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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-02-27 · Heft 9 (27.2.1920) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 9 (27.2.1920)
Date
1920-02-27
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 christliche Welt dem jüdischen Volk mithelsen werde, sein historisches Land wiederauszubauen. Er hoffe, noch die Feier der Verwirklichung des zionistischen Ideals zu erleben, das seiner Ansicht nach allen Völkern Glück bringen wird. An weiteren Versammlungen sollen verschiedene amerikanische Staatssekretäre, darunter Baker und Daniels, für den Wiederaufbaufonds spr-echey. Auch der bekannte Philanthrop Jacob Schiff, der, wenn auch kein organisierter Zionist, so doch immer mehr und mehr der Bewegung sich anschließt, hat neben der großen Spende für den Wiederaufbau sonds einen Aufruf zu dessen Gunsten erlassen, in dem es u. a. heißt: Ick), will auf die politischen Aussichten der Frage nicht eingehen. Mögen die Juden, unter welch politischer Form innner, in nächster Zukunft leben; es genügt für mich, daß das neue Palästina sein Leben beginnen und sicherlich ein für allemal auch fortsetzen wird unter dem Schutze Englands, was für den Fortschritt sowohl in geistiger wie auch in materieller Hinsicht Garantie bietet. Es ist höchste Zeit, daß die amerikanischen Juden alle Differenzen vergessen und sich die Hand reichen, um vereinigt eine nichtpolitische Lösung der jüdischen Frage zu finden, die zufriedenstellend sein soll für alle und von der, wie ich wirklich hoffe, Palästina der Grundstein ist. Von Kgh und jFfrn. — H o o ver, der „europäische Lebensmitteldiktator" hat ein großes Hilfswerk für das hungernde Deutschland' angekündigt: in Amerika haben sich etwa 20 000 Banken zur Annahme von Spenden bereit erklärt, und diese Spenden sollen, wie aus Amerika mitgeteilt wird, bereits sehr reichlich fließen. Am 4. v. M. ist der erste amerikanische Dampfer mit 4000 Tonnen- Mehl und 50000 Kisten Milch in Hamburg eingetroffen; drei andere Dampfer sind unterwegs. Es sollen nur zwei Arten von Liebesgabenpaketen gepackt werden: das Zehndollarpaket mit 24 englischen. Pfund (450 Gramm) Weizenmehl, 10 Pfund Bohnen, 8 bis 10 Pfund Fett und Speck und 8 Dosen Milch irnd das Fünfzigdollarpaket mit 150 Pfund Mehl, 48 Dosen Milch, 10 Pfund Fett, 00 Pfund Bohnen und 20 Pfund Eorned Dees. Für rituell lebende jüdische Empfänger wird Fett durch Oel ersetzt. Das .Hilfswerk soll in engein Znsammenlpum mit der Arbeit der Quäker für die hungernden deutschen Kinder durchgefnhrt und etwa Ende des Monats begonnen werden. - Dem Geheimrat Professor Dr. K a - rews'ki wurde das Eiserne Kreuz am weißschwarzen Bande verliehen. — Der Delegierte des Roten Kreuzes Kaufmann Edmund 1 a c o b h hat das Eiserne Kreuz 2. Klasse am weiß-schwarzen Bande erhalten. Der Rentner Herr Bern h a r d Reschofsky, Berlin W 50, Geisberostraße 24, beging am 25. d. M. in erfreulicher?Frische seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar beknndet reges Interesse für alle Angelegenheiten des Judentums und nimmt an allen Ereignissen des Lebens lebhaften Anteil. — Die Einäscherung der verstorbenen Schriftstellerin und Uebersetzerin Stephania Goldenring fand am letzten Montag um 2 Uhr im Krematorium in der Gerichtstraße statt. Aus Posen wird uns geschrieben: Die Stroh großhandlung I. P r i w i n beging in diesen Tagen ihr fünfundzwanzigjähriges Geschäftsjubiläum und hat aus diesem Anlaß dem Stadtpräsidenten Herrn v. Drwcnsli 2000 Mark und den gleichen Betrag dein Borstande der hiesigen Shuagvgengemeinde für wohltätige Zwecke überwiesen. Die Firma ist vor 26 Jahren gegründet worden und unterhält heute außer dem Stammhanfe in Posen Riederlassungen in Warschau, Berlin tlnd Breslau. - In dem von den Polen neuerdings besetzten Gebiet sind vielfach Registrierungen der Wehrpflichtigen erfolgt, die außerordentlich alarmierend gewirkt haben. Hierzu wird mitgeteilt, daß nach einer Erklärung der polnischen Behörden Einberufungen nicht beabsichtigt seien. Allerdings hat der Starost von Kulm eine Verfügung erlassen, wonach sich alle Wehrpflichtigen, auch Deutsche und Juden, zur Einreihung in die polnische Armee zu melden hätten. Dabei soll es sich jedoch nur um einen „Uebergriff" handeln. In der Tat tanzen die Zivilbehörden in Polen, wie die Militärbehörden pfeifen. — Eine umfangreiche Judenhetze wird augenblicklich in Köln betrieben. An allen Straßenecken kleben Plakate des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbnndes (Sitz Hamburg), die durch Wiedergabe von Bildern aus Witzblättern Stimmung gegen die Judenpresse machen wollen und die Arbeiter zum Abschütteln «des Jndenjoches auffordern. Es werden Zettel mit-der Aufforderung zum Beitritt in den Bund verteilt. - Aus M.-Gladbach wird geschrieben: Zum Andenken an seine beiden im Weltkriege gefallenen Söhne und an die vom gleichen Schicksal betroffenen 20 Mitglieder der Synagogengemeinde hat ein Gemeindemitglied ein Denkmal gestiftet, zu dessen Weihe sich am letzten Sonntag die hiesige Synagogengemeinde auf dem israelitischen Friedhof versammelte. Hauptlehrer Fröhlich hielt eine zu Herzen gehende Weiherede, worauf noch der Vorsitzende der Friedhofskommission, Herr D. Manes, mit Packenden Worten das Denkmal in die Obhut der Fr iedhoMoinmisst on Wer nahm. — In Nürnberg verstarb kürzlich Oberlandesgerichtsrar a. D. Max Berlin im 81. Lebensjahre. Im Jahre 1873 wurde er zum Staatsgerichtsassessor in Nürnberg ernannt und damit der erste israelitische Richter in Bayern. Von da ab bis zu seiner im Januar 1909 erfolgten Versetzung ttt den Ruhestand wirkte er an den verschiedenen Nürnberger Gerichten. Er zeichinete sich durch hervorragende Kenntnisse auf allen Gebieten des Rechts sowie durch bedeutende Geistesschärfe, rasche Auffassungsgabe und Vertrautheit mit den Verhältnissen des praktischen Lebens aus und galt Nicht bloß als einer der Besten unter den Nürnberger Juristen, sondern er war auch aus«"dem Gebiet des Strafrechts und Strafprozesses vorzüglich bewandert und dank seiner Gründilichkeit, Klarheit und Gewandtheit ein vortrefflicher Schwurgerichtsvorsitzender. Im persönlichen Verkehr war er außerordentlich liebenswürdig, Im stillen hat er viel Gutes gewirkt und manchem Bedrängten geholfen. Aus Wien wird gemeldet: Bernhard Stern, Bürgermeister von Buczacz, Mitglied des letzten österreichischen ltnb des jetzigen Polnischen Abgeordnetenhauses, ist, 72 Jahre alt. verschieden. Als Jude trat er, der dem Polenklubanaebörte, wenig hervor. Einmal stellte er den Antrag, den Tag des jüdischen Versöhnuv.g%ksbs für das Abgeordnetenhaus als sitzungssrei zu erklären; der Antrag ging jedoch nicht durch. — In einer Sitzung des Londoner russisch^jüdischen L i te r a t n r g e s e l l s ch a f r machte Dr. N. Wischnitzer die Mitteilung von der jüngst ersolgten Entdeckung einer polnisch-jüdischen Handschrift. Der Verfasser der HandWrist ist ein jüdischer Kaufmann namens Berel aus Bolechow in Galizien, der im 18. Jahrhundert gelebt hat, die hebrä-i sch--polnische, deutsche, lateinische und «englische Sprache vollkommen beherrschte und in den Literaturen dieser Sprachen belvandert tvar. Seine handschriftliche Arbeit wirft ein interessantes Licht auf die inneren Verhältnisse der polnischen Inden während des 18. Jahrhunderts sowie -auf ihren wirtschaftlichen Einfluß, ihren Bildungsgang, ihre Sitten und ihr Verhältnis zur jüdischen Bevölkerung. — Aus, einer in London abgehaltenen Versammlung, in der We izm-an n in einer zweieinhalbstündigen Rede einen Bericht über die Lage im Zionismus erstattete, wurde beschlossen, an der Jerusalemer Universität eine Fakultät nach Weizmann zu benennen. Die Zionistische Föderation verpflichtet sich, 5000 Pfund für diesen Ztveck zu widmen. Auf der Versammlung selbst wurde eine bedeutende Summe für diese Fakultät gesammelt. - - Wie verlautet soll Chacham Dr. G a st e r demnächst von der rumänischen Regierung zum Mitglied der rumänischen Akademie ernannt werden. — Am 1. Januar ist das Schiss „Tirol" in Jaffa angelangt. Es hatte 70 jüdische Seelen an Bord, meistens' Auswanderer aus Polen, unter denen sich der bekannte jüdische Dichter L. Joffe aus Wilna befand. — Wie der „Haarez" vom 27. Februar berichtet, wird demnächst ein zlveites Emigrantenschiff aus Odessa nach Palästina ab,gehen. — Aus Triest wird unter dem 8. Februar gemeldet: Mit dem heutigen Dampfer sind 60 Personen verschiedenen Alters, Berufs und Geschlechts nach Palästina abgeveist. — Aus New Dort wird geschrieben: Tr. Isidor Singer, der Herausgeber und Chefredakteur der „Jewi-sh Enchclopedia". beging jüngst bcn 60. Geburtstag. In Mährisch-Weißk'irchen geboren, studierte er in Wien und m Berlin, wo er Schüler von Lazarus und von Steinthal war. Da er in Europa keinen Verleger für die von ihm ins Auge gefaßte Herausgabe einer jüdischen Enzyklopädie findet, onnte, ging er 1896 nach Amerika. Verantwortlicher Redakteur: Albert K a tz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Masse.

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