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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-04-16 · Heft 16 (16.4.1920) · p. Seite 174

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 16 (16.4.1920)
Date
1920-04-16
Page
Seite 174 (sequence 6)
Language
German
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-- 174 die Bitte, ölt diesem Werke der sozialen Wohlfahrt mitzu-; arbeiten und mitzuschafsen. Mit der Errichtung der ge- - planten Heimstätte werden jene unglücklichen Menschenkinder, - und das ist nicht minder wertvoll an dieser Gründung,- von der Straße abgezogen und somit verschwinden als Gegenstand; des Spottes und der Hänselei. In der Schaffung der Heim- und Arbeitsstätte offenbart sich wahre Nächstenliebe, die auch den geistig Schwachen zu einem menschenwürdigen- Dasein zu ■ verhelfen bereit ist. Möchte darum doch dieses soziale Liebeswerk in allen Kreisen tatkräftige, menschenfreundliche Für- . devung sinden, allen den unglücklichen Menschenkindern Rettung und Bewahrung bringen, und möchten der Anstalt : Beelitz zur Förderung und zum Ausbau ihrer Fürsorgej bestrebungen reichliche Mittel zusließen! Das JFranhfurter Likchenhsus. Die Minka-von-Goldschmidt-Rothschild-Stifrung. iese beiden Anstalten bilden ein Ganzes. Die Minka- Von-Goldschmidt-Rothschild-Stiftung, ein stattliches, langgestrecktes Gebäude im roten Sandstein und Ziegelbau, in der Nähe des Ostbahnhofs (Hanauer Bahn) und eines schönen Parks gelegen, .richtet ihre Front nach dem Röderbergweg. Das Siechenhaus, ans einem Legat der Frau G u m - pertz herstammend, 1888 in einem kleinen Hause in der Rückertstraße liegend, hat nunmehr ein eigenes großes Haus im Garten des obengenannten Stifts erhalten. Diese beiden Anstalten erfreuen sich eines besonderen guten Rufes unter den Wohlfahrtsanstalten der alten Reichsstadt. Es ist kein besonderes Lob, das ich hier veröffentliche; es ist in Frankfurt stehende Redensart: die beste Verpflegung und das beste Einvernehmen unter den Anstaltsbewohnern findet man in diesen beiden Häusern, die doch eins sind; denn beide Anstalten sind für dauernd kranke, sieche Personen eingerichtet. Beim Eintritt in das Stift gelangt man in das vornehm wirkende Vestibül. Marmorbekleidung, abwechselnd ynt .gelb polierten Holzflächen, die Wände Spiegel, breite Treppen aus Holz mit geschnitztem Geländer. . Im Parterre befinden sich Speisesaal (nur bei Festlichkeiten benutzt). Empfangs-, Aerztezimmer, das Zimmer der .Hausschwester, Operations-, Ordinationsräume, Röntgenkabinett, Baderäume und Waschgelegenheiten. Ein Zimmer ist von einem riesigen Schrank ausgefüllt: dem Schabbesosen. Das Haus wird in streng ritueller Weise geführt. Der Schabbesosen hält die Speisen und Getränke Während; des ganzen Samstags in gleichmäßig heißer (hoher) Temperatur. Für eine Pevsonenzahl von etwa Hundert— die Verwaltung, Pflege, Bedienung mit einbegrifsen. --Eine Tunnelbahn verbindet best»e Grundstücke. Der Speifentzug (Lowrywagen) fährt hin und her und befördert die Speisen samt dem nötigen Geschirr, Bestecks-Usw. in die verschiedenen Aufzüge, die sich in allen Etagen befinden. Die-große Küche, mit allen Murichtungen der Neuzeit versehen, ist im Souterrain; -auch eine Pessachküche. Diese wird nach dem-Fest bis zum nächsten Jahr geschlossen. So erübrigt sich hier indiesem großen Betrieb das Käschern Und-Herrichten zum Pessach Neben den -Küchen" liegen- Vorrats- und Wirtschaftsräume sowie- Diener- Und Mädchenzimmer. Im zweiten Stock ist die Waschanstalt mit Dampfbetrieb, ganz nach dem Muster großer- Dampstväjschereien in, Berlin und anderen Städten eingerichtet. In dem langen Korridor, den man durchschreitet, liest man an den Türen die Bezeich nungen der Berw-enduttgsart. Die elektrisch erleuchteten Gänge mit den weißlackierten Türen muten eigenartig an. Im ersten Stock sind die Männer untergebvacht. Hohe, helle Zimmer, je mit 2 bis 3 Betten.-Alles in Weiß-gehalten. Ein -großes Konversationszimmör hat den Zweck, die , Kranken-, welche noch beweg« ngsfähig sind, zu Vereinen. Schöne , alte Möbel, von der Freifrau Willy v, Rothschildgestist-et, zieren - den Raum. Trotz ihrer körperlich üblen Verfassung find die Kranken bei guter Stimnnmg, -wozu die freundliche Behandlung von seiten der Verwaltung und des- Pflege-persvnals nicht wenig beiträgt. Auch die Verpflegung ist meist über-dem in den' meisten Anstalten üblichen Niveau. Selbstredend -ereignen sich auch krasse Fälle von Unzufriedenheit bei Nervösen Patienten. Während der Kriegszeit war das Siechenhaus in ein Lazarett verwandelt. Es figurierte unter der Bezeichnung: „Rotes-Kreuz-Lazarett Nr. 32" und -beherbergte stets 100 bis 180 Schwerverwundete in allen Rangstufen. Täglich trafen Züge von neuen Blessierten ein und -wurden abgeladen. Eine höchst schwere Zeit für das Personal und die Verwaltung. Die Frau des Verwalters fungierte als Oberin'des Spitals bei den Operationen. Sie hat auch jetzt noch den Posten in beiden Häusern inne. Bei einem Besuche der MäNnerabteiluNg bemerkte ich einen älteren Herrn, der von dem allgemein üblichen Krankentyp mir nicht zu sein schien. Ich erkundigte mich nach seinem Schicksal. Er ist ein Arzt aus'einer östlichen Provinz, ein Studiengenvsse von dem' berühmten Professor Trank» e, dem Herzdiaguostiker, und stand- bis zum Ableben -desselben' - mit ihm in Briefwechsel: auch mit anderen medizinischen-Kapazitäten stand (er ist Beziehungen. ');; In der Franenäbteilüng bemerkte ich ein ikjähriges Mädchen in Größe eines'sechsjährigen Kindes; Verstand einer Das frankfurter Siechenhaus als Rotes-Breuz-Kazarett tstr. 32. f **

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