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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-04-08 · Heft 15 (8.4.1920) · p. Seite 160

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 15 (8.4.1920)
Date
1920-04-08
Page
Seite 160 (sequence 4)
Language
German
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160 mit Geld versehenen Schicksalsgenossen ausg-eho-lfen werden. Das Eisenbahnbillett für die Rückfahrt nach Berlin mußten sie aus eigener Tasche lösen. Es muß endlich ein schleuniges Ende mit dieser ganzen Niederträchtigkeit gemacht werden. Auch ist die Entlassung und Bestrafung der erwähnten Offiziere und Soldaten eine Selbstverständlichkeit. * Jndenmitzhand Lungen in Ungarn. Die Befürchtungen vor den dlnsschreitungen der ungarischen Truppen, welche das von den Rumänen geräumte Gebiet bezogen - haben, haben sich bewahrheitet. In der Erlauer Festung ist eine große Anzahl von jüdischen Bürgern eingekerkert, welche von den Horthh-Truppen unter den nichtigsten Vorwänden in Haft gesetzt wurden, darunter ein Rabbiner, der in einer Leichenrede kommunistische Ideen geäußert haben soll. Eine große Anzahl der angesehensten jüdischen Persönlichkeiten aus Tisza-Füred ist ganz grundlos in Erlau in Hast. Diese Verhaftungenerfolgten sofort, nachdem die Rumänen die Stadt geräumt hatten, trotzdem eine EntentekomMission von den einziehenden ungarischen Truppen eine Garantie für die Sicherheit der Juden verlangt hatte und sich diese für vollste Ordnung verbürgten. Tie H-orthy-Offiziere erklärten unverhohlen, da-ß sie in das von den Rumänen geräumte Land einrücken, um dieses judenrein zu machen. Für die jüdische Bevölkerung dieser Gegenden kann das Wüten dieser Horden eine wahre Katastrophe bedeuten, wenn nicht rasch Abhilfe geschaffen wird. Die Ausschreitungen der „iindividuellen Aktionen" der reaktionären Offiziere und der verschiedenen Brachialgewalten, wollen kein Ende nehmen, und Nachrichten von immer neuen Exzessen bilden eine ständige Rubrik der Wiener 'freisinnigen Presse. Dabei i.st Zu bemerken, daß nur der geringste Teil der tatsächlichen Geschehnisse infolge der in Ungarn herrschenden Verhältnisse den Weg in die Oessentlichkeit finden kann. Die Mißhandlung von Juden auf offener Straße oder in Budapester öffentlichen Lokalen ist etwas 'Alltägliches geworden. Sogar die Märzseier zur Erinnerung an die 48er Revolution ist zu einer Pogromhetze benutzt worden; es wurden har angierende Roden gehalten, woraüf die Menge unter dem Ruse ,,Er schlagen wir di e Inden " zu exedieren begann. Das traurige Ergebnis dieser Hetze bilden fünf Tote und zwölf Verwundete. Den ungarischen Oberbehörden, die diesem Treiben nicht nur keinen Einhalt tun, sondern es sogar-mehr -oder weniger begünstigen, scheint dieses schamlose Vorgehen angesichts des schlechten Eindruckes, den diese Meldungen im Anslande Hervorrufen, doch bedenklich zu werden, so daß sich die Regierung veranläßt sah, im Parlament ein Schreiben des Grafen- Apprnhi, des Führers der ungarischen Jriedensdelegation in Paris, zur Verlesung zu bringen, worin er ans die schädlichen Folgen dieser Hetze 'aufmerksam macht. Bedauerlich bleibt es, daß die ungarischen Inden bisher nicht den Mut au'sgebrachit haben, gegen diese Exzesse eine laute Stimme des Protestes zu erheben. - l '1. P. Z. * Nicht minder traurig lauten die Nachrichten ans Polen, die die gntnnterrichtete „Jüdische Preßzentrale" in Zürich verbreitet: E i n e n e u e W e l l e Unter diesem Titel berichtet der Krakauer „Nmvy Dziennik" über eine Reihe von in letzter Zeit sich häufenden! kleinen Juden xezessen. Er zählt dabei die Städte Lezajsk, wo am 11. März seitens der Militärtransporte d e reisenden Juden überfallen .und geschlagen w-urden unb diese Exzesse seit acht Tagen sich fortwährend wiederholen (ein Teil der Opfer wird namentlich angeführt), dann Rn-dnik, wo dies ebenfalls der Fall ist, und Brody auf, welche Stadt seit mehreren Tagen der Schauplatz kleinerer Ansschreitnngen ist, infolge deren die jüdischen Geschäfte geschlossen sind und die Judensich in ihren Häusern verstecken, um nicht in die Hände der bewaffneten" zu fallen. In allen erwähnten Fällen läßt das Verhalten der Bahn- und Sicherheitsbehörden zu wünschen übrig, an die der „Nowy Dziennik" um Ergreifung strenger Maßregeln appelliert, .um diese Exzesse gleich bei ihrem Entstehen zu unterdrücken, bevor sie größeren Umfang an nehmen. Tie antijüdischen Exzesse seitens der „Bewaffneten" begannen sich in letzter Zeit wieder zumehren. Nack) den häufigen Vorfällen in Warschau meldeten sich nun auch einzelne Juden bei dem Lemberger Rettungskomitee, die am Lemberger Bahnhof ernstlich verletzt worden sind', während den anderen Mitreisenden die Bärte abgeschnitten und Schläge ausgeteilt wurden. Ter Präsident des Rettungskomitees, Dr, Joseph Parnas, intervenierte dieserhalb bei den Lemberger Militärbehörden Major Handel drückte sein Bedauern aus und erklärte, daß die Lemberg passierenden Soldaten dem Lemberger Kommando n'cht unterstehen. Trotzdem wurden die nötigen Befehle erteilt, um weitere Ausschreitungen zu verhindern. Major Haüdek sprach die Hoffnung aus, daß die Ordnung, die während der letzten Monate herrschte, wieder hergestellt werden wird. Weitere Berichte besagen jedoch von neuerlichen Exzessen am Lemberger Bahnhof, denen erst das Einschreiten der militärischen Abteilungen der Sicherheitswache Einhalt gebot. * Wie das Polentum sich in der Praxis zu der in der polnischen Verfassung auf Verlangen -der Entente gewährleisteten Gleichberechtigung der nationalen Minderheiten stellt, hat sich vor kurzem in einer Pofener Versammlung gezeigt, die von der „Konfederaeja Pol-ska" veranstaltet wurde. Nach dem Schluß des Vortrages kam cs, wie das „Pofener Tageblatt" berichtet, in der Aussprache zu einem starken Ausbruch der Leidenschaften: gegen- -die Gleichberechtigunig bec Juden in Polen. Es wurde in maßloser Weise gegen die Verbandsrnächte Front gemacht, denen die Juden ihre Gleichberechtigung zu verdanken hätten, und in Zusatzanträgen, zu dem gefaßten Beschluß über die Stellungnahme der polnischen Regierung zum Friedens- .vo-rschlage der Sowjetregierung wurde die Entrechtung der Inden auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens gefordert. Die Ausstoßung der Juden ans den Aemtern, aus den Ossizi-ersreihen, aus den Schulen, die sofortige Entlassung der -deutschen Beamten wurde unter stets wachsender Erregung der Teilnehmer zur allgemeinen Losung. Eiil unter den Teilnehmern anwesender jüdischer Journalist, der zum Zweck der Berichterstattung erschienen war und lautlos zuhörte, wurde unter höhnischen Zurufen mit Rippenstößen und Faustschlägen ans den Kopf bedacht und zum Verlassen des Saales gezwungen. Besonders kennzeichnend war es. daß der Vorsitzende der Versammlung zugleich Vorsteher der Körperschaft, die die Versammlung einberufen hatte, nicht nur mit keinem Wort die Redner rügte oder zurechtwies, sondern selbst in deren Chorus einstimmte und in eigener Person an der so ausartenden Erörterung sich beteiligte. * Aus Basel wird unter dem 26. März berichtet: Das „Pariser Journal" meldet aus Moskau. Die Sowjetregierung hat eine Proklamation veröffentlicht, in welcher sie die jüdischen G -e in £ i n b c li a l s g e f ä h r l i ch f ü r die E r z i e h u n g des r s s i s ch cn Proletariats z n -m K o in m u u i s m u s bezeichnet. Sie befahl infolgedessen die Schließung aller jüdischen I Lehranstalten und Schulen im gesamten Gebiet Sowjetrußlands. Hoffentlich verstummt bald das Gerede von den Juden als Träger und Förderer des Bolschewismus. Dieser richtet sich nicht zuletzt gegen das Judentum und seine Lehre, die den Nährboden aller positiven Religionen bildet. * Syrien und Palästina. Aus London wird gemeldet: Lloyd George erklärte im Parlament, Emir Feysul sei verständigt geworden, daß die Regierungen Englands und Frankreichs ihn nicht als König von Syrien anerkennen und ihn eingeladen haben, nach Europa zu kommen, um Bericht zu erstatten. Ein Vertreter des Ministeriums des Aeußeren erklärte im Parlamente, daß nach dem Friedensvertrag das arabische Reich Palästina nicht umfasse. * Amerika. Auf der Konvention der ukrainischen Juden in Amerika, die in Philadelphia stattgefunden hat, wurden nach zweitägigen Beratungen, -an denen sich auch die Delegierten aus Europa,

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