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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-04-02 · Heft 14 (2.4.1920) · p. Seite 151

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 14 (2.4.1920)
Date
1920-04-02
Page
Seite 151 (sequence 7)
Language
German
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Äm 11. April 188Ö konstituierten sich bereits die israelitische Kultusverwaltüng und die Vorstände der bestehenden Wohltätigkeitsvcreine daselbst zum Gesamtkomitee, behufs Errichtung einer Israelitischen Krankenlind Pfründnerhaus- Stiftung in Würzburg. Ein geeigneter Bauplatz wurde infolge Verlegung der „Anstalt für Unheilbare" glücklicherweise von der Königlichen Regierung für den mäßigen Preis von 80 000 Mark erworben. Das Gebäude, von einem schönen Garten und großen Hof umgeben, ließ sich für den neuen Zweck schnell Herrichten, edlem Wetteifer sorgten Männer und ssralien aus der Gemeinde für die innere Einrichtung. Am 9. April 1885 konnte die Eröffnung der Anstalt stattfinden. Der Rechtsanwalt Abraham Ohlesheimer machte durch letztwillige Verfügung vom 6. Juli 1886 die Anstalt zu seiner Haupterbin. Die Erbschaftssumme von 66 829 Mark sollte zur Begründung eines Pfründnerhauses Verwendung finden. Infolge höchster Ministerialentschließung müssen- Kranke und Pfründner getrennt wohnen. Es ergab sich nun die Notwendigkeit einer Erweiterung der Anstaltsräume. Im Jahre 1891/92 wurde durch Anbau eines Flügels Raum für die Pfründneranstalt gewonnen. Der Neubau wurde aus massiv behauenem Sandstein errichtet und kostete mehr als 40 000 Mark. Das Gebäude erhielt die Form eines nach Nordosten offenen Dreiecks. Die Lage ist äußerst günstig. Im höheren Teil der Stadt gelegen, völlig freistehend, finden Luft, Sonne, Licht unbehinderten Zutritt. Die Aussicht von Fenstern und Altanen ist lohnend. Anlagen, Felder, Berge und ein altes Kastell fesseln den Blick des Beschauers. Der geräumige Hof trennt das Haus von. der Straße. 'Wnlnußbäume spenden Schatten. Ziersträucher umsäumen die Mauer. Im Erdgeschoß befinden sich die Wohnung des Verwalters, Sprechzimmer der Aerzte, Küche und Nebenräume. Inder ersten Etage ist der hell belichtete, mit den modernsten Einrichtungen versehene Operationssaal, fünf Krankenzimmer mit zehn Betten für die weibliche Abteilung, und in der zweiten Etage sind sechs Krankenzimmer mit vierzehn Betten für die männliche Abteilung eingerichtet. Durch den am 25. Juli 1905 erfolgten Hingang des Kommerzienrats Mar Heim gelangte die Anstalt in den Besitz von 50 000 Mark, welche der Erblasser als „Kommerzienrat-Mar- Heim-Stistung" testamentarisch vermacht hatte. Herr Hofrat Dr. A. Oppenheimer leitete freiwillig seit Gründung der Stiftung die innere Abteilung bis zu seinem Ableben (16. November 1904) in hingebender und uneigennütziger Weise. Der Kgl. Hofrat Professor Dr. I. Rosenberger leitete über 30 Jahre die chirurgische Abteilung. Er hatte sie sofort bei der Eröffnung freiwillig übernommen. Als Nachfolger des Hofrats Dr. Oppenheimer leitet seit 1905 Dr. Robert Spring die innere Abteilung. Gartenhaus. Partie aus dem Garten, Seit dem Jahre 1903 widmen sich zwei Schwestern vorn Bayerischen Franenverein zum Roten Kreuz der Pflege der Kranken. Auch Frauenleiden finden in diesem nach ebenso humanitärem wie exemplarischem System eingerichteten Hause eine Zuflucht. Die Anstalt ist mit allen in Frauenkliniken üblichen Einrichtungen ausgestattet. Der letzte mir vorliegende Bericht aus dem Jahre 1910 verzeichnet IN Personen mit 2802 Verpflegungstagen. Ferner befanden sich zwei Pfründner und vier Pfründnerinnen zur Zeit in der Anstalt. Nicht nur das Haus macht einen freundlichen Eindruck, auch die Jnnenränme sind in hygienischer Hinsicht, wie iiad} typischen Grundsätzen für derartige Anstalten im allgemeinen geltend, hervorragend ausgestattet. Die hier im Bilde vorgeführten Krankenzimmer, hell, freundlich möbliert und peinlich sauber, machen den besten Eindruck. Der Operationssaal würde jedem größeren Krankenhause als Vorbild dienen können. Einen geradezu traulichen Anblick bietet das Rekonvaleszentenzimmer. Bequeme Sessel, Tische, Schreibgelegenheit laden zum Ruhen, zu Lektüre uni> Korrespondenz mit Freunden und Verwandten ein. Auch die Badezimmer weisen eine Einrichtung ans, wie man sie nur in gutgeleiteten Anstalten trifft. Die schöne große Küche, m welcher 4 bis 5 Personen sich für das leibliche Wohl der Anstaltsbewohner mühen, entspricht auch verwöhnteren Anforderungen. Schließlich sei noch erwähnt, daß sowohl Geschlechtswie Geisteskranke von der Aufnahme in dieser vortrefflich geleiteter: Anstalt ausgeschlossen sind. Die Verwaltung bedauert, daß sie auch nervenschwachen und ähnlichen Kranken den Eintritt wehren muß. Allein die vorhandenen Mittel reichen zu solchen, weitere Einrichtungen heischenden Zwecken nicht aus. Hingegen strebt die Anstalt die Errichtung eines W ö ch n e r i n n e n h e i m s an. Dieses ließe sich mit den bestehenden Einrichtungen leicht vereinigen. Last, but not least, sei erwähnt, daß sich in der Anstalt eine kleine, den Anforderungen der Bewohner völlig entsprechende Synagoge befindet, in welcher die Kranken wie Pfründner und Rekonvaleszenten Erbauung suchen und finden können. Zentraldampfheizung und eine elektrische Lichtanlage sind vorhanden. Telephon, Feuerlöschh'hdranten vervollständigen die Bedürfnisse der Neuzeit. Die Zimmer sind mit Linoleum belegt. Ay der Südseite schließt sich ein ausgedehnter Garten mit sorgfältig gepflegten Gemüse- und Blumenbeeten an- In der Mitte des Gartens sorgt ein Springbrunnen für Kühlung. Zypressen und Zwergobstbäume umgeben denselben. Den Rekonvaleszenten bietet der Garten während der schönen Jahreszeit einen angenehmen Aufenthalt: ein hübsches Gartenhaus ist für Ruhebedürftige erbaut. Wie man ans vorstehendem sich leicht ein Bild von oen Einrichtungen dieser durch Nächstenliebe und werktätige Menschenhilfe so trefflichen Anstalt wachen kann, darf man dem Wunsche Ausdruck verleihen, daß dieses Werk gedeihen und

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