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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-04-02 · Heft 14 (2.4.1920) · p. Seite 156

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 14 (2.4.1920)
Date
1920-04-02
Page
Seite 156 (sequence 12)
Language
German
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156 Frohes Jahr und gute Wochen. Fanny, die so gut kann kochen, Stelle Freitag abendlich Saure Karpfen auf den Tisch, Frischgebacknen Berches, -auch Petersilienfleisch mit Lauch. Hier wußte Fanny, die Braut, allen als gute Köchin rühmlich bekannt, sich fast nicht^wieder zu finden vor Lachen. Natürlich hatte Tugendblatt, der Kantor, das Gedicht verfaßt. Aber woher sollte der Junggeselle wissen, daß man seiner Lebtag keinen Lauch nimmt zum Rindfleisch in der Petersiliensauce! Das Kind fuhr fort: Lieber David, baue nicht Luftschlösser, Verkaufe Rösser, Kälber, Ochsen, Rinder, Küh', Du Viehhändlergenie! Bringst's bestimmt zum Millionär, Dies wünsch' ich dem Brautpaar sehr. Stoßt nun an und rufet alle: Hoch der Chosen und die Kalle! (Fortsetzung folgt.) Durch Fmltrrms sum Licht. (P e s s a ch 19 2 0.) (ivvci nach einer talinndischei: Legende.) NS Israel sang jubelnd Freiheitslieder Bei Zimbel. Zither. Pauken, Saitenspiel; Tenn seine Sklavenketten klirrten nieder. Und Kanaan ward -seiner Sehnsucht Ziel. Doch zwischen ihm und K'naans sonn'yer Küste Lag trennend noch ein Meer und heiße Wüste. Der Weg zur Freiheit und zum heil'gen Rechte Ist dornenreich, ist mühevoll und -weit. — Zu freien Menschen wird ein Volk der Knechte Rach harter Prüfung erst in Not und Leid. Auch Israel hat Freiheit sich erstritten Und ist durch Finsternis zum Licht geschritten. Sie hatten still der Knechtschaft Schmach getragen; Doch nun, da fern sie grüßt' der Freiheit Schein, Erwacht' in ihren Seelen Furcht und Zagen, Zum letzten Kampf die letzte Kraft zu weih'n. Sie hörten hinter sich die Feinde toben. Da starb ihr Glauben an den Gott da droben. Die Feigheit rief: „Was frommt uns noch das Wehren, Ta uns erdrückt der Hasser Ueberzahl! Laßt in die Sklaverei zurück uns kehren Und weiter tragen der Entwürd'gung Qual. Kann uns der Welten Gott nicht Freiheit geben, Nehmt neu das Joch auf euch, nur um zu leben." Die Hoffnungslosigkeit, aus Not geboren. Rief klagend aus: „Taucht unter in die Flut! — Ter Tod nur macht uns frei! — Wir sind verloren! Es lechzt der Feind nach Knechtung oder Blut. Kann uns der Väter Gott nicht mehr erretten, Wählt freien Tod; — dann löst ihr selbst die Ketten!" Die Gläub'gen aber, die voll Hoffnung waren, Vertrauten ihrem Gott und eig'ner Kraft. Sie bebten nicht vor Tod und vor Gefahren Und haben sich zum Kampf emporgerafft. > Sie blieben Kämpfer, haben Qual gelitten Und sind durch Not und Nacht zum Licht geschritten. — Ihr Jakobsenkel auf dem Erdenrunde! Längst brach Aegyptens Sklavenjoch entzwei. Doch eine Welt steht wider euch im Bunde Zu altem Haß und alter Tyrannei. Darum soll dies Erlösungssest euch mahnen: Vertraut und kämpft im Geiste eurer Ahnen! Laßt nicht durch Furcht den Mut zum Kampf euch Und seid ihr Kämpfer, schöpfet Hekdenkr-aft Irauben! Aus eurer Liebe zu dem Bäterglau-ben, Der euch erlöst und euch den Sieg geschafft. Harrt aus im Kampf! — Vertraut dem Weltgerichte; Dann geht auch ihr aus Finsternis zum Lichte. Gels c n f t r ch e n. S. Kuh. Literarische Mitteilungen. — Wirt sch a f ts g eogr a p hie von Syrien. Mit einer Wirtschastskarie von Dr. Hans Fischer. Sonderabdruck aus der „Zeitschrift des deutschen Patästinavereins", Band Xb.II. (I. C. Hiurichssche Buchhandlung, Leipzig.) Alleinvertrieb «dieses Sonderdruckes durch die Firma Jüdischer Verlag, Berlin 1919. (6 Mark.) In einer Zeit, in der Palästina in verschiedener Hinsicht im Mittelpunkt des -allgemeinen jüdischen Interesses steht, -darf eine Darstellung der gegenwärtigen Verhältnisse dieses Landes sowie seiner Nachbargebieke auf die Beachtung weiterer Kreise rechnen. Und diese Beachtung verdient auch die vorliegende Wirtschaftsgeographie von Syrien. Wer sich über die Entwicklung des gesamten Wirt'schaftslebens daselbst, über Landwirtschaft, Viehzucht, Wald, Bergbarl, Industrie, Handwerk, Fischerei, Handel und Verkehr orientieren will, der findet hier erschöpfende und bequeme Auskunft, welche noch durch eine ausgezeichnete Karte wesentlich unterstützt wird. Wenn auch diese Abhandlung zu einer Zeit -entstand, in der gemäß der Politischen Konstellation im Weltkrieg Deutschland als dem Verbündeten der Türkei ein größerer Einfluß -aus die Entwicklung Syriens bestimmt schien als seinen beiden Rivalen -auf diesem Gebiete, Frankreich -und England, sohält sich doch der Verfasser in seinen Schlußfolgerungen und Hinweisen mij die Entwicklungsmöglichkeiten des behandelten Wirtschaftsgebietes von einseitiger Politischer Auffassung fern. Deshalb erscheinen auch seine Ausführungen, die der syrischen Wirtschaft -und in diesem Rahmen auch Palästina eine reiche Entwicklung beimessen, des größten Interesses würdig und werden gewiß nicht übersehen werden. Aus diesem Grunde ist es zu begrüßen, daß der Jüdische Verlag durch Sonderdruck die Verbreitung dieser Abhandlung zu fördern bestrebt war. S t u t t g n r t. Prof. Dr. R o s e u z w e i g. Sprrchlsal. Hilfe für die notleidende jüdische Bevölkerung in Wien. Seitdem der Notstand unter der jüdischen Bevölkerung in Wien sich verschärft hat, hat die Israelitische Allianz, 'welche seit ihrem Bestände hauptsächlich in den östlichen Ländern für die in Bedrängnis lebenden Juden Hilfswerke geleitet hat, die Aktion in Wien selbst insbesondere für den unter furchtbaren Entbehrungen leidenden gebildeten jüdischen Mittelstand, für Rabbiner, Lehrer, Beamte und andere Festbesoldete, in ihren Wirkungskreis einbezogen. Unter den der Israelitischen Allianz für diesen Zweck zugegangenen Spenden befinden sich bis jetzt 30 000 Kronen aus Brasilien, 25 000 Kronen aus Milwaukee, 92 500 Kronen aus London, 9000 Kronen aus Nottingham und verschiedene Zuwendungen aus Kopenhagen, Malmö und Drondhjem, darunter solche, welche an den Sekretär der Gesellschaft, Rabbiner Dr. A. Kaminka, mit der Bestimmung gelangt find, an solche Familien von jüdischen Gelehrten verteilt zu werden, welche sich mit ihrem Elend nicht an die Hilfskomitees wenden und denen nur in diskreter Weise Beistand gewährt werden kann. Bis jetzt haben aus den eingeflossenen Spenden durch die Israelitische Allianz zirka 700 jüdische Familien Subventionen erhalten. Leider erweist sich jede Geldhilse als minimal und wirkungslos gegenüber der Unerschwinglichkeit der Preise der Lebensmittel, der Kleider und Wäsche, welche anzuschaffen den Familien aus dem Mittelstände fast zur Unmöglichkeit geworden ist. Nur mit sehr ausgiebigen Mitteln könnte die tragische Situation dieser Kreise einigermaßen erleichtert werden. Zuwendungen von einzelnen Wohltätern oder von Hilfskomitees sind an die Israelitische Allianz, Wien II, Untere Donaustraße 33, zu richten.

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