Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1920)
- Date
- 1920-04-16
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
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TrutzbundM uns Heimat und Ehre zu rauben und uns als wurzellose,. ve^breHerisch? Abenteurer,zu zeichnen. Wir erhebe« feierliche« Protest gegen die systematische Bergiftnng «nserer Heranwachsende« Ingen-, die mit steigender Erbittern«« vergeblich den Schutz vor Hatz und Lüge ersehnt. Mit allen Kräften wollen wir, die wir auch in jahrelangem chäm'pf uns für den Schutz der Heimat eingesetzt haben, ehrlich und unermüdlich am sittlichen und wirtschaftlichen Wiederaufbau des Vaterlandes Mitarbeiten. Min fordern von der Regierung, daß sie uns darin unterstützt, indem sie uns die Gerechtigkeit widerfahren läßt, die wir als Deutsche in Deutschland erhoffen Und beanspruchen können. ' Ter Bund jüdischer «Frontsoldaten München. , - Geschäftsstelle: Lindwurmstraße 73, I. * . ■■■ Asm 8. d. M. waren 50 Jahre verstrichen, seit die Gelehrtenwelt durch den Selbstmord eines.hervorragenden' Geschichtsforschers in Aufregung versetzt wurde. Der Professor der Geschichte an der Berliner.Universität Philipp Jasfö erschoß sich iht einem Gasthof zu Wittenberge, nachdem er heimlich Berlin verlassen hatte. Eine Zierde der deutschen Geschichtsforschung ging mit dem Einundfünfzigjährigen dahin, der Außerordentliches für die Sammlung und Erforschung, der deutschen Geschichtsquellen geleistet hatte. Jaffa, .der zunächst in einem Bank- und. Getreidegeschäft. in Berlin als Kommis tätig war, setzte unter den größten Entsagungen das Studium an der Universität durch und wurde ein Lieblingsschüler Rankes,, von dem. der Meister, erklärte, er habe an keinem, andern Schüler je einen so brennenden Eifer wahrgenommen. Nachdem er sich mit einigen Arbeiten, zur Kwisergeschichte glänzend eingeführt hatte, trat er als Zwemnddreißigjähviger mit einem einzigartigen Riesenwerk hervor, mit der Sammlung der Papstregesten, in denen 11000 päpstliche Urkunden veröffentlicht wurden, .die bis dahin in 1700 vebschiedenen Bänden verstreut waren. Mit einem Schlage war Jaffa durch diese Tai in die Reihe ..der ersten Historiker getreten. Da ihm aber wegen seines mosaischen Bekenntnisses die. Üniversitätslaufbahn. verschlossen war, studierte er nun Medizin, und bestand sein ärztliches.. Doktorexamen.. Da holte man. den jungen Arzt wieder zurück zu dem Forschungsgebiet, für das er schon so viel geleistet,. und neun Jahre hindurch war er nun bei der. Herausgabe der .Monuments. Garmsnisa" tätig. Da er sich aber mit hem Leiter des Unternehmens, Pertz,. nicht vertragen konnte, verließ er diesen.Posten wieder, und nun setzte. Ranke durch, daß er als erster Jude in Preußen zum außerordentlichen Professor der Geschichte an der Berliner Universität ernannt wurde. Jetzt begann er eine neue meisterhafte Quellenherausgabe, die „Bibliötheca rerum Germanicarum", von der er bis zu seinem jähen Hingange sechs Bände veröffentlichte. Der tragische Abschluß dieses so überaus fruchtbaren Gelehrtenlebens ist in Dunkel gehüllt. . Der einsame Junggeselle , kannte nichts als seine. Arbeit und wurde dabei von allerlei Wahnvorstellungen lind Aengften geplagt. Er glaubte sich herfolgt, durch Pertz in seiner Ehre gekränkt, und so erlag er schließlich dem düsteren. Dämonen seines Innern; „ohne zu ermessen," schließt Alfred. Dove feine Eharakteristik Jaffas in der „Ällgemeiuen Deutschen Biographie", denn wie stark hätte ihn das. aufrichten müssen! — welcher Zierde, welcher Hoffnungen sein Untergang, die deutsche Geschichtsforischung beraubte". , . :.. . ...I .... .....' Die BerteUnn« »er- «ngavischen Inden in de« . .- I verschiedenenBernfen.. .-r". In seiner Nummer vom 13. Märzv-eröffentlicht-das jüdische Qr-gan..„Egtze!nlös^g" unter, Mgem- Titel.- eine interessante- Studie des bekannten jüdischen iWlehrWi chnd Statistikers Alexander Komsromi, der wir folgende Einzelheiten entnehmen: - Im alten Ungarn finden wir unter den jüdischen Glaubensgenossen die meisten Erwerber auf dem Gebiete des Handels und des Kredits vertreten, trotzdem haben die hier tätigen Juden ziffernmäßig nicht besoiiders jene Glaubensgenossen überragt, die in den verschiedenen Zweigen der Industrie tätig waren. Die Verteilung nach den verschiedenen Erwerben ergibt für das Jahr 1910 folgende Ziffern: , Sämtliche Erwerbende Jüdische Erwerbende absolut in Proz. absolut in Proz. Urproduktion .... 4 655 576 60,08 22 504 0,48 Hüttenwesen .... 66 272 0,85 382 0,57 Gewerbe.. 1 357 665 17,52 126 224 9,30 Handel und Finanzen . 275 030 3,55 128 246 46,63 Oeffentlicher Dienst und freie Berufe.... 251 446 3,24 27 655 11,00 Wehrmacht .... 122 333 1,58 3 617 2,95 Taglöhner . . . . . 203 085 2,62 5 057 2,49 Pensionisten, Kapitalisten, Rentiers, Hauseigentümer . . , . 192 716 2,60 12 225 6,34 Sonstige u. unbekannte Beschäftigungen . . 74 584 0,96 3 598 4,82 Dienstboten. 365 876 4,72 6184 1,68 7 750 973 346 756 Wie wir aus diesen Ziffern ersehen, haben die Juden auch in den von ihnen >am meisten frequentierten Berufen — Handel und Finanzen — nicht die absolute Majorität erreicht, ihr Prozentsatz beträgt auch hier unter 60 Prozent (46,63 Prozent). Bei den Gewerbetreibenden beträgt der Prozentsatz der Juden 9,30 Prozent, also.fast das Doppelte des Prozentsatzes, der ihnen nach der gesamten Bevölkerungsziffer (5 Prozent) gebührte. Ebenso sind die Juden in den Berufen der öffentlichen Dienstleistung und im den freien Berufen in bedeutend größerem Prozentsätze (11 Prozent) vertreten. Im Verkehrswesen -weisen die Juden den ihnen gebührenden Durchschnitt von 2,49 Prozent gegenüber mehr als bas Doppelte: 5,95 Prozent auf. Auf den ersten Blick fällt es auf, daß die Proportionsziffer der Tagelöhner bei den Juden fast so groß ist, wie. die der Gesamtbevölkerung (2,49 Prozent gegenüber 2,62 Prozent), und daß sie bei der Wehrmacht die Proportionsziffer der Gesamtbevölkerung (1,58 Prozent) bedeutend überragt (2,95 Prozent). In der Urproduktion sind sie in sehr geringem Maße (0,48 Prozent) vertreten. Daß sie bei den Pensionisten, Kapitalisten, Rentiers und Hauseigentümern den Durchschnittsprozentsatz von 2,50 Prozent bedeutend überragen (6,34 Prozent) findet seine Begründung in dem höheren Durchschnittsalter, im der Sparsamkeit der Juden und auch darin, daß sie in der Urproduktion am geringsten vertreten sind und deshalb für ihr Alter in anderer Weise Sorge zu tragen bemüht sind. Wenn man nun in der Struktur der Placierung in den verschiedenen Beschäftigungszweigen Verschiebungen Hervorrufen will — und die Tendenz hierfür besteht zweifellos —, so müßten in erster Reihe die größten Mißverhältnisse behoben werden. ' Die größten Mißverhältnisse weisen aber die Urproduktion, Handel und Finanzen, der öffentliche Dienst und die freien. Berufe auf.. Wenn wir z. B. einem Teil der Juden . Grund und Boden sichern könnten — etwa aus den in den Händen von Juden befindlichen Großgrundbesitzern und Pachtungen —, dann könnten über 200 000 jüdische-Erwerber jenen Berufszweigen entzogen werden, in denen sie zwar nirgends die absolute Majorität erreicht-haben, aus denen-aber die Andersgläubigen sie zurückzudrängen wünschten. Eine radikale Lösung wäre-aberauch sonur sukzessive möglich. Wird nicht diese Lösung gewählt^ so können zwar in der Verteilung. der ErwerHszweige Fluktuationen und gewisse Schwan-: