Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1920)
- Date
- 1920-04-02
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3229443-3229456--75640-3288159- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
148 Derartigen gemeinen Lügen kann man nur dadurch beikommen, daß man die Hilfe der Gerichte gegen sie anruft. Herr Theodor Fritsch, der Herausgeber des „Hammer", hat bereits in früheren ähnlichen Fällen, in denen er das Gift der Verleumdung gegen anständige Leute verspritzte, gezeigt, daß er kleinlaut wird, wenn man ihm energisch auf den Leib rückt. * Eine Organisation zur Heereszersetznrrg. Unter dieser Überschrift berichtete der „Vorwärts" einige Tage vor dem Militärputsch: „Eine sehr merkwürdige Soldatenorganisation, mit der wir uns schon einmal beschäftigen mußten, hat sich vor einiger Zeit ausgetan. Sie nennt sich: „Verband nationalgesinnter Soldaten." In seinen Satzungen bezeichnet sich der Verband ausdrücklich als politische Organisation, und welcher Politischen Richtung er angehört, das ergeben folgende Sätze in 8 2 und 8 3 des Statuts: Ziele des Verbandes sind: Sammlung aller national und deutsch empfindenden Elemente deutschrassiger Abstammung. Mitglied des Verbandes können Männer und Frauen deutscher Abstammung werden. Das Organ des Verbandes ist die Halbmonatsschrift „Deutsches Heer". In welchem Sinne diese geleitet wird, dafür unter vielen ähnlichen ein einziges Zitat aus Nr. 3 der Zeitschrift: Mit Versprechen und Danaergeschenken hat die jüdisch-sozialdemokratische Regierung das deutsche Volk nun ein ganzes Jahr hinters Licht geführt. Trotz der bekannten Schlafsucht des deutschen Michels wird es da endlich Zeit, daß er sich aufrafft und die Be-' träger zum Tempel hinausjagt. Wir wollen Herren sein in unserem Hause, wollen uns nicht weiter das Fell über die Ohren ziehen lassen, sondern unser Schicksal selbst fest in beide Hände nehmen. Auf, Ävrtmcrctfcen' vom deutschen Stamm, die ihr noch einen Funken Liebe zu eurem mißhandelten Vaterlnnde in der Seele tragt, es gilt ein heißes Jagen, bis wir die Volksbetrüger zum Lande hinausgejagt, zur Rechenschaft gezogen haben!" Dieser antisemitische Verband scheut sich nicht, bei jüdischen Firmen für seine Zwecke zu sammeln, und zwar unter der Angabe, er sammle für Lazarette Gelder. In einer deutschen Großstadt' erklärte der Sammler dieses Verbandes jüdischen Geschäftsleuten gegenüber, der Verband sei Politisch völlig neutral und bekämpfe lediglich jede bolschewistische Machenschaft. Aus dem Vorgehenden aber ergibt sich einwandfrei,' daß dies keineswegs der eigentliche Zweck des Verbandes nationalgesinnter Soldaten sei, sondern daß er in der Hauptsache antisemitische Tendenzen verfolgt. Wir warnen daher auf das eindringlichste, dieser antisemitischen Gründung etwa noch jüdische Gelder zuzuführen; das hieße, die Waffen gegen sich selbst führen. * Wir erhalten folgende Zuschrift: Aus Nr. 62 der „Bayerischen St aa ts zei tun g" vom Sonntag, den 14. März 1920. Staatsministerium für Landwirtschaft. Bekanntmachung über die Zuteilung von Dt e h l z u r Herstellung von jüdischem O ste rb r o t. lieber die Zuteilung von Mehl zur Herstellung von jüdischem Osterbrot sind zahlreiche, teilweise unrichtige Gerüchte im Umlauf. Der wahre Sachverhalt ist folgender: Mit Rücksicht darauf, daß die Vorschriften des jüdischen Glaubens den rituell lebenden Juden für die Zeit des Passähfestes mannigfache Einschränkungen in der Ernährung auferlegen, hat die Reichsgetreidestelle der Zentrale für Mazzothversorgung, G. m. b. H. in Frankfurt a. M., welche die Verteilung des Osterbrotes besorgt, Weizenmehl bis zu einer Höchstmenge von 2040 Tonnen für das Wirtschaftsjahr 1919/20 zur Verfügung gestellt. Das Mehl wird von der Reichsgetreidestelle durch Vermittlung der genannten Zentrale an die das Osterbrot herstellenden Bäckereien geliefert. Die Zentrale für Mazzothversorgung muß nach den Anordnungen der Reichsgetreidestelle der für die Bäckerei zuständigen Ortsbehörde anzeigen, wieviel Mehl zur.Herstellung des Osterbrotes den Bäckereien zugewiesen worden ist. Die Anrechnung des Osterbrotes erfolgt in der Weise, daß entweder die Kommunalverbände die auf die Passahzeit entfallenden Brotmarken einbehalten oder die zuständigen Synagogen» gemeinden die aus die Passahzeit entfallenden Brotmarken von den rituellen Haushaltungen einfovdern und den Kommunalverbänden ab. liefern. Die Betriebe dürfen das Osterbrot nur auf Grund beglaubigter Bestellscheine abgeben. Die bayerischen Behörden oder Kommunalverbände haben Mehl zur Herstellung jüdischen Osterbrotes nicht zugewiesen; auch aus bayerischen Beständen ist Mehl nicht für diese Zwecke verwendet worden. ' B e r Walt u n g der Israelitischen Kultusg e m e i n d e in M'ü n che n. * Wie gegen Juden gehetzt wird. In einer Rede, die Dr. Heim vor kurzem in Würzburg hielt, wandte er sich, nachdem er als bayerischer Bauernführer die politische Lage mehr als genügend beleuchtet hatte, zum Schluß gegen Berlin, nach dessen Pfeife die Länder tanzen sollten. Den wirtschaftlichen Zentralismus bezeichnete er als verkappte Sozialisierung. Die Berliner Steuergesetze hält er für undurchführbar und ungerecht. Für Bayern habe die Zentralisierung große Gefahren. In Bayern besitze die Mark noch dreifach höheren Kurswert als in Preußen. In scharfen Worten wandte sich Heim gegen die Ostjuden Er erklärte, die Bauern liefern gern ab, aber sie fordern auch daß die 80 000 verlausten Ostjuden hinausgeworfen werden. (Zurufe: Schlagt sie tot!)' In Wien, wo die Not zum Himmel steige, fei es so: wenn alle sterben, der galizische Jude stirbi nicht, wenn niemand Wohnung findet, der Galizier habe drei, eine für sich, eine für die Maruschka, eine für die Schieberwaren. Das müsse aufhören. (Laute Bravorufe.) Die jüdische Geschichte kennt so viele 'grimmige Judenhasser, die Israel überdauert hat, daß wir hoffen dürfen, auch diesen bayerischen Bauernführer zu überleben. * Aus Karlsruhe wird geschrieben: Der Landtag befaßte sich vor kurzem mit der sozialdemokratischer Interpellation über die Vorgänge, die sich an die Berufung des Direktors Meyer von der Auer-Gesellschaft in Berlin als Professor an die Karlsruher Technische Hochschule geknüpft haben, in Verbindung mit einer anderen Interpellation der Deutschnationalen, betreffend die Ausschaltung der Mitwirkung der Fakultäten bei der Besetzung von Lohrstühlen. Unterrichtsminister H u m m e l gab eine aktenmäßige Darstellung über die Vorgänge an der Hochschule, die er als sehr bedauerlich bezeichnete. Es sei festgestellt, daß das Vorgehen der Studentenschaft auf die ablehnende Entscheidung Dr. Meyers irgendwelchen Einfluß nicht ausgeübt habe, sondern daß lediglich das weitgehende Entgegenkommen der Auer-Gesellschaft in Berlin Dr. Meyer bewogen habe, die Berufung nach Karlsruhe abzulehnen. Das Vorgehen der Studentenschaft sei zweifellos auf die Verhetzung durch die Rechtsparteien zurückzusühren. Es wäre eine geistige Verarmung Deutschlands, wenn solche Auffassungen, wie sie die Karlsruher Studenten bekundet haben, unser geistiges Leben der Mitarbeit bedeutender Gelehrten berauben sollten. Das Ansehen der deutschen Hochschulen im Ausland würde durch ein solches Vorgehen auf das schwerste gefährdet. Die Regierung werde sich nicht abhälten lassen, gegenüber den Treibereien auch weiterhin pflichtgemäß zu verfahren, und werde sich auch in Zukunft bemühen, bei der Besetzung der Lehrstühle den Tüchtigsten zu wählen. Sollten die Karlsruher Studenten noch einmal eine ähnliche Haltung einnehmen, so werde die Regierung nicht zögern, die Hochschule zu schließen, um zu zeigen, daß die Regierung Herr im Hause sei, und nicht die Studentenschast. (Lebhafter Beifall.) In Ungarn ist am 17. d. M. an die Stelle des Kabinetts Huszar eine Regierung getreten, an deren Sitze der Vize-