Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1920)
- Date
- 1920-03-12
- Page
- Seite 132 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3229443-3229454--75614-3288131- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
132 —— würde, verkuppelt. Sie hat den Eltern gepaßt. Sie wav vvu einer streng orthodoxen Familie, und dies war das Ausschlaggebende an der Sache, um uns vor den Lebenswageu zu spannen. Diese Ehe war unglücklich, denn meine Chawe konnte den Wagen nicht ziehen und überließ ihn mir selber (Schluß folgt.) Literarische Mitteilungen. — Hans Goslar: Jüdische Weltherrschaft! Phantasiegebilde oder Wirklichkeit? Gabriet-Nießer-Verkag 1919, Berlin SW 68. In ausgezeichneter Weise widerlegt der Verfasser die lächerlichen Vorwürfe, die man gegen das Judentum gerichtet habe, weil es angeblich -die Weltherrschaft erstrebe. Er zeigt, daß keiner derjenigen Männer, die aus jüdischem Blute in letzter Z-eit zur Macht gekommen sind, diese Macht benutzt hat, um dem Judentume zu Helsen. Er beweist meines Erachtens schlagend, daß die angeblich internationale jüdische Finanz doch niemals Gelegenheit genommen hat, etwa gegen das zaristische Rußland einzuschreiten oder ein Bündnis Englands mit Rußland zu verhindern, wie sie es hätte tun müssen, wenn wirklich für die jüdische Politik in der ganzen Welt eine einheitliche Leitung bestanden hätte. Daß von einer solchen nicht die Rede ist, weiß jeder, der das Judentum kennt. Ich fürchte aber, daß die unbelehrbar Böswilligen auch durch diese Schrift nicht werden belehrt werden - denn sie werden sie nicht lesen. Daß wir nun einmal als Süudenbock herhalten niüss-en, damit müssen wir uns absinden. Der Glaube an unser Recht muß uns helfen, die schwere Gegenwart zu ertragen. Fast schon heißt es, unseren Gegnern zu viel Ehre antun, wenn man auf ihre Argumente eingeht. Für die Schwachen unter uns selbst aber wird Goslars Schrift eine erwünschte Rückenstärkung sein, um sie innerlich nicht ermüden zu lassen. Wir wünschen ihr weiteste Verbreitung. Dr. Willy Cohn. * Leon S ch : i n h a u s: Leopold Zunz. Ein Lebensbild. Verlag von M. Poppelauer, Berlin 1920. Den Lesern der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" ist tiefe Arbeit nichts Neues, denn sie stellt einen Sonderdruck aus unserer Zeitschrift dar, in der sie im 83. Jahrgang erschienen ist. Daß aber diese Aufsützereihe nun als zusammenhängende Schrift vorliegt, begrüßen wir auf das wärmste, denn diese Arbeit ist geeignet, von dem großen Menschen und Forscher Leopold Zunz ein Bild zu machen, das dazu beitragen kann, die Liebe zu dieser Persönlichkeit und zur Wissenschaft des Judentums auch in Kreise zu tragen, die beiden bisher fernstanden. Ist ja Zuuz der erste gewesen, der cs verstand, modernen wissenschaftlichen Geist mit der Liebe zum Glauben der Väter zu verbinden. Sein Werk über „Die synagogale Poesie des Mittelalters" sollte in keiner jüdischen Familie fehlen. Zu seinen unvergleichlichen Werken wird die vorliegende Schrift der beste Führer sein. Dr. Willy Eohn. * ~ Weltbücher: eine jüdische Schriftensolge. Bd. 1/2: Moses Mendelssohn, „Jerusalem". Bd. 3. M e n a s s e b e n Israel, „Ret t u n g der Jude n". Uebersetzt von Moses M e n d e l s s o h n. Bd. 4/5: S. R. H i r s ch, N e u n - zehn Briefe über das I u d e n t u m. Bd. 6: F r i tz Morde ch a i K au f m a n n , Vier Essais über o stj ü d i s ch e Di cht u n g it nd K u l t u r. Der rührige „Weltverlag", der in der jüdischen Welt Deutschlands sich schnell zu einer beachtenswerten Stellung emporgearbeitet und dir durch seine Zeitschriften „Bar Kochba", „Schlemihl" und „Volk und Land" in den jüdischen Familien Platz gewonnen hat, will nun auch durch eine Bücherserie „Die Weltbücher, eine jüdische Schriftensolge" manches Buch, das zu seiner Zeit Aufsehen machte und durch seinen Inhalt trotz der Aktualität bleibenden Wert sich errungen hatte, wieder neu herausgeben itnb es als Quellenschrift seiner Zeit denen Zufuhren, die für die Geschichte unseres Volkes und die geschichtliche Entwicklung der israelitischen Religionsgemeinschaft in Deutschland Interesse haben und Zeit für deren Studium. Als ein solches Unternehmen ist diese „jüdische Schriftensolge" sehr zu begrüßen und die Auswahl, die in den Bänden 1 bis 5 getroffen, eine glückliche zu nennen. Der Preis ist der heutigen Zeit entsprechend billig, die Ausstattung schön und verhältnismäßig gut. Daß S.R.Hirsch' Schriften allmählich in billigeren Ausgaben zu haben sind, war ein langjähriger Wunsch, sonst sind diese Schriften im Preise stets zu hoch gewesen. Die Herausgeber der Schriften Band 1 bis 5 haben sich ihre Aufgabe etwas zu leicht gemacht; die Einleitungen sind nichtssagend und keineswegs in das Werk einführend, sie werden deshalb vom Lehrer für die Schüler selten gewählt werden. Hier hätten sich die Herausgeber die „Denkmäler jüdischer Geister" von May und Levy zum Beispiel nehmen dürsen oder jedes Reclam- Bündchen, in denen Schriften irgendeines Meisters zur W'ederauflage gelangten. Sie hätten mehr aus die Zeitumstände eingehen müssen, aus denen heraus diese Bücher entstanden sind. Bei der Ausgabe von Hirsch' Briefen ist diesem Umstande mehr entsprochen, weniger bei Len Mendelssohuschen Schriften. Aber trotzdem ist die billige Neuauflage dieser Schriften sehr zu begrüßen; weniger dürfte man dies von dem 6. Band sagen, wo es sich um. keine Neuauflage, sondern um die Zusammenstellung von vier Essais handelt über ostjüdische Dichtung und Kultur, die überall besser hingepaßt hätten (u\ Zeitschriften usw.) als in eine solche Sammlung. Damit hak der Verlag seine „jüdische Schristenfolge" degradiert. Oder glaubt der Verlag in diesen Essais durch seinen Interpreten Fritz Mordechai Kaufmann solche geschichtlich bedeutungsvolle Wahrheiten für die jüdische Welt und deren Geschichte oder Gegenwart zu sagen, daß er neben einen S. R. Hirsch oder einen Moses Mendelssohn sich stellen darf? Es wäre besser gewesen, der Verlag wäre im Geiste eines T. R. Hirsch oder Mendelssohn fortgesahren und hätte die -Neuauflage anderer Quellenschriften für die jüdische Geschichte und Literatur sich zur Aufgabe gemacht (z. B. Schriften von Philo, Flavius Josephus) und diese mit populär - wissenschaftlichen Einleitungen versehen. Damit würde er sich ein großes Verdienst um unsere jüdischen Jugendvereine, unsere Schulen und um unseren Unterricht in jüdischer Geschichte und Literatur erwerben. Tr. F. S t r a ß b u r g e r (Ulm). Sprrchlaal, An die Redaktion der „Allgemeinen Zeitung des Judentums". In der Nr. 9 Ihrer Zeitschrift befindet sich aus Seite 2 der Beilage „Der Gemeiudeboie die Nachricht, daß der „Bar Kochba" 'mit einer größeren Anzahl jüdischer Jugendvereine einen Sportplatz im Grunewald ankausen will. Die Notiz ist irreführend. Es handelt sich um eine rein zionistische Gründung. Sowohl der Jüdische Sportverein „Kameraden" als die K. E.-Verbindungen, der Jüdische Turnverein 19005, der Jüdisch-liberale Jugendverein .und der neutrale jüdische Jugend-Verein haben es abgelehnt, an der Gründung m-itzuwirken, sich zum- Teil überhaupt nicht an den Beratungen beteiligt. Die Motive zu der irreführenden Form der Notiz dürften in dem Satz zu erblicken sein, in dem Spenden erbeten werden. Während von national-jüdischer Seite sonst jede Arbeitsgemeinschaft mit auf deutsch-vaterländischer Grundlage stehenden Vereinen abgelehnt wird, hat man hier eine Ausnahme gemacht, uni sich die Geldmittel der deutsch -empfindenden Juden nutzbar zu machen. Es können diejenigen Leser Ihrer Zeitsch-rift, die national-jüdischen Bestrebungen ablehnend gegenüberstehen, nur dringend davor gewarnt werden, Spenden an die angegebene Adresse zu senden, weil die Beträge nicht allgemein-jüdischen sportlichen Bestrebungen zugute kommen, sondern rein national-jüdischen Zwecken. B e r l i n , im März. H. Herzfeld. Druckkehlerberichtigung. In dem Feuilletonaufsatz „Reb Leib Traubenberg" muß es Seite 118 Spalte rechts. 14. Zeile von unten, statt Auswegmittel Auskunft %= mitt e l beißen.