Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1920)
- Date
- 1920-04-02
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Präsident der Nationalversammlung S i m o n h i - S'e m a - dam steht. Auch das neue Kabinett, in dem einige Mitglieder des alten Ministeriums verblieben sind, setzt sich fast ausschließlich aus Mitgliedern des christlich-nationalen Blocks und der Partei der Landwirte zusammen. Minister des Aeußeren ist Graf Paul Teleki, gegenwärtig Mitglied der ungarischen Friedensdelegation in Neuilly. Kriegsminister F r i e d r i ch , wie bekannt das Oberhaupt der schärfsten n a t i o n a l i st i - s ch e n und antisemitischen Richtung, ist zurückgetreten; sein Nachfolger ist General Karl Soos. Justizminister ist der Universitätsprofessor Julius v. Ferdinands. — Einer späteren Meldung zufolge scheint das neue Kabinett in der Nationalversammlung nur geringe Unterstützung zu finden. Man spricht sogar schon von einer neuen Krisenstimmung, die dadurch verschärft ist, daß die von der Regierung versü le Abstempelung der Banknoten, wobei 50 v. H. als Bankanleihe 1 schen Soldaten beschädigt worden war, nunmehr wieder das Ziel ihrer nationalkulturellen Betätigung gewesen ist. Nach i dem Einzug der Polen in Wilna haben polnische Soldaten auf dem Friedhof, welcher für die Stadt große historische Bedeutung hat, eine Pserdestation errichtet, die Umfriedung beschädigt, Gräber zerwühlt, Grabmäler umgeworfen und ruiniert. Der Wilnaer Rabbiner Rubinstein hatte viel Mühe, die Entfernung der das Pietätsgefühl der Juden schändenden Einquartierung durchzusetzen. Nachdem durch Rabbiner Rubinsteins Bemühungen die Wiederherstellung des Friedhofes unter vielen Opfern durchgeführt worden war, hat sich vor kurzem ein neuer, schändlicher Vorfall ereignet: Polnische Soldaten drangen in den Friedhof ein, zerbrachen das Gitter, vernichteten den Denkstein auf dem Grabe des Gaons Elia von Wilna und schändeten auch die Gräber vieler anderer Leuchten des Judentums, welche auf dem Friedhofe zu Wilna Israelitisches Rrankenhaus zu würzburg. (Ansicht von Südost.) einbehälten werden, in der Bevölkerung die größte Erregung > hervorgerufen hat. * Der König von Italien und die jüdische Frage. In einem Interview sagte unlängst König Viktor Emanuel über die Juden von Italien: Wir sind glücklich, keine jüdische Frage zu haben. Wir hegen keine Vorurteile gegen sie, und ich habe niemals ein Zeichen der Feindseligkeit gegen sie auf irgendeinem Gebiete des Lebens bemerkt. Bei einer Bevölkerung von 35 Millionen haben wir nur 40 000 Juden, und sie geben dem Lande m *e h r h e r v o r r a g e n de Männer, als e s imVerhältnis zu i h rer Z a h l steh t. („Tribune Juive".) * Roheiten der polnischen Soldateska. Die „Wilnaer Jüdische Zeitung" meldet, daß der alte jüdische Friedhof in Wilna, welcher schon einmal von polniruhen, so das Grab des Rabbiners Samuel Landau. A Die arabische Demonstration in Jerusalem. Ueber die Araberdemonstration, die am 27. Februar in Jerusalem stattgefunden hat, berichten „Haaretz" mxb „Doar Hayour" übereinstimmend, daß an derselben höchstens 600 bis 600 Leute teilgenommen haben. Die Demonstration verlief ohne Zwischenfälle. Hauptsächlich nahmen daran christliche Araber teil. Die muselmanischen Araber beteiligten sich in sehr geringer Zahl. Arabische, französische und hebräische Reden wurden gehalten. Die Demonstranten überreichten den amerikanischen, italienischen, spanischen und französischen Konsuln Memoranden, in denen sie sie ausforderten, Protest zu erheben. Die erstgenannten drei Konsuln antworteten, daß sie in Jerusalem bloß die Aufgabe haben, ihre Bürger zu schützen, und sie seien nicht geneigt, sich> in die Politik Palästinas einzumischen. Da sie aber von den Demonstra'nten aufgefordert werden, das Memorandum an ihre! Regierungen weiterzuleiten, werden sie es tun. Während der ganzen