Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-02-27 · Heft 9 (27.2.1920) · p. Seite 108

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 9 (27.2.1920)
Date
1920-02-27
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3229443-3229452--75580-3288095
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

108 - der Geschichte des Handwerks nicht verzeichnet. werden kann. Der Vater stayd an der Wende zweier Epochen.. In den Umschwung der Anschauungen und den Wandel der Geister wurde auch die mechanische Arbeit hineingerissen, und die Revolutionierung, die hier erfolgte, ist für alle Zukunft entscheidend geblieben. ' (Schluß folgt.) Mrhrtl euch! (Purim-Maihnrus.) ns längst verrauschten Zeiten tönt heut zu uns ein Klang, Sein Anfang ist nur Klage, sein Ende froher Sang, Was uns die Klage meldet, ist Lual und bittere Not, Ist Furcht vor dem Verderben, ist Grauen vor dem Tod. Und was.wie Heller Jubel uns klinget aus dem Lied, Das ist der Sieg des Guten, vor dem die Bosheit flieht. Der Haß hat es ersonnen und Neid und Niedertracht, Daß einst im Perserreiche für Juda kam die Nacht. Und Lug und Trug und Tücke entfachten dort den Brand; Er wälzte sich vernichtend durchs weite Perserland. Es drang in Jakobs Zelte hinein die heiße Glut; Da starb in jedem Herzen der kühne KamPfeSmut. Ergeben in das Schicksal erharrten sie den Tod, Und niemand wagt' zu trotzen des Hanrans Machtgebot. Schon naht des Schicksals Ende; die Mordgier brüllt durchs .Reich; Da klang die KamPfeSlofung: „Ihr Männer, wehret e u ch!" Die zagen Jakodssöhne, sie griffen kühn zur Wehr; Die Feinde waren Lüge .llnd der Verleumdung Heer. Nun war's ein Kamps für Wahrheit, für heil'ges Menschen- Die frevelnd zu vernichten, ein Haman sich erfrecht. Irecht, Und sieh', in Susa endet ruhmvoll der heil'ge Krieg: Die Wahrheit triumphierte; das Recht errang den Sieg. So half zum Sieg, zur Rettung dereinst im Perferveich Die kühne Kampfeslosung: „Ihr Männer, wehret euch!" — Laßt heute neu erklingen dies Losungswort mit Macht; Der Haß vergang'ner Zeiten ist lodernd jetzt erwacht. Er tobt in unfern Toren; aus Lüge trinkt er Kraft, Schwingt gegen uns die Waffen mit roher Leidenschaft. Wer mag da zaudernd stehen, wo frech die Lüge höhnt? Nur durch den Kampf für Wahrheit wird Wahrheit erst gekrönt. Habt ihr dazu nicht Waffen im eigene n Bereich? Sie ruh'n im Geist und Herzen! -- Wohlan, so wehret euch! Im Streite gegen Lüge, den Neid und den Verrat Geb' euch der Geist das Rüstzeug, lehr' euch das Herz die Tat. Doch eure Hand, die Waffen für heil'ge.Sache führt. Sie fei von Schuld und Fehle stets rein und unberührt. Dann erst wird sich's erfüllen: „Durch Kampf geht ihr zum Sieg"; Dann schließt ein schöner Frieden den wilden Bruderkrieg. Gelstnkirchen. S. Katz. Msdchengkdlcht kür Kurim. ^r^iel Frauen preist die Gottesschrist Als Vorbild aller Zeiten. Wenn man die Namen überprüft, Nicht leicht ist's, zu entscheiden. Welcher von ihnen die Palme gebührt, Daß wir bewundernd schauen: . Sie hat das herrlichste Werk vollführt, Ist die edelste der. Frauen. Wir lieben Rahel, Debovah und Ruth, Hanna und Moses Schwester; Aber keine gefällt uns so gut . Wie die Königin Esther! , Das war ein jüdisches Waisenkind, Das Vater und Mutter verloren — Und doch, wie Gottes Wege sind. Zu höchstem Tun erkoren) Der finstere Haman braut Judenmord In allen persischen Landen. ■ Israels Kraft aber schien verdorrt, Nicht Helfer, noch Retter sich fanden. In Sack und Asche, mit wankendem Knie, Harr'n sie des Endes mit Beben; Esther aber war mnt'ger als sie. Wagte ihr junges Leben. Sie hat es gewagt, sie hat es geschafft. Und den Verderber vernichtet; Besiegt durch schwache Weibeskraft, Hat er sich selbst gerichtet. In der heiligen Sprache wird Esther genannt Hadassa oder die Mhrthe; Ihr grünender Zweig ist wohlbekannt Als Sinnbild bräutlicher Würde. O möget, ihr Mädchen, allesamt Hadassa, der Myrthe, gleichen Und, für daS Gottesvolk enfflammt, Das edelste Vorbild^erreichen! Wir lieben Rahel, Deborah und Ruth, Hanna und Moses Schwester; Aber keine gefällt uns so gut ' Wie die Königin Esther! Frankfurt n. d. O. Martin 5 a ( o m o » \ t i. Literarische Kotigen. Z u r Geschichte de r I uDen Braun f chwei g s. Henri Behle hat unter dem Pseudonym Stendhal in Zahlreichen Schriften den Geist des, Anfangs des 19. Jahrhunderts als tief dringender Sbelenkün-der. gespiegelt. Erst in den letzten Jahren wurde sein Tagebuch in Braunschweig von 1807/08 entdeckt, das nun, aus dem Französischen von V. Schüler übersetzt, im MusariomVerlag zu München erschienen ist. „Jacobsohn", schreibt er darin S. 51, 57, „ist der einzige von all unseren Bekannten in Braunschweig (er nennt neben französischen Beamten meist Adlige des Landes), welcher wirklich Geist hat. Daneben besitzt er die ganze Gerissenheit eines Juden sowie zwei Millionen. Er hat viel orientalische Einbildungskraft, spricht aber nicht gut Französisch, und seine Eitelkeit ist zu offensichtlich. In den Bädern von Helmstedt, wo man ihm schmeichelte, hat er aus Eitelkeit 2000 Taler ausgegeben. Wenn man ihn. lange umschleicht, kann, man ihn dazu bringen, 10 000 auszugoben; in seinem Haushalt aber bleibt er immer knickerig wie ein Jude. Sein Wort an die Herzogin über das Agio der Religion ist hübsch" F. L i e b e r m a n n. * ‘ Der während des Krieges in Stockholm gegründete Verlag „Judäa" ist in den letzten Wochen reorganisiert und in seiner Hauptstelle nach Berlin verlegt worden. Der Verlag beabsichtigt hier die Herausgabe von Schriften über politische und ökonomische Fragen des jüdischen Lehens, und zwar sowohl in jiddischer als auch in anderen Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch). Als erste. Ausgabe in Deutschland erscheint bereits in den nächsten Wochen ein größeres Buch über die Pogrome in der Ukraine. Die literarische Leitung des Verlages befindet sich in den Händen des bekannten Schriftstellers Leon C h a s a-n o w i t s ch. Die Geschäftsstelle befindet sich Berlin- Wilmersdorf, Bregenzer Straße 1—2.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.