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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-03-05 · Heft 10 (5.3.1920) · p. Seite 120

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 10 (5.3.1920)
Date
1920-03-05
Page
Seite 120 (sequence 12)
Language
German
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120 - Littrsrilche Mittrilungm. „G läubi ge Kunst." Von Urie l Birnbaum. „Bücher der Arche." R. Löwit Verlag (Dr. Präger), Wien und Berlin 1919. Preis geheftet 2,50 Kronen. Der Maler Uriel Birnbaum ist vor nicht langer Zeit berühmt geworden. Seine Wiener Ausstellungen rüttelten das Publikum auf, man drängte sich um seine Bilder, die eine bis dahin unerhörte Kraft der Phantasie, religiöser Inbrunst, schwelgerischen Farbenreichtums, gepaart mit gänzlich neuartiger Technik des Zeichnens und Malens, zeigten. Ein s-elbstversaßtes Vorwort zum Katalog der Ausstellung enthielt eine Art Programm seines Schaffens. Es schloß mit einem Sonett und man merkte, hier spricht ein Dichter. Daß aber beides, Dichtung wie Malerei, nicht artistisches Spiel, sondern notgedrungener Ausdruck einer zwingenden heheren Mission ist, die diesen jungen Künstler beseelt, daß ihm alle Kunst nichtig erscheint, sofern sie nicht dem einzigen Zwecke dient, den er als berechtigt anerkennt: die Gläubigkeit, die Verehrung Gottes. Dies alles mag man aus der soeben erschienenen Broschüre Birnbaums entnehmen, die sich als lesenswertes, von Kampflust und Kühnheit eingegebenes Bekenntnis eines Schaffenden darstellt. ### * D i e Namenlos e n. Von Felix Ego - Brodsky. Verlag G. Rosenberg, Berlin W 9. 1919. Eine Pogromszene spielt sich in diesem einaktigen Drama vor uns ab. Wir sind in einem einsamen Hause einer russisch-polnischen Vorstadt, bewohnt von einem alten jüdischen Pferdehändler, feiner Tochter und einem Dienstmädchen. Die Tochter ist erkrankt und wird von einem christlichen Arzte behandelt, mit dem sie verlobt ist. Es ist spät abends, und der Arzt ist noch nicht erschienen. Die Tochter ist in Unruhe, denn Gerüchte von Pogromen in der Stadt sind in das einsame Haus gedrungen. Der Vater sucht sie zu beruhigen, die Polizei hätte Schutz zu gesagt. Das Dienstmädchen meldet erschrocken das Kommen der Ausrührer und rät dringend zur Flucht. Da erscheint der Arzt. Auch er sucht zu beruhigen, es werde ihnen nichts geschehen, alle Vorkehrungen und Vorsichtsmaßregeln seien getroffen. Aber die Tochter sieht den Revolver in seiner Tasche. Sie setzen sich zum Tee. Der Vater spricht auf die angstvolle Tochter ein. Er erwähnt das Wvrt des Talmuds: „Genug des Leids, wenn es da ist; nur nicht stets wähnen, daß es nah ist." Nach dem Tee holt er die Karten und legt Patience, während der junge Arzt die Mondscheinsonate Beethovens beginnt. Aber während er sie herrlich spielt, fliegen Steine gegen die Fensterläden, und schon dringen die Mörder ins Zimmer. Der alte Vater wird vom Herzschlag gerührt und ist tot. Vergebens tritt der Arzt dem Anführer der Bande entgegen, indem er ruft, daß das Mädchen seine Frau und er selber Christ sei. Die Mörder verlangen die Auslieferung der Jüdin. Da streckt der Arzt den Anführer und drei der Mörder mit seinem Revolver nieder, und nachdem er sein vorher gegebenes Versprechen erfüllt und seine Braut erschossen hat, tötet er sich selbst. Seine letzten Worte sind: „I h r nennt euch Christen!" — Ein erschütterndes Bild, das sich auf knapp achtzehn Seiten vor uns abspielt. Aber es ist nur eins von den vielen, unendlich vielen Schreckensbildern, die man Pogrome nennt, und stellt einen herzbewegenden Ruf an die Menschheit, an die Menschlichkeit, an alle diejenigen dar, welche jetzt die Geschicke der Welt in ihren Händen haben. Sanitätsrat Dr. Scherbe! (Lissa). * — T e u t s ch e r Frauenbund. Monatsschrift für Politik, Kultur, Kunst und Wissenschaft. Herausgegeben von Klara Baumbach-Holle, Breslau. Vertag: Stadt- und Universitäts-Buchdruckerei Graß, Barth u. Comp. (W. Friedrich), Breslau. Mit Beginn des neuen Jahres sind die ehemals „Nationalen Frauenblätter" in die Hände des bewährten Verlages übergegangen. Das Blatt ist als Zeitschrift für Politik, Kultur, Kunst und Wissenschaft gedacht, und die breite Basis, die ihm gegeben, wie der Stamm trefflicher männlicher und weiblicher Autoren, die dem Blatte ihre Kraft leihen, lassen hoffen, daß es jeder deutschen Frau, die ihr Vaterland liebt, etwas zu sagen haben wird. Das vor uns liegende Doppelheft Januar/Februar bringt einen trefflichen Artikel: „Antisemitismus", einen Lebensabriß der jüngst Heimgegangenen letzten Enkelin Wilhelm v. Humboldts, novellistische und poetische Beitrage; für das März-Heft ist eine Lebensskizze der Altmeisterin der deutschen Frauenbewegung Frau Dr. Henriette Goldschrnidt in Aussicht gestellt. Wir können daher das Blatt auch der jüdischen Frauenwelt, Anregung und Belehrung verheißend, warm empfehlen. R. N. Sprrdjfaal. Hilfe für die jüdischen Flüchtlinge! In schwerer Schicksalsstunde wenden wir uns an alle gutgesinnten Juden. Unsere Brüder im Osten erdulden ein hartes Martyrium. Furchtbare Katastrophen sind über sie hereingebrochen. Den verheerenden Wirkungen des Krieges folgte eine blutige Pogromflut. In der Ukraine haben 70 000 Juden dabei ihr Leben eingebüßt; doppelt so groß ist die Zahl der Verwundeten und Verstümmelten! Tausende sind den Judenpogromen in Polen zum Opfer gefallen. Dort wie in anderen osteuropäischen Gebieten wütet der Judenhaß. Todesängste und Verfolgsngsschrecken jagen Zahlreiche Juden in die Fremde hinaus. Der Wanderstab heischt ihnen Rettung und Erlösung. Nach einem leidensreichen Wanderweg kommen die Heimatlosen zu uns, ihren Brüdern, Beistand suchend. Heilige Pflicht i st es, den Unglücklichen in ihrer Verzweiflung zu Helsen! Niemand darf untätig beiseite stehen. Jeder muß sein möglichstes beisteuern zum Hilsswerk für die j ü d i s ch e n F l ü ch tlinge! Bedeutende Mittel sind erforderlich zur Beschaffung von Unterkunft, Verpflegung, Bekleidung, Arbeitsmöglichkeiten und sozialer Hilfeleistung für die zahlreichen jüdischen Flüchtlinge. Allein die Einrichtung und der Unterhalt der Herberge, die wir in den von der Berliner Jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellten Räumen des alten jüdischen Krankenhauses errichten, erfordert jährlich einige hundert«usend Mark. Solche Herbergen müssen überall in Deutschland errichtet werden, wo jüdische Flüchtlinge in größerer Zahl sich aufhalten, damit sie Verpflegung und Unterkunft finden, bis sie Arbeitsmöglichkeit erhalten oder Weiterreisen können. Es darf nicht geschehen, daß unsere obnehin so schwer geplagten Brüder nun obdachlos und unversorgt dem Untergang verfallen! Vielfach sind ganze Familien mit kleinen Kindern aus der Wanderung. Frühzeitig bekommen diese Judenkinder das bittere Los des Golns zu fühlen. Tatkräftige Hilfe durch Errichtung von Kinderheimen tut hier dringend not! Zahlreiche ostjüdische Waisenkinder, deren Ernährer auf den Schlachtfeldern oder den Pogromen zum Opfer gefallen sind, befinden sich hier in trostloser Lage. Die jüdischen Waisenhäuser sind überfüllt. Gibt es eine heiligere Pflicht, als die Rettung dieser hilflosen Waisenkinder? Wessen Herz vermag ruhig zu bleiben im Angesicht all dieses jammervollen Elends? Uns allen liegt die Verwirklichung des Hilsswerkes gemeinsam ob. Traget euer möglichstes bei! Beschleunigt eure Hilfeleistung! Gros; ist die Not — dringend die Rettung! Der V o r st a n d des Verbandes der O st j u d e n in Deuts ch l a n d (Berlin N. 24, Auguststraße 17): Max L e w i t. Moritz Brenner. Rechtsanwalt F e b l o w i c z. H. G a r b a r t s k y. D. H a l t r e ch t. A. Kraus. I. L a n d a it. Tr. Wilhelm L e w y. Josef Lin. M. Reinhardt. Tr. I. Taubes. Ingenieur Mars ch a w s k y. W v h l f a h r t s k o m i t c c b e i m Verband der O st j u d e n in Deutschland: Hermann A b r a h a m. Dr. Nathan B i r n b a n m. Sanitätsrat Tr. Gustav B r a d t. Eugen Caspary. Hendrik Citroen. Heinrich F r e i r i ch. Rabbiner Grün b e r g. Tr. Iaeobus. Tr. Arthur Kahn. Ingenieur Hermann Kahn. Professor Tr. S. Kali scher. Tr. N. Katzenelsohn, Direktor der Jüdischen Kolonialbank. Geheimer Medizinalrat Professor Tr. Leopold Landau. Architekt Dr.-Jng. Max Levh. Professor Dr. Carl L ciüin. Rabbiner Tr. Lieber m a n n. Professor Dr. Heinrich L o w e. Frau Professor L o e w e. Rabbiner Dr. L ö w e n t h al. Tr. Hans M ü h s a m. Wolf Müll e r. Frau Maria O l l e n d o r f. E. Schalit. Professor Dr. Heinrich. Silber gleit. Handelsrichter Felix Struck. Dr. Jakob Tugendreich. Lina Wagner- Tauber. Dipl.-Jng. S. Weile. Rabbiner Dr. Weiße.

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