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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-04-08 · Heft 15 (8.4.1920) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 15 (8.4.1920)
Date
1920-04-08
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Band des Werkes „Die Lehren des Judentums", das dieser, als Frucht der Arbeiten an seinem Archiv heraMzugebeu beabsichtigt. Der Stoff ist unter Mitwirkung von Rabbiner Dr. Baeck, Prof. Dr. Elbogen, Rabbiner Dr. H o ch f e l d, Direktor Dr. Holz m a n und Rabbiner Dr. A. Loewentha l bearbeitet von Dr. Simon Bernfeld. Das Buch erscheint im Berlage von C. A. Schw-etschke u. Sohn, Berlin W 30, Freisinger Straße 5a, im Umfange von 10 Bogen Großoktav; Gemeinden und Vereine werden es bei Bestellung durch den Verband der Deutschen Juden zum Vorzugspreise erhalten. Die Ankündigung zitiert aus dem Vorwort: „Das vorliegen.de Werk ist aus jahrelanger Sannnelarbeit an dem wissenschaftlichen Archiv des Verbandes der Deutschen Juden hervor gegangen. In ihm spricht die Lehre des Judentums in ihrer eigenen Sprache. Was das Judentum lehrt und tute es lehrt, geht aus seiner Darstellung hervor. Tie kurzen Einleitungen, die den einzelnen Abschnitten vorangehen, sind Zusammenfassungen der Grundgedanken der in ihnen aus den Quellen w ieder gegebenen Sätze, oder sie geben Aufschluß über die.Entwicklung, die manche religiöse oder ethische Lehre im Judentum erfahren hat. In jedem Abschnitte sind die Lehreil des Judentums hx, Aussprüchen aus dein gesamten Schrifttum in geschichtlicher Reihenfolge zusaminengestellt: Auf die Bibel folgen die Apokryphen und die jüdisch-hellenistische Literatur. Daran reihen sich Stellen aus den Gebeten und der synagogalen Dichtung, aus dem Talmud und den ihm verwandten Schrifttum, aus, der jüdischen Religionsphitosophie des Mittelalters und der volksethischen Literatur. Aus neuerer Zeit sind Lehren und Aussprüche jüdischer Gelehrter angeführt, die, vom älteren jüdischen Schrifttum ausgehend, die Lehren des Judentums behandeln. Den Schluß bilden Auszüge aus Schriften christlicher Schriftsteller, die das Judentum wissenschaftlich erforscht haben." Der jetzt erschienene Band ist ein Teil des Gesamtwerks „Grundlagen der jüdischen Ethik". Fünf weitere, in kurzen Zwischenräumen erscheinende Teile sollen behandeln: II. Die individuelle und soziale Ethik i m I u d e n t u iu. III. G o t t/ IV.' Kultus und Gemeinde. V. Das Judentum unter den Religionen. VI. Das religiöse Schrifttum alter und n e u e r Z e i t. Hervorragende Gelehrte haben an dem Werke zusammengewirkt, mit dem der Verband der Deutschen Juden der Aufgabe dienen will, den ethischen und religiösen Gehalt des Judentums in der durch die Quellen verbürgten Wahrheit darzulegen, um dadurch Vorurteile zu bekämpfen und in möglichst weiten Kreisen eine gerechte Würdigung des Judentums herbeizusühren. Das Werk wendet sich in erster Reihe an die jüdische Glaubensgemeinschaft; der Jude, der in Treue an seiner Religion festhalten soll, muß ihren tiefsten Sinn und ihren ethischen Gehalt kennen. Rur dann kann er auch den Anfeindungen wirksam entgegentreten, die das Judentum immer wieder erfährt, gerade weil es in seinem Wesen verkannt wird. Darum ist dem Werk auch weite Verbreitung in christlichen Kreisen zu wünschen, die aus ihm die Lehren des Judentums nach den Quellen kennen und darum werten lernen mögen. 22 Berlin, 6. April. Das Jüdische Arbeitsamt (Berlin N 24, Monbijouplatz 1, Postscheckkonto: Jüdisches Arbeitsamt e. V. Berlin 55 454) versendet folgendes Rundschreiben: In allen Großstädten Deutschlands drängen sich ostjüdische Arbeiter zusammen, welche in furchtbarer sozialer Rot leben und als lästige Eindringlinge in Deutschland empfunden werden, obgleich sie arbeitswillig und arbeitsfähig sind. Rur dadurch, daß wir sie in geeigneter Weise verteilend in das deutsche Wirtschaftsleben eingliedern, können wir ihnen Helsen und den tvachsenden Antisemitismus überwinden. Wir haben darum vor einigen Monaten begonnen, besondere Berussbecatungs- und Arbeitsvermittlungsstellen zu gründen, welche mit den deutschen Zeuträlarbeitsnachweisen in Verbindung stehen und jüdische Arbeiter an diejenigen Stellen in Deutschland schicken, wo eine Nachfrage nach Arbeitern besteht. Es ist dem Jüdischen Arbeitsamt in der kurzen Zeit seines Bestehens schon gelungen, mehr als 1500 Arbeiter in Landwirtschaft, Han-dtverk, Industrie und Bergbau unterzubringen. All diese Menschen sind nicht mehr, wie es bisher leider meistens der Fall war, auf „Wohltaten" angewiesen, leben nicht mehr iu deru quälenden Zustand des Schmarotzers, sondern es ist ihnen mit geringen Mitteln ermöglicht worden, sich durch eigene Arbeit zu erhalten. Rur wenn das Jüdische Arbeitsamt in den Mittelpunkt der gesamten Ostju'deuhilfe tritt, ist es möglich, eine Gesundung des leisten zu können, brauchen wir bedeutende Geldmittel. Wir bitten jüdischen Lebens zu erreichen. Um aber wirklich großzügige Arbeit Sie darum dringend, uns in unserer Sache, die durchaus im Interesse der gesamten deutschen Judenheit liegt, durch reichliche Beiträge zu unterstützen und in Ihrem Kreise weiter für uns zu werben. — Das - Rundschreiben trägt folgende Unterschriften: R.-A. Dr. Arthur H a n t k e, Direktor Karesk i, Prof. Dr. L a n d a u, Geh. Medizinalrah Rabbiner Dr. L i e b e r m a n«n, Prof. Dr. Pick, Georg Tietz, Berlin, Klosterstraße 64. 22 Berlin, 6. April. Die Freie Jüdische Volkshochschul e eröffnet ihre Frühjahrsvorlesungen' am 19. d. M. Es werden lesen: M. A b r a h,a m: Hebräisch; Dr. Alexander: Von der Emanzipation der Juden in den Kulturländern; Dr. Auerbach: Probleme des Aufbaues in Palästina; Julius B a b: Das jüdische Problem im neuen Drama; Dr. Bern selb: Geschichte der jüdischen Literatur, 3. Teil; Dr. Bleich rode: Talmudlektüre; Professor I. Elbogen: Die ältesten Niederlassungen der Juden in Europa; Dr. Bernh. Kahn: Die jüdischen Wanderungen; Dr. Kellermann: Die Ethik des Judentums; Rabbiner Dr. E. Levy: Israel und Aegypten; Professor Heinr. Loe'we: Geschichte des nationalen Gedankens im Judentum; Rabbiner Dr. Löwenthal: Der Schulchan Aruch; Dr. Obermann: Einführung in hie vergleichende Religionswissenschaft; Dr. Tan neu bäum: Das jiddische Theater; Dr. Torczyner: Kohelet (Fortsetzung) und Das Hohelied. Vorlesung in hebräischer Sprache; Rabbiner Dr. Warschauer: Einführung in die Bibel. Nähere Auskünfte gibt das Sekretariat der Hochschule, Steglitzer Straße 9. Berlin, 6. April. Der „Berliner Jüdischen Rundschau" berichtet Herr Max Kober unter dem 18. März über folgendes Erlebnis in Breslau: „Gestern abend bemerkte ich auf der Gartenstraße, daß auffällig viele kleine Zettel, die zu Pogromen und zur Judenhetze aufsordern, angeklebt waren, und begann, wie üblich, die Zettel abzukratzen. Nachdem ich etwa das erste halbe Dutzend entfernt hatte, kommt plötzlich ein Militärchauffeur an mich heran und sagt zu mir: „Kommen Sie zur Wachtstube mit." Ich wurde in das zwei Häuser entfernte Hotel „Vier Jahreszeiten" -gebracht, und zwar in das Vestibül des im Hofe befindlichen Festsaales. Dorf stellte mich ver Chauffeur vor einen Mann in. Hemdsärmeln,-, wahrscheinlich der Wachthabende, und sagte aus mich weifend: „Der hat Zettel abgerissen." Der Wachthabende sagte zu mir: „Wie -kommen Sie dazu?" Ich sagte: „Ich riß die Zettel ab,-die zur Verhetzung und Beunruhigung dienen, da ich annehmen kann, daß sie von privater Seite" — werter kam ich nicht —, denn schon wurde ich zu Boden geworfen, und mindestens fünf von den Helden stürzten sich auf mich mit Fäusten, traten mich, -einer schlug mit einem Stock auf mich ein. Dann bekam ich einen Tritt und wurde hinausgeworfen und mit Püffen und Stößen sortgeschickt." Wir wissen nun wieder einmal, wer -die Zettel verbreitet und dafür verantwortlich ist und was uns unter d'eset Regierung erblühen kann. Posen, 1. April. Im Sitzuugssaale der Synagogengemeinde Hierselbst fand unter dem Vorsitz des Herrn Israel F r i e d l a e n d e r eine Besprechung zwischen den Vertretern der in Thorn am 19. Oktober v. I. gegründeten Jüdischen. Vereinigung und Vertretern der Posener Jüdischen Gemeinde statt, die den Zweck hatte, einen. Zusammenschluß der Juden in allen bisher preußischen Landesteilen Polens anzübahnen. Ohne Unterschied der religiösen und politischen Richtung soll dies geschehen, lediglich zur Wahrung der staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung der Juden und zur Pflege treuer Anhänglichkeit an die jüdische Religion.. Zur Förderung dieser Ziele sind zunächst drei Ausschüsse gebildet: 1. für staatsbürgerliche und gesellschaftliche Gleichstellung der Juden (Rechtsschutz); 2. für soziale und Wohltätigkeitsangelegenheiten; 3. für geistige und religiöse Interessen. Dem Vorstande gehören zunächst Vertreter aller politischen und religiösen Richtungen an. Zur Besprechung waren Delegierte aus Thorn und Bromberg erschienen. Auch, Vertreter des Jüdischen Volksrats in Posen waren hierzu geladen. Die Schaffung einer gemeinschaftlichen Organisation aller Juden genannter Gebiete wurde in einer lebhaften Aussprache von allen Seiten als wünschenswert und notwendig anerkannt und eine Kommission eingesetzt, die das gesteckte Ziel vorbereiten soll. Uebereinstimmung herrschte auch darüber, daß mit Rücksicht auf die polnischen Behörden der Sitz einer derartigen Organisation in Posen sein müßte.

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