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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-03-26 · Heft 12-13 (26.3.1920) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 12-13 (26.3.1920)
Date
1920-03-26
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Abrahams — aufgescharrt hatte. Nach ein Paar Tagen ging ein Regen nieder und nach einer Woche sproßte' ein grünes Kornfeld eurpor! Welch immense Möglichkeiten liegen bei entsprechender Bewirtschaftung, Düngung und Bewässerung in diesen: reichen Lande! Korn,- Oel und Wein sind das Geringste, das es Hervorbringen kann. Wo gibt es Orangen, die den Jaffaer. Orangen den Rang ablaufen könnten, oder wo gibt cs bessere Weintrauben als in den Weinbergen von Gi-lead? Ist einmal das Jordantal für den Europäer bewohnbar gemacht, so wird es dem Kolonisten reichsten Lohnt zu bieten vermögen. Der Boden ist außerordentlich fruchtbar und sämtliche tropischen Produkte können hier in vollkommenster Art kultiviert werden." .Das Urteil dieses hervorragenden Palästinakenners eröffnet der jüdischen Kolonisation im Heiligen Lande die besten Perspektiven. Oolkn . z. Warschau, im März. Dr. Bogen, welcher als Delegierter der amerikanischen Hilfskomurission in Warschau! weilt, unr eine gründliche Reorganisation der amerikanischen Hilfe für die Juden Polens durchzuführen, hat eine Abordnung des Zentralrates der jüdischen Kleinhändlervereinigung empfangen, um sich über die Tätigkeit der Bereinigung und die für ihre Mitglieder notwendige Art der- Hilfe zu orientieren. Dr. Bogen verhandelte mit der Abordnung wegen produktiver Hilfe für den jüdischen Kleinhündlerstand. Er legte dar,, daß es gegenwärtig aus gewissen Gründen noch nicht möglich sei, die Lage der Kleinhändler durch Waren-' beschaffung aus Amerika oder anderwärts zu festigen; dagegen plant Dr. Bogen Stützung dieses Standes durch Geldkredit, jedoch nicht auf philanthropischer Grundlage. — Der bekannte amerikanische Journalist und Vertreter der vereinigten jüdischen Zeitungen Amerikas Z u cf e r in ann wurde wegen Hochverrats verhaftet. Zugleich mit ihm ein russischer Jude namens Z i mm ermann, der jetzt amerikanischer Bürger ist, sowie dessen Iran. Man sucht in ihnen auch bolschewistische Agenten. — Eine große Anzahl hiesiger Juden, die hier seit Jahrzehnten ansässig sind, wurde als Fremde ausgew'iesen. — Tie hiesige medizinische Gesellschaft verweigerte die Ausnahme eines Arztes, weil er Jude ist, obwohl die hervorragendsten Aerzte in Polen Juden sind. — In Wlozlawek wurden wieder Juden am Bahnhof angegriffen und zum Teil schwer verletzt. — In Minsk wurde der Rabbiner von Soldaten auf der Straße angegriffen, die ihn seines Oberrockes berauben wollten und ihn am Bart zogen. Es gelang ihm, sich zu befreien. In Tomaschow wurde dem Rabbiner durch wilde Soldaten ein Auge ausgeschlagen. — In Wilna wurde gegen den alten Dajin Gordon Anklage wegen Hochverrats erhoben, weil er in. der Synagoge gegen die Polen gesprochen haben soll. — Aus Tw inst gelangen schreckliche Nachrichten über die traurige Lage der dortigen Juden in die Oessentlichkeit. Sie werden geschlagen und beraubt. Von Mah und Fern. — Am Sonntag, den 7. März 1920, wurde im Logenhaus der Berliner Logen des Unabhängigeil Ordens Bne Brith eine fünfte Loge begründet, die als fünfzigste unter der Amtsführung des gegenwärtigen' Großprüsidenten, Geh. Justizrat T i m endo r se r , begründete Loge den Namen „Timendorfer-Inbiläumslvge" erhielt. Sie ist die dreiundachtzigste des deutschen Distrikts. - Nach kurzer Krankheit ist hier Rabbiner B. M. A u e r b a ch verschieden. Ter Verstorbene wirkte lange Jahre als Rabbinatsverweser in G o l t n b und W rD n k c. Er war ein Bruder des vor mehreren Jahren in Berlin verstorbenen Plocker Rabbiners Auerbach. - - Am 5. d. Nt. ist in Sold au der Fabrikbesitzer Isidor Bütow gestorben. Der Verstorbene hat fünfunddreißig Jahre als erster Vorsteher in vorsor-gender und selbstloser Weise für seine Gemeinde gewirkt. Turch seinen edlen Eharakt-er und sein umsichtiges Walten war er der Gemeinde ein unersetzlicher Berater. Aus Breslau wird uns geschrieben: Frau Jenny Ecker s dor sf, hier, Ohlauer Stadtgraben 16, hat dem Realgymnasium am Zwinger zur Errichtung einer „Carl-Eckersdorsf-Stistung" Wertpapiere im Nennwerte von 3455 M. zur Erinnerung an ihren am 9. April 1917 in der Schlacht bei Arras gefallenen Sohn Earl überwiesen. Die Zinsen sollen am 9. April, ulld aut 7. Oktober jeden Jahres je einem Schüler einer Klasse der Oberstufe der Anstalt, der die 'besten deutschen Aufsätze liefert, als Beihilfe zur Anschaffungi eines guten Buches verliehen werden. ' Der Ntägistrat hat die Verwaltung der Stiftung übernommen — In Stettin wurde am 22. v. Nt. das älteste weibliche Mitglied der dortigen Synngogienaemeinde, Frau Henriette Lisser, unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Die fast Hundertjährige war am 27. Januar 1821 zu Berlin geboren; Anfang der vierziger Jahre kam sie nach Stettin. Mehr als vier Jahrzehnte hat sie dem Vorstande des Israelitischen Frauenvereins angehört. Auch als Ehrendame im hiesigen Israelitischen'Waisenhaus hat sie sich betätigt. Herr Rabbiner Dr. Wiener widmete der Verstorbenen herzliche Worte des Gedenkens. Sie hatte die große Freude zu erleben, daß eine Tochter die goldene Hochzeit feiern konnte. — Gegen die Auslieserungssvrderung der Entente erhob Rabbiner Dr. L e im - dvrfer.in Hamburg eiuen flanuuenden Protest auf der Kanzel der N e u e n T a m m tor - Synagog e. Er wies darauf hin, daß die Bibel im 2. und 5. Bliche des Pentateuchs ein so menschenfeindliches Ansinnen auf das schärfste verurteilt lind daß alle Konfessionen wie alle wahrhaft patriotischen Deutschen in unverbrüchlicher Einheit für die Ehre des Vaterlandes um so mehr einstehen müßten, je blindwütiger das Bibelwort in unserer Zeit verletzt wird. — Aus Murnau in Bayern wird berichtet: Die Bürgerschaft unseres Gebirgsortes hat beschlossetl, im kommenden Sommer keine Juden hier aufzunehmen. Es bedarf wohl nur dieser Mitteilung, um jüdische Erholungsbedürftige zu veranlassen, die Murnauer Bürgerschaft im Alleinbesitz ihres Ortes zu lassen. — Die Verbindung jüdischer Studenten „Kadimah" in Bonn beging in feierlicher Weife die Einweihung ihres Hauses. Gand. Weiler übergab das Haus als einen „Jungbrunnen jüdischen Geistes, jüdischer Geselligkeit und jüdischetl Wollens" seiner Bestimmung. Rechtsanwalt Dr. Nathan (Köln) hielt die Festrede. Rabbiner Dr. Cohn, Vertreter der Bonner Jüdischen Gemeinbe und der Bonner jüdischen Vereine usw. sprachen sodann ihre Glückwünsche aus. .- In Konstanz verschied am 20. v. M. Frau Helene C h o n e, die Gattin des Stadtrabbiners. Die Verstorbene war treilbesorgt für die Gemeilide und die Allgemeinheit des Judentmlls. Ter Verein zur Förderung der Interessen der israelitischen Taubstummen Deutschlands hat einen zweiten Zweigverein für! Hessen mld HessemNassan mit dem Sitz in Frankfurt a. Ai. gegründet. Zweck des Vereins ist die Unterstützung der israelitischen Taubstummen in allen Notlagen. Anmeldungen sind an den ersten Vorsitzenden Albert K a h n in Frankfurt a. M., Seilerstraße 35, zu richten. - In Genf hat sich ein Initiativkomitee zur Hilfe der unzähligen Waisen gebildet, die durch den Krieg und die Progrotne in Rußland und Ostgalizien ihre Eltern verloretr haben. 500 000 Waisen befinden sich in bitterster Not und sind nicht nur physischem, sondern auch geistigem ulld seelischen: Elend preisgegebell. — Aus Wien wird geschrieben: Dr. Geza Winter, einer der angesehensten Rechtsanwälte Wiens, vollendet am 6. d. M. sein siebzigstes Lebensjahr. Ter Jubilar hat sich große Verdienste erworben. Er gründete den Internationalen Anwaltverband, war jahrelang dessen Präsident, ferner durch viele Jahre in der Leitung des Oesterreichischen Fachschriftstellerverbandes lind des Wiener Kaufmännischen Gesangvereins. Sein größtes Verdienst ist die Gründung des Rekonvaleszentenheims für arme Frauen in Hütteldors, dem er seit 31 Jahren als Präsident des Exekutivkomitees vorsteht. - Im gegenwärtigen ungarischen Parlament sitzen drei Juden: V a z s o n y , Paul S a n d o r und P e t o. — Die „Korrespondenz Herzog" meldet: Mg. Joses B o t t l i k brachte eine Interpellation ili der Nationatversalnmlung ein, die sich mit dem Verschwinden voll 20 Juden in Miskolcz beschäftigt, die von Angehörigen des Detachements Osztenöurg als Kommunisten verschleppt und ermordet worden sein sollen. Der Pogrom soll am 27. v, M. in . Miskolcz stattgeflinden haben, lvo noch immer Plakate den Juden nach 9 Uhr abends das Betreten der Straße verbieten. — Aus Czerno- I lvitz wird gemeldet: Eine Anzahl jüdischer Studenten, Mitglieder der > studentischen Verbindung „Hebronia", wurde aus der Straße von ruluäuischen Studenten angerempelt und ausgefordert, ihre Verbiudilugsfarb'en abzuleaen. Als die jüdischen Studenten sich weigerten, dieser Forderung nachzukonrulell, griffen die an Zahl bedeutend überlegenen rumänischen Studenten die Juden an, entrissen ihnen ihre Abzeichen und verbrannten diese aus der Straße. Die Oesfentlichkeit ^unserer Stadt, in der früher die besten Beziehungen unter den verschiedenen Nationalitäten herrschten, ist durch dieses Vorkommnis sehr erregt. Sogar eine rumänische Zeitung protestiert gegen, bieten Noheitsatt rumänischer Studenten. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau, i Druck und Verlag van Rudolf Masse:

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