Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1920)
- Date
- 1920-03-12
- Page
- Seite 130 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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m) und nur einiste Zeilen des Einverständnisses und des Dankes ansüge. Philippson schrieb: hierauf - an ■: Koßarskiselbst unterm 6. November 1855: „Hochgeehrter Herr! Zur Beruhigung mag es Ihnen dienen, daß ich den ersten Bogen Ihres „Titus" sehr sorgfältig von Härten befreit habe. Heute erwarte ich den zweiten, denn sehen Sie, im Druck ist es so. Jeder Bogen kommt einzeln, wenn er gesetzt ist, zwei-oder dreimal zur Korrektur. Dann wird er in so vielen Exemplaren abgezogen, als es bestimmt ist. Wollten Sie also eine Korrektur hinhaben, so müßte jeder Bogen Per X-Kuvert fr. Ihnen zustesandt werden, und Sie schicken ihn korrigiert Per X-Kuvert fr. (weil es sonst Briefporto kostet!) nach Leipzig zurück. Sie sehen, das hält auf. Indes bin ich weit davon entfernt, des Autors Recht schmälern zu wollen, und wenn Sie also sehr wünschen, die Korrektur hinzuhaben, so teilen Sie es mir umgehend mit. Die Bedingung wäre nur, daß Sie die Korrektur nicht länger als 24 Stunden dortbehalten. Dann könnte ich allerdings die Bogen nicht sehen, sondern Dr. Jellinek allein, und der kann sich mit dichterischen Korrekturen nicht befassen. Also bitte um Entscheidung. Herzlichen Gruß. Philippson." (Fortsetzung folgt.) Lin Litst aus der Lide! im Talmud. Bon Rabbiner Dr. Friedmann (Lublinitz). eränderte Zeitumstände und -Verhältnisse haben seitens unserer Weisen stets neue Verordnungen gefordert. Um diese beweiskräftig zu machen und als vom Ewigen geboten und gebilligt zu lehren, suchten sie immer eine Stühe für sie in der Bibel. Diese Stütze mit ihrer Deutung aber sollte nicht als ein selbständiger Ausspruch des Lehrers gelten, sondern nur im Zusammenhang mit dem vorliegenden Falle, mit der neuen Verordnung in Betracht kommen. Dieser Grundsatz muß festgehalten werden besonders bei Betrachtung eines Zitats aus der Bibel, welches R. Simon ben Jochai für seine Verordnung „Die Gräber der Nichtjuden verunreinigen nicht" anwendet. Es ist bekannt, wie gerade diese Stelle in Jebamoth 61a mißverstanden und wie gern sie s o vom Antisemitismus verwendet und verwertet zu werden Pflegt. Sie lautet in der Uebersetzung also: „Ferner lehrte R. Simon ben Jochai: Die Gräber der Nichtjuden verunreinigen nicht, denn es heißt: „Ihr, meine Schafe, die Schafe meiner Herde, „Mensch" seid ihr" (Jecheskel 34, 31), ihr heißt Menisch und nicht die anderen Völker der Welt": und es heißt doch in der Thora: „Der Mensch, der im Zelte stirbt, verunreinigt und ebenso des Menschen Grab" (4. Buch Mose 19, 14). Der Antisemitismus, welcher lediglich in seinem Interesse den Nachdruck nur auf die Beweisstelle und auf die begründende Erklärung legt, glaubt hier einen großen Fund gemacht zu haben, um das Judentum verleumden zu können. Er sieht nicht das Ganze, sondern nur einen Teil und fragt demnach: Wenn nur Israel „Mensch" heißt, und nicht auch die Nichtjuden — wie heißen dann diese? Diese heißen wohl Nichtmenschen, Vieh?! Aber auch eine solche Folgerung an sich ist schon grundfalsch. Es lehrt doch der Talmud ausdrücklich: „Ein Nichtjude, welcher sich mit der Thora befaßt, ist wie ein Hoherpriester"; und ferner: „Die Frommen aller Völker haben Anteil am künftigen Leben, am Jenseits." Und das Wort der Einleitung (3. Buch Mose) für die Opferlehre: „Wenn jemand von euch ein Opfer darbringen will", wird unbestritten auch auf die Nichtjuden erweitert. ~ Kann also wohl Simon ben Jochai die Abs icht gehabt haben, allen Völkern der Erde den Namen „Mensch", das Menschentum abzusprechen? Hat Franz Delitzsch recht, wenn dr in seiner Schrift über Rohling, schreibt: „Nichtsdestoweniger -finden wir den Satz, daß die Heideri -sich' zu Jsrä'ei lote Behemot zu Adam verhalten, wonach Schuld und Sträfe gemessen werden, unerträglich; auch schon das Wärt Jecheskels, worauf diese Anschauung fußt, ist abstoßend für christliches, modernes Bewußtsein . . — Was hier Delitzsch vom Propheten sagt, ist sicher falsch, denn dieser hat da gar keinen Gegensatz ausgesprochen. Wenn er zu Israel sagt: „Mensch seid ihr", so hat er damit andere gar n i ch t ausgeschlossen. Und was Simon ben Jochai anbetrifft, so wäre es vielleicht gar nicht so auffallend, wenn er aus seiner Zeit heraus und für seine Zeit dieses Wort wirklich in dem vermeintlichen Sinn gesagt hätte. Man denke nur an die elenden Zeiten der Hadrianifchen Verfolgungen und daran, daß er mit seinem Sohne 13 Jahre in einer Höhle zubringen mußte. Diese Verfolger konnte er doch beim besten Willen nicht als „Mensch" ansehen, sondern nur als „Bestien in Menschengestalt", wie es immer gegenüber Pogromisten, Pogromsüchtigen und Mördern der Fall ist. Denn eigentlich ist doch die Bezeichnung „Mensch" der Schöpfung, der Bildung und der Kultur noch immer etwas A u s z e i ch n e n d e s, ohne daß damit durchaus der Gegensatz von Behe m o t gedacht wird. Von einem Menschen, der ganz sonderbar und schlecht ist und handelt, pflegt man auch heute zu urteilen: „Der ist k e i n M e n s ch!!" Auch Goethe unterscheidet zwischen Mensch und Mensch, indem er sagt: „Mensch sein heißt ein Kämpfer sein." D a s hat schon der Prophet Jecheskel gemeint, wenn er zu seinem Volke sagt: „Mensch seid ihr, meine Herde, die Herde meiner Weide!", denn Israel war ja der Gottes kämpf er. Indessen ist es, wie bereits oben gesagt, überhaupt unwissenschaftlich, den Satz gewissermaßen zu zerreißen und das Zitat getrennt vom Ganzen zu betrachten. Aus dem Ganzen aber ist ersichtlich, daß R. Simon ben Jochai eine Milderung, eine Erleichterung in der Verunreinigung durch Gräber schaffen wollte. Es war eben in seiner Zeit der vadrianischen Kämpfe und Verfolgungen das Heilige Land von zahllosen Gräbern erfüllt, so daß kaum ein Platz vorhanden war, von dem man bestimmt und sicher sagen konnte, daß er nicht verunreinigte. Auch viele Gräber von Heiden gab es daselbst natürlich, die ebenso als vei> unreinigend galten wie die von Juden. So war das Heilige Land zum großen Teil eine verunreinigende Stätte geworden, welche fortwährend die Anwendung und Erfüllung der Reinheitsgesetze von den Juden forderte, nicht aber auch von den Heiden. Diese fortwährende Sorge und Angst vor Verunreinigung und Nichterfüllung der Reinheitsgesetze seitens der Juden trachtete der große Lehrer zu beseitigen oder wenigstens zu mildern,, indem er erklärte, daß die Gräber der Heiden (oder der Nichtjuden> nicht verunreinigten. Zum Beweise für diese seine Erklärung bedurfte er freilich, wie es gang und gäbk'war zu seiner Zeit, eines Bibelwortes, das sie zu erhärten undzu beglaubigen geeignet war. Und ein solches Bibelwort fand er beim Propheten Jecheskel in dem Worte ,,o dom attem", welches geradezu zurückzuweisen schiel! auf das Wort der Thora: „o ä oin ki jomus beohel". tzerlch Mejiech. Von Elias Nacht (Berlin). ch schleiche aus der Hütte hinaus . . . In die Natur. Der *3 Frühling weitet die Arme aus und ich werfe mich hinein, lvie in diejenigen einer Geliebten. Warum auch nicht. Kann