Palästina. Weltverlag/ Berlin. ‘ Wer die Entwicklung in Palästina mit Interesse betrachtet, wird davon überzeugt sein, daß sich bei der jetzigen politischen Lage im Osten die jüdischen Masten nach Erez - Jisroel wenden werden. Es entsteht dadurch die ' Frage, wie die Unterbringung dies et großen

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