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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-02-27 · Heft 9 (27.2.1920) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 9 (27.2.1920)
Date
1920-02-27
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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jüdischen Firmen gekauft gewesen seien. Der Inhaber einer der beiden genannten Firmen erhob .gegen Weber Beleidigungsklage. Das Schöffengericht erkannteauf Freisprechung, da der Beklagte in- Wah-,, rung berechtigter Interessen und..in gutem Gkauben gehandelt habe. In der Bertlfungsverhandlung-Wurde Weber jetzt von der Strafkammer zu 250 Mark Geldstrafe verurteilt. — Regensbirrg, 20. Februar' Der „Regensburger Anzeiger" berichtet: Die Tatsache, daß ein Deutscher, der Berliner Professor Einstein, eine wissenschaftliche Entdeckung gemacht hat. die alle bisherigen Vorstellungen vom Weltbild umstürzt, und daß diese Theorien jüngst durch die Beobachtungen einer englischen Kommission bestätigt wurden, hat die Eitelkeit der Franzosen tief verletzt. Da sie aber.um die Anerkennung der Tatsache nicht herum könnenj, mäkeln sie an dein Manne herum und stempeln ihn zu einem Schweizer, den — wie das „Journal" schreibt — „die Deutschen, nachdem sie seinen grüßen Wert erkannt hatten, aus der Schweiz holten und dem sie ein Gehalt von 18 000 Mark bewilligten unter der «einzigen Bedingung, daß er in ihren Laboratorien seine Arbeiten fortsetze . . . Bedauern wir, daß keiner der unsrigen diese Entdeckung gemacht hat, wenn sie dem Entdecker ewigen Ruhm sichern soll". Wäre Einstein wirklich ein Schweizer, man könnte den Franzosen diesen billigen Trost lassen: aber Einstein ist tatsächlich kein Schweizer, er ist laut „Ulmer Tageblatt" ein Kind der Stadt Ulm, und der Schweizer Ursprung Einsteins beschränkt sich lediglich daraus, daß er vor seiner Berufung nach Berlin an der Züricher Universität wirkte. — Wenn ein Jude etwas tut, was getadelt werden kann, wird nicht vergessen, zuzusetzen, daß er „Jude" ist. Hier wird weggelassen, daß Einstein Jude ist. Ein deutscher Jude! — Kassel, 20. Februar. Eine S tiftu n g für d i e jüdische Universitätsbibliothek in Jerusalem hat Herr Simon Strauß errichtet. Die Stiftung, welche mit 10 000 Mark begründet wurde, soll eine Spezial-, „Fviedensbibliothek" werden. Diese Sammlung wird außer den eigentlichen Friedensbestrebungen die humane Ethik und Rechtsphilosophie sowie Völkerrecht umfassen. Es ist zu wünschen, daß Herr Strauß recht viele Nachahmer findet, die den Idealen und Interessen, die ihnen vorschweben, in dieser Weise auch in Jerusalem eine Stätte bereiten. Mancher Gelehrte und Künstler, Kaufmann oder Industrieller wird gern bereit sein, in ähnlicher Weise Sondersammlungen aus seinem Gebiet zu stiften, um so zu zeigen, daß das gegebene Beispiel auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Herr Strauß hat sich bereit erklärt, seine Stiftung nach Bedarf zu erhöhen. — Frankfurt a. M., 20. Februar. Dem bei der Frankfurt- Loge bestehenden „Ausschuß zur Verbreitung jüdischer Volksbibliotheken auf dem Lande" sind neuerdings wieder Mittel zur Verfügung gestellt worden, die ernE-gli-chen, eine kleine Anzahti von Büchereien zusammenzustellen und kleineren, leistungsschwachen Gemeinden auf dem Ländle leihweise zu überlassen. In der Nähe von Frankfurt a. M. liegende Ortschaften kommen in erster Linie in Betracht. Anträge jüdischer Gemeindevertretungen oder jüdischer Lehrer um Ueberlassung solcher Bibliotheken sind baldigst zu richten an den Vorsitzenden des obengenannten Ausschusses, Herrn Dr. ph.il. David Hartmann in Frankfurt a. M., Sch.efselstraße 28. 6. 8. Bocholt, 20. Februar. Anr 17. d. M. ist der Lehrer Herr Jsaac Spier im 91. Lebensjahre verschieden. Sanft schlief er ein, und ein reichbewegtes- Leben ist damit abgeschlossen. Lehrer Spier war, und das will in der heutigen Zeit -etwas heißen, eine ganze Persönlichkeit, die nie abseits stand von dem Getriebe der Welt und bis zuletzt Anteil nahm an allem, was man öffentliches Leben nennt. Bon 1866 bis 1896, also 30 Jahre lang, unterrichtete er an der hiesigen israelitischen Schule mit einem Fleiß und Eifer, den sei-ne in -alle Welt hinausgeftogenen Schüler nicht dankbar genug rühmen konnten. Auch nahm er regen Anteil an allen Gellreindeangeliegenheiten, und bis zuletzt war er Ehrenvorsitzender eines sehr reichen Segen spendenden Wohltätigkeitsvereins, den er ins Lüben gerufen hat. In den hiesigen Bürgerkreisen erfreute er sich großer Beliebtheit, und manches Kind von damals wird sich noch des „Onkel Lehrer" erinnern, der bei feinen Spaziergängen immer -eine Süßigkeit inder Tasche barg, womit er die kleinen Lieblinge erfreute.- Und nun hat der Tod den würdigen Greis, der bis zuletzt ans Sterben gar nicht dachte, sanft hinweggenornnren. Möge er nach langer mühevoller Arbeit, -nach einem reich bewegten Leben sanft ruhen! Irsnkrrich. Z Paris, im Februar. Der Großrabbi-ner von Frankreich hat Die Herausgabe einer Reihe von Büchern angeregt, die allmählich eine jüdische Bibliothek bilden sollen. , Nach den Aeußerungen, die der Großrabbiner dem Redakteur des „Univers isr-aelite" gemacht hat, wird der erste Band der jüdischen- Glaubenslehre gewidmet fein 'und den Lesern eine allgemeine Idee davon geben, was das Judentum lehrt und darstellt: auch soll er ihnen den Wunsch einflößen, das Wesen des Judentums besser kennenzulernen. Diesem Band werden ein großer Katechismus und ein jüdisches, für die Schüler bestimmtes Lesebuch folgen. „Es fehlt uns", sagte der Großrabbiner, „eine Geschi-ch.te der Juden vom Ende der Bibel bis zur Gegenwart, hauptsächlich für den Sckmlgebrauch. Die Arbeit des Herrn Reinach, die übrigens zu spät beginnt, ist erschöpft -und entspricht nicht vollständig den Bedürfnissen." Ferner soll ein Buch über den Zionismus, eines über die Geschichte des Antisemitismus und eine Tabelle der Tätigkeit des französischen Judentums seit der Revolution bis zur Gegenwart erscheinen. Parallel -mit diesem Unternehmen-wird 'beabsichtigt, eine Propaganda durch Vorträge zu führen. LnglmiL z. London, im Februar. Gelegentlich des Abschiedskonzertes des weltberühmten Warschauer Kantors Sirota in Londonhielt Stuart Sa m n e l einen Appell an die Anwesenden zur reichlichen Spende von Geldopfern für die jüdischen Kriegsopfer, wobei er auch seine Mission in Polen schilderte. Er sagte dabei u. a.: „Die Mord- und Schandtaten, die in Polen gegen Juden begangen wurden, sind solche, daß ich es gar nicht glauben konnte, daß solche Taten in einem zivilisierten Lande möglich seien. Die Tragödie der Lemberger Juden zur Zeit des Pogroms übersteigt alles, was man sich vor stellenkonnte. Zuerst überfiel man das jüdische Viertel -und raubte und 'mordete. Nachher erbrachen die Banden, ein Petr oleumlager und zündeten mit dein geraubten Petroleum die jüdischen Häuser an. Das jüdische Viertel wurde so ineine brennende Hölle verwandelt. Auf d-ie unglücklichen Juden,, die versuchten den Flammen zu entrinnen, wurde von den Banden geschossen, um ihnen iede Möglichkeit zur Rettung zu rauben. Eswirdder Vorwurf erhoben, daß mandie Zahl der Pogromopfer übertrieben hat, was ja möglich ist. Abuwas hat dies zu sagen; wenn man nur einen Inden tötet, ist -es schonzu viel und eine himmelschreiende Ungerechtigkeit." Samuel schildert dann die vielen Krankheiten und die wirtschaftliche Not, die im Ostenherrscht, wobei er bewnd-ers auf die Notlage der Waisenkinder hinweist. „In dieser Versammlung seien auch zwei Dainendes Lemberger Nettungsk-omikees anwesend, denen m-an die Möglichkeit zur Hilfe für die unglücklichen Waisen geben muß. Er appelliere deshalbmiv reichliche Spenden, di-e ja do>ppelt zählen, weil die englische Negierung -die gesammelte Summe aus ihren eigenen Fonds verdoppele." -lmrrika. Z New Uort, im Februar. Die Kampagne für den 10-Millionen- Dollar-Fonds hat seitens der Zionistischen Organisation' mit voller Wucht eingesetzt. Es besteht begründete Hoffnung, daß die Niesensumme tatsächlich in der anges-etzten Zeit aufgebracht wird. Großzügig wie die Amerikaner von jeher sind/ beschränken sich die Zionisten nicht auf die Agitation durch ihre Parteigenossen, sondern haben aucheine Reihe pcominenter christlicher Persönlichkeiten für die Agitation gewonnen. An den Spenden dürften sich in beträchtlichem Maße auch Nichtjuden beteiligen. So hat aus einer der veranstalteten Versammlungen der gewesene Staatssekretär William Jennings B r y a n , dessen politische Bedeutung neuerlich im Steigen ist, -einen warmen Llpp-ell an die Versammelten gerichtet. Er sagte u. a.: Es gibt kein größeres Ideal als den Wiederaufbau eines Landes und eines Volkes. Die zionistische Bewegung beabsichtigt mehr, als manche denken. Es ist kein Traum, sondern eine Notwendigkeit diese Wiederauslebung eines Volkes, und die ganze Welt wird davon Nutzen haben. Er hege festes Zutrauen zum jüdischen Volke, daß'es mehr chs die beanspruchten zehn Millionen-Dollars spenden werde. Nur in Palästina werden die Juden Wiederaufleben können und den Feinden, des jüdischen Volkes beweisen, was sie in Wirklichkeit sind. Zum Schluß drückte Bryan seinen festen Glauben ansdaß auch die

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