Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1920)
- Date
- 1920-04-08
- Page
- Seite 164 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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164 Alles dies war also ein probates Schutzmittel gegen Assimilation. Degeneration und teuflische Verleumdung, ja mörderischen Macchiavellismns Pharaos, ebenso später eines „Haman". Und nun zur Gegenwart! „Neomalthusianismus" heißt in den besseren Kreisen die Parole, „Zweikindersystem" oder französisches Harakiri. (Vergleiche darüber meine Arbeiten in der „Hygienischen Rundschau" 1616, Nr. 4, „Wie die alten Juden die Politik der Vermehrung der VoWkraft betrieben", ebenso in der „Zeitschrift für Sexualwissenschaft", Band VI, H. 7, „Altjüdische Sexualpolitik".) Auch die „modernen", von der „Himmelstochter Haskalah" angekränkelten Juden huldigen diesen Prinzipien: Junggesellentum, spätes Heiraten, Präservative Beschränkung der Fruchtbarkeit —, und wie die modernen Selbstmordinstrumente alle heißen mögen, sind auch bei Juden leider on vogue . .! Nein! Den besten Gefallen tun sie damit dem Feinde . . ., weil dies ohne „Zutun" der Politiker ü In Pharao dadurch Vernichtung, Degenerierung, allmähliches, gänzliches A u s st e r b e n unweigerlich zur Folge haben muß und die sogenannte brennende „Judenfrage" von selbst gelöst wird . . . Darum rufen wir mit dem Dichter des Hohenliedes: „Kehre zurück, o Sulamith!" Kehren wir zurück zur weisen, weitschauenden Vatersitte: überlassen wir alles übrige dom Gotte unserer Väter . . . „Denn nicht verwaist ist Israel!" Das Passahsest beweist zur Genüge, welche geistigen Waffen die Juden im Kampfe „ums Dasein" zur Verfügung haben Waffen, welche sie unweigerlich zum Siege führen, wenn sie sie nur an ihrer Schutzmauer richtig aufstellen: der Geist und die Gesetze der Thora! Leiter über Juden. oetbe stellt seinem Herzensfreunde und Herzensbrlider Vjj Karl Friedrich Zelter, dem bekannten Komponisten und Direktor der Singakademie in Berlin, das Zeugnis aus, daß in seiner- Art zu sein etwas Prometheisches sei, das er nur anstaunen und verehren könne. Um so bedauerlicher ist es, daß Zelter diesem glänzenden Zeugnis zeitweilig durch engherzige und leichtsinnig-wegwerfende Urteile über die Inden Eintrag tut. So spricht er in einem Briefe an Goethe 27. Januar 1808 verallgemeinernd von der „jüdischen Wür-> feiet, welche die Romanschreiber mit ihren sogenannten Tugenden und Lastern treiben, um charakterlosen Menschen Ansehen zu geben, daß man sie lobe oder tadle, anstatt zur Selbstbetrachtung würdig angeführt zu werden". Ein andermal klagt er ihm, daß das Königliche Schauspielhaus bald auf das „Adreßhaus" wird getragen und versetzt werden müssen, da „eine Bande Tänzer, Figuranten, Kommis, Schneider, Juden und Maler" es an den Bettelstab bringe. Sehr abgeschmackt und in einem einem Empiristen schlecht anstehenden apriorischen Tone sagt er, indem er von feinem zwölfjährigen Schüler Felix Mendelssohn, an dem er mit rührender, zärtlichster Liebe hängt — er nennt ihn auch nicht anders als „mein Felix"..— spricht: „Es wäre wirklich einmal ePPeS Rares, wenn' aus einem Judensohn ein Künstler würde." Derlei Urteile hindern jedoch nicht, daß er auch gute Eigenschaften an den Juden entdeckt, sie beispielsweise als „richtige Bezahler" lobt und demgemäß den alten Schlesinger Goethe für die neue Ausgabe seiner Werke empfiehlt. Man wirft dem Herrn Professor vor, daß er die Judenmädchen protegiert; erläßt sich den Vorwurf ruhig gefallen, gibt in geistreicher Weise zu: „In der Tat, ich bin ihnen, was Romulus den Sabinerinnen", und entwaffnet den ihm gemachten Vovwurf durch Len Hinweis darauf, daß die Judenmädchen bildsam, fähig, willig sind und immer das Beste kaufen. Die ungünstigen Urteile über die Juden schließen mit einem Wort nicht aus, daß seine biderbe, nach Wahrheit ringende Natur über Vorurteile den Sieg davonträgt. Dies tritt ganz besonders eklatant darin zutage, daß er nicht in das gang und gäbe blindwütige Geschrei über Shylock einstimmt, sondern einer ihm aus dem Wege gehenden, allerdings vor dem Forum der Kritik nicht standhaltenden Anschauung Raum gibt. Er faßt ihn als tragische Gestalt auf, was er ja tatsächlich ist, aber gleichwohl nicht unter dem richtigen Gesichtswinkel; denn feine Tragik ist in der herzlosen, brutalen Behandlung der Juden, in ihrer Aechtung begründet, die es mit sich bringt, daß er sich zu dem Scheusal entwickelt, von dem wir uns mit Entsetzen wenden. Doch geben wir Zelter selbst das Wort- Er schreibt am 13. Mai 1815: „Gestern habe ich unseren neuen Schauspieler Devrient den Shylock spielen sehen. Der Beifall, den ihm unser Publikum bisher reichlich mitgeteilt hat, bezog sich besonders auf Judenrollen, indem er das jüdische Deutsch mit großer Vollkommenheit spricht. Dies fand nun auch hier statt, doch nicht auf Jfflands Art, der die Lacher zu gewinnen wußte; die Rolle ward wahrhaftig tragisch von vornherein vis ans Ende, und ich habe nichts Schöneres in der Art gesehen... Besonders soll nicht vergessen sein, wie er das Ende seinergestrigen Rolle zu halten wußte: von da an, wo er, das Messer in der Hand, den Spruch des jungen Rechtsgelehrten hört, bemerkte ich im Publikum den Effekt eines Versöhnungsakts; crn unwillkürliches Mitleiden drängt sich auf, insofern jeder im Tiefsten fühlt, daß der Jude eigentlich vom Rechte betrogen wird, und so ist der Kerl vom Theater wie ein untergehender Mond und hinterläßt einen Anteil, den sich niemand laut gesteht und desto tiefer fühlt, der aber ganz unmöglich wird, wenn die Rolle nicht mit denr bitteren religiösen Ernste gespielt wird, der ihr zükommt." Denselben Geist atmet die scharfe Kritik, die er zwei Jahre vorher an einem Darsteller des Shylock übt: „Doch hat es mir kein so schlimmes Blut gegeben, als die gänzliche Vergreifung unseres Virtuosen an dem Charakter des Shylock . . . Ich habe mir diesen Juden immer als einen wahren Kaufmann vorgestellt, der vollkomnten recht hat und nichts sucht als sein Recht, welches ihm durch sogenannte Billigkeit und Tugend geschmälert wird, und kurz: Dem Rechte geschieht Unrecht! Das ist die Pointe der Moral des Stücks! Das hat der Dichter gewollt, er mag gewollt haben oder nicht. Der ganze Haß des Juden geht dahin, einen Menschen zu vertilgen, der den Handel verdirbt. Darin hat der Jude, der Handelsmann, recht, und der sogenannte Kaufmann Antonio ist nichts mehr als ein tugendhafter, intoleranter Schwätzer, der nicht weiß, wie er reich geworden ist, und im Uebermut seines humanen Kitzels doch den Reichtum für bas Höchste hält. — Diesen venezianischen Juden nun zu einem knotigen, lausigen Wasserpolacken erniedrigt zu sehen, ohne irgendein Verdienst an ihm erkennen zu lassen, und doch eine Schar edler Menschen, ja den Dogen selber und den ganzen Staat in gewaltiger Bewegung zu sehen — das kann mich zum Zorne reizen, ja, ich kann mich kaum darüber zufriedenstellen." In seinem heiligen Zorn geht er so weit, daß er da? Kind mit dem Bade ausschüttet und über das ganze Schanspielwesen den Stab bricht, es als etwas sehr Subordiniertes einschätzt, da man „mit den Besten dieses Gelichters so vorliobnehmen lernen muß, daß Sinn und Gedanke zur Hölle fährt und wir anderen mit. Und endlich soll man sich noch dafür bedanken". Voll Mitgefühl gedenkt er eines Herrn Levi, des Dichters einer Zauberoper, der sich als Jude von der Kritik alles biete» lassen muß, zumal er noch obendrein zu den „poetischen Poeten" gehört; „denn dies letztere verzeihen die Berlinischen Staats¬ und Gelehrte-ZeitungSkritiker nicht, wenn sie auch dem Juden. .wollten Gnade widerfahren lassen".