Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1920)
- Date
- 1920-03-05
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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-— Z I)öt. Diese Knüppel sollten angeblich für Juden bestimmt sein. Das ist nicht wahr. Ich verkaufe divs-e Knüppel, die „Heda" heißen, all jedermann. (Große Heiterkeit.) Sie sollen ein Verteidigung,smittel sein, das auch von Noske als gut anerkannt worden ist. Polizeipräsident Ernst hat sie zum Verkauf zug-elassen. Um meinen politischen Freunden die Gewähr zu -bieten, daß sie sich bei Ueberfällln verteidigen können, verkaufe ich „Heda" auch an sie. (Großer Lärm links.) Aus Ihnen spricht eine ungeheure Angst." — Stadtverordneter Caspar erwiderte hierauf, daß Stadtverordneter Kunze den Handel mit Knüppeln oder Totschlägern zugegeben habe. Seine Freunde würden sich jetzt auch Knüppel anschassen. 22 Elbing, 27. Februar. Im hiesigen Verein kür jüdische Geschichte und Literatur hielt Herr Universitätsprofessor Dr. Löhr (Königsberg) einen Vortrag über „Die sozialen Ideen im Alten Testament". Der große Saal war gefüllt. Drei Viertel des anwesenden Publikums bestanden aus Nichtjuden. An den lehrreichen Vortrag schloß sich eine längere Aussprache. — Herr Kommerzienrat Löwenstein, der langjährige erste Vorsteher der hiesigen Gemeinde, feierte dieser* Tage seinen 75. Geburtstag. Er wurde von dem Herrn Oberbürgermeister und von den angesehensten Mitbürgern beglückwünscht. An der Festtafel hielt Rabbiner Dr. Auerbach eine Ansprache, in der er das taktvolle,- besonnene und bescheidene Wesen sowie den unermüdlichen Fleiß des Jubilars schilderte. Die Gemeinde ehrte ihren ersten Vorsteher durch eine Blumenfpende. Die Schichau-Werft ließ sich durch ein sehr geschmackvolles Blumenschiss vertreten. — Frau Helene B l u m, die langjährige Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins, feiert am 4. März den 75. Geburtstag. Sie erfreut sich großer Beliebtheit und genießt allseitige Verehrung. Infolge ihres Alters sieht sie sich gezwungen, den Vorsitz niederzulegen. Frau Blum wurde zum Ehrenmitglied des Israelitischen Frauenvereins ernannt. W. Posen, 27. Februar. Die Revolution ist auch an der Jüdischen Gemeinde Posen nicht spurlos vorübergegangen und die letztere hat eine Reihe recht schwieriger Probleme zu lösen. Die Steuerlasten werden sich drückender als bisher bemerkbar machen, da einerseits eine größere Anzahl der steuerkräftigsten Mitglieder abwandert und anderseits die allgemeine wirtschaftliche Lage größere Aufwendungen, insbesondere an Besoldungen der Gemoindebeamten, erfordert. Die Beantwortung dieser Zeitfrage bleibt den neu zu wählenden Gemeindekörperschasten überlassen, die aus einem modern ausgesta'lteten Wahlrecht hervor gehen sollen. Es sollen unter Wegfall von Stellvertretern 21' Mitglieder der Repräsentanz und 9 Mitglieder des Vorstandes aus eine Periode von fünf Jahren gewählt werden. Rach dem Wortlaut des Entwurfs darf die Repräsentantenversammlung auch Frauen in das Vorstandskollegium entsenden, obgleich die Kommission ein solches Recht den Frauen gar nicht einräumen wollte. Das Verhältnisiwahlrecht gelangte zur Einführung, und die Wahlordnung wurde im wesentlichen an die für die Stadtverordnetenwahlen gültige angelehnt. Eigenartige Wandlungen haben die Beschlüsse bezüglich des Frauenwahlrechts durchgemacht; das Passive Wahlrecht wurde im November v. I. mit 9 gegen 7 Stimmen abgelehnt, bei einer späteren Abstimmung durch eine liberale Mehrheit angenommen, die aber bei einer Gesamtabstimmung über das Statut nicht über die erforderliche Zweidrittelmehrheit verfügte. Erst in einer Verständtgungskommifsion kam ein Kompromiß dahingehend zustande, daß den Frauen wohl das aktive, nicht aber das passive Wahlrecht gewährt wurde: die Absplitterung einer einzigen Stimme von der Gegenseite hätte zur Annahme des lateren ausgereicht. Ter Beschluß ist schon mit Rücksicht aus die großen Verluste an Gemeindemitgliedern zu beklagen, da für Frauen ein recht großes Betätigungsfeld in den Gemeindeorganisationen vorbanden ist. — Das Eiserne Kreuz am weiß-schwarzen Bande ist Herrn Heinrich Epstein für seine ehrenamtliche Tätigkeit als Leiter des Städtischen Kohlenamtes in Posen nachträglich verliehen worden. — Magdeburg, 27. Februar. Zum 3 0 0. Geburtstag des Großen Kurfürsten schreibt Herr Dr. M. S p a n i e r in der „Magdeburgischen Zeitung" vom 17. d. M.: „Der schönen Abhandlung „Zur Wiederkehr des Geburtstages des Großen Kurfürsten am 16. Februar 1920" („Magdeburgische Zeitung, Sonntag, den 15. Februar, 1. Beilage) möge mir die Redaktion gestatten, noch hinzuzusügen, daß sich des Großen Kurfürsten religiöses Duldsamkeitsgesühl auch auf die Juden erstreckte und seine Forderung, „das unchristliche Verketzern, Verlästern und Verdammen" zu unterlassen, in bezug auf die Juden nicht ganz öhne Wirkung sein komM. Ün-te? dem Kurfürsten Johann Georg. (1571 bis 1598) waren die Juden * aus der Mark Brandenburg ausgewi4s.en worden. In seiner staatsmännischen Weisheit und menschenfreundlichen Gesinnung gestattete der Große Kurfürst 1671 fünfzig, wohlhabenden jüdischen Familien, die mit vielen anderen, aus Wien vertrieben worden waren, sich in der Kurmark 'anzusiedeln. Einige von diesen — etwa sieben — begründeten die Jüdische Gemeinde in Berlin. Der Aufenthalt war — für die damalige Zeit selbstverständlich — mit gewissen Bedingungen und Beschränkungen verknüpft. So war jede Familie verpflichtet, jährlich Schutzgeld zu entrichten, dagegen waren sie im ganzen Lande von der Entrichtung eines Leibzolls befreit. Im übrigen traf der Große Kurfürst Verfügungen, die die Juden vor Bedrückung gen und Verfolgungen beschützen sollten. Die Juden waren und sind allezeit diesem edlen Herrscher zu aufrichtigem Dank verbunden." Z. Steele, 27. Februar. Die Synagogengemeinde enthüllte am letzten Sabbat ihren gefallenen Söhnen eine Ehrentafel in ihrem Gotteshause. Nach einleitendem Gesang des Trostliedes von Wernicke — durch Frau .E. Stern — hielt Prediger und Lehrer K a tz e n st e i n die Gedächtnisrede. Der Vorsitzende des Vorstandes, Sally Stern, übernahm sodann die Tafel in Obhut der Gemeinde. Der Entwurf der in Eichenholz ausgeführten Tafel stammt von dem Architekten mr Grabmaltunst Austermeher (Dortmund-Herdecke), die Ausführung, von der Holzbildhauerei Leibfried (Gelsenkirchen). Der Feier wohnte als Vertreter der Stadt Bürgermeister >S ch u l z bei. K. Essen, 27. Februar. Eine für den Lehrerstand und die Gemein den gleichbedeutsame Frage beschäftig te die jüdische Lehrerscha ft des rheinisch-westfälischen J'udustriebezirks in einer Tagung m Essen. Es handelte sich um eine Besprechung der materiellen Lage des Lehrerstan'des, die leider durch die Not der Zeit in ben- Vordergrund gedrängt worden ist. Lehrer Katzen slein (Steele) eröffnete und leitete die Versammlung und wies darauf hin, daß Idie wirtschaftliche Lage derart sei, daß auch die Kultusboamten nicht mehr länger zögern dürften, ihre Einkünfte den Forderungen! der Zeit entsprechend zu gestalten. Es folgte eine lebhafte Aussprache, die sich zunächst mit der Besoldungsfrage der Religions- und Privatlehrer befaßte. Die schon im Jahre 1912 gestellte Forderung: „Gleichstellung der Religionslehrer mit den christlichen Ortskollegen in der Besoldungs-, Pensions-- und Hinter'bliebenen-Versorgung" wurde aufs neue einstimmig erhoben. Dem Antrag Hermann (Kamen) entsprechend, wurde der Vorsitzende des Vereins israelitischer Lehrer der Rheinprovinz un!d Westfalens gebeten, unverzüglich eine persönliche Besprechung zwischen den Vorständen der Synagogenverbände und der in Frage kommenden Gemeinden mit 'den Vertretern der Lehrerschaft herbeizuführen, um recht bald zu einer Lösung der brennend gewordenen Frage zu kommen. Auch die Gehälter der -an öffentlichen Schulenwirkenden Beamten sind in den meisten Genreinden noch auf Friedensverhältnisse Angeschnitten und -beidürfen daher dringend einer Neuregelung. Den Anträgen der Kollegen Andorn (Hattingen) und Rosenthal (Hörde) entsprechend, wurden folgende festen Sätze als Mindestgehälter.ausgestellt: In Gemeinden von 10 bis 50 Familien soll das Gehalt innerhalb 10 Jahren von 2400 bis- 4000 M. gestaffelt werden. Bei über 50 bis 100 Familien soll es'. 4000 bis 6000 M., in Gemeinden über 100 Familien 4800 bis> 7000 M. betragen. Die Jahresstunden für -besond-ers zu erteilenden Religions,unterricht sollen nach den Sätzen der an den betreffenden: Orten festgesetzen Beträge für 'Fachstunden an höheren Schulen besoldet werden. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Zeitversäumni-K für außerhalb des Wirkungsortes zu erteilenden Stundenbesonders in Anrechnung gebracht werden muß. Bvn den Beschlüssen soll an den Vorstandder Synagogengemeinden der Rheinpoovinz und Westfalens durch den Vorsitzenden des Vereins Kenntnis- .gegeben werden. Die Lehrerschaft erwartet, daß die Gemeindovertretun,g.en volles Verständnis für diese sehr berechtigten maßvollen Forderungen zeigen werden. J. A. Nürnberg, 27. Februar. Einen sehr schönen Abend veranstaltete der Jüdisch eJugendvereinNürnberg - F ü r t h durch einen interessanten und anregenden Vortrag von Frau Justizrat Else D o r m i tz e r über „Jüdische Frauen in Vergangenheit und Gegenwart". Die Genannte verstand mit. kurzen und prägnanten Strichen die große Reihe der bedeutenden Frauen des Judentums in anschaulicher Weise vorzuführen und hob hervor, daß jüdische Frauen zur Förderung