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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-02-20 · Heft 8 (20.2.1920) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 8 (20.2.1920)
Date
1920-02-20
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Herrn Drl Plaut waren von vornehmer Sachlichkeit getragen und zeugten von tiefgründiger, praktischer Keütttnis dieses so außerordentlich 'wichtigen Gebiets. ■ Reicher Beifall 'folgte -dem Vorträge, welchem sich -eine interessante Aussprache Mfchlotz. - Blotho a. d. Wdser, 13. Februar. Hier feierte unter herzlicher Teilnahme aller Gemeindemitglieder und« vieler christlichen Freunde Frau Berta G u t m a n n ihren - siebzigsten Geburtstag. Die rüstige'Siebzigerin, die sich in ihrem eigenen Anwesen noch in starkem Maßelandwirtschaftlich betätigt, besucht nicht nur allsablbatlich das Gotteshaus, sondern sie nimmt auch im. übrigen am Wohl und Wehe unserer Gemeinde Len regsten Anteil, Frau Gutmann hat mannigfache.Beziehungen, zum LehrerstanLe. Sie ist die Witwe des hier in gesegnetem Andenken stehenden; Lehrers Isidor G u t m a n n, die Mutter des' Senrmar-direktors Dr. Gutmann (Berlin) und die Schwiegermutter des Üehrers Max Mayer zu Witten a. d. Ruhr. ' — Dtatzfurt, 13. Februar. Der Herausgeber des „Staßfurter Tageblatts", . H o t ten r o t t, der in der letzten Zeit in maßlosen Angriffen sich gegen das I u d e n t u m wandte und die Juden als Fremdkörper im deutschen Volke gekennzeichnet hatte, ließ auch an den hiesigen Mitbürgern jüdischen Glaubens kein gutes Haar. Unter anderem glaubte er nicht verstehen zu können, wie ein jüdischer Arzt Dr. Ri eg.-er als Vorsitzender des Vereins für Heimatkunde fungiere, da „ein Jude ja gar keine Heimat habe". Für diese und andere niedrige Verunglimpfungen des namentlich in Arbeiterkreisen sehrgeschätzten Arztes ist ihm eine Rächerin in seiner evangelischen Ehefrau erstanden.. In begreiflicher Erregung über die Angriffe gegen die Ehre ihres Mannes verabreichte sie gelegentlich einer Theatervorstellung dem anwesenden Zeitungsverleger Hottenrott in Gegenwart des Publikums einige derbe Ohrfeigen. Der Zwischenfall erregt hier berechtigtes Aufsehen. V Frankfurt a. M., 13. Februar. Die jüdischen Lehrervereine haben eine Arbeitsgemeinschaft begründet. Folgende Vereine gehören der Arbeitsgemeinschaft an: Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche, Bund gesetzestreuer Lehrer, Bayerischer Lehrerverein, Israelitische Lehrerkonferenz Hessen. Die Geschäftsstelle befindet sich in Frankfurt a. M. Ihr gehören die Herren Dr. Phil. Höxter, Realschnllehrer Ochsemann und Mittelschullehrer Flörsheim an. Zuschriften sind an Herrn Dr. H ö x t e r , Frankfurt a. M., Friedrichstr. 50, zu richten. Die Arbeitsgemeinschaft sieht sich zu folgender Erklärung veranlaßt: Die von Tag zu Tag sich steigernden Teuerungsverhältnisfe zwingen die Arbeitsgemeinschaft, von den jüdischen Gemeinden . die ' Gewährung des Existenzminimums für ihre Lehrer zu fordern.' Es ist die unabweisbare Pflicht der jüdischen Gemeinden, ihren Lehrern Bezüge in solcher Höhe zu sichern, daß die jüdischen Lehrer den in denselben Orten wirkenden Volksschullehrern im Gehalte gleichkommen. Leistungsschwache Gemeinden wollen sich um Zuschüsse an die in Betracht kommenden Organisationen wenden oder sich zu leistungsfähigen Verbänden mit Nachbargemeinden zusammenschließen. — Die Arbeitsgemeinschaft hat den Anschluß an den Deutschen Beamtenbnnd in die Wege geleitet.. . Marburg, 13. Februar. Im Schloßgarten sprach vor kurzem Herr Pastor Thimme über das Thema „Antisemitismus und Christentum". Der Einladung zu dem Vortrage, in dem Thimme dem Judentum gerecht werden wollte, war auch eine große Anzahl jüdischer Mitbürger gefolgt. Die überaus taktvolle Geschäftsführung des Herrn Rektor Hentze bewirkte, daß die weihevolle Stimmung, die von Anfang an über der . Versammlung lag, bis zum Schluß anhielt und daß sich die Veranstaltung zu ei nein Familienabend gestaltete. Thimme schilderte in glänzender Darstellung, mit Einfügung herrlicher Schriftstellen, die wechselvolle, oft sotragische Geschichte des Judenvolkes, ihre Verfolgungen im Altertum, zu Jnno.nzenz' IV. und Luthers Zeiten. Trotz aller Verfolgungen haben die Juden treffliche Eigenschaften, wie Pietät, Familiensinn, Nüchternheit, geistige Regsamkeit, entwickelt, einzelne Schlacken vom Getto her haften ihnen natürlich an. Nur.eine 'ehrliche Aussprache über die beiderseitigen Fehler kaum hier eine Besserung bringen. Restlos dankbar müssen wir dem jüdischen Volke für die Bibel sein, die, Geist von ihrem Geist, unser gesamtes Kulturleben mit ihrem Hauche erfüllt. In der anschließenden Aussprache ergriffen - unter anderem Professor Baumgarten, Pofisekretäx Käppler, Professor Jaeobsohn und Studienrat Weichelt das Wort, erklärten sich mit dem Redner rinverstanden und unterstrichen seine Worte. Herr Studienrat Heintze vertrat die Gegenseite. Wie Thimme ausdrücklich sagte, wollte er den Antisemitismus nur von. der religiösen, geistigen Seite her erschüttern. Es käme nur darauf an, das Problem auch einmal von der politischen, wirtschaftlichen und Rassenseite zu beleuchten, denn diese Fragen sind heute besonders brennend. 1. Luupheim (Württemberg), 13. Februar. Der Seniorchef der Firma I. Bergmann u. Co., Herr Joseph Bergmann, noch heute an der Spitze seiner Fabrik stehend, feierte in Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar, der durch Fleiß, Energie, Umsicht und Tatkraft aus kleinen Anfängen sein Geschäft zu einem der bedeutendsten gemacht hat, das den Weltmarkt beherrscht, erfreut sich allgemeiner Wertschätzung und wird besonders von seinen zahlreichen Angestellten und Arbeitern wie ein Vater geliebt und verehrt. Deputationen mit Ansprachen, d'e kostbare Blumen überreichten, brachten ' das zum Ausdruck. Bei Wohlsahrtsbeftrebungen steht der Jubilar mit seinenreichen Spenden immer an der. Spitze der Unternehmungen. Seine Verdienste sind mehrfach -durch Verleihung von Orden anerkannt worden. Amerika, Z. New Uork, im Januar. Zu einer Gedächtnisfeier für den 191.4 verstorbenen Präsidenten des Jüdisch^Theo-logischen Seminars, Dr. Salomon Schechter, versammelten sich zahlreiche führende Persönlichkeiten der jüdischen Wissenschaft in Amerika in der Seminarsynagogo. Rabbiner Dr. G o l d s a r b vorn Beth-Jsrael- Tempel in Brooklyn leitete die Trauerandacht. Nachdem Tr. Cyrus Adler, der .gegenwärtige Leiter des Seminars, mit einigen einführenden Worten das Fortschreiten und Wachsen des Instituts hervorgehoben hatte, feierte Rabbiner Dr. Jacob Kohn das Gedächtnis des verstorbenen Meisters der Wissenschaft des Judentums. Er erinnerte an Dr. Schechters Amtsantritt, der 1902 nach seinem Verzicht aus den Lehrstuhl für rabbinifche Wissenschaften in Cambridge zur Leitung des Seminars berufen wurde, das unter seiner Aegide zum Mittelpunkt aller jüdischl-wissenschastlicheu Arbeit in Amerika wurde und Schüler aus allen Ländern anzog. Die traditionellen Gebete beschlossen die Trauierfeier. — Die trostlose Lage der jüdischen Gefangenen in Sibirien, hat die Hilfsbereitschaft der amerikanischen Juden geweckt. Nach Berichten, welche die amerikanische ziouistische Organisation erhalten bat, befinden sich 5000 bis 10 000 jüdische Kriegsgefangene, hiervon über 1700 Offiziere, m Sibirien, die in über 15 Lagern von Omsk bis nach Wladiwostok oerstreut sind. Die Gefangenen unterliegen einer unmenschlich strengen Diszipli-narbehand-lung, die überall in den sibirischen Gefangenenlagern trotz des Waffenstillstandes herrscht. Die jüdischen Gefangenen versuchen, sich ain Leben zu erhalten, indem'sie besonders in Hausindustrien, wie bei der Herstellung von Zigarren und Zigaretten, Arbeit verrichten. Das amerikanische ^oint Distribution Committee hat auf Veranlassung von Mr. Jacob H. Schiff den Betrag von 100 000 Dollar zürn Zwecke der Repatriierung der jüdischen Gefangenen in Sibirien bewilligt. Es sind bereits. Verhandlungeu mit den zuständigen Regierungen über den Rücktransport der unglücklichen Kriegsopfer angeknüpft. Von Ksh und Lern. — Der D e u t s ch - I s r a e l i t i s che G e m e i n d e b u n d und der Verband der Deutschen Juden haben gemeinsam Vertreter von Gemeinden bzw. den Landes-- und Provinzialorganisationen sowie den führenden Bereinigungen aller Richtungen und Gruppen im deutschen Judentum zur Beratung . eines, Berfasfungs - entwürfe s für d i e G e s a m t o r g an i sa ti o n der deutschen Inden eingeladen. — Die Repräsentantenversammlung wählte in der letzten Sitzung den Abteilungsdirektor an der Staatsbibliothek Dr. Gotthold Weil zum Mitglied der Bibliothekskommission und entsandte Herrn Benäs Levy als Mitglied der Versammlung in den Vorstand der Moritz, und Bertha Manheim er schon Familien sti stu ng. — Der V e r e i n fü r A r b e i t s n>a ch w e i s richtet je^t 'für unbemittelte jüdische Frauen imd Mädchen Lehrgänge für Stenographie und Schreibmaschine ein. Meldungen zu diesen Kursen sind zunächst schriftlich an den Verein zu richten. ' Diese Kurse sind vollkommen

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