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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-02-27 · Heft 9 (27.2.1920) · p. Seite 105

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 9 (27.2.1920)
Date
1920-02-27
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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-105 — besten Republikaner abgibt. — dann,, hat meine Rede ihren Zweck erfüllt." Bei derselben Gelegenheit begrüßte der englische Botschafter die Vertreter des Ordens mit folgenden Worten: „Seien Sie versichert, es gewährt mir ein wahres Vergnügen, einer Versammlung dieses großen internationalen Bundes beiwohnen zu dürfen, der so viel Gutes geleistet hat. Es ist mir dies ein um so größeres Vergnügen, als ich gleich dem Präsidenten den Vorzug habe, sehr viele Juden zu meinen persönlichen Freunden zu zählen . . . In England wird niemand wegen seiner Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben irgendwie zurückgesetzt. , Ich bin hierauf stolz. Ebenso kann ich mit Stolz erklären, daß es keine besseren Menschen gibt, die wir höher achten und die wegen ihres Charakters und ihrer persönlichen Eigenschaften sich einer größeren Wertschätzung erfreuen als die Angehörigen Ihrer Glaubensgemeinschaft in England... Ich wünschte, die Länder, in denen diese Grundsätze der Freiheit und Gleichheit noch nicht völlig anerkannt sind, würden einsehen. wieviel sie durch ihre Intoleranz verlieren." Außer den Arbeiten auf charitativem und erzieherischem Gebiete erwuchsen dem Orden gerade unter dem Regime des jetzigen Ordenspräsidenten neue Aufgaben von größerer Bedeutung, zu deren Bewältigung die unermüdliche Arbeitskraft und staatsmännische Klugheit unseres Meisters erforderlich waren, und zwar die Frage der Einwanderung der russischen Juden nach Amerika und die Paßfrage der amerikanischen Juden in Rußland. Die verschärften Ausnahme-' gesetze gegen die Juden im Zarenreiche, die dort sich wiederholenden Pogrome zwangen Hunderttausende unserer Glaubensgenossen, den Wanderstab zu ergreifen. Aber diesen jüdischen Emigranten öffneten sich nicht, wie einst den Hugenotten, die ebenfalls ihres Glaubens willen ihr Vaterland verlaßen mußten, hilfreiche Hände, sondern überall, wohin diese jüdischen Flüchtlinge gekommen waren, erscholl ihnen der Schreckensrus entgegen: „Bis hierher und nicht weiter!" Der Orden mit seinem rührigen und arbeitsfreudigen Präsidenten Kraus war es nun, der in mehreren Audienzen bei dev Regierung der Vereinigten Staaten erwirkte, daß die Einwanderungsgesetze milder gehandhabt würden. Für die Ankömmlinge errichteten die Logen Abendschulen zur Erlernung der englischen Sprache und der amerikanischen Bürgerkunde sowie Hilfskomitees zur Raterteilung und Obdachgewährung, bis sie zu Stellung und Brot gelangt waren. Mit noch größerem Erfolge wurde der Kampf gegen die Paßsrage geführt. Das zaristische Rußland, das vor dem Kriege fast von der ganzen Welt gefürchtet wurde, glaubte, die jüdischen Staatsbürger anderer Länder ebenso schikanösbehandeln zu dürfen wie seine eigenen Juden. Dagegen bäumte sich der Stotz der im Lande der Freiheit erzogenen amerikanischen Bürger auf. Im Verein mit den angesehensten Adolf Braus (Chicago)' Präsident des Unabhängigen Ordens Bne Brith. Israeliten Amerikas und mit den im politischen Leben eine Rolle spielenden Ordensbrüdern, wie Simon Wolf und Oberst Harry Cutter, wurden scharfe, die Beseitigung der Paßschwierigkeiten für die in Rußland reisenden amerikaruschen Juden fordernde Resolutionen gefaßt, die dem damaligen Präsidenten Taft, den Mitgliedern des Senats und des Kongresses der Union übermittelt wurden. Die Regierung wurde in mehreren Audienzen ersucht, nachdrücklichst bei der russischen Regierung vorstellig zu werden. In diesem Kampfe wurden unsere Glaubensgenossen von vorurteilsfreien Männern anderer Konfessionen sowie auch vonhohen Geistlichen aufs beste unterstützt; denn sie evblickten in dieser ungerechten Behandlung amerikanischer Bürger jüdischen Glaubens nicht nur eine Gewaltmaßvegel gegen die Juden, sondern auch eine schwere Beleidigung des amerikanischen Volkes. Um diese Zeit des Kampfes schrieb der Kardinal Gibbons: „Jeder Freund der Humanität muß die planmäßige Verfolgung der russischen Juden aufs tiefste bedauern. Wenn ich bedenke, wieviel wir dem jüdischen Volke verdanken, dann kann ich nicht verstehen, wie ein Christ andere als freundliche Gefühle gegen das Judentum hegen kann." Der Bischof Fallows forderte die sofortige Aushebung des zwischen Rußland und der Union bestehenden Handelsvertrages. Aber das zaristische Rußland, um besten Gunst damals die Völker Europas so würdelos buhlten, daß manche Regierung sich sogar so weit erniedrigte, dem Moskowiter Schergen- und Spitzeldienste zu leisten, glaubte all diese Vorstellungen nicht achten oder sie mit einem „Niczewo" abtun zu sollen. Das freie Amerika ließ sich diese hochmütige Nichtachtung eines halbasiatischen Landes nicht gefallen und beschloß, die Kündigung des zwischen den Vereinigten Staaten und Rußland im Jahre 1832 geschlossenen Handelsvertrages. Als Sympathielbeweis für -den U.O. B. B. übersandte der Präsident Taft der Ordensleitung die Feder, mit -der er die Kündigung unterzeichnet hatte. Aus Dankbarkeit für die humane Gesinnung und das mannhafte Eintreten des amerikanischen Staatschess in der Paßsrage und in anderen Fragen, die für die jüdische Gemeinschaft Lebensfragen bedeuten, beschloß das Exekutivkomitee des Ordens rm April 1912, dem Präsidenten Taft die vom Orden rm Jahre 1911 gestiftete Toleranzmedaille zu verleihen. (Diese Medaille wird vom Orden alljährlich demjenigen -zuerkannt, welcher im abgelaufenen Jahre durch Wort und Tat am meisten zur Wohlfahrt der Ju-denhe-it wie zur Hebung des jüdischen Ansehens beigetragen hat. Die Verleihung geschieht ohne Rücksicht auf Geschlecht und Glaubensbekenntnis.) Die U Überreichung -der Medaille erfolgte im Januar 1913 im Roten Zimmer des Weißen Hauses zu Washington durch das Exekutivkomitee, bei welcher Gelegenheit der Ordenspräsident Kraus eine gehaltvolle Ansprache hielt, aus die der Präsident Taft mit anerkennenden Worten für den jüdischen Stamm und den- Orden antwortete. Er schloß mit folgenden

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