Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1920)
- Date
- 1920-04-08
- Page
- Seite 168 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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" 168 Salons begründeten und sich bis zu . ihrem Ende stolz als Jüdinnen bcfamiticii. Zu Rahels Ru hin muß es jedoch gesagt werden, daß sie sich hingebungs- und aufopferungsvoll der Pflege der Verwundeten 1813 in Prag widmete, und aus jener Zeit in ihren Briefen an Darnhagen tönt begeistert das Lob der Prager Juden, wie glanzend diese sich den zahllosen Kranken und Verwundeten gegenüber bewährten. Wir empfehlen diese treffliche Briefsammlung insbesondere angelegentlichst unserer Frauenwelt. Breslau. R e g i n a N e i ß e r. - O — Tie Lage d e r I u den zu Zeiten Casars. Der ausgezeichnete Berliner Historiker und berühmteste lebende Kenner des klassischen Altertums Eduard Mey e r kommt in seinem schon nach kurzer Zeit in 2. Auslage erschienenen Werke: „Cäsars Monarchie und das Prinzipat des Pompejus" (Innere Geschichte Roms von 66 bis 44 v. Chr.) lStuttgart und Berlin, Cotta, 1917] auch aus die Lage der Juden in jener Zeit zu sprechen. Den Juden ist es während der Regierungszeit Cäsars sehr gut gegangen, und sie haben den Tod des großen Mannes auf das tiefste beklagt, wie dies Sueton in seiner berühmten Cäsar-Biographie berichtet, und viele Nächte um ihn geklagt. Hören wir, was Eduard Meyer selbst über die Lage der Juden sagt (S. 496): „Eine heikle Aufgabe der Politik bildete, wie in der Neuzeit, so auch damals schon, die Regelung, der Stellung der Juden, die sich nicht nur in Massen über die ganze hellenistische Welt verbreitet hatten, sondern auch in Nom im Geschüftsleben sowohl wie unter dem turbulenten Gesindel schon seit geraumer Zeit eine beträchtliche Rolle spielten. Cäsar hat sich, im Gegensatz zu Pompejns und der Senatspolitik, wie dem jüdischen Kirchenstaat von Jerusalem so w. :ch den Juden der Diaspora gegenüber sehr wohlwollend erwiesen uu) sie offenbar als betriebsame «und anstellige Geschäftsleute gewürdigt und zu benutzen verstanden. Er hat die Absonderlichkeiten ihrer Religion und ihrer Litten unter seinen Schutz gestellt und ihre Kultvereine nebst den dafür erhobenen Beistenern als rechtlich anerkannt and von seinem gegen die Bildung von Vereinen erlassenen Verbot eximiert; ebenso blieben sie von der Heranziehung zum Kriegsdienst befreit, und die Statthalter und Gemeinden wurden angewiesen, sie am Sabbat unbehelligt zu lassen. Diese Politik ist bekanntlich von Augustus und Agrippa fortgesetzt und weiter ausgestaltet worden. So begreift es sich sehr gut, daß Cäsars Ermordung ganz besonders von den Juden beklagt worden ist und sie in Rom viele Nächte hindurch eine Trauerfeier um ihu begingen." Wie glücklich wären die J»den manchen Landes, wenn sie heute nach 2000 Jahren in so befriedigender Lage sich befinden würden lvie ihre Glaubensgenossen in der Vergangenheit. 2000jährige Entwicklung sogenannter Kultur hat es doch nicht vermocht, die Judenfrage restlos zu lösen und diesem gequälten Volk Glück und Freiheit zu bringen. Nicht inuner ist die Weltgeschichte ein Fortschreiten geworden. Wer aus den trüben Zeiten der Gegenwart in bessere der Vergangenheit flüchten will und sich erfreuen möchte an den Taten großer Männer, der greife zu dem glänzenden Werke Eduard Meyers. — Weltbüche r: eine jüdische Schristenfolge. Band 7: Henry George: Moses der Gesetzgeber. Band 8: Heinrich Löwe: Schelme und Narren mit jüdischen Kappen. — lieber diese beiden Neuerscheinungen der „Weltbücher" muß ich dasselbe Urteil fällen wie über die vorhergehenden sechs Bünde (siehe „Allg. Z. d. Jud." vom 12. März 1920, Nr. 11). Während auch bei diesen beiden Büchern Nr. 7 als Neuauflage in der jetzigen Zeit sehr zu begrüßen ist, kann ich für Nr. 8 eine Notwendigkeit nicht finden. Es enthält manches Interessante zur vergleichenden Völkergeschichte, aber wir müssen doch immer bedenken, daß wir Juden seit der Diaspora stets mit unseren Wirtsvölkern gelebt und daher auch mit ihnen gelacht haben. Wir haben uns an den spaßvollen Gestalten des Mittelalters ebenso gefreut, wie wir hellte die Literaturerzeugnisse und Kunstprodukte der 'Neuzeit genießen. Welche Umwandlung der jüdische Volksgeist mit den einzelnen Erzählungen vorgenommen, das ist mehr Fachwissenschaft llnd gehört nicht in eine „jüdische Schristenfolge". Dagegen würde es sehr angebracht sein, wenn Nr. 7 eine große Verbreitung finden würde, besonders auch in nichtjüdischen Kreisen, damit man doch „den jüdischen Geist" dort kennenlerne, wo man glaubt, alles Unheil käme vom „Judentum". Straßburger (Ulm), Mcherrinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Alexander L e v h : Vom Bauen und Wohnen im neuen Palästina. Herausgegeben von der Palästina-Gesellschaft. Welt-Verlag, Berlin. Kleine Erlebnisse. Bon Georg Hermann. Egon Fleisch.'! u. Co.., Berlin, 1919. Martin Beradt: Erdarbeiter. Aufzeichnungen eines Schanzsoldaten. S. Fischer Verlag, Berlin, 1919. Fridtjof N a n s e n : Freiluftleben. Leipzig, F. A. Brockhaus, 1920. Geb. 9 M. Mitteilungen zur Jüdischen Volkskunde. Herausgegeben von Dr. M. Grunwaid, Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien. 21. Jahrgang, 3. .bis 4. Heft. Wien, 1920. . Mitteilungen des Verbandes der jüdischen Ingen dve reine Deutschlands, Heft 1. Berlin, Februar 1920. Jüdisches Elend in Wien. Bilder imt* Daten von Bruno Frei. Preis brosch. 9 M. — 20 Kr. R. Löwit Verlag, Wien und Berlin. S a m in l u n g G ö s ch e n : Tie Entstehung des Talmuds. Bon Tr. S. Funk in Men. Zweite, neu bearbeitete Auflage. Berlin lind Leipzig, Walter de Gruyter u. Co. 1919. Die siegreiche Weltanschauung und wir Juden. Von Dr. Siegfried P e n t h a - T u l l. Verlegt bei Ferd. Schreiber Nachs. in Leipzig und Hartenstein i. Erzgeb., 1920. Barnch Krupnick: Die jüdischen Parteien. Ein Ueberblick zur Orientierung. Jüdischer Verlag, Berlin, 1919. Jndenliedcr. Von Adolph T o n a t h. 1920. R. Löwit Verlag, Wien. Sch. Gorelik: Fünf Jahre im Lande Neutralien. Jüdischer Verlag, Berlin, 1919. Hermann Cohen. Von Jakob K l a tz k i n. Mit einem Bildnis nach einer Radierung von Hermann Struck. Jüdischer Verlag, Berlin, 1919. Kleinsiedelung und Bewässerung. Tie neue Siede lungssorm für Palästina. Von Dr. S. E. Soskin. Jüdischer Verlag, Berlin, 1920. Die Juden stadt von Lublin. Von Maier Balaban, mit Zeichnungen von Karl Richard Henker. Jüdischer Verlag, Berlin, 1919. Mitteilungen der Llrbeitsgemeinschast: jüdisch-liberaler Ing,endvereine Deutschlands Nr. 1. Januar 1920. 2. Jahrgang. Predigt, gehalten am ersten Tage des Hüttensestes 1919 (5680) von Professor Dr. Ludwig G o l i n s k i, Rabbiner in Pilsen. Vom Kultusvorstande zugunsten des Israelitischen Freitischvereins in Pilsen veröffentlicht. Pilsen 1919, Verlag der Israelitischen Kultusgemeinde in Pilsen. 1. Dr. M. Auerbach: Ag.udas Jisrool in Erez Jisroel. Preis 2,50 Mark. 2. Palästina karte. Entworfen von Davis Trietsch. Preis 1>75 Mark. L. Sänger, Verlag, Frankfurt am Main. 1920. Das neue Reich. Perthes' Schriften zum Weltkrieg. Neue Folge. 10. Heft. M. I. Bonn: Völkerbund und auswärtige Politik. Verlag Friedrich Andreas Perthes, A.-G., Gotha. Dr. N. M. Gelber: Aktenstücke zur Judenfrage am Wiener Kongreß 1814-1815. Verläg des „Esra", Wien IX, Alserstraße 28. 1920. Die „Lippmaun - Tauß" - Synagoge und das Rabbinerhaus der „Lipschütz". Von Dr. Felix Singermann, Rabbiner des Synagogenvereins Lippmann-Tauh. Verlag Louis Lamm, Berlin C 2. Preis 8 Mark. 1920. Beiträge zur Sozial- und Wirtschastsgeschichte der Berliner Juden vor der Emanzipation. Von Dr. Ludwig Davidsohn. Verlag Louis Lamm, Berlin C 2. 1920. Preis 8 Mark. Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands Nr. 3. März 1920. 2. Jahrgang.