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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-03-12 · Heft 11 (12.3.1920) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 11 (12.3.1920)
Date
1920-03-12
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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- 2 ilieligionsgemeinschnften eine Sektion ‘18 c, als deren Leiter der Beamte der Jüdischen Gemeinde Herr Witte. nbe r.g gewählt wurde. er. Königsberg i. Pr., 5. März. Der I ü d i s ch e' I u g,e n d - v.e.rein versteht es, in seinen Atikgliedern durch zeitgemäße Vorträge Interesse für die jüdischen Fragen zu erwecken. Stadt- Vervrdneter Oskar E i ch e l b a u m hielt einen Votlrag ü>ber I o h a n n I a c o b y. Er zeichnete ein'Lebensbild dieses Vorkämpfers auf dem Gebiete der Völkerbefreiung, verweilte. längere Zeit bei seiner berühmten Streitschrift, den „Bier Fragen, beantwortet von einem Ostpreußen", die sich mit der versprochenen und. nicht erteilten Verfassung beschäftigten und ihrem Verfasser die Anklage ans Hochverrat ein trugen. Er schilderte die an- Anfeindungen reiche politische Laufbahn dieses hoch der an tagten, charaktervcillen Atannes unb bezeichnete ihn, obwohl er sich in seinen letzten Jahren der sozialdentokratischen Partei anschlöß, als „Vater der., deuitschen Demokratie". Ms begeisterter Jude hat «er viel für die .Gmianzi? pation seiner Glnubensgenossen getan, die ihn mit Stolz, ihren Mitbürger nennen. Der interessante Vortrag, fand allgemeinen Beifall. W. Meeschen, 5. März. Herr . Kansmann Micha leis Sokvlo w s k i, Mitglied des Vorstandes der Synagogengemeinde, beging unter großer Anteilnahme in geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Geburtstag. Herr Gemeinderabbiner Tr. M. L e w i n überbrachte die herzlichsten Glückwünsche für die Gemeinde. Auch die verschiedenen Wohltätigkeitsinstitute innerhalb der'Gemeinde hatten Abordnungen entsandt. Von auswärts gingen große Mengen Glncklvünsche ein. - - Die hiesige israelitische öffentliche Volksschule ist wegen zu geringer Schülerzahl von der SchnlaussichtsbeHörde ansgelöst worden. Tie Schule hatte in früheren Jahren drei Lehrkräfte und zählte zirka 800 schulpflichtige Binder. Durch die Abwanderung nach größeren Städten und auch infolge von Ausweisungen hat die jüdische Gemeinde zusehends an Mitgliedern verloren. nr. Breslau, 8. März. Nach einem Wahlkampf, wie ihn die Breslauer Synagogengemeinde noch.nicht gesehen hatte, fanden gestern unter dein Vorsitz des Geheimen Justizrats, Landgerichtsrat Dr. G o l d f.e l d die Wahl.n zur Repräsentantenversmumlung unter lehr reger Beteiligung statt. Es waren 21 Repräsentanten und zehn Stellvertreter zu wählen. Eingeschriebene Wähler waren vorhanden 4205. Tie Zahl der abgegebenen Stimmen betrug 2828. Von diesen entfielen ans die Liste des liberalen Wahlausschusses (Wahl-- Vorschlag Wohlauer) 1908 Stiminen und ans. die der Vereinigten jüdischen Parteien (Wahlvorschlag Ai e y e r - Dr. S ch l e s i n g e r) 818 Stimmen. Ungültige Stimmen wurden 12 gezählt. Demnach entfallen voraussichtlich ans die Liste Wohlauer 15 Sitze, und es gelten hier als gewählt: Professor Dr. Wohlan e r , Fabrikbesitzer B i e l - s ch o w s k y , Geheimer Sanitätsrnt Dr. R e i ch, Jnstizrat SX alis ch, Fabrikbesitzer W a l s ch , Jnstizrat P e i s e r , Kaufmann G ins, Jnstizrat Riichaelis B r e s l a u e r , Kaufmann Adolf L e w i n , Kaufmann Engen F r e n n d , Apothekenbesitzer Otto S ch l e s i n g e r, Bankproknrist Felir Sander, Rechtsanwalt Fritz Cohn, Spezialarzt für Chirurgie Dr. Siegmnnd H a d d a , Kaufmann W i l h e l m , von denen die letzten Herren neu, die anderen wiedergewählt sind. Ans die Liste Meyer entfallen sechs Sitze und es gelten hier als gewählt: Buchdruckereibesitzer Samuel W. Meyer, Augenarzt Dr. Josef S ch l e s i n g e r, Kaufmann Martin F r a e n t e l, Kaufmann Joseph K o b e r , Rechtsattwalt Dkax I a c ob lohn und Zahnarzt Hugo Schachtel. Die beiden letzten Herren sind neu gewählt. Zur Ermittelung des amtlichen Wahlresultats bernst der Vorsitzende für Sonnabend abend eine Sitzung des Wahlansschusses ein. - Lübeck, 5. Mürz. Roch, ist kein volles Jahr verslossin, seitdem unser allverehrter Rabbiner Dr. Satonwn Earlebach, der beinahe 50 Jahre unsere Gemeinde mit beispielloser Hingebung und Treue geführt hat, von uns genommen worden ist. Er war der Vater, leine Gattin Esther, geborene Adler, die Mutter unserer Gemeinde. Run ist auch sie zur ewigen Ruhe eingegangen, und vereinsamt fühlen nur uns alle. Die Verstorbene war ein Lübecker Kind, .Tochter und Enkelin von Rabbinern, die hior segensreich gewirkt haben, eine Schwester des edlen Dr. Ephraim- Adler, dessen Andenken in unserer Mitte mdyt erlöschen wird. Es gab. keine Familie, an deren Wohl und Wehe, an deren Freuden und Leid die Verstorbene nicht herzlichsten Anteil genommen. Die Heimgegangene hat das Glück gehabt, zwölf Kinder zu trefflichen Juden und Menschen -zu erziehen; Von ihren Töchtern wurden drei die Gattinnen oon Rabbinern. Vonihren SötMen. churden, fünf Führer von jüdischen Gemeinden^ Eineri -Dr. DcAnd, M üider vor den Ellern aus diesem Leben abgerufen worden. - .Von der- Natur war' der' Verstorbenen „der Lieder süßer Mund" verliehen worden. Sie besaß bk Gabe der Dichtkunst. Jeden frohen Anlaß verstand sie mit dem goldenen G'lanz der Poesie zu verschönern. Einige ihrer Dichtungen sind gedruckt worden. Es sei nur an das schöne Merkchen „Der Tochter Zions Liebe und Leben" erinnert, das zum literarischen Hausschatz vieler jüdischer Familien gehört. Wer dieses Büchlein, das so vielen schon Stunden der Erhebung bereitet hat, in die Hand nimmt, wird mit Wehmutder Verfasserin gedenken, die nun von ihrer segensreichen irdischen- Tätigkeit ausrnyt. ' £2 Aachen, 5. März. Der evangelische Lehrer Z i m m e r m a n n, seines Zeichens deutschvölk-ischer Judenfresser, hatte an den israelitischen Lehrer Herrn Wallach einen antisemitischen Brief gerichtet, scheinbar aus dem. Grunde, weil er sich darüber ärgerte, daß ihm Herr Wallach ein' Exemplar der von. ihm verfaßten Kinderbibel zugesandt hatte. Das Büchlein —- int Märchen- oder Kinderstile geschrieben und auf psychologischer Grundlage ausgebaut — wird von allen Seiten, selbst inchristlichen Leserkreisen, als . epochemachendes Unterrichtswerk bezeichnet (Herr Wallach hatte auch den ihm bekannten Kollegen der katholischen Schulen das Buch zwecks Erlangung von pädagogischen' Werturteilen Zugehen lassen. Dazu kam, daß beide - Herr Wallach und Herr Zimmermann — dem Vorstand des interkonfessionellen Lehrervereins 'Hierselbst, als Mitglieder angehörten. Dort in den Sitzungen des Vereins .- hatte Zimmermann seinen israelitischen Kollegen bis dahin verhältnismäßig freundlich, mit konventionellem Wohlwollen zu begegnen verstanden. Er hatte sich wohlweislich gehütet, Herrn Wallach gegenüber aus seiner antisemitischen Rolle'zu fallen.) - Ter beleidigende Brief in acht Herrn Wallach als Autor der „Kleinen Kinderbibel" unter anderem den' Borwurf, daß er überall den Ausdruck „der liebe Gott" gebraucht habe. Der liebe Gott sei der Gott der Arier (der Christen), während der Gott der Juden Jahve sei, der alttestcunentliche Rachegott. Das Büchlein, so fein und wohlerwogen es sich auch darstelle, fei lediglich als „Täuschung" gedacht und zur „Uebertölpelung christlicher Kreise" berechnet. Das sei indes nicht anders zu erwarten gewesen; denn dem Juden werde durch christenfeindliche Bekenntnisfchristen tute Talmud und Schulchan aruch ein derartiges Verhalten zur Pflicht gemacht und anerzogen. Im Hinblick auf den bekannten Kautschulparagraphen (Wahrnehmung berechtigter Interessen, erlaubte Kritik an Werken wissenschaftlichen oder künstlerischen Inhalts), hinter dem sich antisemitische Frechheit in solchen Fällen gewöhnlich zu verschanzen sticht, nahm Herr Wallach davon Abstand, den Briefschreiber gerichtlich zu belangen, und übergab den Brief dem Borstand des Aachener Allgemeinen Lehrervereins. Der Vorstand in seiner Toleranz und vorurteilslosen Beurteilung konfessioneller'Tagesfragen ersttchte daraufhin den .antisemitischen Verfasser, die ausgesprochenen Beleidigungen znrückzunehmen. Herr Zimmermann erwiderte, daß er den Inhalt des Brieses, soweit sich derselbe als persönliche Beleidigung des Herrn Wallach' darstelle, widerrufe. Da dieser aber mit einer derartig gewundenen Erklärung nicht zufrieden war, stellte der Vereinsvorsttzende ans Grund des einstimmig gefaßten' Vorstandsbeschlusses den Lehrer Zimmermann vor die Frage: Entweder den schwer beleidigenden Brief seinem ganzen Inhalte nach zurückznnehmen oder aber aus seinem Verhalten die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen. Als Herr Zimmermann hierauf nicht reagierte, wurde er aus dem Vorstand „hinausgeworsen" -- für den evangelischen Hetzapostel eine empfindliche. Lektion, die dann einige Tage später durch die Mitgliederversammlung des Lehrervereins, ihre gerechte Bestätigung fand. ----- Düsseldorf, 5. März. D i e j ü d i s.ch - w i s s e n s cha f t - liehe Vortragsreihe brachte in der letzten Woche einen Vortrag von Rabbiner Dr.. E sch e l b a che r über „Judentum u n d Den t i ch t it in". Tie jüdische und deutsche Geschichte sind einander in vielen wichtigen Punkten ähnlich. Germanen und Juden sind beide' viel - gewandert und haben sich über die ganze Erde, ausgebreitet. Beide waren und sind in ihrem geschichtlichen Bestand immer gefährdet, und beide haben mit dem Hasse der Welt zu kämpfen. Tie Anklage, die die Welt gegen die Juden erhebt,, findet ihr Gegenstück nur in jenen, mit denen sie die

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