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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-03-26 · Heft 12-13 (26.3.1920) · p. Seite 140

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 12-13 (26.3.1920)
Date
1920-03-26
Page
Seite 140 (sequence 8)
Language
German
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dem Institut und jenem den, Mittler machte, wahrlich in einer höchst unangenehmen, mir unerträglichen Verlegeicheit mich augenblicklich befinde; denn wem soll ich hier im vorliegenden Falle zunahe treten? Den Jnstitutsvvrstehern? Männern von so bedeutungsvollem Ruf und Verdienste oder dem in seinem Ehrgefühl durch die ihm gewährte geringfügige Vergütigung so tief verletzten Dichter, um dessen Gesundheitszustand ich jetzt wirklich besorgt bin, zumal er durch diesen Zwischenfall in höchster Aufregung sich befindet und laicht in eine Gemütskrankheit verfallen könnte, wodurch der Wissenschaft, insbesondere aber dem Judentum, dein er seit vielen Jahren seine geistigen Kräfte gewidmet, ein empfindlicher Verlust bevorstände? Wie rcy aus den Berichten uoer oas io oft hier veregle Untevstützungsinstitut entnehmen darf, stehen ihm für das laufende Jahr noch bedeutende Mittel zu Gebote, die meines .Dafürhaltens am zweckdienlichsten nur dann verwandt werden, «wenn die betreffenden Autoren angemessen und nach Gebühr befriedigt würden. Nach vorstehender Erörterung erlaube ich mir, sowohl im Interesse des Instituts als auch in dem des Dichters - des „Titus", Sie ebenso höflich wie dringend zu ersuchen, den Forderungen des letzteren möglichst entgegenkommen zu wollen, um eine Angelegenheit zu ordnen, die jeden mit dem Institut Wohlmeinenden nur unangenehm berühren müßte, wenn sie, was der Himmel verhüte, in die Oeffentlichkeit übergehen sollte, und überreiche ich Ihnen noch schließlich zur gefälligen Betrachtung und Charakterisierung unseres Dichters Julius Koßarski dessen jüngste drei Werke: „Wallfahrt in Palästina", „Sagen aus dem Morgenlande" und „Der Mönch von Meran"." Aber auch Koßarski selbst, der sich in seinen so überaus hoch gespannten Erwartungen bitter getäuscht sah und der sich, da er den Wert seiner Werke so außerordentlich hoch einschätzte, ob mit Recht, möge dahingestellt bleiben, tief verletzt glaubte, schüttete sein gvollerfülltes Herz Philippson gegenüber aus. Er schrieb unterm 5. Dezember: „Ew. Ehrwürden habe ich das mir vorgestern gesandte Geld sofort zurücksenden lassen. Ich habe an meinem Werke fünf Jahre und darüber gearbeitet, was Ew. Chrwürden wohl an der angehäuften Masse des Stoffes, der aus den verschiedensten Quellen von mir gesammelt worden, ersehen haben. Ich habe das Werk keinem Buchhändler angeboten, well ich es in tüchtige Hände legen wollte. Ich habe mich gefreut, als Ihre „Aufforderung" vom Februar d. I. in meine Hände gelangte, noch mehr aber, als ich in Ihrer geschätzten Zeitschrift las, daß mein Werk „ausgezeichnet, vortrefflich, gediegen" und in Ihrem Briefe verdienstlich genannt wurde! Noch bei der Aufzählung der Autoren, Sie kannten meinen Namen noch nicht, nannten Sie meinen „Titus": ein vortreffliches Gedicht! Für dieses gediegene, ausgezeichnete und vortreffliche Werk sandten mir Ew. Ehrwürden 70 Taler, während es Ihnen nicht unbekannt sein kann, daß der Bogen der mittelmäßigsten Novelle bei einer Auflage von 800 Exemplaren mit 3 Fvd'or Gold bezahlt wird, und in jener „Aufforderung" vom Februar er. deutlich steht, daß die Autoren angemessen honoriert werden sollen!! Sie meinen, ich habe die Bedingungen zu machen Ihnen überlassen; allerdings, ich wollte die Bedingungen hören und meine Wünsche aussprechen. Wie konnte ich diese machen, da ich ja nicht die Anzahl der Exemplare der Auflage kannte, ohne welche kein Autor seine Bedingungen machen kann und wird. Sie ließen mein Werk schleunigst drucken, trotzdem ich bei der Einsendung die Bedingung stellte und später die Bitte aussprach, mein Werk mir noch einmal zurückzusenden, ohne vorhergegangene Ausgleichung, sondern erklärten in Ihrem Schreiben vom 2. November cr.: „Was die Bedingungen betrifft, so wollen w i r nach Vollendung des Druckes s ch v ii a n g e m essen ins reine kommen." Was meinen Ew. Ehrwürden mit angemessen? Mit welchem Rechte betrachten Sie das Werk als das Ihrige und schreiben mir Bedingungen vor? Ich Muß Ew. Ehrwürden erklären, daß ich mein Werk unter 5 Frd'or in Gold pro Bogen dem Institut nicht überlasse! Glauben Sie, daß meine Forderung zu hoch ist, so bitte ich, mir die Rechnung des Buchhändlers einzusenden. Ich will alles, alles bezahlen! Ich habe es mühsam unter vielen schlaflosen Nächten geschaffen und will es wiederhaben! Ich bin tief gekränkt durch die übersandte Summe! Gleich nach seiner Vollendung hat der „Titus" Aussehen gemacht und mich in das Haus des hiesigen Regierungspräsidenten gebracht, wo ich bis heute aus- und eingehe, was der dortige General v. Rosenberg, der mich gleichfalls kennt, Ihnen sagen wird. Als in Ihrem geschätzten Blatte stand, daß ein Manuskript von ausgezeichnetem Inhalt eingesandt worden, sagte die Präsidentin: „Das ist Ihr ,Titus'!" Bon dem Kulturverein, der im Jahre 1846 ins Leben trat und nur aus sehr wenigen Mitgliedern bestand, aber auch tüchtige Mitglieder an der Spitze hatte, bekam ich für mein eingesandtes Manuskript „Wallfahrt in Palästina" eine Prämie von 120 Talern und 100 Freiexemplare. Die Zahl der Mitglieder betrug nicht wie die des Instituts 2500 bis 3000! Als der .Kulturverein vom Ministerium aufgelöst wurde, erhielt ich noch ein Geschenk! (Schluß folgt.) hersch Mejiech. Von Elias Nacht (Berlin). (Schluß.) Dch verließ die Eltern und Frau und flüchtete mich in eine andere Gemeinde, um ganz unbehelligt zu sein. Ich nahm mir nichts mit. Das einzige Gut, das ich besaß, war die Chochme (Klugheit). Ich trug sie ganz verborgen, damit sie niemand entdeckte, denn ich wußte, daß sie mir an jedem Orte und zu jeder Zeit gute Dienste leisten dürfte. Ueber jüdische Chochme geht nichts, sie hilft über alle Lagen hinweg, läßt den Inhaber niemals im Stich. Vertrauend auf diese Gabe, zog ich aus dem Elternhause, wo ich mich ganz unglücklich fühlte, denn ich. wollte weder Rebbe noch Lamden werden, sondern als Kaufmann mein Leben fristen. Um Kaufmann zu werden, muß man Geld besitzen. Dies hatte ich nicht. Meine Chochme kaufen wollte niemand, ich war also gezwungen, sie anzuwenden. Mit der Zeit lernte ich ein wenig die Landwirtschaft kennen und vermietete mich bei einem reichen jüdischen Gutsbesitzer als Aussetzer. Er erkannte sehr schnell meine Fähigkeiten, ließ mich daher in die Geheimnisse der Wirtschaft Einschau halten, so daß ich mir dort sehr viel Kenntnisse erwarb. Da ich aber' winzige Belohnung erhielt, verließ ich den Posten und suchte anderwärts mein Glück . . . Ein jüdisches Mädchen, das ich in einer anderen Gemeinde kennenlernte und die Absicht hatte zu ehelichen, forderte von mir den Nachweis eines Vermögens. Ich versicherte sie, eine Wirtschaft, bestehend aus 10 Joch Feld, ein paar Pferde und Kühe, ebenso Geld, mein eigen zu nennen. Sie wollte das Geld sehen. Ich versprach ihr dies bei dem nächsten Zusammentreffen zu zeigen. Ich tat dies auch, denn ich lieh mir 10 000 Kronen und überzeugte sie von der Wahrheit meiner Angaben. Eines schönen Tages traf sie im Dorf ein, um sich meine Wirtschaft anzusehen. Ich führte sie auf die Wiesen und Weiden und zeigte ihr das weidende Vieh, ebenso das

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