Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1920)
- Date
- 1920-04-02
- Page
- Seite 153 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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153 haben, denn im Laufe des Prozesses wurden Kleriker, die eine Zeugen«a>usfage abgeben sollten, aus des Kaisers Befehl geschlagen unld gefoltert, einige wurden auch verbannt, wenn nicht gar getötet, denn es floh Mut, wie die Quellen berichten, inan weiß nicht, ob m einer Schlägerei der Parteien in den Straßen von Mailand oder in Hinrichtungen, die der Kaiser anvrdnete. Daß dieser ob der vielen Zwistigkeiten kirchlicher Natur Mißmutig war und die Geduld verlor, steht offensichtlich fest; auch weiß man von ihm, daß er seine Beamten belobte und auszeichnete, die auch bei kleinen Ruhestörungen mit blutigen Exekutionen dreingesahren waren. Um so mehr wird er, die höchste Macht im Reiche, die Ruhestörer empfindlich und vielleicht gar am Leben bestraft habem Hingegen verlies die zweite Phase des Prozesses ganz unblutig; sie endete, wie schon bemerkt worden, mit Verbannungen. Das Schicksal des Juden Isaak mag uns menschlich rühren; unverdient war es nicht. Oder sollen wir annehmen, daß bei einer «deutlicheren Sprache der Quellen uns seine Person, seine Rechtssache, sein Kampf in besserem Lichte erscheinen würden? Möglich ist es schon, aber vor der Hand nicht zu behaupten. In seiner Person sehen wir das Judentum mit dem Arianismus, der ja einige Jahre vorher die Religion des Kaisers und eines großen Teils des Reiches war und es jeden Tag wieder von neuem werden. konnte, eine eigentümliche Verbindung eingehen, und diese Verbindung gewinnt u,m so mehr an Bedeutung, als wir von anderswoher wissen, daß der Arianismus Berührungspunkte mit dem Judentum erhielt, die das orthodoxe Christentum längst ausgegeben hatte. Was den anderen Helden dieses Prozesses, den Papst Damasus, anlangt, so ist er, wie gesagt, eine geschichtliche Größe ersten Ranges. Leider sind uns zwar viele seiner Handlungen bekannt, nicht aber seine Geistesrichtung, die nur seinen Werken zu entnehmen wäre, die aber fast durchweg verlorengegangen sind. Ob durch seine Feinde? Wer könnte das behaupten! Immerhin sind einige lateinische Epigramme von ihm erhalten,-eines, an die Märtyrer gerichtet, in welchem sogar eine nicht mißzuverstehmde Anspielung aus den hier geschilderten Prozeß enthalten ist. Auch aus diesen wenigen Resten seiner Muse ist aber zu ersehen, daß er auch in jener Zeit, in der es der Kirche an großen und bedeutenden Männern nicht gefehlt hat, eine überragende Erscheinung war. An Charaktervorzügenhat er seine Gegner jedenfalls übertroffen, Und konnten auch diese Gegner seine Größe nicht mindern, so tatensie doch etwas, was ihm im offiziellen Papstbuche jene merkwürdige Zensur eintrug. Aber des Ehebruchs angeklagt sein, nach ihnen eine große Schmähung, macht uns, späten Epigonen, den Mann nur noch! interessanter, und nicht unmöglich ist es, «daß neuere Funde auch noch von dieser Seite Streiflichter auf den Mann werfen werden, die ihn uns für die ganze Epoche als bedeutsam werden erscheinen lassen. Für den Kaiser, das ist sicher, hat es sich bei der ganzen Sache nur um die Wahrung der Ordnung gehandelt. Einige Jahre später, unter Maximin, wird es «deutlich ausgesprochen, daß die Würde des römischen Volkes es gebieterisch verlange, daß Ordnung, im Reiche sei. Noch waren die Kaiser in erster Reihe die obersten Verwalter des Reichs; Theologen aus dem Throne — sah erst das byzantinische Zeitalter.. Bit Tragik im Leben eines Milchen Dichters. Von I. Herzberg (Bromberg). (Schluß.) ch bitte Sie, Herr Doktor, um jede Weitläufigkeit zu ver- 1 meiden, mir den „Titus" zurückzugeben; ich werde alle 'V' Unkosten decken, da diese bei dem schlechten Papier, auf welches man kaum Bühnenmanuskripte druckt, nicht so viel betragen können. Hätte Ew. Ghrwürden mir den ersten Bogen gesandt, der zweite wäre nicht mehr gedruckt worden. Aber Sie schlugen die Kosten des Portos bei einem Kreuzkuvert an bei einer so wichtigen Angelegenheit und bei so vielen Mitteln!! Sie wiederholen in Ihrem gefl. Schreiben vom 30. November er.: „Sie haben die Bedingungen zu bestimmen uns überlassen!" Warum wiederholen Eiv. Ehrwürden diese Worte? Sie wissen und fühlen, daß Sie unter der Aegide dieses Satzes, wie Sie ihn verstanden, den Autor schlecht abfertigen können und abgefertigt haben! Ich habe aber erst die Bedingungen zu hören erwartet, die Anzahl der Auflage, nach der ich den Preis machen konnte. Trotz aller Aversion gegen jüdische Literaten hat mir der Minister 100 Taler für mein Manuskript bewilligt, lind was bot mir der Vorstand dieses großen Vereins? Wie will er die israelitische Literatur fördern? Welch große Aufmunterung ist diese Summe für den Autor!? WaswirddieOefsentlichkeit dazu sagen? Wissen Ew. Ghrwürden, daß die benutzten Bücher 70 Taler gekostet haben? Die gelehrtesten Männer haben in meinem Manuskripte viel Unbekanntes, noch mehr Originelles gefunden. Allmächtiger Gott, was haben Ew. Ghrwürden gedacht, als Sie mir die 70 Taler sandten? Glauben Sie, daß ich für erbärmlichen Lohn jahrelang arbeiten kann? Haben Sie nicht beim Durchlesen nreines Manuskriptes die Mühe erkannt, meine Studien und meinen Fleiß? Und alles für 70 Taler? Ich kann nicht glauben, daß Herr Dr. Jost seine Stimme zu dem Armengeld gegeben hat, er, der mich persönlich kannte und in seinen Lobsprüchen über meine „Wallfahrt" überschwänglich war, wie jener Kritiker, der sie mit Byrons „Hebräische Melodien" verglich. Entweder lenden mir Ew. Ghrwürden 7 Frd'or in Gold pro Bogen older sorgen, daß ich bald in den Besitz meines Werkes komme! Die Mitglieder des Instituts haben nicht die Absicht, daß ein Autor eines von dem Vorstände mit au s,ge zei ch n e t, v o r tre f sli ch lind g e d i e g e n d st bezeichneten Manuskriptes beeinträchtigt, gekränkt und entehrt werde! Ich aber fühle mich gekränkt lind entehrt in einem nicht zll beschreibenden Grade! Wenn Ew. Ehvwürden meine Jamben unrein fanden, was ist dies für ein Wunder? Ich fand es ja selbst und bat drin g e n d st, d r i n g e n d st um mein Manuskript, aber Sie gaben es ja ohne meine Zustimmung zum Druck! Daß ich reine, sehr reine Verse mache, werden Ihnen meine Werke, die Frelmd Jacobi einsenden will,' bezeugen." Philippson verschmäht es, auf diese «maßlosen Angriffe Koßarskis, die ihn sichtlich tief erregten, diesem direkt zu antworten. Er schreibt vielmehr unterm 6.Dezember 1855 an Jacobi' „Geehrter Herr! Sie haben mich in eine schöne Verlegenheit hineingebracht und bitte die Sache demnach auszugleichen. Ich habe expreß bei der Annahme des „Titus" die Forderung gestellt, daß Herr Koßarski seine Bedingungen stelle, statt dessen überließ er mir dieselben festzusetzen- Jetzt stellt er die lächerliche Forderung von 7 Frd'or den Bogen, mit welcher allenfalls Schiller zufrieden wäre, oder will sein Werk zurück. Wir haben sein Werk nicht gefordert, sondern er hat es gesandt, und es Monate bei uns liegen lassen, und Sie sprachen so bittlich für, daß man um so mehr darauf aufmerksam und geneigt wurde. Herr K. überschätzt die Kräfte des Instituts, denn wir haben nur 2000 Abonnenten, und da gehen Provisionen, Porti u. dgl. in Menge ab, und wir können nicht allein „Titus" geben; und überschätzt sein Werk, das bei vielem Guten auch viele Schwächen hat, z. E. die dürren historischen Vorlesungen. Ich muß es zu meinem Bedauern sagen, daß Aesthetiker von Fach: Gutzkow, Auerbach, Gammer nicht zufrieden mit dem „Titus" sind. Ich gehe von anderem Gesichtspunkte aus: ist jüdischer Geist darin — das genügt mir. Um des Friedens willen sind wir bereit, 2 Frd'or pro *