Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 12-13 (26.3.1920)
- Date
- 1920-03-26
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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8 bilden. Das reiche Pvcgraunn wurde von der jugendlichen Tochter unseres heimischen Dichters Dr. Jakob Loewenberg, Fräulein Annie Loewenberg, mit der Rezitation jüdischer Dichtungen eröffnet. Hieran schlossen sich Jargonlieder der Frau Kornitzer, die von ihrem Gatten, dem Oberkantor, am Flügel begleitet wurde, V io linvor träge der weit über Hamburg - hinaus geschätzten Künstlerin T r u d e Ba che n h e j m e r, Arien und Lieder des Fräulein Dr. B e t t y Hei ma n n , Kindertänze, weitere Rezitationen usw. Sämtliche Darbietungen fanden, den lautesten Beifall. Rach einer Teepause wurde noch von jugendlichen Künstlern 'die Burleske „Unsere Wüschermä-del" au'fgefüihrt. Auch 'diese Darbietung wurde jubelnd a>usgenvmmen. Durch freiwillige Gaben wurde dem Gemeinschaftsheim ein namhafter Betrag,, zugewendet. Alle Anwesenden waren sich einig: es war ein gelungener Abend. — Chemnitz, 11. März. Der I ü d i s ch e I u g e >n? d v e r e i n hat sich neben der erzieherischen Arbeit an seinen Mitgliedern anerkennenswerte Verdienste um die Bekämpfung des Antisemitismus erworben. Genre'infam mit dem Zionistischen Jugendverein wurde ein Arbeitsausschuß der jüdischen Jugend von Chemnitz zmn Zweck der Bekämpfung des Antisemitismus gebildet. Daß die antisemitischen Flugblätter und Klebezettel in Chemnitz allmählich verschwanden, ist nicht zuletzt das Verdienst der von diesem Arbeitsausschuß zur Abwehr organisierten Jugend. Nicht nur mit den zionistischen, sondern auch mit den n'ichtjüd'ischen Jugendorganisationen hat der Verein gemeinsame Arbeit geleistet. Ter Schmutz und Schund,.der sich auch hier in Chemnitz in Kino, Theater und Literatur breitg,o»n>achit hatte, rief die Jugend aus den Plan. Der Verein schloß sich dieser Arbeit korporativ an und nahm in Gemeinschaft nüt anderen religiösen und politischen Jugend-Vereinigungen auf der Grundlage völliger politischer und religiöser Neutralität den Kampf gegen das Gemeine aus. Me nach außen wurde auch im Innern die Bereinstätigkeit erweitert. Eine Turn- und Wandergruppe und eine Kammermufikvereinigung wurden begründet. Mit gleicher Befriedigung darf der Verein aus die Errichtung einer besonderen Jugendgruppe blicken, i>n> der die männliche und weibliche Jugend im Alter von 13 bis 16 Jahren organisiert wird'. Zur Schaffung der Jugend,gruppe führte der Gedanke, -guten arbeitsfähigen jüdischen Nachwuchs heranzubilden. Diese Jugendgruppe arbeitet selbständig, doch nehmen an dem Arbeitsausschuß derselben auch einige ältere Vertreter des Jugendvereins teil. Tie Jugendgruppe hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens bereits Vorzügliches geleistet. Aus der Reihe ihrer Mitglieder werden allwöchentlich kleine Vorträge aus jüdischer Geschichte und Lehre und aus der Gegenwart des Judentums gehalten mit anschließender Aussprache. Um eine Verbindung zwischen Jugend und Alter 'herzustellen, wurde ein besonderer Jugend- und Elternabend veranstaltet, zu den: die Mitglieder der Jugendgruppe, des Jugendvereins und deren Eltern eingeladen worden sind. An diesem Abend, der einen sehr guten Verlaus nahm, fand eine Ausjprache über einige wichtige Fragen der neuen Jugenderziehung und Jugendbewegung statt. Dem Deremisvorsitzenden gelang es, die Gründung des Lan.des.ve rba n-de s Sa chs en im Verband der jüdischen Jügendvereme Deutschlands zustande zu bringen. er. Leipzig, 12. März. In einer Versammlung, die vom Jüdischen Gemeindeverein nach der Jüdischen Lesehalle einberufen war, sprach vor kurzem Rechtsanwalt Tr. Pictor aus Hamburg über die Demokratisierung dev jüdischen Gemeinden. Nachdem Staat unb Kommunen längst demokratisch geworden wären, sei es nun auch für die jüdischen Gemeinden, namentlich Sachsens, in erster Linie für die Leipziger Gemeinde, die höchste Zeit, ihr völlig reaktionäres Wahlrecht durch eine Verfassungsänderung im modernen Geiste zu ersetzen, die die gerechten Forderungen der jüdischen Frauen sowohl als auch der bisher völlig rechtlosen Ausländer, im Sinne der Gleich^- rechtigung baldigst erfülle. Die Demokratisierung werde auch das kulturelle Leben der jüdischen Gemeinschaft mächtig fördern. Der Redner fand die einmütige Zustimmung der zahlreich besuchten Versammlung. — München, 12. März. Geheimer Kommerzienrat Hermann He ine mann wurde am* letzten Sonntag unter großer Beteiligung weiter Kreise auf dem neuen israelitischen Friedhof in München beigesetzt. Regierungspräsident v. Winterstein, Oberbürgermeister a. D. Geheimer Rat Dr. v. Borscht, Staatsbeamte, zahlreiche Künstler, Kunsthändler und Kunstfreunde nahmen an der Beerdigung teil. Rabbiner Dr. Baerwald wies in einer längeren Gedächtnisrede aus die Stellung Heinemanns im Münchener Kunstleben hin und erwähnte, daß die Armen nie vergebens an die Türe des Mannes, der den Freunden in Treue zugetan war, pochten; auch erinnerte er an die wertvollen künstlerischen Spenden Heinemanns für den Schmuck der Synagoge. Die übrigen Redner betonten die reichen Kenntnisse, den Weitblick und die Arbeitsfreude, die Heinemann zu eigen waren. Er ruhe in Frieden! Bad Hornburg v. d. H., 12. März. Der I s r a e l i t i s ch e Holz - Berei n (gegründet 1818) und Verein zur A u s - st a t t u n g i s r a e l i t i f ch e r Mädchen zu Bad Homburg v. d. H. versendet den Rechenschaftsbericht für das Jahr 1919, in dem nach einigen einleitenden Bemerkungen folgendes ausgesührt wird: Der jammervolle Krieg ist längst zu Ende, aber seine Nachwirkungen verschlimmern sich von Tag zu Tag. Man sagt, er habe die Gemüter verroht — alle Menschlichkeit vernichtet! Wohl mag dies in vielen Fällen zutrefsen; bei unseren Freunden jedoch haben wir nichts davon bemerkt, denn reichlich, wie immer, sind die Spenden geflossen, der Finanzstcmd beider Vereine blieb günstig — die Wohltätigkeit bedurfte keiner Einschränkung. — Die Beschaffung von Brennmaterial -- namentlich Kohlen — bereitete uns auch in diesen: Jahre nur , Sorgen; teilweise Muhten wir mit Geldunterstützungen nachhelfe»:. Der „M.-A.-V." hat in diesem Jahre — neben den gewohnten Beihilfen — eine Mitgift in angemessener Höhe verabfolgt. Die Spendenlisten pro 1919 werden i»n nächsten Berichte Aufnahme finden, ebenso die Namen aller neu eingetragenen ewigen und sonstigen Mitglieder. Durch den Tod sind uns leider entrissen worden: Herr Albert G u g g e n h e i m. und Herrn Em. H o l z m ann (Frankfurt a. M.), beides treue Förderer unseres Hilsswerkes — der Vater des letzteren war Mitbegründer des „H.-V." — sowie Frau Js. Fett mann Wwe., die nicht minder ein ehrenvolles Andenken verdient. — Groß wie immer ist der Dank, den »vir allen Interessenten der Vereine schulden. Möchte die Saat der Nächstenliebe, welche sie fortgesetzt ausstreuen, ausgehen in ihren Herzen zu Lebenslust und Lebensfreude! — Mannheim, 12. März. Eine antisemitische Radauversammlung war eine Veranstaltung, in der ein Wiener Reichsrat Dr. Wichtl über das Thema: „Weltfreimaurerei und Judentum" sprach. Der Musensaal »var gut besetzt; in der Hauptsache aber waren es junge Leute, die denn auch die antisemitischen Flegeleien mit gebührenden: Beifall aufnahmen. Die ganzen Ausführungen des Redners waren auf die Parole eingestellt: „Kampf den: Judentum um jeden Preis!" Dus Weltfreimaurertum, in den: 95 Prozent Inden die Herrschaft führen, ist an dem Weltkrieg schuld. Bei der Aussprache kam es dann zu üblen Radauszenen. Schon der erste Diskussionsredner wurde rnit wüstem Geschre: unterbrochen. Einem zweiten Diskussionsredner, der sich zunächst gegen die Art und Weise, »vie inan den ersten Diskussionsredner behandelt hatte, wandte, ries der Versanunlungsleiter unter Hintansetzung des Abc einer Bersammlungsleitung „Quatsch" zu, entzog ihm das Wort und das Tohuwabohu ging von neuem los, diesmal mit Fäusten und Füßen. Es tarn zu Handgemengen, die Temperamentvollsten setzten die Versammlung auf den Treppen und Gängen fort. Laglenv. 6r. London, im. März. „Evening Standard" veröffentlicht einen interessanten Aussatz über die wirtschaftliche Zukunft Palästinas aus der Feder des Obersten Patterson, der als Organisator und Kommandant des „Zion Mule Korps" in Gallipoli und des Jüdischen R e g i n: e ntes in Palästina reichliche Gelegenheit hatte, das Land und seine Zukunftsl»:ögli-chke:ten zu studieren. Oberst Patterson schreibt: „Tie jüdischen Kolonien in Palästina, alle in den letztenvierzig Jahren entstanden, sind die einzigen Lichtpunkte in einem Lande, das durch türkische Mißwirtschaft in eine Wildnis umgewandelt »vurde. Die Möglichkeiten, die Palästina bietet, sind unbegrenzt, aber der erste Schritt zum Erfolg besteht darin, daß das jüdische Volk »vieder Wurzel fasse aus seinem eigenen Boden. Die Hoffnung des jüdischen Volkes beruht aus dem Boden Palästinas; die unfruchtbaren Hügel müssen »vieder mit Wein, Feigen- und Obstbäumen bepflanzt »verden; die Täler müssen dräniert, beackert, bewässert und so bearbeitet werden, daß sie »vieder, »vie einst, ihren Kornsegen ausschütten können. Ich glaube nicht, daß es in der ganzen Welt -einen so reichen Boden gibt, »vie den palästinensischen. Ich beobachtete einen Beduinen, »vie er aufs Geratewohl Samenkörner über ein Feldstreute, das ermit einem Holzpflug -- »vie zu« Zeiten