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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-02-27 · Heft 9 (27.2.1920) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 9 (27.2.1920)
Date
1920-02-27
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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außerdem 61 früher Getneldeten, im ganzen 149 in einem Monat. Unter diesen befanden sich nicht, weniger als 53 Hilfs-, Platz- und Erdarbeiter, die bei bedeutenden Jndu-striefirmen untergelbracht wurden (Z. B. bei Gebr. Kiefer, Norddeutsche Handelsgesellschaft Raider u. Burkart, Matches u. Weber, Thermosbau A.-G., Hütte Vulkan, Rheinische Stahlwerke usw.). Leider ist die Tätigkeit der Arbeitsämter bei den jüdischen Gemeinden noch viel zu wenig bekannt. Es werden immer noch große Summen aus ge geben, um durchwandernden Ostjuden die Weiterreise zu ermöglichen. Viel richtiger wäre es, wenn alle Gemeinden in Deutschland regelmäßige Subventionen den Arbeitsämtern zuwiesen. Im Bereich des Arbeitsamtes Duisburg ist dies bereits erkannt worden. Dort unterstützen. folgende Gemeinden das Arbeitsamt: Bielefeld, Bochum, Barmen, Burgsteinfurt, Bocholt, Dinslaken, Duisburg, Elberfeld, Essen, Emmerich, Hattingen, Hamborn, Herford, Herne, Kamen, Lünen, Mülheim (Ruhr), Ruhrort, Rheine, Soest, Unna, Wanne, Witten, Marburg, Wattenscheid, Steele, Schmallenberg, Hanun, Wesel. Es ist unbedingt notwendig, daß alle deutschen Gemeinden den genannten folgen. Nur so wird es möglich sein,, ein Netz von jüdischen Arbeitsämtern über ganz Deutschland zu verbreiten und damit die einzig wirksame sozialpolitische Maßnahme zu treffen, mit nicht nur den Ostjuden zu helfen, sondern auch der deutschen Volkswirtschaft eine Anzahl jetzt so dringend benötigter produktiver Kräfte zuzuführen. Berlin, 24. Februar. Eine größere Anzahl jüdischer Jugendvereine hat einer Einladuna des Bar Koch da Folge geleistet und die Gründung einer Gesellschaft vollzogen, die einen Sportplatz im Grunewald ankauft und verwaltet. Das Statut dieser Gesellschaft ist bis jetzt von ungefähr 12 Jugendvereinen angenommen.t An den Beratungen nähmen bisher sämtliche jüdischen Jugendvereine Berlins teil, vou denen die meisten ihren Anschluß ankündigten. Es ist zu erwarten, daß mit der Schaffung eines aroßzügigen Sportplatzes ein Sammelpunkt füc die jüdische Jugend Berlins ermöglicht wird. Zuschriften und Spenden werden an das Sekretariat p. Adr. I. Fuchs, Hornstraße 11, erbeten. Es sei an dieser Stelle darauf hinaewiesen, daß am Donnerstag, 4. März, ein Ball im. Lehrervereinshaus am Alexanderplatz nach vorhergehendem Konzert zugunsten dieses Zweckes stattfindet. Berlin, 24. Februar, lieber Albert E i u sie i n s Kolleg schreibt das „Berliner Tageblatt" vom 21. d. M.: Eine Stunde vor Beginn herrscht bereits reges Leben, fragt man, sucht man, tummelt man sich. 'Ein Häuflein Studenten und Studentinnen steckt vor einem Anschlag am Auditorium. Maximum die Köpfe zusammen, in dem Professor Einstein mitteilt, es sei ihm wegen des zu befürchtenden Andrangs unmöglich gewesen, die Privatvorlesung in eine öffentliche umzuwandeln. Bei der Einlaßkontrolle machen einige Wissensbegierige oder Sensationslüsterne Schwierigkeiten. Eine Viertelstunde vor Beginn sind alle Sitzplätze, Gänge und Galerien besetzt. Eine Kundgebung, auf Anregung von Professor 31cm st verfaßt, in der die Studentenschaft über den Zwischenfall vom 12. Februar unb seine Aufbauschung ihr Bedauern ausfpricht und den großen Physiker um Fortsetzung seiner Lehrtätigkeit auch in den kommenden Semestern bittet, wird verlesen und von allen Hörern unterschrieben. Endlich erscheint Einstein, mit stürmischem Jubel empfangen, hört das „Vertrauensvotum" an, dankt und setzt sofort da ein, wo er in der vorigen Woche aufgehört: bei der Unvereinbarkeit zweier Wahrheiten, des Nelativitätsprinzips und der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit. Angehörige aller Fakultäten sind erschienen, die das Was wohl weniger interessiert als das Wie. Und diele erleben das herrliche Schauspiel, wie ein Mensch mit einem Zaube.rstabe überlegen die Welt gestaltet. Klar, sachlich, jedes Wort ein Hammerschlag. Auch der Laie muß verstehen, welchen Grund das Ausland hat, uns um diesen Gelehrten zu beneiden. Und mehr und mehr werden alle von dem Gefühl durchdrungen, das Bruder Martin bei seiner Begegnung mit Gotz empfunden: „Es ist eine Wollust, einen großen Mann zu sehen." Berlin, 24. Februar. Das in Chaldäa liegende Ur, von der Bibel ' als .Heimat des Patriarchen Abraham bezeichnet, wird nun von den Engländern ausgegraben. Vor vielen Jahren hatten bereits die Amerikaner einmal den Plan gehegt, biefie ehrwürdige Stätte freizulegen, und in Wort und Schrift eifrig dafür geworben. Die Absicht geriet aber späterhin «in den Hintergrund, und die gesammelten Mittel wurden dazu benutzt, die mittelbabylonische Ruinenstätte Bismya, unter der das antike Adab begraben liegt, freizulegen. Seitdem 'das englische Gouvernement in Bagdad, dem auch eine archäo- 'llogifche Abteilung angeglliedert ist, seine Arbeiten ausgenommen hat, ist man auch auf die Erforschung der altenKu ltur de sLandes eifrigchedacht gewesen. Nach dem Erlaß eines vorbildlichen Antikengesetzes durch Sir Stanley Mau de ist man nun zu praktischen Arbeiten übergegangen. Die Ausgrabungen in Ur haben bereits zu sehr bedeutsamen Funden geführt. Man forderte eine große Anzahl von Sarkophagen in prächtiger Ausführung,, zahllose Töpferwaren und eine Reihe von Ziegelinschristen ans. Tageslicht. Besonders bemerkenswert sind zahlreiche seingeschnittene Ziegelsteine, die bis in die Zeit des Ausgangs der sumerischen Kultur (3560 bis 3000 v. Ehr.) hinanfreichen. W. Posen, 20. Februar. Die. Liga für Völkerbund Posen veranstaltete unter der Leitung ihres Vorsitzenden, Landgerichtsrats S e I l o, in den Räumen des Vereins junger Kausleute einen gut besuchten Vortragsabend. Nach der Eröffnungsansprache des Vorsitzenden gab der Redner des Abends, Rechtsanwalt Dr. Köllen scher , in hinein einstündigen Vortrage einen wertvollen zusammensassenden Ueberblick über „Die Rechte des polnischen Staatsbürgers". Hinsichtlich der Rechte des polnischen Staatsbürgers unterscheidet man drei Klassen von Rechten: 1. Das sogenannte Fremden- (Einwohner-) Recht; 2. die weitergehenden Rechte für die Staatsangehörigen- und 3. d i e Rechte der Minder h e i te n. Der Staatsvertrag gewährleistet das Recht der Minderheiten. Er unterscheidet völkische, religiöse und sprachliche Minderheiten. Für -die Minderheiten ist nicht irgendeine Größe vorgeschrieben. Die Rechte sind -im wesentlichen kultureller Art (Schulen, Erziehungs- und Religionsanstalten). An den mit lebhaftem Beifall aufgenonnnenen Vortrag schloß sich eine längere Besprechung. — Im Saale der Universitätsbibliothek fand ein Vortrag des Herrn Rechtsanwalts Dr. N e ha b über „Jüdische Gemeindefragen" statt. Tie zahlreich Versammelten zollten dem Vortragenden vielen Beifall. — Die hiesige Ortsgruppe des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat sich infolge der veränderten Verhältnisse aufgelöst. — Der Jüdischliberale Jugend verein veranstaltete in den Gesamträumen des Zoologischen Gartens ein Wohltätigkeitsfest zugunsten der jüdischen Volksküchen in Kongreßpolen. Der Reingewinn von über 5000 Mark wurde der hiesigen Synagogengemeinde zur Weitergabe nach Warschau überwiesen. Breslau, 20. Februar. In der letzten Sitzung der R e p r ä s e nt a n t e n v e r s a m m l u n g ehrte man zunächst das Andenken an den verstorbenen ehemaligen Alterspräsidenten Hermann H a m b u r g e r durch Erheben von den Plätzen. Die Gebührensätze für Trauungen und Beerdigungen beschloß man unter Abänderung eines Antrages des Gemeindevorstand.es wie folgt sestzusetzen: Bei einem Einkommen bis 3000 Mark sollen Trauungen' und Beerdigungen kostenlos erfolgen; bis 5000 Alark gegen eine Gebühr von je 20 Mark; bis 10 000 Blark je 50 Mark; bis 15 000 Mark je 75 Mark; bis 20 000 Mark je 100 Mark; bis 30 000 Mark je 150 Mark; bis 40 000 Mark je 200 Alark; bis 50 000 Mark je 250 Mark; über 50 000 Mark je 300 Mark; und von über 100 000 Mark je 500 Mark. Die Firma Leopold Jafchkowitz & Co., bisher in Kempen, hat in Breslau in-'den bisherigen Bäckereiräumen von Hermann Prussog, Tauentzienstraße 26, einen M a z z o t h b ä ck e r e i be t r i e b errichtet. Der Gemeindevorstand will dafür für die ersten zwei Betriebsjahre einen Zuschuß von je 4000 Mark bewilligen. Diesem Anträge, gibt die Versammlung ihre Zustimmung. Für die Einziehung der Synagogengemeindebeiträge erhielt die Stadt Breslau bisher als Gebühren drei vom Hundert der eingezogenen Steuergelder. Wegen der gesteigerten Ausgaben der Stadt hierfür beschloß moit, diese Gebühren auf fünf Prozent zu erhöhen. Auch die hiesigen evangelischen Kirchengemeinden müssen der Stadt erhöhte Steuereinziehungsgebühren zahlen. — Chemnitz, 20. Februar. Die a n t i s c m. i ti s ch e n V e r sammln ngen in Chemnitz im Juni und Juli v. I. -hatten vor der Chemnitzer Strafkammer ein gerichtliches Nachspiel. Am 24. Juni v. I. sollte Professor Werner (Gießen) in der „Linde" zu Chemnitz über „Deutschland und die Judennot" sprechen. Tie Versammlung wurde aber von mehrheitssozialistischer Seite gesprengt. Darauf fand am 10. Juli eine andere Versammlung im Kaufmännischen Vereinshause statt. In dieser behauptete der 3. Vor- , sitzende 'des Deutschvölkischen Bundes, Ingenieur G. Weber, unter ' Nennung von Namen, daß die Lärmmacher in der „Linde" von zwei

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