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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-04-02 · Heft 14 (2.4.1920) · p. Seite 152

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 14 (2.4.1920)
Date
1920-04-02
Page
Seite 152 (sequence 8)
Language
German
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152 weiterbestehen möchte, um den Beladenen und Kranken eine Heil- und ZufluchtsstLtt« in de» Wortevoller Bedeutung zu bieten. Der Orosrh kims ßspttes mit einrm Juden. Von Professor S. Krauß (Wien). Papst Tamasus I. (366—384) hat in der Kirchengeschichte einen achtbaren Namen hintevlassen. Die ewige Stadt weist heute noch Denkmäler auf, die sich an seinen' Namen knüpfen, und nicht umsonst ehrt der DamalfuShof im Vatikan noch heute sein Andenken. Die Märtyrergräber in den christlichen Katakomben zu Rom verdanken zum guten Teil ihm ihre Erhaltung; die von ihm gesetzten, in roten Farben gehaltenen Inschriften sind so charakteristisch, daß sie einen eigenen Stil darstellen und sofort als von ihm herrührend erkennbar sind. Dieser Mann war nicht immer so beliebt, wie es seine Größe erforderte. Das offizielle Papstbuch verzeichnet bei ihm die Notiz, er sei des Ehebruchs angeklagt gewesen. Bei einem Papste eine merkwürdige Beschuldigung, fürwahr! Dazumal muß man wissen, daß Damafus ein Mann von etlichen 65 Jahren war, als es ihm vergönnt war, die höchste Würde der Christenheit zu bekleiden. Gerade diese Würde gönnten ihm seine Feinde nicht, und er hatte deren gar mächtige. Ihr Einfluß reichte bis zum Kaiserhof, ja, zum Kaiser selbst hinauf. Zum Glück konnten sie die Stimme der Wahrheit und der Gerechtigkeit nicht unterdrücken. Denn, um es nur gleich herauszusagen, mehr als Verleunrdung war es nicht, was man gegen Damafus Vorbringen konnte. Der Prozeß mit dem romantischen Hintergründe endete mit einem glänzenden Siege des Papstes, einer schmählichen Niederlage seiner Gegner. Diese entgingen auch ihrer.wohlverdienten Strafe nicht. Wer nur mögen seine Gegner gewesen sein? Heute kann man sich die Feinde eines Papstes kaum anders als im eigenen Lager, das heißt im Lager seiner Kleriker und Prälaten, allenfalls nur noch in politischen Kreisen vorstellen. Anders in jener Zeit, als kaum noch ein halbes Jahrhundert vergangen war, daß das bis dahin verfolgte Christentum zur Staatsreligion erhoben wurde. Aber welches Christentum? Es gab nämlich dessen mehrere Schattierungen. Kaum war der donatistische Streit, kaum war der arianisch-athanasianische oder der Trinitätsstreit, der auch die Kaiser wiederholt zum Eingreifen genötigt hatte, schlecht und recht beendet, als wegen persönlicher Machtfragen die Ruhe der Kirche abermals gestört wurde. Es handelt sich um das Sirmische Glaubensbekenutnis, so genannt, weil es in der Stadt Sirmium, dem heutigen Mitrovica in Kroatien, im Jahre 357 festgelegt worden ist. Ter wegen seiner heftigen Opposition gegen den Arianismus von Kaiser Konstantius verbannte Papst Liberins mußte unter kaiserlichem Druck aus dieses Glaubensbekenntnis schwören, sehr zum Schaden der römischen Kurie, die nun .selbst den Nimbus der Rechtgläubigkeit verlor. Nun war aber Damafus, damals noch jung, der Vikar und der bevorzugte Liebling des Liberins gewesen, und diejenigen, die gegen ihn später auftraten, brauchten nur diese seine „Jugendsünden" hervvrzukehren. Merkwürdig genug: die Gegnerschaft gegen ihn verdichtet sich in der Person und in dem Auftreten des Juden. Isaak, eines Mannes, der, wenn die Vermutung richtig ist, identisch ist mit einem in derselben Zeit genannten Physiker und Arzt namens Isaak, der also an Gelehrsamkeit irgendwie hervorragen mochte, an Gelehrsamkeit wohl, nicht aber an Charakter, denn er war getauft, getauft, solange es ihm paßte, um dann wieder inS Judentum zurückzufinken. Wenn überhaupt, so kann es nur eine Angehörige dieses Isaak gewesen sein, mit der Damafus den angeblichen Ehebruch beging. Denn nach römischem Gesetze konnte im Delikte des Ehebruches als Ankläger nur der Vater oder der Ehemann der Entehrten auftreten; keinerlei Quelle besagt es uns, wie im vorliegenden Falle die Anklage gelautet hat. Aber ein wenig, Phantasie kann nachhelfen: der Jude wird wohl als Gatte oder als Vater Christ geworden sein, um den vermeintlichen Schänder der Ehre seines Hauses, den er jedenfalls im christlichen Lager antras, besser greifen zu können. So wenigstens stellten es sich des Damafus Gegner vor, in deren Hand dieser Isaak wohl nur ein brauchbares Werkzeug der Tücke und der Rache war. Damafus wurde also vor Kaiser Gratian verklagt. Die neuere Forschung, die sich noch immer erst auf spärliche Quellen stützen kann, hat uns gelehrt, in dem Prozesse zwei Phasen zu unterscheiden: die eine, von Isaak hervorgerufen, endete mit dessen Verbannung nach Spanien im Jahre 372, die andere, von Männern des geistlichen Standes angestrengt, auch mit Verbannungen der falschen Ankläger endend, war 378 zu Ende. Aber mit Isaak, obzwar es von ihm am ehesten zu erwarten gewesen wäre, gewann die Anklage des Ehebruches keine feste Formulierung, vielmehr sprach er, der zugleich der Advokat der von ihm erhobenen Anklage war, ziemlich verschwommen nur davon, daß Damafus den Frauen „ein Ohrenkitzel" war, eine Behauptung, die schwerlich auf die Person des Damafus in ihrer männlichen Erscheinung,!sondern nur auf seine Reden bezogen werden kann. So gefaßt — ist das überhaupt eine Anklage? Ist darin nicht vielmehr ein Lob des Kirchenredners enthalten? So wurde auch von Artus, dem Bischof von Alexandrien, dem großen Sektenstifter, in geschichtlich, einwandfreier Weise verzeichnet, daß ihm die vornehmen Frauen seiner Stadt willig das Ohr liehen, und desselben Erfolges konnten sich auch andere Kirchenväter rühmen, ohne daß auch die böseste Zunge sich gegen sie gerührt hätte. Selbst die Rabbinen in der Synagoge, zum Beispiel diejenigen in Damaskus, konnten sich gerade um jene Zeit rühmen, mit ihren Reden selbst auf die Frauenwelt christlichen Bekenntnisses großen und nachhaltigen Eindruck gemacht zu haben. Von dieser Seite nun und in dieser Phase schrumpft der ganze Prozeß zu einem ohnmächtigen Feldzug gegen einen mißliebigen Menschen zusammen. Aber sechs Jahre später wird Damafus wirklich des Ehebruches verklagt; man sieht, der Klatsch hatte Zeit, sich auszuwachsen. Natürlich galt die Beschuldigung dem Vorleben des Papstes. Auf dem Konzil zu Aquileja 380 wird bitter geklagt, daß eine solche Anklage gegen das Oberhaupt der Kirche erhoben wurde; aus den Konzilsakten erst erfahren wir, wie früher, vor der Papstwahl des Damafus, gegen diesen gehetzt worden war. In Mailand, das ja zuzeiten die Hauptstadt des römischen Westreiches war und das wir uns auch als den Wohnort des Juden Isaak denken müssen, ging die Hetze vor sich; es ist diejenige Stadt, in der einige Jahre nachher auch der große und energische Ambrosius den Kampf der Kirche gegen die Synagoge und mittelbar auch gögen den Kaiser führen sollte. Auch gegen Damafus trat man hier auf den Plan; bezeichnenderweise hatten sich seine Gegner, wie es auf dem Konzil hieß, bald „vor den Toren der Synagoge, bald in den Häusern der Arianer" zufanimengefunden: ein deutlicher Wink, daß Isaak auch als Jude gegen ihn aufgetreten war und daß es sich ferner um dogmatische Streitigkeiten gehandelt hat, wie sie in den damaligen Zeiten nur allzu häufig vorkamen. Die Papstwahl des Damafus sollte verhindert werden, und da war der Gegenpartei kein Mittel zu schlecht. Auch das Mittel der Verleumdung nicht. Die Anklage des Ehebruches wurde latent erhoben, gewiß auch diejenige der Häresie. Aber nur diese scheint die Gemüter in heftige Wallung gebracht zu

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